Virginia Woolf Mrs Dalloway

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Inhaltsangabe zu „Mrs Dalloway“ von Virginia Woolf

Clarissa Dalloway führt ein großes Haus im vornehmen Londoner Stadtteil Westminster. Eine ihrer glänzenden Soireen soll an einem Junitag des Jahres 1923 stattfinden. Der Ablauf dieses einen Tages bildet die Gegenwart des Romans, in die Clarissa durch die Stundenschläge des Big Ben immer wieder zurückgeholt wird. Denn die Ereignisse - Besorgungen, Vorbereitungen, Besuche und schließlich die Abendgesellschaft, die allen konventionellen Erwartungen entspricht - lösen Assoziationen aus, die sie zugleich in die Vergangenheit und in die Wirklichkeit ihres inneren Bewußtseins führen, die eigentliche Welt dieses Romans. In langen Erinnerungs- und Gedankenketten wird sie sich nach und nach der Brüche zwischen ihrer äußeren und ihrer inneren Existenz gewahr.

Verwirrend, aber toll geschrieben. Konnte es nicht aus der Hand legen

— Skyhawksister
Skyhawksister

Für junge Leser gewöhnungsbedürftig, für "alte Lesehasen" wie mich immer wieder ein Vergnügen. Tolle Charakterstudie einer Frau

— Valerie_Springer
Valerie_Springer

Ein Buch, das man mehr als einmal lesen muss. Ungewöhnliche Form, aber wunderbar!

— Selfsoul
Selfsoul

Überraschend gut!

— Wortteufel
Wortteufel

Eine zeitaufwendige, anspruchsvolle Lektüre, die dem Leser mit einer unkonventionellen und bereichernden Lese-Erfahrung belohnt

— danuzza
danuzza

Schlicht ein Meisterwerk moderner Klassik!

— LibriHolly
LibriHolly

Ein sehr verschachtelter Klassiker mit wenig Handlung aber vielen Erinnerungen.

— maggiterrine
maggiterrine

Eine ungebändigt Flut an Eindrücken, Gefühlen und Lebensgeschichten, poetisch, weise, virtuos miteinander verknüpft.

— franzzi
franzzi

Jeden Tag kann ein ganzes kleines Leben sein. In diesem Buch gibt es alles - besondere Atmosphäre, Blumen und Farben, Gerüche, Gefühle...

— Quoc1981
Quoc1981

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  • Virginia Woolf - Mrs Dalloway

    Mrs Dalloway
    Chrissy87

    Chrissy87

    27. February 2017 um 10:23

    Das Buch habe ich mehrfach nach nur ein paar Seiten abgebrochen. Irgendwann habe ich mich doch dazu durchgerungen es zu lesen und es wurde bis zum Schluss nicht besser. Dieses ganze in der Zeit hin- und hergespringe hat mich nur genervt. Eigentlich geht es um besagte Mrs Dalloway die eine Party/Dinner plant und dabei an eine andere Verantsaltung aus der Vergangenheit denkt.... und das wars auch schon zum Inhalt. Meine Ausgabe hat genau 196 Seiten und ich habe über ein halbes Jahr gebraucht es zu lesen. Mag sein, dass ich jetzt als "Kunstbanause" dastehe, aber das Buch wird meiner Meinung nach überschätzt.

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  • Das Gefühl, etwas Gewaltiges werde sich gleich ereignen

    Mrs Dalloway
    MikkaG

    MikkaG

    25. May 2016 um 23:41

    Die Handlung: Das ganze Buch spielt sich an einem einzigen Tag im Juni des Jahres 1923 ab. Die ältliche Mrs Dalloway bereitet am Morgen und Vormittag eine Festlichkeit vor, bei der sie alte Freunde und Bekannte wieder zusammenführen will. Dabei trifft sie einen alten Verehrer wieder, der gerade aus Indien zurückgekehrt ist. Gleichzeitig verbringt der von Halluzinationen geplagte Kriegsveteran Septimus Warren Smith den Tag mit seiner Frau im Park, bevor er am Nachmittag in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Später am Abend findet die geplante Party statt.Meine Meinung: Für den modernen Leser liest sich das Buch ungewohnt, denn es hat keinen wirklichen Handlungsbogen. Was tatsächlich passiert, ist zweitrangig - wichtig ist, was in den Köpfen der Charaktere vor sich geht, die über die verschiedensten Themen nachdenken: Vergänglichkeit und das unaufhaltsame Verstreichen der Zeit, die Auswirkungen des Krieges auf die Psyche eines Menschen (und da finden sich Parallelen zur psychischen Erkrankung der Autorin),  Liebe und Sexualität, gescheiterte Hoffnungen... Fast alle denken darüber nach, was hätte sein können, wenn sie andere Entscheidungen getroffen hätten und ihr Leben dadurch nur ein klein wenig anders gelaufen wäre. Tatsächlich scheinen die meisten das Gefühl zu haben, dass sie etwas verpasst haben und etwas Wichtiges in ihrem Leben vermissen, und die Vergangenheit nimmt in ihren Gedanken mehr Raum ein als die Gegenwart.Was dieses Buch so originell macht, ist daher auch nicht die Handlung, sondern die Erzählweise: "Stream of Consciousness", Strom des Bewusstseins - eine Technik, die zum Beispiel auch James Joyce in seinem epischen Werk "Ulysses" einsetzte. Die Prosa bleibt immer ganz nahe dran an den Gedanken des Charakters, aus dessen Sicht wir die Geschehnisse gerade sehen, so gut wie ungefiltert. Das ist nicht immer einfach zu lesen, denn da springen die Gedanken schon mal unvermittelt von einem Thema zum nächsten, Worte und Satzfetzen wiederholen sich... Aber für mich hatte das etwas unwiderstehlich Hypnotisches, eine echte Sogwirkung. Ich hatte manchmal wirklich das Gefühl, für einen Moment durch fremde Augen zu sehen. Ich fand den Schreibstil großartig und einzigartig - er spricht oft über Banalitäten, aber darin verbirgt sich so viel.Deswegen war das Buch für mich auch nicht spannend, wie ein Krimi spannend ist, aber ich konnte es dennoch kaum weglegen, weil ich wissen wollte, ob die Charaktere im Laufe des Tages zu Schlüssen über sich selbst und ihr Leben kommen und vielleicht sogar etwas ändern würden. Tatsächlich hat der innere Tumult, der sich in den Köpfen abspielt, dann erstaunlich wenig greifbare Auswirkungen - wobei einer der Charaktere letztendlich doch eine drastische und tragische Entscheidung trifft.Die Charaktere kamen mir alle sehr echt und glaubhaft vor. Virginia Woolf lässt den Strom ihrer Gedanken, die sich im immer gleichen Kreise um Liebe und Verlust, Wünsche und Bedauern, Wahrheit und Wahnsinn drehen, ganz natürlich fließen. Besonders Septimus hat mich sehr berührt, denn aus seinen Gedanken spricht unendlicher Schmerz, was aber niemand zu verstehen scheint. Tragischerweise kam er mir vor wie derjenige, der von allen Charakteren noch am nächsten daran herankam, sein Leben in die Hand zu nehmen und es zu verändern.Interessant fand ich, dass die Autorin auch das Thema Homosexualität ganz nebenher anschneidet: Clarissa Dalloway fühlte sich in ihrer Jugend zu einer anderen Frau hingezogen, und ihre Tochter ist mit einer Frau befreundet, die ebenfalls in sie verliebt zu sein scheint.Auch der Krieg ist unterschwellig allgegenwärtig in diesem Buch - er ist zwar vorbei, aber die Menschen haben sich noch lange nicht davon erholt. Ich fand sehr bestürzend, wie wenig Verständnis man zu der Zeit anscheinend noch den Veteranen entgegen brachte, die von ihren Erlebnissen völlig traumatisiert waren. Die Autorin zeigt das sehr eindringlich am Beispiel von Septimus, von dem scheinbar erwartet wird, dass er sich einfach zusammenreißt und wieder zu einem produktiven Mitglied der Gesellschaft wird, obwohl er kurz vor dem Zusammenbruch steht.Fazit:"Mrs Dalloway" ist ein Buch, in dem oberflächlich gesehen wenig passiert - eine Frau plant eine Party und trifft einen alten Verehrer, ein Kriegsveteran wird in eine Klinik eingewiesen.  Aber in den Gedanken der Charaktere spielt sich ganz viel ab, und die Autorin lässt den Leser unmittelbar an dieser reichen inneren Welt teilhaben, indem sie ihn einfach mitten hinein wirft, ungefiltert. Da werden existentielle Themen angesprochen, und wenn man sich darauf einlässt, ist es meiner Meinung nach ein sehr lohnendes Buch, auch wenn man sich ein bisschen anstrengen und mitdenken muss.

