Ein anderes Leben als dieses

von Virginia Reeves 
4,2 Sterne bei12 Bewertungen
Ein anderes Leben als dieses
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Yolandes avatar

Sehr eindringlich und bewegend, ein bisschen deprimierend - auf jeden Fall ein Buch, über das ich noch einige Zeit nachdenken werde

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Schuld, Verantwortung, Versagen und wie sie zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur in der Familie belasten

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Inhaltsangabe zu "Ein anderes Leben als dieses"

Alabama in den Zwanzigerjahren. Roscoe T. Martin ist Mitte dreißig und in seiner Zeit eine Art Pionier: Er arbeitet als Elektriker und das mit großer Leidenschaft. Als seine Frau Marie jedoch die Farm ihres Vaters erbt, sieht er sich gezwungen, mit ihr und dem gemeinsamen Sohn aufs Land zu ziehen. Er findet sich in einem Leben wieder, das er so nie gewollt hat.
In der Ehe kriselt es, auch aufgrund wirtschaftlicher Probleme. Um der Farm zu neuem Aufschwung zu verhelfen, zapft Roscoe, unterstützt vom schwarzen Hilfsarbeiter Wilson, staatliche Stromleitungen an. Eine Weile geht alles gut – bis ein Techniker bei einer Routinekontrolle einen tödlichen Stromschlag erleidet. Roscoe wird wegen Mordes und Diebstahls zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, während Wilson als Zwangsarbeiter in einer Kohlemine quasi-versklavt wird: eine Schuld, die auf Roscoe ebenso lastet wie auf seiner Frau Marie.
›Ein anderes Leben als dieses‹ ist gleichzeitig ein intensives Familienporträt, ein Sittengemälde Alabamas zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und ein großer Gefängnisroman, der eindrücklich einen Sozialraum zeigt, in dem sich alle moralischen Regeln verkehren.

Longlist Man-Booker-Preis 2016

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832198695
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:16.04.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Yolandes avatar
    Yolandevor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Sehr eindringlich und bewegend, ein bisschen deprimierend - auf jeden Fall ein Buch, über das ich noch einige Zeit nachdenken werde
    Große Träume, die in einer Katastrophe enden

    Inhalt (Lovelybooks):

    Alabama in den Zwanzigerjahren. Roscoe T. Martin ist Mitte dreißig und in seiner Zeit eine Art Pionier: Er arbeitet als Elektriker und das mit großer Leidenschaft. Als seine Frau Marie jedoch die Farm ihres Vaters erbt, sieht er sich gezwungen, mit ihr und dem gemeinsamen Sohn aufs Land zu ziehen. Er findet sich in einem Leben wieder, das er so nie gewollt hat.
    In der Ehe kriselt es, auch aufgrund wirtschaftlicher Probleme. Um der Farm zu neuem Aufschwung zu verhelfen, zapft Roscoe, unterstützt vom schwarzen Hilfsarbeiter Wilson, staatliche Stromleitungen an. Eine Weile geht alles gut – bis ein Techniker bei einer Routinekontrolle einen tödlichen Stromschlag erleidet. Roscoe wird wegen Mordes und Diebstahls zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, während Wilson als Zwangsarbeiter in einer Kohlemine quasi-versklavt wird: eine Schuld, die auf Roscoe ebenso lastet wie auf seiner Frau Marie.

    Das Buch wird aus zwei Perspektiven erzählt. Zum einen die Ich-Perspektive der Hauptfigur Roscoe, in der er sein Leben und den Alltag im Gefängnis schildert und die Geschehnisse aus seiner Sicht reflektiert, andererseits eine allwissende Erzählerperspektive, in der die Ereignisse chronologisch geschildert werden und auch die Einstellung und Erfahrungen anderen Figuren dargestellt werden. 
    Eindringlich schildert die Autorin, welche nachhaltigen und zerstörerischen Auswirkungen eine unbedachte und eigentlich gut gemeinte Tat haben und   wie große Träume in einer Katastrophe enden können. 
    Stand ich der Hauptfigur zu Beginn noch mit großem Unverständnis und Skepsis gegenüber, so wandelte sich mein Gefühl nach und nach in Mitleid und Anteilnahme. 
    Was mir allerdings ein bisschen gefehlt hat, war der kleine Funken Hoffnung. Die fatalistische Einstellung des Hauptprotagonisten wirkte ziemlich deprimierend, auch wenn ich verstehen kann, dass er nicht mehr an seine großen Träumen glaubt.

