Virginia Woolf Orlando: Eine Biographie (Fischer Klassik PLUS)

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Inhaltsangabe zu „Orlando: Eine Biographie (Fischer Klassik PLUS)“ von Virginia Woolf

Kurzweiliges Sittengemälde, das munter durch die Jahrhunderte & ihre Moden purzelt und dabei eine spontane Geschlechtsumwandlung hinlegt.

— schmives
schmives

Mit Geist, Ironie und tiefsinnigen Seitenhieben. Über die Literatur, Historie, das Mensch-Sein und Leben per se.

— Reykjavik101
Reykjavik101

Eine Parodie auf die scheinbare Wahrhaftigkeit des Genres Biographie.Incl. ironischer, vergnügter und todernster Seitenhiebe auf Land&Leute.

— franzzi
franzzi
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  • Wenn einem nichts mehr zu sagen bleibt...

    Orlando: Eine Biographie (Fischer Klassik PLUS)
    Reykjavik101

    Reykjavik101

    24. October 2015 um 21:29

    Es ist so vieles über Virginia Woolfs und ihre Werke geschrieben worden, dass ich mich - wie ich meine mit Recht - etwas scheue dem noch etwas hinzuzufügen... mich in die Kette der Huldigungen und Kritiken einzureihen. Virginia Woolf verkörpert für mich einfach, und so auch im Falle von "Orlando", die Perfektion des Schriftstellertums ihrer Zeit. Kein universales Thema - Geschlechterrollen, Macht, Naturverbundenheit, Intelektualität, Gesellschaft, Kunst, Emanzipation, Einsamkeit, Leben und Sein,... - wird in diesem Roman ausgelassen. Und doch, wenn du meinst du hättest die richtige Welle erwischt, auf diesen Tiefsinnigkeiten mitzureiten - kommt eine ironische Ohrlasche und alle Kerzen sind ausgeblasen. Und bei alledem finden wir hier natürlich eine nahezu dreist ehrliche Betrachtung der Gattung Biografie. Keine Sorge, alle Biografie-Liebhaber da draußen: auch hiernach werdet ihr sie noch anfassen wollen... aber doch wohl den ein oder anderen Federführer mal auf ein angemessenes Ründchen kritischer hinterfragen. Dieses Buch ist einmalig - und wem dieses gefällt: die anderen Werke Virginia Woolfs sind es nicht minder. Also - ran da!

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  • Dann kommt die Flut des Dichters

    Orlando: Eine Biographie (Fischer Klassik PLUS)
    franzzi

    franzzi

    Orlando ist scheinbar ein ziemlich normaler Knabe, ein Sproß des Elisabethanischen Zeitalters in England, auch betuchtem Hause, mit Spaß an Kriegsspielen wie am Schreiben. Doch Orlando ist nicht normal, denn Virginia Woolf lässt ihren Romanhelden 400 Jahre lang leben, ohne ernstlich zu altern, lässt ihn sein Geschlecht wechseln, die Kontinente, die Vorlieben, die Sehnsüchte, die Gepflogenheiten. Nur eines bleibt diesem Orlando über all die vierhundert Jahre erhalten: Seine sprühende, hochlebendige Phantasie. Und diese Phantasie mischt Woolf in ihren Roman. Da friert die Themse zu und reißt dann auf, um eine Flut über die Welt zu bringen. Da bleibt die Zeit mit der ersten Liebe, einer russischen Adligen, stehen, da rennt sie davon (die Frau und die Zeit). Da bleibt Orlando tagelang in regungslosem Schlaf liegen, da geht ersie rastlos und schlaflos durch die Welt. Hier will Orlando das wahre Leben und seine Schönheit entdecken, da will ersie sich verbuddeln und tot sein. Hier ist Orlando ein Mann und Diplomat, dort eine Frau unter Zigeunern, hier verarmend wegen ewiger Rechtsstreits, dort wohlhabend mit einem neuen Mann an ihrer Seite. Die Todessehnsucht, die sich auch schon durch Woolfs "Mrs. Dalloway" zieht, ist auch präsent. Aber sie bestimmt die Grundstimmung des Buches nicht so sehr. Woolf demaskiert dabei auch die Schnöselig- und Oberflächlichkeiten der gehobenen Schicht allgemein und vieler als literarische Größen gefeierte Langweiler (- diese bleibt interessanterweise über all die Jahrhunderte konstant...ayayayayay.) Und was es ausmacht, in einer Gesellschaft ein Mann oder eine Frau zu sein, wie viel Konstruktion und Rollenbild dahinter steckt und wie viele es bei näherer Betrachtung nicht erfüllen. Häufiger entpuppen sich Bekanntschaften Orlandos als völlig anderer Natur als zunächst gedacht. Das ist klug und unterhaltsam, witzig und traurig. Da verzeihen sich auch die zwischenzeitlichen Längen, in denen die Geschichte zwischen zwei Erzählideen ein bisschen vor sich hindümpelt. Orlando ist untertitelt mit "Einer Biographie" und in diesem Erzählton und fern jeder Omnipotenz schreibt Woolf auch. Doch genau genommen ist es weniger eine Biographie als vielmehr eine Liebesgeschichte durch alle Zeiten, eine Liebesgeschichte, die lebendig macht und umbringt gleichermaßen. Die Liebe zur Phantasie und zum Schreiben, trotz aller Quälerei. "Solchen Versuchungen auszuweichen ist die erste Pflicht des Dichters, schlußfolgerte sie, denn da das Ohr das Vorzimmer der Seele ist, kann Dichtung mit größerer Gewißheit zum Ehebruch verführen und vernichten als Wolllust oder Schießpulver." (141)

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