Viktor Niedermayer Finsterland

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(1)
(1)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Finsterland“ von Viktor Niedermayer

Bayern, Mitte der 30er Jahre. Als gegenüber vom Muttergottesbild ein Führerporträt hängt, wird dem kindlichen Erzähler bewusst, dass etwas in Bewegung gerät. Aber in seinem Heimatstädtchen wirkt es wie eine natürliche Ergänzung: zu den kirchlichen Umzügen gesellen sich die der Braunhemden. Erst nach Kriegsbeginn werden die neuen Zeiten auch für ihn bedrohlich, beim Lazarettdienst und in der Gebirgswacht. Dann besetzen die Amerikaner die Heimat, und immer ist der Junge mittendrin: passiv und doch zum Handeln gezwungen, ein radikal subjektiver Chronist. Die vermeintlich vertraute Geschichte einer Kindheit im Nationalsozialismus erzeugt in diesem autobiographisch geprägten Roman eine neue und eindringliche Leseerfahrung.

Für mich mehr eine Aneinaderreihung von Epsioden als Erzählung einer Geschichte. Spezieller Schreibstil, der mir nicht zugesagt hat.

— leselea
leselea

Stöbern in Romane

Heimkehren

Intensiver Roman, der eine Familie über mehrere Generationen hinweg verfolgt

lizlemon

Durch alle Zeiten

Sehr spannend und bewegend

silvia1981

Dann schlaf auch du

Wem kann man seine Kinder anvertrauen?

silvia1981

Wie man es vermasselt

Frisch, jung und intelligent... ein absolutes Wahnsinns-Buch!

Tigerkatzi

Und jetzt auch noch Liebe

Turbulente Liebeskomödie mit sehr skurrilen Charakteren, um eine junge Frau, die durch eine ungewollte Schwangerschaft erwachsen wird.

schnaeppchenjaegerin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Jugend unter dem Hakenkreuz

    Finsterland
    leselea

    leselea

    28. September 2015 um 20:09

    Bayern in den 1930er Jahren: Statt in der Kirche zur Mutter Gottes zu beten, verehren die Leute plötzlich den Führer. Braunhemden gehen auf die Straße, der rechte Arm wird zum Gruß erhoben und die Kinder des Dorfes treffen sich alle in der Organisation der Hitler Jugend. Langsam aber sicher verändert sich etwas in den Straßen: Häuser werden saniert und von Juden „gesäubert“, Menschen verschwinden, Geschäfte wechseln ihre Besitzer. Und dann kommt der Krieg… Viktor Niedermayers Roman Finsterland wartet mit einem Protagonisten auf, der – so weist schon der Klappentext darauf hin – „mitten drin seltsam unbeteiligt [ist]“: Er ist „ein Beobachter, hineingestellt in seine Zeit, passiv und dich zum Handeln gezwungen“. Der Protagonist ist ein kleiner Junger, dessen Kindheit und spätere Jugend maßgeblich vom Nationalsozialismus geprägt wird. Er führt den Leser durch diese Zeit: Seit Vater brüstet sich damit, den Vater von Heinrich Himmler zu kennen; seine Freundin Betti, eine Jüdin, wandert aus; sein Lehrer, ein SA-Mann erzählt ihm glorreiche Geschichten vom Führer; und später, als der Krieg beginnt, wird er mit zahlreichen Leichen und Invaliden konfrontiert. Dies alles erzählt der Junge wie ein „radikal subjektiver Chronist“: Unvermittelt wird der Leser in Zeit und Raum geworfen, Orientierung muss er selber erlangen, kleine Schnipsel – Verweise auf geschichtliche Ereignisse, Ortsnamen, Flussnamen, Namen berühmter Persönlichkeiten – werden ihm als Hinweise hingeworfen. Unzählige Namen von Nachbarn, Freunden, Feinden, Familienmitglieder werden genannt, tauchen auf der Bildfläche auf, um sofort wieder in den Unweiten der Erzählung zu verschwinden. Eine wirkliche Handlung gibt es nicht, es sind Gedanken, Eindrücke, Begebenheiten, die den jungen Protagonisten zum Erzählen animieren. Er erzählt Impressionen seines Lebens, sie reihen sich aneinander, ergeben ein Bild, jedoch keine chronologische, zusammenhängende Geschichte. Diese subjektive Erzählweise, diese totale Abhängigkeit vom Erzähler, der ganz unmittelbar und assoziativ berichtet, kann man mögen, vermutlich auch schätzen und sicherlich ist es eine besondere Weise von den Gräueln zu erzählen, die wir doch alle schon aus unzähligen Geschichten kennen. Ich fand das Lesen dieses Romans allerdings in erster Linie schwierig, ungemein fordernd und häufig genug ermüdend. Bis zum Schluss habe ich mich in der Geschichte nicht zurechtgefunden, bin dem Protagonisten, dem ich über 200 Seiten gefolgt bin, nicht näher gekommen. Das Erzählte blieb mir fremd, Mitleid für die Figuren konnte ich nicht entwickeln, Grauen im Angesicht der furchtbaren Ereignisse nicht empfinden. Vermutlich muss man das auch nicht, ich aber habe das Gefühl, nach der Lektüre weitgehend mit leeren Händen dazustehen. Sprachlich finde ich das Buch schwer zu beschreiben. Der Stil war einerseits sehr eindringlich, andererseits gab es keinen einzigen Satz, der mich besonders angesprungen hat, oder Passagen, auf die ich aufgrund der Sprache ganz eintauchen konnte. Ich fand das Geschriebene sehr beladen, aber keines Falls schwülstig. Die vielen Einsprengsel in bayerischer Mundart verleihen der Geschichte Authentizität und Nähe, gleichzeitig fiel mir das Lesen dieser Sätze besonders schwer (das liegt aber auch wohl daran, dass ich zu diesem Dialekt überhaupt keinen Bezug habe). Insgesamt fand ich, dass der Stil des Buches sich sehr mit der Erzählweise deckte. Finsterland ist ein in sich rundes Buch, nur leider nicht für mich gemacht. Fazit: Finsterland ist für mich wieder einer dieser Romane, der technisch sicherlich gut gemacht ist und der begeisterte Leser finden wird. Mich hat das Buch aber leider weder berührt, noch begeistert, noch erreicht.