    Fazit: Ein ruhiges und unspektakuläres Buch mit einer traurigen Geschichte. Gut zu lesen, aber ich hätte mir weniger Fatalismus und mehr Hoffnung gewünscht.

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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor einem Monat
    Kurzmeinung: Schuld, Verantwortung, Versagen und wie sie zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur in der Familie belasten
    Wie geht man mit Schuld um?

    Alabama in den Zwanzigerjahren. Roscoe T. Martin ist Mitte dreißig und in seiner Zeit eine Art Pionier: Er arbeitet als Elektriker und das mit großer Leidenschaft. Als seine Frau Marie jedoch die Farm ihres Vaters erbt, sieht er sich gezwungen, mit ihr und dem gemeinsamen Sohn aufs Land zu ziehen. Er findet sich in einem Leben wieder, das er so nie gewollt hat. In der Ehe kriselt es, auch aufgrund wirtschaftlicher Probleme. Um der Farm zu neuem Aufschwung zu verhelfen, zapft Roscoe, unterstützt vom schwarzen Hilfsarbeiter Wilson, staatliche Stromleitungen an. Eine Weile geht alles gut – bis ein Techniker bei einer Routinekontrolle einen tödlichen Stromschlag erleidet. Roscoe wird wegen Mordes und Diebstahls zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, während Wilson als Zwangsarbeiter in einer Kohlemine quasi-versklavt wird: eine Schuld, die auf Roscoe ebenso lastet wie auf seiner Frau Marie.
    ›Ein anderes Leben als dieses‹ ist gleichzeitig ein intensives Familienporträt, ein Sittengemälde Alabamas zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und ein großer Gefängnisroman, der eindrücklich einen Sozialraum zeigt, in dem sich alle moralischen Regeln verkehren.


    Virginia Reeves thematisiert mehrere Kernelemente unserer zwischenmenschlichen Beziehungen: Verantwortung, Schuld und Reue, Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten und Versagen. Außerdem kommen noch weitere Geschehnisse, die zum Scheitern einer Ehe beigetragen haben, zur Sprache. Das alles sind wichtige und emotionale Themen. Dennoch konnte der Roman mich leider nicht berühren oder aufrütteln. Ich habe die Geschichte interessiert gelesen, ohne aber wirklich mit dem Protagonisten mitzufühlen. Vielleicht ist dafür der Erzählstil zu nüchtern. Vielleicht fehlt am Ende auch eine gewisses Maß an Reflexionsfähigkeit der Hauptfigur. Es ist nicht so, dass Roscoe die Geschehnisse und seinen Gefängnisaufenthalt nicht reflektieren würde. Insgesamt kamen mir aber seine eigenen Schlüsse daraus und die Entwicklung seines Charakters zu kurz. Für mich hätte es etwas mehr gebraucht, um diese Themen so darzustellen, dass man als Leser richtig in die Geschichte involviert wird.
    Gut gefallen hat mir aber dennoch der sprachliche Stil an sich und die Konzeption des Buches. Roscoes Ich-Perspektive mit Schilderungen aus dem Gefängnisalltag wechseln sich mit einem allwissenden Erzähler ab. Letzterer berichtet auch, wie es überhaupt zur Verurteilung kam. Durch diese Wechsel erfährt man mehr über die Nebenfiguren und erhält immer wieder kurze Einblicke, wie es ihnen nach Roscoes Inhaftierung ergeht. Von ihren Gefühlen erfährt man allerdings nur wenig, meist fühlte es sich eher wie ein faktischer Bericht zwischendurch an. Insbesondere hier hat mir die Emotionalität sehr gefehlt. Hinzu kommt, dass Roscoe in seiner Ich-Perspektive ebenfalls eher nüchtern von seiner Umgebung und seinen Erlebnissen berichtet.