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  • The Queen of Semicolon

    Mrs Dalloway
    franzzi

    franzzi

    Virginia Woolf (1882-1941) macht es dem Leser nicht leicht. Sie sprüht nur so vor ausgefeilten wie verschachtelten Formulierungen, fügt immer noch einen Gedanken mit Kommas ein oder mit Semikolons an. Klingt nach einer beschwerlichen Lektüre ihres Romans "Mrs Dalloyway" und das ist es stellenweise auch; aber es lohnt sich. Weil es ihr dank ihrer Semikolon- und Kommaflut gelingt, in einem einzigen Satz den Kern eines ganzen Lebens, die Tragödie eines ihrer Protagonisten oder den Zeitgeist des Zwischenkriegs-Londons unterzubringen. Und sie findet damit auch ein formales Mittel, um ihren inhaltlichen Kniff, den "Bewusstseinsstrom", sichtbar zu machen. So folgt der Leser der titelgebenden Clarissa Dalloway, 52 Jahre alt, durch die Straßen eines hitzeerwartenden Londons im Juni. Dieser eine Tag ist es, durch den Virginia Woolf uns lotst, an dem sie die Gedanken, Geschichten und Gefühle ihrer Protagonisten auslotet. So wird Clarissa Dalloway bei ihrem morgendlichen Einkaufsgang durch Londons Straßen scheinbar nebenbei mit so vielen anderen Bewohnern der Stadt, Protagonisten oder Statisten des Romans verbunden, wenn Virginia Woolf nachzeichnet, wer alles dasselbe Ereignis des Morgens sieht, was er oder sie sich dabei denkt und wie diese wahllos zusammengewürfelten Menschen Erinnerungen teilen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dabei versinkt Clarissa Dalloway dank der kleinen alltäglichen Auslöser immer wieder in Erinnerungen und Grübeleien, rechtfertigt ihren Lebensweg vor sich selbst und versichert sich, dass sie ja noch nicht alt sei. Das klingt dann beispielsweise so: "Sie hatte eine nicht enden wollende Empfindung, während sie die Droschken beobachtete, draußen zu sein, draußen, weit draußen auf See, und allein; sie hatte immer das Gefühl, es sei sehr, sehr gefährlich, auch nur einen Tag zu leben." (S. 12) Wie der Zufall so will, ist dieser eine Tag, von dem die intensiven knapp 200 Seiten des Romans erzählen, einer dieser Tage, an dem die Vergangenheit in das wohlgeordnete und stillschweigend akzeptierte Leben der Dalloways zurückkehrt - und die Ordnung stört. Peter Walsh, die innige Jugendliebe Clarissa, die sie einst aus Standesgründen zurückwies und einen "besseren Griff" heiratete, ist wieder in der Stadt, planlos, wie es mit seinem Leben weitergehen soll. Er nimmt die alten Fährten zu den alten Freunden aus Jugendtagen auf und besucht als erstes, natürlich, Clarissa. Und auch für eine weitere Hauptfigur ist es ein wichtiger Tag, Septimus Warren Smith, der traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte, soll einem anderen, einem besseren Arzt vorgestellt werden. Seine Frau ist gewillt, dem alten Arzt zu glauben, dass ihr Mann gesund ist - und doch merkt sie sehr genau, wie sehr sein Geist in einer anderen Welt herumschwirrt. Nicht alle Leerstellen in der immer dichter werdenden Geschichte füllt Virginia Woolf aus. Sie lässt Fragen offen, die der Leser für sich selbst beantworten kann. Allerdings kritisiert Woolf ganz offen die Klassengesellschaft des Interwar London, die Oberflächlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens und den Umgang mit psychisch kranken Menschen. Und sie rankt autobiographische Fingerzeige ein, wie auch die gut ausgewählten Anhänge der Fischer-Klassik-Ausgabe aufzeigen. Ein warmes Buch in seiner kalten Beobachtung, ergreifend, manchmal auch scheinbar undurchdringlich, virtuos verspielt in der Form und wirkungsvoll weise in seinen Worten. Eine eindringliche und eigensinnige Poesie. "Man konnte sich einbilden, daß der Tag, der Londoner Tag, gerade erst begann. Wie eine Frau ihr Kattunkleid und ihre weiße Schürze abgestreift hat, um sich in Blau und mit Perlen aufzuputzen, verwandelte sich der Tag, legte den Plunder ab, nahm Tüll, wandelte sich zum Abend, und mit dem selben Seufzer der Erheiterung, den eine Frau entläßt, wenn sie Unterröcke zu Boden gleiten läßt, ließ auch er Staub, Hitze, Farben fallen; der Verkehr nahm ab; Automobile, sirrend, flitzend; folgten auf das Rumpeln der Lastwagen; und hier und da zwischen dem dichten Laub der Plätze hing eine grelle Lampe. Ich gebe es auf, schien der Abend zu sagen, während er verblaßte und hinschwand [...]." (171) * * * * Lese-Chronik: http://www.lovelybooks.de/bibliothek/franzzi/lesestatus/1100847330/

