Vitaly Baziyan

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Lebenslauf

VITALY BAZIYAN, Jahrgang 1961, ist freier literarischer Übersetzer mit einem Hintergrund in Anglistik und Germanistik sowie einer Promotion in Pädagogik. Der ehemalige Hochschuldozent zählt zu den führenden zeitgenössischen Experten für George Bernard Shaw (Shavian). Baziyan hat die meisten Originalbriefe Shaws intensiv studiert und mehrere seiner Theaterstücke neu aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Er gab eine kommentierte, sechsbändige englische Ausgabe von 928 Originalbriefen an und von Shaw heraus, die sich auf seine neu übersetzten Stücke beziehen. Zudem sammelte, bearbeitete und veröffentlichte er eine englische Ausgabe von "The Diaries of Beatrice Webb: Mainly Critical about Bernard Shaw", die alle bisher bekannten aphoristischen Einträge in den Tagebüchern von Beatrice Webb über ihren lebenslangen Freund Bernard Shaw enthält.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Vitaly Baziyan

Cover des Buches Beatrice Webb - Aus ihren Tagebüchern (ISBN: 9783945961407)

Beatrice Webb - Aus ihren Tagebüchern

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Erschienen am 30.12.2024

Neue Rezensionen zu Vitaly Baziyan

Cover des Buches Beatrice Webb - Aus ihren Tagebüchern (ISBN: 9783945961407)
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Rezension zu "Beatrice Webb - Aus ihren Tagebüchern" von Vitaly Baziyan

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Immer noch modern

Wer sich eine Biographie zur Hand nimmt, ist meist schon ein Fan desjenigen, dessen Leben beschrieben wird. Ob man ihn dann nach der Lektüre kennt oder „nur besser kennt“, muss man für sich selbst entscheiden. Besonders, wenn das Objekt der Begierde von einem Anderen beschrieben wurde. Je länger die Lebzeit her ist, desto größer der Einfluss und damit die Sichtweise der Gegenwart. Das beginnt bei der Wortwahl, der Biograph benutzt und endet noch lange nicht bei der zigsten Sichtung der Hinterlassenschaften. Und dann ist da immer noch das Damokles-Schwert, auf dem „wem nützt es?“ oder „was ist der Zweck der Biographie“ eingraviert ist… Briefe, Tagebucheinträge sind untrügliche Zitate, Meinungen, Momentaufnahmen. Wahrscheinlich sind sie näher an der Realität als so manche Nachbetrachtung.

Beatrice Webb und ihr Mann Sidney waren zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts engagierte Sozialreformer, Politiker mit gewichtigen Ideen und Worten. Sie gründeten die Fabianische Gesellschaft, um weitreichende Reformen in Gang zu setzen. Heute würde man das als Thinktank bezeichnen – so viel zum Wechselspiel von Vergangenheit und Gegenwart.

Ihre Arbeit in der Fabianischen Gesellschaft – das war ihnen von Anfang an klar – benötigten sie Menschen mit Reputation, mit Ideen, mit einer weittragenden Stimme. Dazu gehörten in ihrem Fall unter anderem der Schriftsteller H.G. Wells, Upton Sinclair, ebenfalls Sozialreformer, aber auch der als Lawrence von Arabien berühmt gewordene Thomas Edward Lawrence. Und George Bernard Shaw. Wahrscheinlich würden sie heutzutage die sozialen Medien mit ihren reformerischen Ideen fluten und als Berufsbezeichnung würde so manches mal „Influencer“ unter ihrem Namen stehen.

In ihren Niederschriften lässt der spätere Nobelpreisträger und Oscargewinner (für Pygmalion und eine erste Verfilmung des Stoffes) einfach nicht los. Es ist keine süßliche Verliebtheit, die sie fesselt. Es ist der komplexe Kosmos eines findigen Autors, der mit Wortgewalt die Leser bis heute in seinen Bann ziehen kann. Doch ist auch der scheinbar widersprüchliche Charakter. Als Shaw Charlotte Frances Payne-Townshend kennenlernt, benimmt er sich zeitweise wie ein verliebter Teenager, der öfter das Herz sprechen lässt und der Vernunft – und der Etikette – eine Nase dreht. Für Beatrice Webb ein beschauliches Spektakel.

Die im Untertitel angekündigten Enthüllungen sind zeitlos. Wüsste man nicht, das Shaw bereits vor 75 Jahren gestorben ist, man würde ihn einen modernen Zeitgenossen nennen. Nur die Umrechnungen der genannten Summen erinnern einen daran, dass es sich hier um historische Persönlichkeiten handelt. Die Einträge von Beatrice Webb stecken voller Empathie und lesen sich noch heute wie spannende Artikel aus längst vergangener Zeit. Immer schüttelt man sich und kneift sich, weil die Moderne der Gegenwart scheinbar doch nicht so neuartig ist wie man sich selbst gern einredet.

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