Volker Braun Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer

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Inhaltsangabe zu „Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer“ von Volker Braun

In einer Gegend, die es "hinter sich hat", ist Meister Flick unter die Arbeitslosen geraten. War er einst bei Havarien im Tagebau der Niederlausitz gefragt, wird er jetzt, mit 60, auf dem Amt vorstellig. Bereitwillig übernimmt er jeden Auftrag: Abfallbeseitigung in den Gruben, Museumswärter und sonstige 1-Euro-Jobs. Wird er nicht vermittelt, beschäftigt er sich selbst und nimmt einem Bautrupp die Schaufeln ab, setzt bestreikte Werkhallen in Gang oder hilft einer Frau beim Sterben. Wurde Flick früher zu Unfällen gerufen, führt er selbst jetzt die Katastrophen herbei. Trotz bester Absicht füllt sich sein Schichtbuch mit seltsamen Einsätzen: Die Arbeitswelt, in der er seinen Platz sucht, gibt es nicht mehr. Begleitet wird er von Luten, seinem Enkel und Gegenpart, der die Arbeit nicht gerade erfunden hat. Flick von Lauchhammer rennt in 48 Schwänken gegen die globalen Windräder an: ein komisch-philosophisches Schelmenstück in der Welt der "Arbeit nach der Arbeit“, eine moderne Donquichotterie und große und heiter glänzende Literatur.

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  • Rezension zu "Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer" von Volker Braun

    Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    23. October 2008 um 16:26

    Gegenwartsbeschreibung zwischen Schelmenstück und Totentanz Volker Braun, vielfach ausgezeichneter Gegenwartsautor, legt mit „Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer“ ein Buch vor, dass sich deutlich von den literarischen Neuerscheinungen dieses Herbstes unterscheidet: ein Volksbuch, in dem sich unsere Zeit vielschichtig widerspiegelt. Bevor der in der DDR aufgewachsene Volker Braun sich dem Schreiben zuwenden konnte, durchlief er viele Berufsstationen, war Druckereiarbeiter, Tiefbauarbeiter, Maschinist für Tagebau-Großgeräte, Dramaturg beim Berliner Ensemble unter Helene Weigel. Ähnlich ungewöhnlich für literarische Verhältnisse sind auch die Berufungen der handelnden Personen in Brauns Büchern: im „Machwerk“ ist es ein Fachmann für – oder besser: gegen Betriebsstörungen aller Art; sarkastischer Weise „frei“gestellt wie es neudeutsch heißt, zu einem Zeitpunkt, an dem die Wirtschaft von immer neuen, größeren und weitreichenderen „Betriebsstörungen“ geschüttelt wird... Und alle diese literarischen Gestalten Brauns bringen nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Sprache, ihr jeweils ganz eigenes Vokabular ein. „Machwerk“ bietet Wörter wie Lorbass, Butze, Fuffzehn machen, die man schon lange nicht mehr gehört, geschweige denn gelesen hat; es enthält fast vergessene bergmännische Ausdrücke; und alte mundartliche Bezeichnungen aus dem Sächsischen, viel zu schade, um sie dem globalisierten Vergessen anheim fallen zu lassen! Trotzdem - im Textzusammenhang spürt auch der Nicht-Sachse, was das unbekannte Wort für eine Bedeutung mit sich trägt, empfindet es als treffend, eben „sprechend“. Überhaupt die Sprache: unserer Alltagssprache wird in Volker Brauns Büchern das Wort im Munde herumgedreht; Gewohntes erscheint so verfremdet, wird damit dem Leser entfremdet, dem so schließlich das Alltägliche befremdlich erscheint. Hinzu kommt ein vielstimmiges Geflecht an Bezügen, Anklängen und Verweisen auf geschichtliche, philosophische und literarische Zeugen und Zeugnisse. Fast wie im Gedicht lädt Braun Wörter und Worte maximal mit Bedeutung auf. Da lohnt das langsame Lesen, das Nachsinnen, Nachhorchen und Nachschlagen. Soviel zum Handwerk. Und wo bleibt die Kunst? Die Kunst bei Volker Braun besteht unter vielem anderen darin, dass die solcherart aufgeladenen Texte nicht als akademischer Diskurs daherkommen, sondern die Wörter zu tanzen beginnen wie beim wohl gesprochenen Wort. Kein l’art pour l’art, sondern eine genauere und erhellendere Wirklichkeitsbeschreibung, als sie bisher gelang. Und so wird in diesem schmalen Band die Gegenwart in ihrer Vielschichtigkeit abgebildet, werden Hartz IV und Windenergie, Globalisierung und Klimakatastrophe, Umstrukturierung der neuen Bundesländer und Migration zu einem kritischen Zeitbild verarbeitet. Denn, so stellte Volker Braun in seiner Rede zum 800-jährigen Stadtjubiläum von Dresden fest: „So wie die Welt ist, kann die Literatur das reine Vergnügen nicht sein.“ Wer so denkt, wer sich so geschliffener Sprache zu bedienen weiß, der hatte es nicht leicht gehabt als Mensch und Autor in der DDR. Wer im Spannungsfeld zwischen Ideen und Wirklichkeiten beider Deutschlands lebt, wird sich auch im wiedervereinigten Deutschland nicht problemlos heimisch fühlen. Aus der Geschichte der Kunst und Literatur und Philosophie und und und... kurz: aus der Ideengeschichte heraus und aus seiner Lebensgeschichte heraus stellt der Autor – ebenfalls in der Dresdner Rede – fest: „Ich wusste nun, dass die Kunst nichts Harmloses ist, die leichteste Weise zugleich und die ernsteste Art unserer Existenz.“ Und genau dieser Spannungsbogen zwischen Schelmenstück und Totentanz macht Volker Brauns „Machwerk“ zu einem großen Gegenwartsbuch! Volker König

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