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    • 8
  • melancholisch

    Mrs Dalloway
    dominona

    dominona

    28. October 2014 um 09:01

    Personen streifen sich, der erste Weltkrieg ist überstanden, aber was bleibt? Und was ist mit dem eigenen Leben – war die sichere Heirat nicht unüberlegt, ist ihr Leben verschwendet? Angst, Wahn und das berühmte “was wäre wenn...” Leider hat mich dieses Buch tief enttäuscht. Woolfs Schreibe funktioniert hier einfach nicht. Um wirklich Tiefe zu erzeugen, ist die Sprache zu aufgesetzt. Einzig dem Wahn des ehemaligen Soldaten konnte ich etwas abgewinnen. Der Rest hat zu viel Melancholie, aber beim Blick auf das Schicksal der Autorin auch nicht weiter verwunderlich.

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  • Nach Anfangsschwierigkeiten einfach faszinierend

    Mrs Dalloway
    IraWira

    IraWira

    Puh, das Buch hat mich erst einmal überrollt. Anfangs fühlte ich mich wie mittags, wenn meine beiden Mädels gleichzeitig aus der Schule kommen und gleichzeitig beide auf mich einreden, während ich versuche, die wesentlichen Punkte von den unwesentlichen zu trennen und die ganz wesentlichen Punkte irgendwie noch einmal näher erläutert zu bekommen und... fühlte mich irgendwann schlichtweg überfordert damit. Doch dann kristallisierten sich ganz langsam zwei größere Handlungsstränge heraus und ich merkte, wie mich das Buch immer mehr fesselte. Der Bewusstseinsstrom der Personen, macht einem deutlich, wieviele wichtige und unwichtige Gedanken man den Tag über hat und es zeigt einem, wie unterschiedlich eine Situation wahrgenommen werden kann, der Aussenstehende sieht das vermeintlich glückliche Paar, während sich beispielsweise im Inneren der Personen wahre Dramen abspielen. Septimus Smith, einer der Protagonisten, der sich langsam aus der Masse der Gedanken herausschält, ist ein ehemaliger Soldat, der durch das im Krieg Erlebte, schwer traumatisiert ist, ihm gegenüber steht Clarissa Dalloway, deren Umfeld in Teilen mit dem Septimus' überlappt und die dadurch indirekt miteinander in Verbindung stehen. Clarissa Dalloway, deren an diesem Abend stattfindende Abendgesellschaft viele der Personen vereinen wird, die uns im Buch begegnen, ist eine eher egozentrische Frau gereiften Alters, die immer noch der Mittelpunkt ihrer Gesellschaft ist. Alles konzentriert sich auf den Moment, wo Clarissa auftritt, wo Clarissa da ist. Das Faszinierende an diesem Buch ist, dass die Handlung nur im Verlaufe eines einzigen Tages stattfindet. Jede der handelnden Personen verliert sich zeitweilig auch in ihren Erinnerungen, aber die eigentliche Handlung ereignet sich in London im Verlaufe eines Tages im Jahr 1923. Die scheinbar völlig voneinander losgelösten Handlungsstränge, werden letztlich am Abend in dieser Abendgesellschaft, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, zusammengeführt. Sowohl die Abendgesellschaft und die Erinnerung daran, dass diese stattfinden wird, als auch der Glockschlag von Big Ben sind Elemente, die immer wieder auftauchen und diesem ansonsten streckenweise recht chaotisch wirkenden Informationsstrom eine gewisse Struktur geben. Immer mal wider gibt es Überlappungen, immer mal wieder erkennt man eine geiwsse Struktur, nur um sie gleich wieder zu verlieren. Ein faszinierendes Buch, das mich nach den ersten Anfangsschwierigkeiten in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat. Sehr schön fand ich bei dieser Ausgabe vom Fischer Verlag (Dez 2012) die Vielzahl von Anmerkungen, die das Verständnis des Buches erleichterten, sowie auch den informativen Werksbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon, in meinen Augen eine rundum gelungene Ausgabe.