    Mehr
  • Eine Jugend in den 30er Jahren

    Finsterland
    sofie

    sofie

    28. June 2015 um 13:34

    „Sie sagen „Großdeutschland“, wir sagen „Daitschland“. Sie sagen „der Führer“ und wir „da Hitler“. Sie schreien „Heil Hitler“, wir murmeln „Haitler“ oder nur „tler“ und lassen dabei die Hände in der Tasche.“ (S. 56) Viktor Niedermayer beschreibt in „Finsterland“ eine Kindheit, Jugend und das Erwachsenwerden in den 30er und 40er Jahren in Bayern. Zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus, wobei der Ich-Erzähler mit beidem nicht sehr viel anfangen kann, sich aber anpasst und durchmogelt. Dabei wird nichts wirklich Neues erzählt: die anfängliche Euphorie und später die Schrecken des Krieges und noch später die entbehrungsreiche Nachkriegszeit werden erzählt. Das dafür aber sprachlich ausgefeilt und sehr authentisch. Es geht nicht ums große Ganze, sondern um das ganz konkrete Erleben in der Region. Und auch die Sicht des Kindes und später des Jugendlichen wirkt authentisch und nicht übertrieben naiv oder übertrieben wissend. Mir hat es sehr gut gefallen und mich dazu angeregt, einige Sachen nochmal nachzuschlagen und nachzulesen.

    Mehr
  • 6. 42. Punkte-Lesemarathon 26. bis 28. Juni - Lesen bis zur Bikinifigur ;)

