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VolkerFriebel

vor 2 Monaten

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Vorwort

Vor dem Haus fallen Kirschblüten ... Ich nehme sie wahr, wende mich ihnen zu, und sie entstehen neu auf dem Papier, als Skizze, als Gemälde mit Worten, als Auseinandersetzung mit dem Vergehen und der Tiefe der Welt.

Worauf ich schaue, was ich höre, womit ich mich beschäftige, sagt nicht nur etwas über mich selbst aus, es verändert mich auch.

Es verändert mich, ob ich mich Kirschblüten zuwende oder Börsennachrichten, Kriegsberichten, ziehenden Wolken, Flüchtlings­elend, Gedränge in der Straßenbahn, Auslagen in der Fleischerei­abteilung eines Supermarkts. Es liegt zumindest in Teilen an mir, wohin ich mich verändere, wohin ich mich verändern will. Das sind auch Entscheidungen.

Das Haiku ist so eine Entscheidung. Es hat eher mit Achtsamkeit zu tun als mit Zerstreuung, eher mit Werden und Vergehen als mit Statik, eher mit offener Wahrnehmung und Betrachtung als mit abstrakten Ideen, eher mit dem Kleinen als mit dem Großen.

Eindeutige Zuordnungen sind fast immer problematisch. Und jeder, der ein Haiku verfasst, legt damit auch etwas von sich selbst hinein, auch wenn er „objektiv“ bleiben möchte – und jeder, der ein Haiku liest, tut dies genauso.

Wie die meisten interessanten Dinge, ist ein Haiku kaum zu definieren – aber zu erleben. In unser Erleben gehen auch all unsere bisherigen Erfahrungen ein, es kann nie vorurteilsfrei sein – und doch eröffnet es die Möglichkeit, uns zu verändern, wenn wir es offen zu gestalten versuchen. Und die Texte dieser Sammlung bieten reichlich Gelegenheiten, sich auf das Haiku einzulassen, in seiner Vielgestaltigkeit, in der oft ganz unterschiedlichen Auffassung seines Konzepts.

Welches Konzept liegt diesem vierzehnten Jahrbuch des Projekts Haiku heute zu Grunde? Die Verbreitung des Haiku in der deutsch­sprachigen Welt soll beobachtet und dokumentiert werden. Die Vielfalt und die Breite der Ausdrucksformen ist dabei ausdrücklich erwünscht. Literarische Qualität und Inspiration sind die wichtigsten Kriterien. Natürlich stellt sich auch manchmal die Frage, was noch als Haiku gelten kann und was nicht, eine Frage, auf die eine klare Antwort nicht möglich ist.



In das Jahrbuch sind 596 Haiku von 115 Autoren und zehn Tan-Renga aufgenommen. Erstveröffentlicht wurden viele der Texte in den Monatsauswahlen von Haiku heute, im Sommergras (der Vierteljahresschrift der Deutschen Haiku-Gesellschaft), in Chrysan­themum (Halbjahres-Zeitschrift zu Haiku und Verwandtem), in den Werkstätten des Hamburger Haiku Verlags, auf VerSuch (Projekt Gendai-Haiku), auf Tageshaiku, in der Facebook-Gruppe Haiku-like. Weitere Texte wurden von den Autoren auf die Ausschreibung des Jahrbuchs hin eingereicht. Für die Aufnahme war Bedingung, dass die Texte im Jahr 2016 geschrieben oder in diesem Jahr erstveröf­fentlicht worden waren. Alle Texte wurden durch den Herausgeber ausgewählt und von ihm zusammengestellt, kritisch unterstützt durch Elisabeth Menrad.


Wie sich die deutschsprachige Haikuwelt weiterentwickelt, wird sich zeigen. Wir sind, als Leser wie als Autoren, bei dieser Gestaltung da­bei. Mögest du in interessanten Zeiten leben”, lautet ein chinesischer Fluch. In der Literatur interessante Zeiten können beglückend sein.


Näheres zum Projekt Haiku heute und dem Haiku-Jahrbuch:

www.haiku-heute.de


Es werden 3 Papierexemplare verlost. Alle Interessenten bekommen eine pdf-Datei mit dem vollständigen Buch zur Verfügung gestellt. Diese ist jetzt schon unter der oberen Netzseite ladbar. 

Autor: Volker Friebel
Buch: Südwind
1 Foto

Ralf_Broeker

vor 1 Monat

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Ich möchte dieses Buch gewinnen, damit ich es weitergeben kann an Haiku-Einsteiger, die dann nicht bei Reclam ihr erstes Haiku-Buch kaufen und so einen Eindruck vom modernen deutschsprachigen Haiku bekommen müssen.

