Viktor Pelewin Tolstois Albtraum

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Inhaltsangabe zu „Tolstois Albtraum“ von Viktor Pelewin

'Der Superstar unter den jüngeren russischen Autoren.'

Holzklasseabteil in einem russischen Zug mit Dampflok. Zwei Reisende im Gespräch, einer in Priesterrobe, der andere im feinen Stadtanzug. Vor dem Fenster Beschaulichkeit: ein Schlösschen auf einem Hügel, darunter ein Acker, der Bauer hinterm Pfl ug. Das da sei Tolstois Landgut, und der Bauer sei Tolstoi, erläutert der Städter. Beziehungsweise ein Doppelgänger, denn der Graf sei auf der Flucht vor Polizei und Behörden … Ach, wundert sich der Priester, woher er das wisse? In diesem Moment verschwindet der Zug in einem Tunnel und der Waggon wird für wenige Momente von Dunkelheit erfasst …

Als der Zug wieder aus dem Tunnel kommt, ist klar: Graf T. und Geheimpolizist Knopf saßen sich verkleidet im Abteil gegenüber. Jetzt aber liegt Knopf gefesselt mit dem eigenen Schal da und der Graf ist verschwunden. Denn T. weiß, dass er verfolgt wird. Und dank Fitness und Finesse, exquisiter Bewaffnung und Versiertheit in fernöstlichen Kampfkünsten vermag er seinen Verfolgern in James-Bond-Manier zu entkommen. Was T. freilich nicht so recht weiß: wer er eigentlich ist, was er vorhat und was die anderen von ihm wollen. Und warum sich sein Leben anfühlt, als sei er in einen Albtraum geraten. Viktor Pelewin ist dafür bekannt und berüchtigt, die Mythen der Vergangenheit mit den Phantasmagorien der Gegenwart auf schwindelerregend freche Art und Weise zusammenzuwürfeln. In 'Buddhas kleiner Finger' stellte er siebzig Jahre sowjetischer Geschichte auf den Kopf. Mit 'Tolstois Albtraum ' holt er die große russische Literaturtradition vom staubigen Klassikerpantheon ins grelle Heute.

