MELANCHOLISCHES MORDRÄTSEL...
Reykjavík, Anfang der 70er-Jahre: Jacob Kieler junior wird tot in seiner Villa gefunden. Erschossen. Auf der Suche nach Mordwaffe, Täter und Motiv erfährt die Kripo Reykjavík, dass einige Jahrzehnte zuvor der Vater des Toten, der Ingenieur Jacob Kieler senior, auf exakt die gleiche Weise umgebracht wurde. Es war der größte Wunsch des Vaters, auf Island ein Eisenbahnnetz verlegen zu lassen, doch sein vorzeitiger Tod setzte damals diesem Traum ein jähes Ende ...
Viktor Arnar Ingólfsson schafft mit seinem Krimi ein melancholisches Mordrätsel in isländischer Kulisse und lässt dabei allerlei historische Begebenheiten des Landes mit einfließen. Der geplante Bau einer Eisenbahn beispielsweise und die Geschehnisse in und um den Zweiten Weltkrieg. Hier steht tatsächlich der Mordfall selbst im Vordergrund, die Familie, in der nach dem Vater im Jahre 1945 nun auch der Sohn mit offensichtlich derselben Waffe erschossen wurde. Die Charaktere der ermittelnden Polizeibeamten werden zwar bildhaft dargestellt, doch werden die Ermittlungen nicht durch ausführliche Einblicke in das Privatleben der Polizisten verwässert.
Der Leser ist stets auf dem selben Wissensstand wie die Polizei und erfährt zunehmend mehr über die Familiengeschichte der Kielers - und mehr als eine tragische Figur tritt dabei zutage. Trotz zunehmender Erkenntnisse bleibt es bis kurz vor Ende ein mysteriöses Rätsel, wer denn nun Jacob Kieler junior umgebracht hat - und das Ende kann tatsächlich überraschen.
Leider handelt es sich bei dieser 3 Stunden und 58 Minuten währenden Hörbuchausgabe des Krimis von Viktor Arnar Ingólfsson um eine gekürzte Ausgabe, und ich vermute, dass es vor allem daran liegt, dass mich die Erzählung nicht wirklich fesseln konnte. Das Erzähltempo ist ein langsames, bedächtiges, und dazu gehört auch, dass die einzelnen Handlungsstränge Zeit benötigen, um sich zu entfalten - doch durch die Kürzung erscheint das ganze oftmals zu komprimiert und lieblos. Manche Szenen wirken dabei einfach wie aneinander geklatscht und zusammenhanglos.
Man muss melancholische Töne mögen, um in diesen Krimi wirklich einzutauchen. Doch wenn hier keine Kürzungen vorgenommen worden wären, hätte mir der Roman sicherlich um ein Vielfaches besser gefallen. So konnte ich wohl nur einen deutlich abgeschwächten Eindruck von dem gewinnen, was der Autor eigentlich erzählen wollte. Das finde ich - wie so oft bei gekürzten Fassungen - sehr bedauerlich.
Wen die Geschichte also anspricht, der möge auf das Hörbuch verzichten und zum eigentlichen Buch greifen. Denn intelligent gestrickt ist der Krimi in jedem Fall.
© Parden
Viktor Arnar Ingólfsson
Alle Bücher von Viktor Arnar Ingólfsson
Bevor der Morgen graut
Haus ohne Spuren
Neue Rezensionen zu Viktor Arnar Ingólfsson
Bevor der Morgen graut ist in Kapitel aufgeteilt, die den einzelnen Tagen der Ermittlungen in den betreffenden Mordfällen entsprechen. Unterkapitel gliedern sich wiederum nach der Uhrzeit und beschreiben meist die Handlungen verschiedener Personen aus dem Ermittlungsteam.
Ich muss sagen, dass es schon ein bisschen gedauert hat, bis ich mich so richtig mit dem Buch anfreunden konnte.
Gleich auf den ersten Seiten ist die Rede von der Hitze, die für Mensch und Tier unerträglich sei. Nun, angesichts der Tatsache, dass der Roman in Island spielt, fand ich das ein wenig übertrieben. Mir ist weder ein Tier, noch ein Mensch bekannt, der im Sommer unter der isländischen Hitze leiden würde. Auch nicht bei 25 Grad. Und das ist schon viel.
Aber ich bin ja keine Isländerin (und auch kein Rentier), also wollte ich darüber dann auch nicht weiter nachdenken und habe mir von so etwas nicht den Lesespaß verderben lassen.
Das war auch gut so, denn Bevor der Morgen graut hat es später doch noch noch geschafft mich zu fesseln. Obwohl vorher noch einige Gänse erschossen werden und der Autor ein wenig über die Gänsejagd schwadroniert (was ich gelinde gesagt furchtbar fand).
Nach und nach erfährt man mehr über die Hauptfiguren, die Polizisten Birkir und Gunnar, sowie über andere Personen aus ihrem Team. So soll wohl bei den Lesern eine Sympathie für die Protagonisten geweckt werden. Das hat leider für mich nicht besonders gut geklappt. Die Figuren boten (für mich) relativ wenig Identifikationspotential, waren nicht hinreißend sympathisch und ihre Handlungen und Gefühle oft nur schwer nachzuvollziehen. Naja, es handelt sich eben um einen Kriminalroman, der von Spannung lebt und nicht von Sympathie.
Ein weiterer Kritikpunkt war für mich die relativ hohe Anzahl an Figuren, die man leicht durcheinander bringt, sodass es schwer wurde selbst eine Theorie zu den Morden zu entwickeln.
Auch das Ende fand ich ein bisschen enttäuschend, allerdings nur die letzten zwei, drei Seiten. Die Gefühle der handelnden Figuren werden kaum mehr beschrieben und obwohl die gefährliche Situation noch nicht durchgestanden ist, erscheinen die Figuren ruhig und gleichgültig, das Ende kommt ganz plöztlich, da hätte man mehr draus machen können.
Wie bereits angedeutet hat mich das Buch trotzdem gefesselt. Die Geschichte war spannend und außergewöhnlich und an manchen Stellen verwirrend, sodass man als Leser teilweise selbst genauso ratlos aus der Wäsche schaute, wie die Polizisten aus dem Roman.
Besonders gelungen fand ich die Figur Emil Edilons, eines Schriftstellers der sich oft mit einem der Polizisten über Literatur unterhält. Ich kann mir vorstellen, dass diese Figur dem Autor selbst entspricht, der in seinem Buch auf einer Metaebene ironisch über sein Buch spricht und das fand ich ganz ganz großartig!
Dieses Phänomen und die Geschichte selbst haben mich doch noch einigermaßen überzeugt, auch wenn ich sonst sehr viel an Bevor der Morgen graut zu kritisieren hatte...
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