Zum Inhalt:
Dieser Roman widmet sich der Lebensgeschichte des ehemaligen SS-Richters und Obersturmbannführers Dr. Georg Konrad Morgen, aus dem in „Letzte Haut“ Dr. Kurt Schmelz wird. Dabei wird die Geschichte des Richters Kurt Schmelz nicht linear, sondern in Rückblenden und Zeitsprüngen zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt. Dabei erfahren wir einiges über die Jugendjahre von Kurt Schmelz, über seinen Aufstieg und Fall als Jurist, seinen Einsatz an der Ostfront und schließlich über seine Tätigkeit in Buchenwald. Mit einer von Himmler persönlich ausgestellten Sonderbevollmächtigung soll Kurt Schmelz gemeinsam mit seinen beiden Mitarbeitern Tarnat und Liebig untersuchen, ob der Lagerkommandant des KZ Buchenwald, Karl Koch, sich der Korruption und Unterschlagung schuldig gemacht und so das Reich geschädigt hat. Während den Ermittlungen breitet sich zunehmend ein System des Schreckens, der Gewalt und Willkür vor den Ermittlern aus und doch scheint einzig Liebig, der junge Mitarbeiter, diese Hölle namens Buchenwald nicht wirklich verkraften zu können. Er reagiert körperlich und psychisch auf die Bilder, die sich ihm alltäglich bieten. Schmelz, von Zielstrebigkeit und Diensteifer getrieben sieht sich nur seinem Auftrag verpflichtet und ist dafür bereit auch eigene moralische Grenzen zu übertreten. Erst der 72 jähre Kurt Schmelz fühlt sich genötigt, sich den eigenen Handlungen zu stellen. Nach Kriegsende führt er nämlich ein unbescholtenes Leben als Notar in Frankfurt am Main und wird nie selbst zur Rechenschaft gezogen.
Mein Leseeindruck:
Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der NS Zeit ist inzwischen ein mich dauerhaft begleitendes Thema und so ist „Letzte Haut“ nicht die erste Lektüre dazu. Allerdings, hat mich dieses Werk sehr aufgewühlt und sehr beim Lesen gefordert. Dem Autor gelingt es auf sehr eindringliche Art aufzuzeigen, dass die Täter in den KZs und an der Front bei Leibe keine Monster waren. Es waren vielmehr einfach Menschen die, durch ein verbrecherisches System angefeuert und gedeckt und oft um eigene Vorteile herauszuholen, breit waren vormalige moralische und mitmenschliche Verhaltensweisen zu übergehen und neu gewonnene Macht, im Großen wie im Kleinen, auszuüben. Genau für diese Haltung, trifft Altwasser meiner Meinung nach den richtigen Ton. Oft wirkt der Text fast plauderhaft und überhaupt nicht so dunkel, wie man es erwarten würde. Aber vor dem Hintergrund, dass die Verbrechen während des Holocausts nicht von so genannten einzelnen Sadisten durchgeführt wurden, sondern gerade der ganz normale gewöhnliche Bürger, der Nachbar, Bruder oder Familienvater Teil der Barbarei war, ist die ganz „gewöhnliche“ Sprache und Gelöstheit sehr passend. Auch die immer wieder dargestellte Unwissenheit von Richter Schmelz über den Holocaust, lässt sich für mich nur durch die so oft propagierte angebliche Unwissenheit der deutschen Mehrheit erklären, die mantrahaft als Selbstentlastung vorgetragen wurde. Dieses Werk macht deutlich wie sehr, jeder einzelne mit Schuld beladen war und sei es einzig durch die Feigheit einem zutiefst unmenschlichen und perversem System zu widersprechen. Dabei ist die Justiz während der NS Zeit beispielhaft. Sie war nicht mehr in der Lage Recht von Unrecht zu trennen und verschloss die Augen vor den menschenverachtenden systemisch angeordneten Verbrechen und machte sich vielmehr zu einem willigen Instrument. Natürlich handelt es sich hier um ein fiktives, allerdings sehr gut recherchiertes, Werk und das muss immer im Hinterkopf behalten werden. Doch gerade die literarische Fiktion ist es hier, die manche Vorgänge, die ich schon mehrfach auf sachliche Weise gelesen habe, besser nachvollziehbar machte. Auch wenn manche Szenen kaum auszuhalten sind, oder vielleicht gerade weil man sich dem aussetzen sollte, gebe ich diesem Buch eine klare Leseempfehlung. In meinen Augen ein wichtiges Werk.









