Vladimir Jabotinsky

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Die Fünf

Die Fünf

 (6)
Erschienen am 18.08.2017
Richter und Narr

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Erschienen am 16.12.2013

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Rezension zu "Die Fünf" von Vladimir Jabotinsky

Rezension zu "Die Fünf" von Vladimir Jabotinsky
Clarivor 6 Jahren

Aufstieg und Niedergang einer jüdischen Familie im alten Odessa um 1905.
Vladimir Jabotinsky hat sich in seinen Erinnerungen in die Stadt Odessa zu Beginn des 20. Jahrhunderts begeben.

Dort, in der Vielvölkerstadt, lernte er die Familie Milgrom kennen.
Die fünf Kinder der jüdischen Familie bilden die Rahmenhandlung zu einer Geschichte, in der es um Judentum, Assimilation, Gesellschaftsleben und Aufruhr geht.

Marussja, Marko und Lika, die Rebellische, Serjosha und Torik sind die handelnden Personen. Über allen wacht ihre Mutter Anna Michailowna Milgrom. Der Autor begegnet Mutter und Tochter Marusscha zum ersten Mal im Theater und danach immer wieder bei diversen Geselligkeiten.

Es fällt nicht ganz leicht, dem Handlungsstrang zu folgen. Die Stadt Odessa ist zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine lebendige Metropole, in der sich die Welt im Kleinen spiegelt. Geschichtlich gehörte Odessa zuerst zum Osmanischem Reich, danach vorübergehend zu Österreich-Ungarn und ab 1922 zur Sowjetunion.

Die Schulstreiche der Kinder der Familie Milgrom, erste Annäherungen an die schon ältere Marussja und die politisch aufsässige Lika bieten Stoff, um über jeden einzelnen von ihnen zu berichten. Anna Michailowna ist die liberale, gütige jüdische Mutter, eine junge Mutter dazu, die ihren Kindern mit Aufmerksamkeit zur Seite steht.

In der "Literaturka" versammeln sich Anhänger mit aufsässigem Gedankengut. Hier herrscht das freie Wort und Gedankenfreiheit, und der Autor wundert sich selbst, dass die Obrigkeit diesen keinen Einhalt gebot. "Tschechows Wehmut wurde als Protest gegen die herrschende Ordnung und Dynastie verstanden, Gorkis erfundene Barfüßer bis hin zu Malwa als Barrikadenruf; wie und warum, könnte ich jetzt nicht mehr erklären, aber so war es."
In diesem Ton geht die Geschichte voran, bezieht sich auf Zusammenkünfte, auf die herrschende Stimmung in der Stadt mit ihrer Vielfalt kultureller Möglichkeiten.

Vladimir Jabotinsky ist in Gestalt eines Journalisten immer dabei, wenn es Neuigkeiten in der Familie zu erzählen oder zu erleben gibt. Dass er darüber hinaus dem Bild Odessas, ihrer ausnehmend anspruchsvollen und von zahlreichen Einflüssen geprägten Architektur und der mit Akazien gesäumten Steilküste zum Schwarzen Meer hin gedenkt, geben seiner Erzählung den äußeren Anstrich, von dem man sogleich neugierig auf die Ereignisse blickt.

Man erlebt die Familie umsäumt von den politischen Geschehnissen, die einzelne Familienmitglieder der Familie entfremden. Was aus ihnen allen geworden ist, nimmt breiten Raum ein und schlägt den Leser in Bann. Zwischen Faulenzerei und Aufruhr, zwischen Schicksalsschlägen und Verlust betrachtet man Aufstieg und Niedergang einer Familie, die symptomatisch für das aufstrebende Bürgertum und seinen Fall war.

Der Journalist und Zionist Vladimir Jabotinsky ( 1880 -1940) galt zu seiner Zeit als politisch engagierter Kopf, der den Staat Israel in den Grenzen des biblischen Palästinas forderte. Er war zugleich Schriftsteller und Politiker. Seine Prosa ist durchsetzt mit poetischen Bildern und bietet Einblicke in die Welt des jüdischen Odessas mit allen ihren Möglichkeiten zur Entfaltung einer differenzierten, kultivierten und aufgeschlossenen Geisteshaltung der Bewohner. Es sind diese Merkmale, die das kaufmännische Großbürgertum ausmachten.

Die äußere Aufmachung des Buches ist edel und anspruchsvoll und erscheint in der Übersetzung von Ganna-Maria Braungardt und Jekatherina Lebedewa.

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