    Fazit:
    Ein interessanter Roman und gelungenes Debüt der Autorin, das wichtige Elemente unserer Beziehungen anspricht. Leider hat es mir an Emotionalität gefehlt.  Zwischen den Zeilen kann man viel herauslesen, was mich aber letztlich nicht genügend berühren konnte - daher ein Stern Abzug.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein stiller, einfühlsamer Roman der von großen Träumen, bitteren Erkenntnissen und traurigen Gewissheiten berichtet.
    Die verlorenen Jahre in Kilby Prison

    „Aber schließlich befehle ich mir, damit aufzuhören. Ich habe diese Träume schon zu oft geträumt. Sie sind vergeblich, verachtenswert, unmoralisch und tückisch wie die Kakerlaken im Speisesaal.“


    Inhalt


    Roscoe T. Martin hat ein ganz besonderes Steckenpferd, denn er interessiert sich für Strom, für den Bau elektrischer Leitung und die Elektrifizierung der privaten Haushalte. Damit ist er einer der Wenigen, die im Alabama der 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, ein Wissen besitzt, dass ihn zu etwas Besonderem macht.

    Doch als seine Frau die väterliche Farm erbt, sieht er sich gezwungen, seinen Job aufzugeben, um fortan auf dem häuslichen Gut zu arbeiten. Dort geht es nur mäßig vorwärts, seine Frau macht ihn für den schlechten Betrieb verantwortlich und zeigt ihm die kalte Schulter, der neugeborene Sohn belastet die Ehe gleichermaßen. Roscoe gewinnt seinen Mitarbeiter und Freund Wilson für ein neues, großes Projekt. Er möchte die öffentlichen Stromleitungen anzapfen, um die Dreschmaschinen zu elektrifizieren und den Hof wieder wettbewerbsfähig zu machen – natürlich ohne Wissen der Stromlieferanten.

    Tatsächlich gelingt ihm dieser Zapfenstreich, doch seine Freude ist nur von kurzer Dauer, nachdem ein Arbeiter der Stromfirma an einem elektrischen Schlag stirbt und die Machenschaften von Roscoe aufgedeckt werden. Die nächsten 20 Jahre soll er im Gefängnis verbringen, sein Freund in der Kohlemine und Marie, Roscoes Frau sitzt allein zu Haus … ein gärender Prozess zwischen begrabenen Träumen, traurigen Wahrheiten und dem Verlust vieler Lebensjahre beginnt.


    Meinung


    Der amerikanischen Autorin Virginia Reeves ist mit ihrem Debütroman, der es auf die Longlist des Man-Booker-Preises geschafft hat, ein kleines Kunstwerk gelungen, ein stiller sehr intensiver Roman über die Gerechtigkeit an sich , über Schuld und Versagen, über Verzeihen und jahrelanges Schweigen, über den Groll gegen die eigene Person und den unbarmherzigen Verlauf des Lebens. Für mich liegt der Wert dieses Buches in seiner Vielschichtigkeit gepaart mit einer alles umfassenden Traurigkeit und der bitteren Akzeptanz jener Dinge, die man einfach nicht ändern kann.


    Inhaltlich gliedert die Autorin den Roman in drei Stationen: die Zeit vor dem Unfall, das Leben in Kilby Prison und die Rückkehr des Gefangenen nach dem Abgelten seiner Strafe. Erzählerisch sind es zwei Stimmen, die zu Wort kommen: einmal der übergeordnete Erzähler, der die Zusammenhänge kennt und alle Protagonisten vereint, zum anderen Roscoe Martin selbst, mit seiner Stimme aus dem Hintergrund, seinen Erfahrungen aus dem Gefängnis. Beide Varianten finde ich hervorragend gewählt, bestens umgesetzt und schlüssig erklärt. Die wechselnden Stränge bereichern dieses Buch, ohne es auseinanderzupflücken.


