Vittorio Hösle

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Rezension zu "Eine kurze Geschichte der deutschen Philosophie" von Vittorio Hösle

Ein amerikanischer Blick auf die deutsche Philosophiegeschichte
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 


Ein amerikanischer Blick auf die deutsche
Philosophiegeschichte

 

Vittoria Hösle,
Professor der University of Notre Dame in den USA macht es sich in diesem Werk zur Aufgabe, in komprimierter und
übersichtlicher Form die Geschichte und, natürlich, die je konkreten Inhalte
der deutschen Philosophie dem Leser nahe zu bringen. Und bezieht dabei
erkennbar und klar eine eigene Stellung zu den jeweiligen Objekten seiner
Betrachtungen. Wobei er sich auf die „Hauptpersonen nach seinen Kriterien“
beschränkt und damit nur die „herausragenden“ Personen der deutschen
Philosophie im Buch aufnimmt.

 

Beginnend
bei Meister Eckhart im Mittelalter (den Hösle als den „Beginn des deutschen
„Sonderweges“ in der Philosophie“ verortet), führt der Weg über die
„Naturphilosophie“ des Paracelsus, über Leibniz, natürlich Kant, die
Frühromantik durch Lessing, Herder und Schiller zunächst bis zum Idealismus.

 

Der Weg über
die christliche Prägung der deutschen Philosophie hinaus (als Zäsur der
Philosophiegeschichte) beginnt mit Schopenhauer, führt dann in Abgrenzung zur
bürgerlichen Welt zu Feuerbach und Marx bis hin zur „Revolte gegen die
universalistische Moral“ bei Nitzsche (den Hösle überaus kritisch betrachtet).

 

Wiener und
Berliner Kreis stehen für die beginnende Hinwendung zur analytischen
Philosophie, die „Auslotung des Bewussten“ bei Husserl und die (durchaus die
reine „Geistesgeschichte überschreitende) Frage des Anteils der „Denker“ am
Geschehen des dritten Reiches in Person von Heidegger, Gehlen und Schmitt, bis
dann die „Anpassung an die bundesrepublikanische Realität“ in Form der
Frankfurter Schule (Habermas und Adorno) und durch Hans Jonas im Raume steht.

 

Diesen
chronologischen, erfreulich flüssig und verständlich zu lesenden, Blick auf die
„Kernpunkte“ der deutschen Philosophiegeschichte umrahmt Hösle mit der
Eingangsfrage, ob es „je einen deutschen Geist“ (laut Hösle ja, vor allem in
der „außerordentlichen Qualität“ der beteiligten „Denker“ und deren
„Denksysteme“) gegeben hat und der Ausgangsfeststellung, dass die Zeiten einer
„deutschen“ Philosophie auch für die Zukunft beendet sind.

 

Stehen die
einzelnen Erläuterungen zu den „Denkrichtungen“ sehr gut gelungen im Raum, werden
kurz und prägnant, vor allem aber verständlich die Grundsätze und
Kernüberlegungen der einzelnen philosophischen Richtungen dem Leser nahe
gebracht, stellen sich zudem die Versuche Hösles zu den Querverbindungen in das
politische und (geistes-) geschichtliche Geschehen als ebenso umfassend
vorgelegt dar.

 

Die
„Atmosphären der Zeit“, die einerseits zu den konkreten philosophischen
Reflektionen führten und dann wiederum die Einflüsse des „Denkens“ auf die
Entwicklung auch der politischen Geschichte und damit die Beeinflussung der
„Atmosphären der Zeit“ durch die Philosophie, auch dies vermag Hösle in einen
weiten Raum der gegenseitig sich bedingenden Entwicklungen zu stellen.

 

Was
allerdings ein stückweit durchaus mangelt, ist eine überzeugende Darlegung
eines „deutschen Sonderweges“. Eine Vielzahl der philosophischen Strömungen,
die Hösle sehr pointiert entweder für gut befindet oder (durchaus auch rasant)
ablehnt, finden sich in der ein oder anderen Form auch an anderen Orten, die
„Erkennungsmerkmale“ speziell „deutscher Philosophie“ wirken hier und da auch
etwas künstlich hergeleitet.

 

Alles in
allem aber eine profunde Darstellung mit ebenso klar erkennbaren Bewertungen
durch Hösle, die dem Leser chronologisch die Kernpunkte philosophischer Entwicklungen
und Grundüberzeugungen gut verständlich (wenn auch, dem Objekt entsprechend,
beileibe nicht immer simpel) vor Augen führen.


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