Schon auf den ersten Seiten hat mich Vincent Voss mit einer beklemmenden Atmosphäre eingefangen und während der gesamten Story nicht mehr losgelassen. Wir sind auf Föhr und Amrum. Immer wieder zieht dichter Nebel auf, aus dem unheimliche Klänge und Stimmen zu vernehmen sind. Auf den „sprechenden“ Grabsteinen des Inselfriedhofs erscheinen neue Inschriften (die musste ich sofort googeln, ob es diese wirklich gibt; es handelt sich hierbei um Grab- oder Gedenksteine, deren Inschriften vom Leben der Verstorbenen Zeugnis erzählen). Die Geister von Männern, die auf See geblieben sind, suchen ihre Liebsten heim. So wie Hannes, der Mann von Bente, die von den Inselbewohnern die Inselhexe genannt wird. Hannes warnt Bente eindringlich: Wenn er wiederkehrt, wird das nichts Gutes bedeuten.
Cord Asmussen ist ein eher rational denkender Polizist, der bislang nichts von Spukgeschichten hält, aber er muss sich bald eingestehen, dass dieser Fall sich nicht mit Logik oder Routine lösen lässt. Er kontaktiert die Ethnologin Amelie Fischer, die ich bereits aus „Im Eis“ und „Der Fliegenmann“ kenne und für ihre glaubwürdige und sympathische Darstellung sehr schätze. Ihr Wiedersehen ist ein Highlight und bringt eine ausgewogene Balance zwischen Skepsis und Offenheit ins Geschehen.
Die Atmosphäre im Buch wird weniger durch plötzliche Schreckmomente aufgebaut, sondern durch einen stetig wachsenden „Knoten im Bauch“. Dieses Gefühl kennt sicher jeder von uns, diese meist irrationale Angst, wenn man im Dunkeln allein irgendwo unterwegs ist. Der Nebel verbirgt, was niemand sehen möchte. Diese unterschwellige Angst trifft genau das Gefühl zwischen Gänsehaut und Faszination. Es ist jener Moment der Erkenntnis, in dem man weiß, dass man einen Ort besser meiden sollte. „Seemannsgräber“ verzichtet auf laute Effekte und wirkt dadurch noch nachhaltiger. Die bedrückende Stimmung blieb mir noch lange nach dem Lesen erhalten. Vincent Voss spielt grandios mit den Ängsten seiner Leser.Wer gute Horrorliteratur schätzt, findet hier eine Geschichte auf ganz hohem Niveau.
