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    • 3
    dicketilla

    dicketilla

    28. October 2014 um 08:01
  • "Fear no more" - Fürchte Dich nicht - Die Welt der Virginia Woolf

    Mrs Dalloway
    LibriHolly

    LibriHolly

    Es gibt Bücher, die möchte man unbedingt einmal im Leben gelesen haben. „Mrs Dalloway“ von Virginia Woolf, gehört für mich dazu. Dank Lovelybooks und dem Fischer-Verlag habe ich es nun endlich geschafft es zu lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Kein Wunder, gehört dieses Buch zu den modernen Klassikern, inspirierte Autoren wie Michael Cunningham zu seinem Buch „Die Stunden“ (welches als „The Hours“ verfilmt wurde). Dabei verfügt das Buch nicht einmal über einen besonderen Plot. Die Handlung spielt an einem warmen Junitag des Jahres 1923. Sie erstreckt sich über lediglich 12 Stunden und ist aufgegliedert in 2 Handlungsstränge. Zum einen wäre da Mrs Clarissa Dalloway. Sie befindet sich in ihrem 52-ten Lebensjahr und ist an diesem Tag mit den Vorbereitungen für eine ihrer berühmten Dinner-Partys beschäftigt. Kein außergewöhnlicher Tag für sie, eigentlich, würde nicht just an diesem Tag unerwartet ihre alte Jugendliebe, der Kolonialoffizier Peter Walsh vor ihrer Türe stehen. Peter, der Clarissa vor Jahren einen Heiratsantrag machte, den diese ablehnte. Peter, der in seiner Verzweiflung für 5 Jahre nach Indien ging. Nun steht er plötzlich wieder vor Clarissas Tür und mit ihm all die Erinnerungen an ihre Jugend. Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit Septimus Warren Smith. Ein junger Mann der im 1.Weltkrieg kämpfte und seither unter einem, wie man es damals nannte, „Shellshock“ leidet, wir würden heute wohl am ehesten Posttraumatisches Belastungssyndrom dazu sagen. Auch er findet sich immer wieder, durch äußere Einflüsse, sei es eine Fehlzündung oder ähnliches, mit seinen schrecklichen Erinnerungen konfrontiert. Nun zunächst haben die beiden Handlungen scheinbar nichts miteinander zu tun, lediglich, dass sich die beiden Hauptfiguren an diesem besagten Tag in der Innenstadt von London aufhalten, teilweise sogar an den gleichen Orten. Doch mit der Zeit wird dem Leser klar, dass es sich mit den beiden Hauptprotagonisten wie mit Plus und Minus, Kopf oder Zahl, Spiegelbild und Original, ja, Positiv und Negativ verhält. Wie zwei Seiten einer Medaille gehören die beiden zu einer Welt. Der Welt des britischen Empire. Und…an sich keine besondere Handlung, könnte man nun sagen, wäre da nicht dieser grandiose Aufbau. Die zeitliche Strukturierung durch die immer wiederkehrenden Glockenschläge von Big Ben, eine Art Countdown, der dem Leser einerseits die Vergänglichkeit der Zeit vor Augen führt und andererseits verdeutlicht, dass das Buch unweigerlich auf einen ganz bestimmten Punkt hinausläuft. „Erst eine Warnung, melodisch; dann die Stunde, unwiderruflich.“ So wundert es auch nicht, dass es exakt in der Mitte des Buches 12 Uhr schlägt. Neben der zeitlichen Strukturierung ist ebenfalls die in Perfektion eingesetzte Erzähltechnik des sog. „Bewusstseinsstroms“ bzw. „Stream of Consciousness“ beeindruckend.  Bei dieser Technik wird versucht, die Wahrnehmungen, Erinnerungen, Assoziationen, Gedanken, Gefühle, Reflexionen und die überwältigenden spontanen Eindrücke der jeweiligen handelnden Figur, subjektiv so wiederzugeben, wie sie in das menschliche Bewusstsein fließen. Dies führt dazu, dass es keinen Erzähler im klassischen Sinne mehr gibt, die Figuren erzählen quasi selbst, ihre Innenwelt wird kommentarlos präsentiert. Geradezu zwangsweise kommt es bei dieser Technik zu Überlagerungen der jeweiligen Eindrücke, ja, zu fließenden Überblendungen von einer Person zur anderen. Dies erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit von dem Leser und stellt auch eine gewisse Herausforderung dar. „Mrs Dalloway“ ist folglich auch kein Buch, das man mal so nebenbei zur Entspannung lesen kann. Aber man sollte sich dadurch auch nicht abschrecken lassen, denn die Mühe lohnt sich, entfaltet sich doch vor dem Auge des Lesers ein einmaliges kunstvolles Gewebe aus Gegenwart, Realität, Vergangenheit, Imagination und Stimmungen, wie man es heutzutage nur noch selten in Büchern vorfindet. Auf diese Art packte die scharfsinnige Beobachterin und wegweisende Literatin Virginia Woolf in eine Stunde ein ganzes Jahr und in 12 Stunden ganze Jahrzehnte, ja, teilweise ganze Leben und hielt so den Menschen ihrer Zeit, den Mitgliedern der Londoner Oberschicht, gnadenlos den Spiegel vor. Schlicht ein Meisterwerk!

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    • 4
  • Leserunde zu "Mrs Dalloway" von Virginia Woolf

    Mrs Dalloway
    aba

    aba

    Ich freue mich, die nächste Leserunde zu der LovelyBooks Klassiker Zeitreise eröffnen zu dürfen. Mit "Mrs Dalloway" von Virginia Woolf geht es weiter. Zur Ausgabe Mit seinen kühnen Sprüngen in die Bewusstseinsströme der Protagonisten zählt "Mrs Dalloway" längst zu den Klassikern der Moderne. Ob erotische Phantasien beim Einkauf in der Stadt, ob Todesängste oder die Erinnerung an alte Träume – was den Roman so einzigartig macht, ist Virginia Woolfs wacher Sinn für die Brüchigkeit unserer Existenz. Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Über Virginia Woolf Virginia Woolf, am 25. Januar 1882 in London geboren, wuchs im großbürgerlichen Milieu des viktorianischen England auf. Ihr Leben lang litt sie unter wiederkehrenden psychischen Krisen. 1912 heiratete sie Leonard Woolf; zusammen gründeten sie 1917 den Verlag "The Hogarth Press". Ihr Haus war ein Zentrum der intellektuellen "Bloomsbury Group". Am 28. März 1941 nahm Virginia Woolf sich unter dem Eindruck der Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges und erneut bedroht von einer Verdunkelung ihres Gemüts das Leben. Zusammen mit den S. Fischer Verlagen lade ich euch zu einer Leserunde zu diesem Klassiker ein. Für die Leserunde werden vom Verlag 10 Freiexemplare zur Verfügung gestellt. Diese werden unter den Interessenten verlost. Ihr könnt aber auch mit euren eigenen Exemplaren teilnehmen oder solche bei den Fischer Verlagen erwerben, wenn ihr diese Leserunde auf keinen Fall verpassen möchtet. Wer ein Exemplar gewinnen möchte, antwortet bitte bis zum 28.06.2013 auf folgende Frage: "Clarissa Dalloway führt ein großes Haus im vornehmen Londoner Stadtteil Westminster. Eine ihrer glänzenden Soireen soll an einem Junitag des Jahres 1923 stattfinden. Der Ablauf dieses einen Tages bildet die Gegenwart des Romans, in die Clarissa durch die Stundenschläge des Big Ben immer wieder zurückgeholt wird." Ein Roman an einem einzigen Tag. Kennt ihr noch einen Roman, der an nur einem Tag spielt (oder in einer Nacht)? Mir fällt natürlich "Ulysses" ein, der übrigens als Inspiration für "Mrs Dalloway" gedient hat. Ich bin gespannt auf eure Antworten. Vielleicht sind da auch wieder neue Lesetipps! Eine Bitte: Benutzt die Spoilerfunktion für eure Bewerbungen nicht. Danke! Wichtig: Im Gewinnfall verpflichten sich die Teilnehmer der Leserunde, innerhalb von ca. vier Wochen zum Austausch in allen Abschnitten sowie zum Schreiben einer Rezension.

