Vladimir Sorokin 23000

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Inhaltsangabe zu „23000“ von Vladimir Sorokin

Die Auserwählten der Bruderschaft wissen: Die Erde ist allein im Universum, sie ist ein Unikum. Und der Homo sapiens ist ein Unikum hoch zwei oder drei. Wenn dem aber so ist, muss man die Erde als Störfall ansehen, als Schandfleck am Leib des Universums. Als Erweckte des Lichts sind sie fast am Ziel, diesen missratenen Himmelskörper, diese von Sex und Gewalt verdorbene Erde, für alle Zeit auszulöschen - um selbst als 23 000 Strahlen in die körperlose Ewigkeit einzugehen. Dabei sprechen ihre erweckten Herzen von Liebe und meinen doch nur rohe Gewalt, Mord und die Vernichtung allen Lebens. Wer sich ihnen in den Weg stellt, endet im automatisierten Albtraum kapitalistischer Verwertungsketten. Auch im letzten Band der viel diskutierten LJOD-Trilogie schwingt Sorokin den Eishammer. In einer Welt der Reproduktion und des Konsums lässt er Heilversprechen, Erweckungsphantasien und den Wahn kommerzialisierter Glückssuche ungebremst aufeinanderkrachen. Mal Thriller, mal Gangsterroman, mal lyrisch-pathetischer Hymnus - Sorokin zieht erneut alle Register seines enormen sprachlichen Repertoires. Er spielt in seinem schon legendär gewordenen Mimikry-Stil mit Sprache und Genres und beweist einmal mehr sprachliche Gewandtheit, erzählerische Bravour und einen ausgeprägten Sinn für das Absurde.

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  • Rezension zu "23000" von Vladimir Sorokin

    23000

    Wolkenatlas

    15. June 2010 um 07:49

    Fulminanter Abschluss der "Ljod"-Trilogie Wer bereits "Ljod" und "Bro" gelesen hat, ahnt bereits, was es mit "23000" auf sich hat. Die Bruderschaft der Auserwählten entführt wieder bzw. weiterhin blonde, blauäugige Kinder, Frauen und Männer, um ihre Herzen mit speziell gefertigten Eishämmern zu wecken. Die Geweckten sind Teil der 23000 Glücklichen, die Anderen tragen bleibende Schäden davon oder sterben. Das Menschsein ist in den Augen der Bruderschaft die Schande der Erde und die Erde somit die Schande unseres Universums. Jedes Mittel zur Findung der Brüder und Schwestern ist recht, Menschen bzw. Fleischmaschinen, wie sie hier etwas reißerisch bezeichnet werden, sind (falls nicht erleuchtet), hohle Nüsse und somit wertlos. Während der erste Teil "Ljod" quasi der vorbereitende und groß angelegte Prolog ist und "Bro" sich auf den Sektengründer Bro und die Entstehung der Sekte im Rahmen der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts konzentriert, ist "23000" das große Finale. Die Bruderschaft bemüht sich, die letzten Herzen des Lichts zu finden, während zwei Überlebende der brutalen Weckversuche sich das Ziel setzen, das böse Treiben zu beenden. Aus abwechselnden Erzählperspektiven lässt Vladimir Sorokin, Russlands umstrittener Skandalautor der Postmoderne, der in Russland auch als vermeintlicher Pornoautor und Schöpfer des Obszönen verrufen ist, den Leser an dieser Stretta teilhaben und zieht ihn in dieses spannende Endzeitszenario hinein. Wieder einmal, wie schon so oft in unserer Geschichte, fühlt sich eine "Rasse" einer anderen überlegen. Sorokins "Erweckte des Lichts" wollen gar die verdorbene Erde, auf der Sex, Gewalt und Inkonsequenz vermeintlich vorherrschen, als Schandfleck des Universums auslöschen. Dazu müssen jedoch alle 23000 Herzen an einem bestimmten Tag miteinander verbunden werden. Dass der Weg dahin nur über Gewalt und Rücksichtslosigkeit führt, ist den Brüdern unwichtig. Sorokins nur leicht getarnte Sozialkritik donnert hier mit geballter Kraft auf diverse Weltverbesserer sowie selbst ernannte Wunderheiler und Glaubensjünger nieder. Die kommerzialisierte Glückssuche als Übel der Menschheit und der Wahn der Unbelehrbaren, die immer noch an die Superiorität der jeweils eigenen Rasse glauben; Vladimir Sorokin zerstört das jeweilige Phänomen, indem er die 23000 Geschwister des Lichts an ihrem eigenen Licht im "Großen Kreis" verrecken lässt bzw. ad absurdum führt. "23000" ist ein Musterbeispiel für Vladimir Sorokins Prosa, die sich an keiner Stelle stilistisch festnageln lässt und virtuos absurd auf die jeweilige Thematik oder den gerade einsetzenden Protagonisten reagiert. Obwohl definitiv nicht alles, was in "23000" von Vladimir Sorokin aufgetischt wird, den Geschmack des Rezensenten trifft, weil es immer wieder bewusst an der Grenze zwischen Kitsch und gutem Geschmack hin- und herpendelt bzw. in schwächeren Händen ein peinliches Abgleiten in niveaulose Esoterik-, Pseudoerleuchtungs- und Sciencefictionliteratur bedeutet hätte, so fesselt "23000" von der ersten bis zur letzten Seite aufgrund der schöpferischen Kraft des Autors. Wenn Vladimir Sorokin zwischen spannenden, reißerischen Szenen und pathetischen, die Ideale und Gedanken der Sekte verherrlichenden Hymnen hin- und herspringt, folgt man ihm gebannt, ohne sich seinen Einwänden hingeben zu können oder zu wollen. Empfehlenswert ist jedoch sicherlich, die drei Teile dieser spannenden und großartig von Andreas Tretner übersetzten "Ljod-Trilogie" in der richtigen Reihenfolge zu lesen. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 06/2010)

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