    Eigentlich trifft dieser Roman genau meinen Nerv, denn die Geschichte vereint so viele Punkte des menschlichen Lebens, berührt wichtige Stationen und schafft eine Art Vertrauensbasis zu den Protagonisten. Irgendwie kann man sie alle verstehen, ohne ihnen wirklich nah zu kommen. Und gleichzeitig bleibt da eine Distanz, von der ich nicht sagen kann, ob sie gewollt ist oder nur so von mir empfunden wird. Die mit sich hadernden Protagonisten, ihre inneren Ansichten, ihre Werte und ihr Umgang miteinander, werfen mich zurück, lassen mich von außen auf ein trauriges, unabänderliches Schicksal blicken, dem man nichts entgegensetzen kann. Dafür ziehe ich einen Lesestern ab, denn so detailliert alle Empfindungen auch geschildert werden, so offen bleibt doch der Lernprozess. Immer wieder drängt sich hier die Frage auf: „Was lernt der Mensch aus seinen Fehlern? Warum kann er nicht einsehen, dass es seinen Wert nicht schmälert, wenn die Perfektion fehlt?“


    Fazit


    Ich vergebe sehr gute 4 Lesesterne für diesen stillen aber bitteren Roman. Glaubhafte Charaktere, gepaart mit einer interessanten Handlung, die tiefe Einblicke in das Leben innerhalb der Gefängnismauern bietet und darüber hinaus auch das Leben in Freiheit beleuchtet. Ein Dasein mit vielen inneren Dämonen, mit Menschen die etwas anderes wollen, die sich nicht mehr verstehen und deren Beziehungen sich ganz langsam und schleichend zersetzen. Begriffe wie Demut, Freundschaft und Akzeptanz kommen ebenso zur Sprache wie Melancholie und Vergessen. Wenn es doch nur gelungen wäre, die Menschen hinter der Geschichte nicht nur darzustellen, sondern ihnen eine echte Stimme zu geben, dann wäre dieser Roman tatsächlich ein Meisterwerk.

     

    Kommentare: 2
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    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Das Buch ist gut geschrieben, aber leider wollte dieser Funke der Begeisterung für die Geschichte bei mir nicht so überspringen.
    Es blieb eine Art Distanz beim Lesen des Buches

    Die Geschichte spielt in Alabama in den 1920er Jahren. Roscoe ist kein Farmer, da legt er Wert drauf. Auch wenn seine Frau eine Farm besitzt. Er ist Elektriker. Farmarbeit liegt ihm nicht, die Beziehung zu seiner Frau verschlechert sich immer mehr, die Farm wirft nicht viel ab. Er hat die Idee, Strom abzuzapfen von den großen Stromleitungen und damit die Farmarbeit zu erleichtern und die Produktivität zu steigern- es gelingt- nur zu welchem Preis?

