Paranoia

von Viktor Martinowitsch 
4,0 Sterne bei1 Bewertungen
Paranoia
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Spannende Story, Wundervoll geschrieben, aber das Ende ist leider etwas überspitzt.

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Inhaltsangabe zu "Paranoia"

Ein totalitäres Regime im Osten Europas. Der junge Schriftsteller Anatoli lebt relativ unbehelligt – bis die geheimnisvolle Jelisaweta in sein Leben tritt, mit der er eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Doch plötzlich ist Jelisaweta spurlos verschwunden und Anatoli wird vom omnipräsenten Geheimdienst zum Gespräch gebeten. Einige Verhöre später ist Anatoli hinabgezogen in den bedrohlichen Strudel der falschen Behauptungen, Lügen und Intrigen. Die Grenze zwischen Realität und Albtraum löst sich auf. Die Paranoia schlägt zu.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442714186
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:13.06.2017

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    handverlesens avatar
    handverlesenvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Spannende Story, Wundervoll geschrieben, aber das Ende ist leider etwas überspitzt.
    Blumige Sprache - Spannende Story - Diskussionswürdiges Ende

    Diktaturen in Europa sind mittlerweile Geschichte - möchte man meinen. Doch weit gefehlt. In Weißrussland herrscht noch immer unangefochten Aljaksandr Lukaschenka autotitär über den Binnenstaat. Schon seit 1994 ist das der Fall und gilt damit als letzte Diktatur in Europa.

    Autor:
    Und obwohl man meint, dass in Diktaturen Pressezensur und Meinungsdiktat die Kunst zum Erliegen bringen, gibt es eine Autorenperle am Literaturhimmel über Minsk - Viktor Martinowitsch.

    Mit seiner Erzählung “Tabu”, aber besonders mit dem Buch “Paranoia” hat der russischsprachige Autor von sich Reden gemacht. Pikant ist, dass “Paranoia” in Martinowitsches Heimat sogar verboten ist. Aber warum? Ich bin der Frage nachgegangen und habe mir das Buch “Paranoia” zur Brust genommen.

    Inhalt:
    Paranoia handelt von dem jungen Autor Anatoli, der in einem fiktiven osteuropäischem Land lebt und dort seine große Liebe findet. Tragisch ist jedoch, dass er sich ausgerechnet in die mysteriöse Jelisaweta verliebt, die eine schwere Last mit sich trägt. Was als abenteuerliche Romanze beginnt, wird zum Katz- und Mausspiel mit unbekannten Verfolgern. Als sich dann plötzlich der Geheimdienst für Anatoli interessiert, wird er stutzig und versteht nicht warum. Er vermutet, dass er zu kritisch schreibt, doch das Interesse der Schlapphüte gilt nicht Anatolis Texten. Als sich der Umhang von Jelisawetas Geheimnis lüftet und die Welt für Anatoli klarer wird, wandelt sich Unverständnis in Furcht und jugendliche Freimut in Paranoia. Mehr und mehr wandelt sich die Geschichte der Liebe zweier Personen in einen packenden Politthriller, der zum Ende hin die Rolle Jelisawetas immer undurchsichtiger erscheinen lässt und einen ratlosen Hauptcharakter zurücklässt, der sich zum Ende hin allein gegen den Machtapparat behaupten muss.

    Meinung:
    Doch das, was den Roman auszeichnet ist nicht die Handlung. Es ist der Schreibstil. Von Kapitel zu Kapitel ändert sich die Betrachtungsweise auf den Hauptcharakter. Mal befindet man sich in der Gedankenwelt von Anatoli, die die Welt blumig, facettenreich, aber auch niederschmetternd darstellt. Und dann steht da auf der anderen Seite die nüchterne Geheimdienstprotokollerzählweise, die sich nahezu ausschließlich mit dem Sexualleben von Anatoli und Jelisaweta auseinandersetzt. Man fühlt sich fast selbst beobachtet und verabscheut die Art, wie der fiktive Geheimdienst arbeitet. Zum Finale hin, wirkt es aber so, als habe der Autor einfach keine Lust gehabt sich ein eigenes Ende einfallen zu lassen und hat - überspitzt gesagt - einfach die letzten 50 Seiten von 1984 abgeschrieben und nur die Namen ausgetauscht. Ich war vom Ende wirklich sehr enttäuscht. Aber nicht, weil es schlecht geschrieben war. Im Gegenteil, die Gedankenwelt von Anatoli hat sich wieder wundervoll eingefügt in die veränderte Situation, aber es wurde einfach nicht den Charakteren Anatoli und Jelisaweta gerecht, die eine so spannende Beziehung aufbauten.

    Es kommt im Buch, aber ganz deutlich heraus, warum “Paranoia” in Weißrussland verboten ist. Die Analogien zu den Verhältnissen in Belarus sind einfach zu offensichtlich und davon kann auch kein Disclaimer schützen der sagt, dass es sich eben nicht um Weißrussland handelt. In der deutschen Ausgabe, ist die Redaktion sogar so weit gegangen und hat ein stark polarisierendes Nachwort von Timothy Snyder eingefügt, das die Parallelen von Fiktion zu Wirklichkeit so benennt, wie sie sind.

    Wer schon immer wissen wollte, wie Diktaturen ticken und in das eigene Privatleben eingreifen können, hat entweder die Möglichkeit “Das Leben der anderen” anzusehen oder sollte “Paranoia” von Viktor Martinowitsch lesen. Ich rate zu Letzterem!

    Video:
    Unter folgendem Link habe ich das auch noch einmal in einem Video besprochen:


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