Vilmos Kondor

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Vilmos KondorDer leise Tod
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Der leise Tod
Der leise Tod
 (5)
Erschienen am 05.05.2010
Vilmos KondorEndstation Budapest
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Endstation Budapest
Endstation Budapest
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Erschienen am 03.02.2012

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Rezension zu "Der leise Tod" von Vilmos Kondor

Rezension zu Vilmos Kondor - Der leise Tod
miss_mesmerizedvor 5 Jahren

Budapest 1936, die politische Lage ist instabil, der Druck aus Deutschland wird langsam spürbar, auch ungarische Juden sind zunehmend Repressalien ausgesetzt. Der Tod eines jüdischen Freudenmädchens scheint auch niemanden zu interessieren, obwohl dies ausgesprochen ungewöhnlich ist. Zsigmond Gordon, seinerseits Journalist, beginnt mit Nachforschungen und stößt mehr und mehr auf Widerstände. Es ist offenkundig, dass etwas verheimlicht werden soll, spätestens als er lebensgefährlich verletzt wird und seine Freundin eine klare Drohung erhält, bemerkt er, mit wem er sich angelegt hat. Doch warum musste die hübsche Fanny wirklich sterben? Ein Dickicht politischer Verstrickungen tut sich auf und das hässliche Gesicht der Nazis, das auch vor Leben junger Mädchen nicht Halt machte, zeigt sich immer klarer.


Ein ungewöhnlicher Roman. Die Kriminalgeschichte ist spannend, überzeugend gelöst und passend historisch eingebettet. Die Situation in Budapest Mitte der 30er Jahre wird sehr deutlich und ist glaubwürdig dargestellt. Mängel sind leider die Figuren, die zu flach bleiben und kaum persönliche Züge zeigen. Speziell Gordon kann bei mir keine Sympathien wecken und seine Freundin, die durchaus Potential hätte, wird ebenfalls zu oberflächlich gezeichnet. Für mich ebenfalls nicht so spannend waren die vielen Boxkämpfe, auf deren detaillierte Darstellung ich hätte verzichten können. Daher bleibt der Roman am Ende nur schwaches Mittelmaß.

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Rezension zu "Der leise Tod" von Vilmos Kondor

Dunkle Zeiten in Ungarn – Budapest Noir
Stefan83vor 7 Jahren

„Budapest Noir“ - so lautet der Originaltitel der neuesten Spannungslektüre aus dem osteuropäischen Raum, welcher in den letzten Jahren eher durch die zahlreichen Fantasy-Werke russischer Autoren von sich reden machte. Richtige Kriminalromane, lässt man die des Polen Marek Krajewskis mal außen vor, blieben zuletzt eher Mangelware auf den Novitätstischen der Buchhandlungen. Nun hat der Knaur Verlag sein Augenmerk auf Ungarn gerichtet, um dort Vilmos Kondors' Erstling zu entdecken und unter dem deutschen Titel „Der leise Tod“ in Deutschland zu veröffentlichen. In Zeiten rückläufiger Absatzzahlen sicherlich eine mutige Entscheidung, die hoffentlich ihren (wenigstens kleinen) Erfolg zeitigen wird, denn das als „ein ungewöhnlicher Kriminalfall und gleichzeitig ein spannendes, sehr authentisches Bild der ungarischen Gesellschaft der 30er Jahre“ angepriesene Debütwerk macht Lust auf mehr und muss sich im großen Becken der resteuropäischen Konkurrenz sicherlich nicht verstecken. Voraussetzung für die Freude am vorliegenden Buch: Allzu penibel sollte man auch hier die Umschlagslobeshymnen nicht nehmen. Protagonist Zsigmond Gordon macht Philip Marlowe streng genommen keine Konkurrenz, hat er doch mit dem amerikanischen Urtypus des „Hardboiled“-Genres bis auf den düsteren Grundtenor und den zeitlich ähnlichen Kontext eher wenig gemeinsam.

Der Roman spielt im Budapest des Jahres 1936. Zsigmond Gordon, Journalist und Polizeireporter in der ungarischen Hauptstadt, hat die Langeweile gepackt. Das ganze Land scheint nur über den Leichnam des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbos zu reden, der bis zuletzt in München weilte um seine schwere Krankheit behandeln zu lassen und nebenbei ein paar Kontakte zu den höchsten Nazi-Größen aufzubauen. Hohe internationale Politik also. Und der kann Zsigmond mal so gar nichts abgewinnen. Während ihn der Chefredakteur von einem Botschafterinterview zum nächsten schickt, weckt ein anderer Fall sein Interesse in viel größerem Maße: In einer dunklen Gasse nicht weit von der Redaktion entfernt wurde eine Prostituierte durch einen gezielten Schlag in die Magengrube getötet. War es vorsätzlicher Mord oder ein Unfall? Und war die Tote, die ein jüdisches Gebetbuch bei sich hatte, überhaupt wirklich eine Prostituierte? Zsigmond beginnt sich Fragen zu stellen und neugierig zu werden, zumal er dasselbe Mädchen erst kurz zuvor auf Bildern im Büro des Chef-Kriminalinspektors Gellert entdeckt hatte und dieser nun alles daran setzt jegliche Nachforschungen zu unterbinden.