    Das Besondere am Erzählstil war für mich die Wahl der Perspektive in den jeweils abwechselnden Kapiteln.
    Es beginnt mit der Erzählung auf der Farm, dem Stromdiebstahl, den Blick von aussen auf Roscoe. Dann folgt eine Perspektive mit einem Ich-Erzähler- im Gefängnis. Über diesen Kapiteln ist auch der Name Roscoe eingefügt, so dass der Leser nun seine Geschichte aus seiner Sicht miterleben kann. Dennoch blieben anfangs Fragezeichen- was ist passiert? Warum ist er im Gefängnis? Je weiter man liest, umso mehr Details erfährt der Leser.
    Neugierig machen kleine Andeutungen, die im Text verstreut sind. Sie erzeugen auch Emotionen und zwingen zum Weiterlesen.
    Ich brauchte anfangs ein wenig um in der Geschichte anzukommen. Bei einigen Szenen spürte ich dann, dass ich hautnah dabei war, die Bilder vor mir sehen konnte. Die Szenen in der Scheune, wo er seiner Schwester als Kind Geschichten erzählt. Die Arbeit in der Molkerei des Gefängnisses. Vielleicht waren es auch Szenen, wo ich als Leser Emotionen spüren konnte.
    Für mich blieb das Buch eher emotional nicht so ergreifend. Es plätscherte mir manchmal sogar ein wenig. Insgesamt ist es eine ruhige Geschichte, die mich manchmal auch nicht so wirklich fesseln konnte, dann gab es Szenen, da war ich mitten drin.
    Ich persönlich empfand die Szenen im Gefängnis fesselnder, ergreifender. Die Geschichte von der Stromleitung empfand ich eher wie eine Art Bericht. Ich hatte das Gefühl die Geschehnisse mit einer Art Distanz zu beobachten.
    Vielleicht möchte die Autorin aber auch genau dieses Gefühl beim Leser auslösen- dass auch Roscoe eine Art Distanz zu dem Geschehen hat, da er nun im Gefängnis sitzt.
    Was mir gut gefallen hat, sind die Szenen in der Bibliothek, seine Gedanken an Bücher und das Lesen.
    Man spürt als Leser hier seine Passion für die Elektrizität, aber auch die Leidenschaft für das Lesen.
    Das Buch ist gut geschrieben, aber leider wollte dieser Funke der Begeisterung für die Geschichte bei mir nicht so überspringen.
    Es fehlte mir das Besondere, das mich so völlig in den Bann zieht.

    Kommentare: 2
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    NeriFees avatar
    NeriFeevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr emotional und sehr beklemmend
    Ein zutiefst betroffen machender Roman

    Ich habe euch in meiner letzten Rezension zu einem Buch aus dem Dumont-Verlag schon berichtet, wie sehr mich die Bücher aus diesem Hause begeistern. Nun habe ich ein weiters wunderbares Werk lesen dürfen und bin nach wie vor sehr angetan. Ein anderes Leben als dieses von Virginia Reeves behandelt das ländliche Amerika der 1920er Jahre und erzählt von den Problemen und Herausforderungen der Menschen und ihren persönlichen Schicksalen. In diesem Fall dem Schicksal einer ganzen Familie und ihren Mitmenschen.


    Darum gehts
    Es ist das Jahr 1922. Roscoe T. Martin lebt mit seiner Familie, bestehend aus seiner Ehefrau Marie und seinem Sohn Gerald, im amerikanischen Alabama. Er ist leidenschaftlicher Elektriker. Marie erbt unerwartet die Farm ihres Vaters und Roscoe sieht sich gezwungen, mit seiner Familie aufs Land zu ziehen. Dieses Leben wollte er nie. Die wirtschaftlichen Probleme nagen an dem Paar und es kommt verhäuft zu Krisen innerhalb der Ehe. Damit es der Farm besser geht, beschließt Roscoe, staatliche Stromleitungen anzuzapfen. In seinen Plan weiht er den der Familie nahe stehenden schwarzen Arbeiter Wilson ein. Die beiden beginnen mit der Arbeit. Während einer Kontrolle der Leitungen erleidet ein Techniker einen tödlichen Stromschlag. Roscoe und Wilson werden verurteilt. Ersterer wegen Mordes und Diebstahl zu zwanzig Jahren Haft und Wilson zu Zwangsarbeit in einer Kohlemine.

    Roscoe und Wilson sind die tragischen Figuren dieses Romans, der das Leben der Menschen in den Zwanzigerjahren widerspiegelt. In dieser Zeit wurden große Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen gemacht, was nicht zuletzt in der Strafbemessung deutlich wird. Wilson erhält für die gleiche Tat Zwangsarbeit in einer Kohlemine. Diese Arbeit bedeutete für viele Menschen das Todesurteil. Unter Tage werden die Arbeiter zu Leibeigenen und müssen unter unerträglichen Bedingungen arbeiten.