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    Tolstois Albtraum

    Wolkenatlas

    21. October 2013 um 09:42

    Wenn nichts so ist, wie es scheint ... Viktor Pelewins anno 2009 unter dem Titel "T" in russischer Sprache erschienener Roman ist ein bemerkenswerter Text, der als Art Satire auf eine Art biografische Erzählung über das Leben des Autors von "Anna Karenina", sich über diverse Variationen aus den Genres Fantastik, Horror, Reißer und einer noch absurderen, quasi philosophischen Abhandlung einer buddhistischen Weltanschauung bis zum Ende des Romans so entwickelt, dass eine eindeutige Deutung des auf den letzten 440 Seiten gelesenen Textes prinzipiell nicht möglich ist. Es ist auch ein Text, auf den der russische Titel "T" viel besser zu passen scheint, als der deutsche Titel "Tolstois Albtraum". Das deshalb, weil es zur Figur des Protagonisten viel besser zu passen scheint, auch im Titel den unanfechtbaren Namen Graf T. zu erhalten, da der Name Graf Tolstoi gewisse rechtliche Probleme mit sich bringen könnte ... Beginnt der Roman noch wie ein typischer russischer Roman, der möglicherweise sogar aus der Feder des echten Leo Tolstois stammen könnte, ist man bereits nach wenigen Seiten definitiv im Reich des Viktor Pelewin. Mit einem Sprung aus dem Eisenbahnwaggonfenster in einen Fluss rettet sich der Protagonist vor dem als Geistlichen getarnten Mitreisenden. Ab hier gibt es kein Zurück mehr, man wird als Leser mitgerissen in diesem erzählerischen Gebirgswasser der Postmoderne. Wie eigentlich in allen Texten des russischen Kultautors gilt der postmoderne Grundsatz: "Alles geht, nichts ist verboten". Und so muss Graf T. zuerst die Gunst einer rätselhaften, auf einem mysteriösen Kahn reisenden Gräfin erobern, bevor er sich mit mörderischen Pygmäen messen muss, nur um auf der Flucht zufällig in einem Zigeunerlager Zuflucht zu suchen, in dem man bereits auf ihn wartet. Während der Protagonist Graf T. dahinterkommt, dass er wahrscheinlich nur der Protagonist, oder auch nur eine literarisch-geschäftstaugliche Spielfigur eines ungreifbaren Autors ist, spürt der Leser zwischen den Zeilen bereits die anarchistische Auflehnung gegen ihr Protagonisten-Dasein der verschiedenen Figuren. Zusätzlich entpuppt sich der Autor als nur einer von vielen Autoren, die, in schlechter Abstimmung arbeitend, eine Art Auftragsschreiberbrigade für ein größeres Imperium sind, dem es natürlich nur um die Verkaufszahlen geht. Daher muss Graf T. auch auf alle möglichen Widrigkeiten gefasst sein, die sich seine Kreatoren für die Sponsoren einfallen lassen. So verwundert es auch nicht, wenn Graf T. auf den mörderischen Dostojewski trifft, der sein Dasein als eine Art Zombiejäger fristet. Er schießt aus dem Hinterhalt Zombies ab, um an ihre Wurst- und Wodkaration zu kommen. Die Zombies will er mit Hilfe einer Spezialbrille mit Zombie-Farbkennung erkennen; eine Brille, die allerdings immer die selbe Farbe aufweist, egal ob Zombie oder Mensch. Während sich Tolstoi und Dostojewski bekriegen, passiert die Wendung zur Emanzipation der Figuren, die zu einer revolutionären Loslösung und einem Ungehorsam gegenüber den Schöpfern führt. Mit furiosem, parodistischem Humor und einer Doppelbödigkeit, allein schon das Aufeinandertreffen von Tolstoi und Dostojewski ist zum Brüllen komisch, die dem Leser sukzessive den Boden unter den Füßen wegzieht, wobei es dem Leser nicht viel anders als den sich auflehnenden Figuren geht, entwickelt Viktor Pelewin einen Romantext, der in seiner offenen Gestaltung, im Sinne der Auflösung der verschiedenen Ideen- und Handlungsstränge, konsequent inkonsequent ist. Somit werden Leser, denen die sinnvolle Zusammenführung aller Handlungsstränge und Ideen in einem Roman wichtig sind, wahrscheinlich enttäuscht sein. Viktor Pelewin schrammt auch bewusst sehr knapp an der Grenze zwischen Ulk und Ernst dahin und reizt die Grenzen unerhört aus. Aber selbst die kleinen Ausrutscher über die Grenze der Albernheit sind hier bewusst gesetzte Bausteine, die sich ins Ganze fügen. Viel Ironie und Selbstironie bestimmen den Text, in dem natürlich zusätzlich unendlich viele Anspielungen auf russische Klassiker, Fabeln, Volksmärchen und Anekdoten enthalten sind, die dem Nichtrussen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht geläufig sind und daher etwas verlieren, auch wenn die meisten in den Anmerkungen der Übersetzerin erklärt werden. Die Übersetzung ist ausgezeichnet und bringt die Prosa Viktor Pelewins auch in deutscher Sprache wunderbar zum Leuchten. Fazit: Ein Roman, der seine Nahrung und Ingredienzien aus allen stilistischen Ecken holt, diese in einem dem Autor eigenen Schreib-Kochtopf aber zu einem verrückt-ungebändigten Textkunstwerk zusammenwachsen lässt, das definitiv schmeckt, auch wenn man das Rezept nicht genau fassen kann. Sehr empfehlenswert. (Roland Freisitzer; 04/2013)

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