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    • 363
  • Keine Angst vor Virginia Woolf!

    Mrs Dalloway
    Bella5

    Bella5

    Zum Inhalt: "Clarissa Dalloway führt ein großes Haus im vornehmen Londoner Stadtteil Westminster. Eine ihrer glänzenden Soireen soll an einem Junitag des Jahres 1923 stattfinden. Der Ablauf dieses einen Tages bildet die Gegenwart des Romans, in die Clarissa durch die Stundenschläge des Big Ben immer wieder zurückgeholt wird. Denn die Ereignisse - Besorgungen, Vorbereitungen, Besuche und schließlich die Abendgesellschaft, die allen konventionellen Erwartungen entspricht - lösen Assoziationen aus, die sie zugleich in die Vergangenheit und in die Wirklichkeit ihres inneren Bewußtseins führen, die eigentliche Welt dieses Romans. In langen Erinnerungs- und Gedankenketten wird sie sich nach und nach der Brüche zwischen ihrer äußeren und ihrer inneren Existenz gewahr." Meine Meinung: Virginia Woolfs Roman ist kein Buch, das man en passant lesen sollte. Es ist auch keine locker - flockige Unterhaltung mit happy ending. Trotzdem war es für mich in Zeiten der Instant Literatur eine Wohltat, das Buch zu lesen, denn es steht nicht ein simpler plot im Vordergund, sondern es werden innere Prozesse und Gedanken erörtert. Stream of Consciousness at its best. "Mrs Dalloway " ist ein Roman, den man immer wieder lesen kann, um neue Aspekte zu entdecken.

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    • 3
    Alira

    Alira

    03. September 2014 um 10:44
  • Ein einziger Tag oder das ganze Leben

    Mrs Dalloway
    danuzza

    danuzza

    Die Handlung dieses Romans ist schnell erzählt: Eine Londoner Dame, 52 Jahre alt, verheiratet mit einem britischen Politiker, geht aus ihrem Haus, um Blumen zu kaufen. Sie wird abends eine große Dinnerparty geben und ist den ganzen Tag mit den notwendigen Vorbereitungen beschäftigt. Dabei trifft sie viele Bekannte, sogar ihre Jugendliebe besucht sie unerwartet. Dieser Handlungsstrang kreuzt sich mit dem Schicksal von Septimus Warren Smith, ein Kriegsveteran der unter Depression leidet und nicht mehr dazu fähig ist, mit seiner Frau, mit den Ärzten, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Doch nicht die beiden, sehr dünnen Handlungsfäden machen die Stärke dieses Romans aus, sondern die Art und Weise, wie die Autorin uns durch das Labyrinth der Gedanken der Romanfiguren führt. Wir folgen nicht Clarissa bei ihrer Besorgungen, wir lauschen keine Dialogen, wie man normalerweise beim Lesen eines Romans der Fall ist: Wir sind in ihrem Kopf und springen vom Gedanken zum Gedanken, von einer ihrer Erinnerungen zur nächsten. So lernen wir sowohl Clarissa als auch die weiteren Figuren dieses Romans sozusagen von Innen kennen, was teilweise die Lektüre erschwert, andererseits viel tiefere Einblicke in die menschliche Psyche erlaubt. Dieses Buch wurde 1925 geschrieben. Es stellt sich somit die Frage, was uns seine Lektüre knapp hundert Jahre nach seiner Redaktion überhaupt geben kann. Selbstverständlich stellt Mrs Dalloway ein Meisterwerk der literarischen Erzähltechnik des Bewusstseinstroms (Engl. stream of consciousness) dar, was immer noch eine äußerst interessante und bereichernde Leseerfahrung verspricht. Doch über seinen literaturhistorischen Wert hinaus bietet dieser Roman dem zeitgenössischen Leser viele Anreize. Sehr vielfältig erscheinen die Menschenportraits, die aus den Wahrnehmungen und Erinnerungen der Romanfiguren rekonstruiert werden können: Septimus, der Kriegsveteran, der mit der Welt nicht mehr zurecht kommt und in gewisser Weise zum Symbol der modernen Entfremdung wird; Richard Dalloway, der Ehemann, der zwischen dem konservativen, traditionellen Männerbild und dem unausgesprochenen Wunsch nach einer gefühlsvolleren Rolle kein Gleichgewicht findet; Peter Walsh, der ewig zögert, eine äußerst aktuelle Mann-Figur, der im reifen Alter immer noch nicht weiß wohin mit seinem Leben; und vor allem Clarissa, die hinter ihrer scheinbaren Ruhe ein Gewirr aus Gedanken, Bedauern, Sehnsüchten, Zweifeln verbirgt. Alle diese Figuren haben die Eigenschaft, perfekte Zeuge ihrer Zeit und zugleich zeitlos zu sein, denn ihre Wurzeln stecken tief im Boden der britischen bürgerlichen Gesellschaft der ersten Nachkriegszeit, jedoch verkörpern sie Gefühle, Einstellungen und Menschentypen, die universeller Natur sind. Darüber hinaus bietet dieses Buch viele teilweise auch sehr moderne Ansätze, was die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die Bedeutung der Ehe, die psychische Krankheit als Zeichen unserer Zeit, die Folgen des Krieges, die Macht der Medizin und vieles mehr betrifft. Ich habe mich gefragt, wer die Hauptfigur dieses Buches wirklich sei. Geht es um Clarissa, um ihre Sehnsüchte und Erinnerungen? Oder doch um Septimus, um seine Unfähigkeit, sich wieder der Welt zuzuwenden? Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der wahre Hauptdarsteller dieses Buches die Zeit sei, die Zeit, deren Vergehen durch den ganzen Roman vom Glockenschlag des Big Ben bestimmt wird, die Zeit, die sich im grau gewordenen Haar von Clarissa bemerkbar macht, die Zeit, die die junge Elizabeth noch vor sich hat, die Zeit, die Septimus nicht mehr erleben wird. Eine sehr anspruchsvolle, komplizierte und zeitaufwendige Lektüre, die in der Nacherzählung des Gedankenflusses eines einzigen Tages zur Metapher des ganzen Lebens wird.