    Reeves zeigt auf beeindruckende Weise, welche Kraft Emotionen wie Schuld, Hass und Enttäuschung haben können. Alle Figuren werden sehr authentisch dargestellt und verkörpern einen Großteil der amerikanischen Bevölkerung der Zwanzigerjahre. Sklaverei und Rassismus spielten eine große Rolle und werden auch in Ein anderes Leben als dieses sehr deutlich. Die Unterschiede, die zwischen der weißen und der schwarzen Bevölkerung gemacht wurden und von denen man natürlich weiß, machten mich beim Lesen wieder sehr betroffen.

    Die Kapitel sind unterteilt in Gegenwart und Vergangenheit. Die Gegenwart wird aus der Ich-Perspektive von Roscoe geschildert. Er berichtet detailliert aus seiner Zeit im Kilby Prison, von seinen Mitgefangenen, den Gewalttaten, der Dunkelhaft und der langen Zeit ohne ein Lebenszeichen seiner Familie und der tiefen Schuld, die er an Wilsons Schicksal trägt. Die Vergangenheit beschreibt die Durchführung des Plans, der Farm mit Elektrizität zu helfen und denn tragisches Todesfall des jungen Technikers. Im weiteren Verlauf vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit und die Zeit nach dem Gefängnisaufenthalt Roscoes wird beleuchtet.

    Die Geschichte hat mich tief berührt. Besonders die fürchterliche Arbeit, welche Wilson unter Tage verrichten muss, war für mich kaum erträglich. Aber auch die prägende Zeit, die Roscoe in Kilby Prison verbringt, ließ mich als Leser nicht kalt. Die Familien, die jahrelang ohne ihren Familienvater auskommen müssen, werden auf eine harte Probe gestellt. Und auch hier habe ich mitfühlen müssen.

    Der Autorin Reeves gelingt es, ihren Leser mit viel Gefühl und einer sehr emotionalen Schreibweise für ihren Roman zu gewinnen. Bis zum Schluss war ich voller Spannung und Neugier für ihre Protagonisten und deren Schicksal. Ein empfehlenswertes Buch.

    Ich danke dem Dumont-Verlag!

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    ulistuttgarts avatar
    ulistuttgartvor 4 Monaten
    Intensives und brutales Familiendrama

    Ein anderes Leben als dieses von Virginia Reeves

    Dumont-Buchverlag 2018

     - Intensives und brutales Familiendrama –

     Inhalt:

    Alabama in den Zwanzigerjahren: Der Elektriker Roscoe Martin zieht mit seiner Familie auf die Farm, die seine Frau Marie geerbt hat. Er fühlt sich dort nicht sonderlich wohl und entschließt sich die Farm auf seine Art zu unterstützen. Dafür zapft er zusammen mit dem schwarzen Hilfsarbeiter und Freund der Familie Wilson die staatlichen Stromleitungen an. Bei der Kontrolle eines Mitarbeiters der Elektrizitätsgesellschaft kommt dieser zu Tode.

    Roscoe und Wilson müssen dafür die Konsequenzen tragen. Wilson kommt als Zwangsarbeiter in eine Kohlemine und Roscoe wird wegen Mordes und Diebstahls zu zwanzig Jahren Haft verurteilt …

     

    Meinung:

    Virginia Reeves erzählt in ihrem Debüt über Schuld und Verantwortung, über Rassismus und Sklaverei.

    Sie beschreibt alle Figuren ihres Romans sehr authentisch und schildert sehr einfühlsam die inneren Kämpfe des Protagonisten. Sicher hätte er sich „Ein anderes Leben als dieses“ für sich, seine Familie und seinen Freund Wilson gewünscht.