Sonja_Raab1

vor 1 Monat

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Ich würde das Buch sehr gerne gewinnen, weil mich Haikus seit vielen Jahren begleiten und ich offen bin für alle Varianten davon, moderne und traditionelle, ich bin begeistert von Worten, beseelt von Momenten, und ich mag Volker Friebels Idee, die unterschiedlichsten Arten von Haiku zu präsentieren und ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen.
Abgesehen davon kenne ich viele der Autoren persönlich oder virtuell, teilweise seit vielen Jahren und ich freue mich einfach, wenn ich wieder etwas zu meiner Büchersammlung dazu geben kann, das mir meine Haikufreunde näher bringt.
Liebe Grüße aus dem Ybbstal!

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parden

vor 3 Wochen

Das Vorwort

Auch ich fand das Vorwort aufschlussreich. Sehr interessant, wie wenig definiert das Haiku ist. Das Projekt der Beobachtung der Entwicklung des deutschsprachigen Haikus erscheint jedenfalls lohnenswert.

parden

vor 3 Wochen

Haiku generell

Xynovia schreibt:
Die traditionelle chinesische Form der Haiku hat mit der heutigen in Deutschland verbreiteten nicht mehr viel zu tun.

Japanisch?

parden

vor 3 Wochen

Diese Auswahl

Auch wenn nicht alle der vorgestellten Haikus (schreibt man die Mehrzahl so?!) einem bestimmten Thema zugeordnet werden können, wiederholen sich viele Bereiche schon: Tod und Abschied, Alter, Sehnsucht, Jahreszeiten, Tageszeiten, Naturphänomene...

Interessant finde ich, dass mich Lyrik erst seit einigen Jahren anspricht, so auch die Haikus. Und beim Blick ins Register der Autoren fällt auf, dass bis auf wenige Ausnahmen auch alle schon älter sind. Wie kommt das eigentlich? Ich fände es jedenfalls sehr spannend, auch einmal Haikus einer jüngeren Generation zu lesen. Sicher gäbe es da auch andere Themen, andere Untertöne, andere Emotionen.

Alles in allem hat mir die Auswahl gefallen, auch wenn mich wie andernorts schon erwähnt, das 'Herunterspulen' der gesammelten Beiträge eines Autors manchmal etwas gestört hat. Eine thematische Sortierung der Haikus hätte ich hier vorteilhafter gefunden. Wie der Vorrednerin hat auch mir nicht alles gefallen, aber das wäre bei einem Lyrikband auch außergewöhnlich. Manche der Haikus konnten mich jedenfalls berühren, und das war es auch, was ich mir von der Sammlung erwartet habe...

Ralf_Broeker

vor 3 Wochen

Haiku generell
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@Xynovia

Eine interessante Sicht auf das Buch. Meine sieht anders aus. Diese Essenz eines deutschsprachigen Haikujahres ähnelt sehr stark den Themen und den lyrischen Wegen seiner japanischen Wiege und Gegenwart. Sie ist vielschichtig von zeitlos bis aktuell, von naturalistisch bis persönlich, von naiv bis hochkomplex, von unique bis zum intensiven Honkadori. Allen gemein ist durch die strenge Auswahl des Herausgebers die Einhaltung der Qualitätskriterien Kürze und Konkretheit, Gegenwärtigkeit und Offenheit (hier mehr dazu: http://www.haiku-heute.de/Archiv/Graeser_am_Wegrand_Friebel/graeser_am_wegrand_friebel.html). Das wird in Japan genauso gehandhabt und führt zu ähnlichen Ergebnissen.

Es gibt auch andere Herangehensweisen (wie im Gendai, dem modernen Haiku). Übrigens auch in Japan, aber sicherlich mittlerweile eher als globale Haiku-Entwicklung. Hier vielleicht exemplarisch: http://gendai-haiku.blogspot.de/2013/11/das-feuer-bewahren.html

Xynovia

vor 3 Wochen

Haiku generell

parden schreibt:
Japanisch?

Ja na klar japanisch, das kommt davon wenn man das eine macht und sich dabei mit jemanden über China unterhält. :-D

parden

vor 3 Wochen

Plauderecke

Vielen Dank, dass ich hier mitlesen durfte. Hier geht es zu meiner Rezension:

https://www.lovelybooks.de/autor/Volker-Friebel/S%C3%BCdwind-1450850827-w/rezension/1476632527/1476640891/

VolkerFriebel

vor 3 Wochen

Haiku generell

Vielen Dank fürs Lesen und für die Beiträge. Das war auch für mich sehr interessant. Weitere gute Lektüre, Haiku oder anderes, wünscht
Volker Friebel

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