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    • 2
  • Mrs Dalloway

    Mrs Dalloway
    Blaustern

    Blaustern

    „Mrs Dalloway“ erzählt von der 52jährigen Clarissa Dalloway, die in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts in London lebt und Frau eines Parlamentsabgeordneten ist. Die ganze Geschichte spielt an nur einem einzigen Tag im Juni, an dessen Abend sie mit ihrem Mann einen großen Empfang gibt. Tagsüber ist sie mit den Besorgungen beschäftigt und trifft auf jede Menge Bewohner dieser Stadt mit denen sie sich unterhält oder auch den einen oder anderen Spaziergang macht. Dabei tauchen wir immer wieder von den Gesprächen aus in die Gedanken und Gefühle von Clarissa Dalloway ein und übergangslos in die Geschichten, Betrachtungen und Emotionen der ihr gerade gegenüberstehenden Person. Sie alle teilen bestimmte Erinnerungen, und so findet die Vergangenheit in Clarissa Dalloways Leben zurück, welches bis zu diesem Tag korrekt und ordnungsmäßig verlief. Plötzlich versinkt sie in Selbstbesinnungen und beschönigt doch wieder ihr bisheriges Leben vor sich selbst. Ausgerechnet jetzt ist ihre Jugendliebe Peter Walsh wieder in der Stadt und weiß, genau wie damals kurz nach dem 1. Weltkrieg, wieder nicht, wie sein Leben weitergehen soll. Er will seine Jugendfreunde besuchen und taucht ganz klar zuerst bei Clarissa auf, die er immer noch liebt. Damals hatte sie ihn zurückgewiesen aufgrund seines niederen Ranges und doch dachte sie permanent an ihn und bei den Vergleichen zu ihrem Mann schnitt oftmals Peter besser ab. Des Weiteren spielt in diesem Buch Septimus Warren Smith eine große Rolle. Er ist ein Kriegsveteran und traumatisiert aus dem 1. Weltkrieg heimgekehrt. Seine Frau weiß, wie es um ihn steht, dabei würde sie dem Arzt so gern Glauben schenken. Doch dies soll sein letzter Tag auf Erden sein, wovon Clarissa Dalloway von Bekannten erfährt. Und auch sie denkt über diese Möglichkeit für sich selbst nach. Man ist oft gefangen und versunken in dem jeweiligen Innenleben der Person, aus dem einen dann immer wieder der Glockenschlag des Big Ben emporholt. Das gesellschaftliche Leben dieses Zeitalters kommt gut zum Ausdruck und wird ergreifend nahe gebracht, auch wie man derzeit psychisch Kranke behandelte. Die Autorin hat ihre gezielten Beobachtungen in Sätze verfasst, die stilistisch sehr eigen sind, gut durchdacht, aber enorm verschachtelt, sodass dieses Werk mehr als anspruchsvoll und nicht leicht zu lesen ist. Man sollte sich für diesen Roman sehr viel Zeit nehmen, die man gerade am Anfang benötigt, um überhaupt ins Geschehen hineinzufinden.

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    • 2
  • Ein Partytag im Jahre 1923

    Mrs Dalloway
    simone_richter

    simone_richter

    Virginia Woolf brachte den Bewusstseinsstrom in die Literatur ein - "Mrs Dalloway" ist ein Meilenstein der modernen Literatur. Kurzbeschreibung: "Mrs Dalloway" behandelt einen Tag im Leben der 50-jährigen Clarissa Dalloway, der Frau eines Parlamentsabgeordneten. Sie verbringt den Tag mit Besorgungen für einen großen Empfang, den sie und ihr Mann am Abend geben werden. In der Stadt trifft sie den überraschend früher zurückgekehrten Kolonialoffizier Peter Walsh, ihre Jugendliebe. Die Begegnung löst Erinnerungen aus. Die Glockenschläge der Turmuhr von Big Ben strukturieren Clarissa Dalloways Tag bis zur Party. Und immer wieder schweifen ihre Gedanken in die Vergangenheit ab. Parallel gibt es im Roman den nervenkranken Kriegsveteranen Septimus Warren Smith." In dem Werk gibt es die inneren Gedankengänge der Protagonisten und die äußere messbare Zeit des einen Tages im Juni von 1923. Dabei werden ohne Kapitel, die Übergänge, vom Bewusstsein der einen Person in das Bewusstsein der anderen Person durch die Glockenschläge des Big Ben geschwenkt. Clarissa Dalloway wird ihre aus gesellschaftlichen Zwängen bestehende Ehe vor Augen geführt und Septimus Warren Smith paranoisiert die Vergangenheit mit dem Krieg. Bei Clarissa passiert die Erinnerung durch das Wiedersehen mit ihrem Jugendfreund Peter Walsh, der sie noch immer liebt. Virginia Woolf verwendet auch immer wieder ein Leitmotiv von Shakespeare, das vom Ende der Angst handelt: Fear no more the heat o' the sun Nor the furious winter's rages. Dieses Zitat wird dem Werk gerecht, weil es sowohl eine optimistische Sichtweise auf das Leben als auch auf den Tod, als ihm zum Leben zugehörig, verstanden wird. Man merkt, dass Frau Woolf eine Intellektuelle mit den Beschränkungen ihrer Zeit war - der Roman ist stilistisch sehr gut mit toller Beobachtungsgabe und das, wo doch nur ein Tag im Juni beschrieben wird. Es fließen Gegenwart und Erinnerung, Reales und Imaginäres, Stimmungen, Eindrücke und äußere Geschehnisse zusammen. Es gibt sehr viel innere Monologe mit denen sich ihre Figuren auseinander setzen und man "mittendrin" ist in der Welt der Protagonisten und ihre Zweifel hautnah miterlebt. Dabei wird Homosexualität, Gesellschaftskritik, Kriegstraumata, Depressionen, Kritik an Ärzten... deutlich gezeigt.