     

    Roscoe, der mit seinem Leben auf der Farm unzufrieden ist, mit seiner Ehe und dem Dasein seines Sohnes große Probleme hat, möchte für sich und seine Familie eigentlich nur die Farm fortschrittlicher machen und verlegt – ohne Genehmigung – Leitungen direkt auf den Grund seiner Familie. Dadurch blüht die Farm wieder zu neuem Leben auf und Marie fühlt sich wie vor der Geburt des Sohnes wieder zu ihrem Mann hingezogen und auch der Sohn schaut stolz auf seinen Vater auf.

    Alle scheinen glücklich zu sein, bis das Unglück geschieht und Roscoe ins Gefängnis muss. Marie wendet sich sofort von ihm ab und erkennt nicht, dass er alles auch für sie und ihre Farm gemacht hat.

    Ich fand die Distanziertheit und Kälte von Marie gegenüber ihrem Mann sehr erschreckend. Sie hat sich total von ihm abgewandt und ihn in seiner Hilflosigkeit alleine gelassen. Sie wollte nicht sehen, dass Roscoe nur versucht hat die Farm und damit seine Familie zu retten.

    Die Autorin zeigt jedoch auch die Gedanken von Marie auf, und lässt so etwas mehr Verständnis für sie und ihr Tun aufkommen.

     

    Sehr erschreckend war auch, welchen Unterschied im Jahr 1922 die Haftbedingungen abhängig von der Hautfarbe waren. Farbige wurden als Zwangsarbeiter an Bergbauunternehmen verpachtet und wie Sklaven gehalten.

    Roscoe  arbeitete im Gefängnis u.a. in der Bücherei und zeitweise auch mit Hunden, die ausbrechende Häftlinge jagten.

    Immer wieder hat er Fantasien und träumt von der jungen Marie.

    Die Autorin beschreibt die Gefühle und Gedanken des Protagonisten sehr genau und lässt den Leser tief in seine Seele schauen.

     

    Fazit:

    Ein großer Gefängnisroman, hoch emotional und großartig geschrieben.

    Virginia Reeves bekommt für ihren Debütroman „Ein anderes Leben als dieses“ von mir 5 Sterne.

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 5 Monaten
    Gelungenes Debüt

