Viola Di Grado Siebzig Acryl, dreißig Wolle

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Inhaltsangabe zu „Siebzig Acryl, dreißig Wolle“ von Viola Di Grado

Eine junge Frau auf der Suche nach der verlorenen Schönheit der Welt, dem Ende des Winters und den richtigen Klamotten Ein fulminantes Debüt, das durch die Originalität seiner Sprache besticht, die zwischen poetischer Leichtigkeit und resignierter Rotzigkeit changiert, und durch seinen Witz, der sich nicht mal von der scheinbaren Sinnlosigkeit des Lebens totkriegen lässt ... Camelia ist 19 und findet ihr Dasein schlicht zum Kotzen. Sie lebt in England, in Leeds, in einer so heruntergekommenen Straße, die leicht als Beweis dafür angeführt werden kann, dass es Gott tatsächlich nicht gibt. Camelia passt nicht in diese Welt, denn sie kann wenig Schönes darin entdecken, und wenn sie doch mal wieder einen Versuch wagt, sich im Einkaufszentrum eine knallpinke Jacke kauft, dann landet sie sofort darauf in der Mülltonne, denn was kann man schon mit einer bunten Jacke anfangen in einer Stadt, in der der Winter ja doch nie endet. Zuhause in der gemeinsamen Wohnung sitzt ihre Mutter, die einst so schöne Flötistin, die im Prinzip schon vor der Tochter das Handtuch geworfen hat. Seit der Vater bei einem Unfall samt seiner Geliebten auf dem Beifahrersitz tödlich verunglückt ist, spricht sie nicht mehr. Ihre einzige Beschäftigung besteht darin, Löcher zu fotografieren: Risse im Fußboden, Mottenlöcher in Kleidern, Körperöffnungen. Camelia hat sich schon so gut wie damit abgefunden, dass diese heruntergekommene Wohnung das Letzte sein wird, was sie von dieser Welt gesehen hat, da lernt sie eines Tages Wen kennen. Einen jungen Chinesen, der behauptet, die verschnittenen Klamotten, die Camelia seit geraumer Zeit aus einem Container zieht, habe sein Bruder genäht. Wen bringt Camelia Chinesisch bei, sie verliebt sich in seinen Bruder Jimmy. Und plötzlich kommt der Tag, an dem sie beschließt, sich ihr verlorenes Leben zurückzuholen …

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  • Siebzig Acryl, dreißig Wolle

    Siebzig Acryl, dreißig Wolle
    Claudia-Marina

    Claudia-Marina

    10. January 2016 um 12:44

    Selten habe ich so eine Antipathie für eine Protagonistin empfunden wie für Camelia. Dabei müsste ich doch eigentlich Mitleid mit ihr empfinden. Rein menschlich gesehen. Seit dem Unfalltod ihres Vaters muss Camelia sich um ihre Mutter kümmern, die in Depressionen versinkt und nach und nach aufgehört hat, am Leben teilzunehmen. Sie schweigt. Kein einziges Wort kommt mehr über ihre Lippen. Für Camelia, die kurz davor war, sich ein eigenes Leben aufzubauen, eine eigene Wohnung zu beziehen, muss das einem Alptraum nahekommen. Alles hat sie aufgegeben für ihre Mutter, einst berühmte Flötistin und jetzt nur noch ein Schatten ihrer selbst, deren einzige Beschäftigung darin liegt, mit einer Polaroidkamera Löcher zu fotografieren. Eines Tages findet Camelia in einem Müllcontainer Kleider, die so zerschnitten und falsch genäht sind, dass sie niemand tragen will. Die genauso kaputt und hässlich sind wie Leeds, die Stadt in der Camelia lebt. Die Jimmy genäht hat, Wens Bruder, den Camelia kennenlernt, der ihr Chinesisch beibringt und in den sie sich verliebt. Für den es sich lohnen würde, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen, die Initiative zu ergreifen und das Schweigen zu durchbrechen. Aber will sie das wirklich oder ist es nicht auch so ganz schön, trotz aller Hässlichkeit, so wie sie sich mit ihrer Mutter eingerichtet hat? Weiterlesen

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  • Rezension zu "Siebzig Acryl, dreißig Wolle" von Viola Di Grado

    Siebzig Acryl, dreißig Wolle
    ud69

    ud69

    24. November 2012 um 13:40

    Sehr verstörende Geschichte über eine Frau, die durch den Tod des Vaters, dem Unvermögen der Mutter, damit umzugehen und letztendlich der Abweisung durch den Mann, in den sie sich verliebt hat, immer tiefer in einen Strudel hinabgerissen wird, aus dem sie sich nicht mehr befreien kann. Die Sprache ist besonders blumig, mit vielen Metaphern, Umschreibungen, man fühlt sich nahezu hineingesogen in die Geschichte, die einen am Ende mit der trostlosen Stimmung, die nur in kurzen Momenten unterbrochen wird, alleine lässt.

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  • Rezension zu "Siebzig Acryl, dreißig Wolle" von Viola Di Grado

    Siebzig Acryl, dreißig Wolle
    CloudyWhite

    CloudyWhite

    16. October 2012 um 09:55

    Camelia Mega, Italienerin, Anfang 20, lebt seit ihrem siebten Lebensjahr in Leeds/UK. Sie hat angefangen an der Universität Chinesisch zu studieren, als der Vater bei einem Autounfall verstirbt. Camelia muss ihre Wohnung und ihre Pläne aufgeben und sich um ihre depressiv gewordene Mutter kümmern, die - einst eine berühmte Flötistin - ihr Leben nicht mehr in den Griff bekommt und körperlich und seelisch dahin siecht. Mit Übersetzungen von Waschmaschinenanleitungen hält Camelia sich und die Mutter am Leben. Selten gelingt es ihr, aus dem Gefängnis der Gefühle und der Sprachlosigkeit auszubrechen. Ihre Wut richtet sich gegen das winterkalte Leeds, gegen den Vater, der die Mutter betrogen hat, gegen die Mutter, die Camelia weder Liebe noch Dankbarkeit entgegen bringt. Sie lernt den Chinesen Wen kennen, der ihr chinesische Schriftzeichen und Sätze beibringt und verliebt sich in ihn. Ihre körperlichen Bedürfnisse bleiben aber unbeantwortet, und Camelia tröstet sich sexuell mit Wens Bruder Jimmy. Die Freundschaft mit Wen zerbricht als Wen davon erfährt, Jimmy, der nur an Sex interessiert ist, gibt Camelia auch bald den Laufpass. Als Camelia erfährt, dass ihre Mutter einen neuen Freund hat und bald mit ihm nach New York ziehen will, versucht sie sich das Leben zu nehmen. Das Buch besticht durch seine Sprachgewalt. Es bietet keine einfachen Erklärungen. Beinahe alle Gefühle der Protagonistin werden in Metaphern, Bildern und Zeichen ausgedrückt. Es wirkt auf den Leser wie eine gewaltiger Strudel, der ihn in die Gefühlswelt der Protagonistin hinein reisst. Mir ist das Lesen nicht immer leicht gefallen. Man muss sich schon auf die düstere, agressive, ja verzweifelte Stimmung, einer jungen Frau, die um ihr Erwachsenwerden betrogen wurde, einlassen können. Dennoch haben mich das Thema und die literarische Umsetzung wirklich begeistert.

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