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    • 2
    aba

    aba

    28. July 2014 um 21:37
  • Im Land der Erinnerungen

    Mrs Dalloway
    maggiterrine

    maggiterrine

    "Mrs. Dalloway" von Virginia Woolf gehört zu den ganz großen Klassikern der Literatur und ihr Schreibstil wird allgemein als etwas Besonderes angesehen. Und das ist er auch. Virginia Woolf versucht überall noch einen Gedanken und noch eine Bemerkung unterzubringen, springt dabei von Gedanke zu Gedanke und hinterlässt ihrer Leserschaft dadurch verschachtelte Sätze, die nur sehr mühsam wieder zu entknoten sind. Oft habe ich mich gefragt, warum Sie das tut...Ist es einfach nur Stil? Sind dieses Zwischenbemerkungen gar nicht so belanglos, wie sie mir vielleicht erscheinen? Sind es nur die Symptome ihrer immer wieder auftretenden Psychosen? Als Psychologiestudentin und Liebhaberin nüchterner Literatur tendiere ich eher zu letzterem aber das ist Ansichtssache. Aber worum geht es eigentlich bei "Mrs. Dalloway"? Auch hier kann ich leider nur mit Spekulationen dienen. Vielleicht geht es um das Wiederaufflammen einer nie wirklich vergessenen Liebe oder um das Innenleben vieler verschiedener Menschen, die zufällig alle zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind. Auf jeden Fall aber geht es um die Vergangenheit. Um Entscheidungen die man getroffen hat und ihre Auswirkungen und über Glück, welches man irgendwann mal empfunden hat. Zum Spekulieren ist das Buch auf jeden Fall bestens geeignet und da liegt meiner Meinung auch der Charme des Buches. Die verschachtelte Satzstruktur und die wirren Gedankengänge sämtlicher Charaktere machen das Buch trotzdem eher sperrig, weshalb ich es nur geduldigen Lesern empfehlen kann.

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  • Mrs. Dalloway

    Mrs Dalloway
    Lesebienchen

    Lesebienchen

    Wenn man wie ich den „Ulysses“ von Joyce lesen und sich durch unzählige verworrene Episoden hindurchschlängeln musste, hat man erstmal genug von Erzählexperimenten, von den Anstrengungen des Roman des 20. Jahrhunderts, Wirklichkeit abzubilden. Doch irgendwie war da ja noch etwas, es schwirren Wortfetzen wie „The Hours“ oder auch Sätze wie „Mrs. Dalloway sagt, sie wolle die Blumen lieber selber kaufen.“ umher und lassen das Leserherz nicht mehr los. Seit langem schon wollte ich den wohl berühmtesten Roman von Virginia Woolf lesen, seit langem geisterte eine Vorstellung von diesem in meinem Kopf herum, die bestätigt oder revidiert werden wollte. Wird der Roman ähnlich langweilig wie „Ulysses“, ähnlich verworren, ähnlich erzählerisch anstrengend? Nun endlich konnte ich ihn in der neuen  Fischer-Klassikausgabe lesen und meine Fragen beantworten. Ja, der Roman ähnelt „Ulysses“ in seinem erzählerischen Bemühen, die menschliche Gedankenwelt abzubilden.  Wie auch Joyce erzählt Woolf die Geschehnisse eines Tages, wobei die Figur der Mrs. Dalloway einen Schwerpunkt einnimmt. Immer wieder taucht man unvermittelt in die Gedanken dieser Frau ein, erfährt von Vergangenem, von der Liebe, von Selbstzweifeln, ja sogar von Selbstmordgedanken. Doch nicht nur ihre Überlegungen erfährt der Leser, sondern auch die vieler anderer, mit denen Mrs. Dalloway sich unterhält oder denen sie zufällig bei einem Spaziergang begegnet. Unvermittelt wechseln die Gedanken von einer zur anderen Personen und geben einen  kurzen Einblick in eine neue Perspektive. Ja, das macht das Lesen wie auch beim „Ulysses“ anstrengend. Man benötigt einige Zeit, um sich einzulesen. Woolfs Roman ist keiner zum Entspannen oder Sich- Berieseln- Lassen, sondern man muss sich das Lesen erarbeiten, sich Stück für Stück in die unterschiedlichen Perspektiven einfinden. Auch wenn sich beide Romane in dieser Hinsicht beinahe gleichen, liegt der Unterhaltungswert bei „Mrs. Dalloway“ jedoch deutlich höher als bei Joyce. Man hat hier nicht den Eindruck, dass das Erzählte nur Mittel ist, die unterschiedlichen Erzählweisen zu illustrieren. Woolfs Roman veranschaulicht vielmehr die komplexe Gedankenwelt einer Frau vor dem Panorama einer von Krieg und Zerstörung gebeutelten Generation, denn neben Mrs. Dalloway nimmt der Soldat Septimus Warren Smith, der traumatisiert aus dem Krieg zurückgekehrt ist, eine weitere wesentliche Stellung im Roman ein. Diesen Roman, wenn auch verbunden mit einigen Anfangsschwierigkeiten, habe ich nicht bereut zu lesen. Man muss sich auf die hohen erzählerischen Ambitionen einlassen, sich seinen Platz in diesem Roman erarbeiten. Dann kann es sogar geschehen, dass  man Seite für Seite immer mehr in die Gedankenwelt und Psyche der Figuren eintaucht, darüber beinahe die Zeit vergisst und zum Glück vom Glockenschlag des Big Ben im Roman in die Wirklichkeit geholt wird. Denn nicht umsonst wollte Woolf ihren Roman eigentlich „The Hours“ nennen.