    Knorke

    Knorke

    Hey, nach einer längeren Pause, da ich viel stress habe und irgendwie ständig irgnedwo anders ein Lesemarathon angeboten wurde, dachte ich mir, ist mal wieder Zeit für einen eigenen :) Lesemarathon, was ist das noch mal? Das erklärt sich quasi von selbst. Es ist ein Marathon, bei dem es darum geht möglichst viel zu lesen, meist im Austausch mit anderen Wann findet der Marathon statt? Er findet vom 26.06. 15 Uhr bis 28.06 24 Uhr statt, ein- und aussteigen darf man jeder Zeit ;) Gibt es noch etwas zu beachten? Wer nur Lesen möchte, darf dies gerne tun. Dabei besteht für die Nur-Leser die Möglichkeit sich selbst ein Ziel zu setzen, welches irgendwie mit 42 zu tun hat, also 420 Seiten, 840 Seiten... Dabei wäre es auch sehr schön, uns an eurem Fortschritt teilhaben zu lassen. Für diejenigen, die es gerne etwas spannender mögen, kommen nun wieder die speziellen Aufgaben: Wie immer geht es darum, 42 Punkte zu erreichen, in Anlehnung an einen echten Marathon. Pro gelesenen 50 Seiten gibt es einen Punkt. Außerdem kann man durch verschiedene Aufgaben weitere Punkte erlangen. Freitag - Urlaubslektüren Der Marathon beginnt, dieses Mal auf Hawaii mit unserem eigenen Ironman-Marathon. Da wir uns an einem wirklich schönen Ort befinden, haben wir natürlich auch unsere Urlaubslektüre eingepackt. Der Marathon startet mit Büchern die zum Thema Strandurlaub passen. Zusätzlich für jeweils 3 Punkte können Bücher vorgestellt werden, die ihr bei einem Urlaub in den Bergen, Urlaub in Amerka und Weltreise passen würden. Samstag - Traum- oder Albtraumreiseziel Heute merken wir nun zum ersten Mal, dass unser Ironman-Marathon sehr anstrengend ist und wir fragen uns, ob unsere Marathonreise sich weiterhin als Traum- oder Albtraumreise herausstellen wird Jedes neu angefangene Buch sollte eine Bücherwelt besitzen, die entweder als Traumreiseziel oder als Albtraumreiseziel beschrieben werden kann. Außerdem gibt es an unseren üblichen Pausenstationen (9, 12, 15, 18, 21, 0 Uhr) für euch die Gelegenheit, für 2 Punkte jeweils ein Buch aus eurem Bücherregal vorzustellen, dass auch zum Thema Traum- oder Albtraumreise passt Sonntag - Sommer, Sonne, Sonnenschein Der letzte Tag bricht an und wir sind stolz auf uns, dass wir nicht aufgegebe haben und heute Abend sicher die Ziellinie erreichen werden. Da wir wissen, dass es heute vorbei ist, fangen wir auch wieder an die Sonne und das schöne Wetter zu genießen. Jedes angefangene Buch sollte auf dem Cover oder im Titel irgendetwas zum Thema Sommer haben. Nach jeweils 50 Seiten solltet ihr uns einen Bericht zum Thema Wetter in eurem Buch geben. Dazu oder wenn ihr gerade wirklich nicht herausfinden könnt, was für ein Wetter ist, dürft ihr die Frage beantworten, wie die Stimmung ist - eitel Sonnenschein oder eher verhagelt? Wie immer habe ich die üblichen Verdächtigen eingeladen ;) Teilnehmer: Tatsu (440 Seiten von 504 Seiten) samea Hikari (603 Seiten, 43 von 42 Punkten) janaka buchliebhaberin (594 Seiten, 38 von 42 Punkten) sofie (432 Seiten, 31 von 42 Punkten) Harlequin (355 Seiten, 20 von 42 Punkten) Leseratz_8 (350 Seiten, 15 von 42 Punkten) Watskea (Ziel: 420 Seiten) Lara9 (Ziel: 420 seiten) MiniMixi (61 von 420 Seiten) Hannelore (259 Seiten, 16 von 42 Punkten) LadySamira (476 Seiten, 11 von 42 Punkten) Knorke (141 Seiten)

    Mehr
    • 177
  • Finsterland

    Finsterland
    JoBerlin

    JoBerlin

    14. March 2015 um 23:51

    Eine Kindheit in der bayerischen Provinz der 30iger Jahre. Getrübt wird sie durch die braune Schlange, die sich nach und nach durch die Dörfer windet. Markige Parolen sind zu hören - Nachbarn verschwinden - junge Männer werden zum Kriegsdienst eingezogen - Heiligendevotionalien werden durch Hitlerbilder ersetzt - Luftschutzbunker werden eingerichtet. Viktor Niedermayers jugendlicher Protagonist schildert diese Vorgänge emotionslos, fast wie ein unbeteiligter Beobachter. Erschreckend tonlos, wenn man bedenkt, was derweil andere Kinder und Jugendliche in Gettos und Konzentrationslagern durchleiden müssen. Lebendig wird dieser Report nur durch bajuwarische Mundart und durch schlaglichtartiges Festmachen historischer Ereignisse an persönlichen Schicksalen der Dorfbewohner. Erst gegen Ende des Krieges, jetzt als Gebirgsjäger und Partisan direkt beteiligt, erahnt man die eigentliche Haltung des Erzählers und es wird deutlich, wie einengend das bedrohliche Schlangenreptil eigentlich von ihm empfunden wurde. Ein Erwachen aus der Starre des Unbewegten ist jedoch erst mit dem Einmarsch der Amerikaner möglich. Nun lernt er Werke amerikanischer Schriftsteller kennen, hört Stücke moderner Komponisten. “Es ist so als wäre ich bis jetzt blind gewesen und könnte auf einmal sehen.” Es ist jedoch gerade das Blinde, das Nichtgesagte, ja das Unbeteiligte, das Viktor Niedermayers Roman zu einem eindringlichen Leseerlebnis macht.

    Mehr