Während sich auf seinem Schreibtisch die Arbeit stapelt und der Chef aufgrund seiner Untätigkeit tobt, sucht Zsigmond vermehrt die Kreise der Budapester Unterwelt auf. Gemeinsam mit Lebensgefährtin Krisztina und Großvater Mór zieht er die Schlinge um den Täter enger und kommt ihm dabei gefährlich nahe ...

Was der ungarische Titel verspricht, kann der Inhalt zwischen den Buchdeckeln nicht gänzlich halten, denn „Der leise Tod“ ist keinesfalls ein reiner „Noir“, sondern lässt sich eher mit den Werken Amblers und Kerrs vergleichen. Schon sehr früh deutet sich an, dass die Ursprünge der Tat weniger in der Budapester Unterschicht als vielmehr in den höchsten, und vor allem in politischen Kreisen, liegen. Während Chandler und Hammett ihre Plots auf kleinsten Raum zur Entfaltung kommen ließen, hat hier die Handlung eine wesentlich größere Dimension, welche Kondor jedoch geschickt mit den Elementen des „Hardboileds“ zu mischen weiß. Zsigmond begegnet uns als ein rauher, unrasierter Einzelgänger mit Schlapphut und hochgeklappten Kragen, der die Konfrontation nicht scheut und den eigenen Instinkt gegebenenfalls auch über die Grenzen der Gesetze stellt. Die beinahe schon obligatorische glühende Zigarette im Mund darf da natürlich ebenfalls nicht fehlen. In Krisztina hat er eine Lebensgefährtin an seiner Seite, die, ganz genretypisch, vor allem durch Skepsis und Dauerkritik auffällt und dennoch den einzigen wunden Punkt in Zsigmonds rauher Schale darstellt.

Als leicht verwirrter Mentor dient ihm schließlich Großvater Mór, dessen Vergangenheit, abgesehen von seiner Tätigkeit als Mediziner, weitestgehend im Dunkeln bleibt und der seinem Enkel sachdienliche und moralische Hinweise sowie frisch zubereitete Marmelade zukommen lässt. Mórs Freude am Einmachen ist einer der wenigen Punkte des Romans, die nicht so recht in das Gesamtgefüge passen wollen. Möglich, dass im gesellschaftlichen Leben oder gar in der Historie Ungarns Konfitüren eine größere Rollen spielten und dort dieser Wink verstanden wird. Beim deutschen Leser bleibt ein unverständiges Kopfschütteln. Überhaupt ist die Ausarbeitung der Charaktere der vielleicht größte Kritikpunkt, denn von seiner Hauptfigur abgesehen, agiert der Rest der Besetzung seltsam leblos, wobei doch Möglichkeiten und Potenzial für viel mehr vorhanden gewesen wäre.

Die Handlung selbst liest sich mehr als stimmig und ist im verregneten, düsteren Budapest perfekt angesiedelt (Allein ein Stadtplan hätte dem Buch gut getan). Wenn Zsigmond mit einem alten Opel übers Kopfsteinpflaster brettert, in schattigen Hauseingängen die Zigarettenglut aufleuchtet und vermummte Schläger ihr Stelldichein geben, kommt ordentlich Stimmung auf. Kondor hat hier ein äußerst atmosphärisches und vor allem glaubwürdiges Sittengemälde des Ungarns der 30er Jahre gezeichnet, ohne dieses historisch zu überfrachten. Dabei deutet der Autor die Entwicklung von Faschismus und Antisemitismus äußerst geschickt und nicht selten auf erschreckende Art und Weise an, was dem insgesamt doch sonst eher übersichtlichen Plot einen vorher nicht zu erwartenden Tiefgang verleiht.

In Punkto Spannung ist „Der leise Tod“ dann ein reinrassiger „Noir“. Das Buch lebt vom Kitzel, von der unheilvollen Atmosphäre. Größere Actioneinlagen oder Aha-Höhepunkte sucht man hier ebenso vergebens wie Ausbrüche expliziter Gewalt. Dafür überzeugt das Buch mit gestochener Schärfe und knapper, prägnanter Sprache (Lob an den Übersetzer). Kondor beschränkt sich auf das Wesentliche, schreibt quasi „fettreduziert“. Kein Wort, kein Satz ist zu viel. In dieser Hinsicht tritt er sichtlich das Erbe der „Hardboiled“-Größen Chandler und Hammett an. Deren stilistische Geschliffenheit und literarische Leichtigkeit lässt er dann aber (noch) vermissen.

Insgesamt ist „Der leise Tod“ ein beachtenswertes, aber sicherlich auch wenig massenkompatibles Debüt, das es bei dem derzeitigen Überschuss an vielfach beworbenen Kriminalromanen wohl ziemlich schwer haben wird. Möge diese Rezension dazu beitragen, dass der Titel die vollends verdiente Aufmerksamkeit und den ein oder anderen Leser mehr erhält.

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