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    IraWira

    IraWira

    25. July 2014 um 13:50
  • Die unerträgliche Lächerlichkeit des Seins

    Mrs Dalloway
    TochterAlice

    TochterAlice

    ... mit ihren Nichtigkeiten, den Wichtigkeiten, den Gecken in ihrem Schein, die sich ihren Teil vom Kuchen holen wollen - und eine gewaltige Todessehnsucht. Kurzum, das Leben nach dem 1. Weltkrieg mit seiner Leere, seiner Hoffnungslosigkeit und der Suche nach (neuer) Sinnhaftigkeit - das porträtiert Virginia Woolf in einer 1925 erschienen, zwar wenig umfangreichen, aber umso gewaltigeren Gesellschafts- und Milieustudie. Der Gesellschaft einen Spiegel vorführen will sie - was ihr mit Sicherheit nur teilweise gelingt, so dicht, so klug, aber auch so persönlich und voll von Animositäten ist dieses Buch. Dabei bediént sie sich ihrer Protagonistin Mrs. Clarissa Dalloway und stellt nur einen einzigen Tag in deren Leben dar, ein Leben in London voller Ressentiments, Wünsche, Sehnsüchte - wobei die Todessehnsucht eine davon ist - umgeben von einer verwirrend langen Reihe von (Mit)Menschen, man könnte sagen, einer Menschenkette, die sich um Mrs. Dalloway rankt, die an diesem einen Tag eine Gesellschaft geben wird, in der der Roman kulminiert und auch endet. Davor trifft sie eine alte Liebe wieder - Peter Walsh, den sie einst abgelehnt hat, an den sie jedoch - durchaus auch im Vergleich zu ihrem Gatten Richard - ständig denkt und Vergleiche zieht. Peter Walsh symbolisiert die damalige Lebenssituation: nicht wissend wohin, das Neue fürchtend, das Alte verwerfen oder doch lieber wahren wollend. Für mich steht er symbolisch für die Situation nach dem 1. Weltkrieg, für das Leben in den 1920er Jahren. Mrs. Dalloway gegenüber gestellt ist ein anderes Leben, ein anderes Schicksal, nämlich das von Septimus Warren Smith, eines Kriegsheimkehrers, dessen letzter Tag dies werden soll. Die beiden begegnen sich nicht, Mrs. Dalloway hört lediglich auf ihrer Gesellschaft von ihm und überlegt, seinen Weg zu gehen. Ein ungeheuer dichter und anspruchsvoller Roman, ein sehr persönliches und schmerzhaftes Buch ist es, das Virginia Woolf geschrieben hat: mit seinen Zweifeln an der Sinnhaftigkeit des Lebens und der Darstellung von der Leere darin ist es ein Buch für die Ewigkeit, auch wenn es ganz klar den Zeitgeist der 1920er spiegelt. Ein kluges Buch, ein vielschichtiges und zugleich ungeheuer forderndes - lesen Sie es bloß nicht mal schnell zwischendurch, Sie werden daran verzweifeln. Nehmen Sie sich viel, viel Zeit, damit Sie sich austauschen, recherchieren können, die vorliegende Ausgabe von Fischer Klassik von 2012 (2. Auflage) ist dafür wie gemacht: liebevoll ediert mit ausführlichen Anmerkungen und einer Zeittafel, die wichtige Informationen zum Verständnis enthält. Mrs. Dalloway - ein Kind ihrer Zeit, das für die Kinder unserer Zeit jedoch eine große Bereicherung sein kann - wohlgemerkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort!

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  • Leserunde zu "Der Proceß" von Franz Kafka

    Der Process
    aba

    aba

    Ich freue mich, die nächste Leserunde zu der LovelyBooks Klassiker Zeitreise eröffnen zu dürfen. Mit "Der Proceß" von Franz Kafka geht es weiter. Zur Ausgabe "Der Proceß" ist Franz Kafkas weltweit meistgelesener und bekanntester Roman – nicht zuletzt dank der kongenialen Verfilmung durch Orson Welles. In der Geschichte des Josef K., dem in einem ebenso absurden wie undurchsichtigen Verfahren der Prozess gemacht wird, zeigt der große Prager Schriftsteller seine ganze Erzählkunst. Je mehr K. seine ungenannte Schuld zu ergründen und sich zu verteidigen sucht, desto tiefer gerät er in die alptraumhaften Labyrinthe einer undurchschaubaren Gesetzesmaschinerie. Lakonisch im Ton, steigert sich der Text vom Grotesk-Komischen ins abgrundtief Tragische – ein literarisches Meisterwerk. Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Über Franz Kafka Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 als Sohn jüdischer Eltern in Prag geboren. Nach einem Jurastudium, das er 1906 mit der Promotion abschloss, trat Kafka 1908 in die "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt" ein, deren Beamter er bis zu seiner frühzeitigen Pensionierung im Jahr 1922 blieb. Im Spätsommer 1917 erlitt Franz Kafka einen Blutsturz; es war der Ausbruch der Tuberkulose, an deren Folgen er am 3. Juni 1924, noch nicht 41 Jahre alt, starb. Zusammen mit den S. Fischer Verlagen lade ich euch zu einer Leserunde zu diesem Klassiker ein. Für die Leserunde werden vom Verlag 10 Freiexemplare zur Verfügung gestellt. Diese werden unter den Interessenten verlost. Ihr könnt aber auch mit euren eigenen Exemplaren teilnehmen oder solche bei den Fischer Verlagen erwerben, wenn ihr diese Leserunde auf keinen Fall verpassen möchtet. Wer ein Exemplar gewinnen möchte, antwortet bitte bis zum 24.04.2014 auf folgende Frage: Wem gehört Kafka? Sehr aktuell ist der Streit um Kafkas Nachlass. Sein Werk gilt gleichzeitig als jüdisch und als "urdeutsch". In einem sehr komplizierten internationalen Rechtstreit erhebt der Staat Israel Anspruch auf die Schriftstücke Kafkas und bezeichnet sie als "nationales Kulturgut". Das Familiengericht in Tel Aviv verweigerte den Schwestern Eva und Ruth Hoffe die Erbberechtigung für ihre verstorbene Mutter Ilse Ester Hoffe, die die Handschriften 1945 als Geschenk von Max Brod bekommen hatte. Hoffe verkaufte einen Teil der Texte, darunter 1988 den "Prozess" an das Deutsche Literaturarchiv Marbach, für etwa zwei Millionen Dollar. Habt ihr Lust, über die Frage "Wem gehört Kafka?" hier zu diskutieren? Übrigens, wer das Glück hat und sich in oder um Marbach befindet, kann noch bis zum 21. April die Sonderausstellung "Der ganze Prozess" besuchen. Ausgestellt werden die erhaltenen 161 Blätter des Manuskripts. Wenn das nicht eine aufregende Ausstellung ist! Mehr dazu unter: http://www.dla-marbach.de/dla/museum/ausstellungen/wechselausstellungen/index.html Im Gewinnfall verpflichten sich die Teilnehmer der Leserunde, innerhalb von ca. vier Wochen zum Austausch in allen Abschnitten sowie zum Schreiben einer Rezension.

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