    Alabama in den Zwanziger Jahren. Die Südstaaten der USA vollziehen seit 1896 eine strenge Form der Rassentrennung gemäß dem Grundsatz „Separate but equal“ (getrennt aber gleich), den das Bundesgericht legitimiert hatte. Für viele bedeutet das eine „zweite Sklaverei“ nach der Befreiung durch den Bürgerkrieg 1865. Und sie sollte andauern bis 1954. Aber auch danach änderten sich gerade in Alabama die Zustände nur zögerlich, wurde 1956 der ersten afroamerikanischen Studentin, Autherine Lucy, der Zugang zur Universität verwehrt, jeder kennt den Fall von Rosa Parks, die noch 1956 verhaftet wurde, weil sie einem weißen Fahrgast nicht ihren Sitzplatz überlassen wollte und auch heute sind die USA noch von einer wahren Gleichbehandlung aller Bürger weit entfernt.
    Auf der Farm von Roscoe Martin und seiner Frau Marie lebt zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auch eine schwarze Familie, die von Wilson und Moa. Schon Maries verstorbener Vater, von dem sie das Land geerbt haben, hatte mit ihnen ein eher freundschaftliches Verhältnis, Moa war für die kleine Marie nach dem frühen Tod der Mutter die Hauptbezugsperson. Und auch Roscoe, der eigentlich viel lieber in seinem Beruf als Elektriker arbeiten und in der Stadt leben würde, verlässt sich bei vielen Arbeiten auf Wilson. Die Farm ist ihm ein Graus und ein Bürde.
    Eines Tages hat er die Idee, sein Haus und damit auch die Dreschmaschine illegal zu elektrifizieren und an die Leitungen der Alabama Power anzuschließen. Eine Arbeit, die ihn nicht nur beflügelt, sondern auch der Farm sehr zugute kommt. Eine Zeitlang läuft alles blendend, die Umsätze steigen und auch die angeschlagene Ehe und das Verhältnis zu seinem Sohn Gerald entwickeln sich positiv.
    Da geschieht ein schrecklicher Unfall und ein Arbeiter der Elektrizitätswerke stirbt an den illegalen Leitungen. Wir erfahren dies bereits im ersten Satz.
    „Die Transformatoren, die eines Tages George Haskin töten würden, befanden sich auf einem hohen Mast etwas zehn Meter vom nordöstlichen Teil der Farm entfernt, auf der Roscoe T. Martin mit seiner Familie lebte.“
    Die Tragödie nimmt ihren Lauf. Ein Unglück, das alles verändert. Roscoe wird verhaftet und zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Wilson, der trotz der Unschuldsbeteuerungen Roscoes gleich mit verhaftet wird, ergeht es noch schlimmer. Schwarze Gefangene wurden in Alabama regelmäßig als Leiharbeiter an Kohlebergwerke geschickt. Dort waren die Arbeits- und Lebensbedingungen so hart, dass viele nicht überlebten.
    Die folgenden schrecklichen Jahre im Gefängnis, die Schuld, die Roscoe niederdrückt, die unbarmherzige Verurteilung durch seine Frau Marie, die jeden Kontakt zu ihrem inhaftierten Mann ablehnt, die kleinen Freuden, die beispielsweise die Tätigkeit in der Gefängnisbücherei bereitet, werden alternierend von Roscoe selbst und einem Erzähler in der dritten Person geschildert. Dabei liegt der Fokus stark auf dem Inhaftierten, selten schwenkt er zu Marie oder Wilsons Familie.
    Neben einem eindrücklichen Roman über die Verhältnisse in den Gefängnissen zur damaligen Zeit, die Rechtsprechung und die Ungleichbehandlung von Schwarzen und Weißen vor Gericht, zeichnet das Buch ein Gesellschaftsporträt Alabamas und der Südstaaten, mit ihrem Rassismus und ihrer ländlichen Prägung. Virginia Reeves macht das schnörkellos und eindringlich und stand mit dem Buch 2016 auf der Longlist des Man Booker Prize. Die Figuren des Roscoe, seiner Mitinsassen im Gefängnis, von Wilson und seiner Familie gelingen ihr ausgesprochen gut. Die Schilderung seines Kampfes mit Schuld und Verantwortung, seine Selbstzweifel, sein Hoffen und Verzagen, aber auch sein Wegducken und sich Anpassen werden sehr einfühlsam geschildert.
    „Ein Vogel zwitscherte, ein eigentümlicher, hoher Gesang. Ich hätte wissen müssen, was es für einer war. Ich konnte alle Pflanzen um mich herum benennen, die Bäume und Sträucher, Blumen und Gräser. Ich konnte Masten aufstellen und ein verlassenes Haus verkabeln. Ich konnte ein Dach abdecken und inmitten von jahrealter Fäulnis stehen, sie trocknen, damit ich sie verbrennen konnte. Aber ich wusste nicht, ob ich meinem Sohn ain Vater sein konnte.“
    Dabei bleiben alle Protagonisten ambivalent und authentisch. Lediglich Marie mit ihrem unbeugsamen Zorn und ihrer bitteren Unnachgiebigkeit hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Das ist aber nur ein kleiner Einwand gegen dieses ansonsten sehr gelungene Debüt.

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    Mira20s avatar
    Mira20vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Eindrucksvoller Roman um ein Familiendrama! Ausdrucksstark geschrieben!
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    FrolleinJotts avatar
    FrolleinJottvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Interessanter Plot über Schuld und Gerechtigkeit im Alabama der Zwanzigerjahre. Sehr schön geschrieben, empfehlenswert!
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    M
    mabo63vor 2 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

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