Volker H. Altwasser

 4,2 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Letzte Fischer, Letzte Haut und weiteren Büchern.
Autorenbild von Volker H. Altwasser (©Matthes & Seitz Berlin)

Lebenslauf

Volker Altwasser wurde am 31.12.1969 in Greifswald geboren. Bevor er sich der Schriftstellerei widmete, probierte Altwasser viele Beruf aus. Er arbeitete unter anderem als Matrose, Elektronikfacharbeiter, Heizer und Bürokaufmann. Von 1998 - 2001 studierte er am deutschen Literaturinstitut zu Leipzig und war im letzten Jahr dort Schüler des Autors Thomas Hürlimann. Altwasser wurde durch den Roman "Wie ich vom Ausschneiden loskam." bekannt. 2009 erschien bei Matthes&Seit Berlin der erste Teil einer Trilogie "Letzte Haut". Diesem Buch folgten "Letztes Schweigen" und "Letzte Fischer". 2009 war Altwasser in der finalen Runde zum Alfred-Döblin-Preis nominiert, 2010 für den Ingeborg-Bachmann-Preis und im Jahre 2011 ist er für den deutschen Buchpreis nominiert. Heute lebt Altwasser in Rostock.

Alle Bücher von Volker H. Altwasser

Cover des Buches Letzte Fischer (ISBN: 9783882215762)

Letzte Fischer

(7)
Erschienen am 20.03.2013
Cover des Buches Letzte Haut (ISBN: 9783882219593)

Letzte Haut

(4)
Erschienen am 20.03.2013
Cover des Buches Letztes Schweigen (ISBN: 9783882219586)

Letztes Schweigen

(2)
Erschienen am 03.03.2012
Cover des Buches Glückliches Sterben (ISBN: 9783882211979)

Glückliches Sterben

(1)
Erschienen am 10.02.2014

Neue Rezensionen zu Volker H. Altwasser

Cover des Buches Letzte Haut (ISBN: 9783882219593)
Antigone8s avatar

Rezension zu "Letzte Haut" von Volker H. Altwasser

Antigone8
Eine Auseinandersetzung mit der Justiz der NS Zeit

Zum Inhalt:

Dieser Roman widmet sich der Lebensgeschichte des ehemaligen SS-Richters und Obersturmbannführers Dr. Georg Konrad Morgen, aus dem in „Letzte Haut“ Dr. Kurt Schmelz wird. Dabei wird die Geschichte des Richters Kurt Schmelz nicht linear, sondern in Rückblenden und Zeitsprüngen zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt. Dabei erfahren wir einiges über die Jugendjahre von Kurt Schmelz, über seinen Aufstieg und Fall als Jurist, seinen Einsatz an der Ostfront und schließlich über seine Tätigkeit in Buchenwald. Mit einer von Himmler persönlich ausgestellten Sonderbevollmächtigung soll Kurt Schmelz gemeinsam mit seinen beiden Mitarbeitern Tarnat und Liebig untersuchen, ob der Lagerkommandant des KZ Buchenwald, Karl Koch, sich der Korruption und Unterschlagung schuldig gemacht und so das Reich geschädigt hat. Während den Ermittlungen breitet sich zunehmend ein System des Schreckens, der Gewalt und Willkür vor den Ermittlern aus und doch scheint einzig Liebig, der junge Mitarbeiter, diese Hölle namens Buchenwald nicht wirklich verkraften zu können. Er reagiert körperlich und psychisch auf die Bilder, die sich ihm alltäglich bieten. Schmelz, von Zielstrebigkeit und Diensteifer getrieben sieht sich nur seinem Auftrag verpflichtet und ist dafür bereit auch eigene moralische Grenzen zu übertreten. Erst der 72 jähre Kurt Schmelz fühlt sich genötigt, sich den eigenen Handlungen zu stellen. Nach Kriegsende führt er nämlich ein unbescholtenes Leben als Notar in Frankfurt am Main und wird nie selbst zur Rechenschaft gezogen.


Mein Leseeindruck:

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der NS Zeit ist inzwischen ein mich dauerhaft begleitendes Thema und so ist „Letzte Haut“ nicht die erste Lektüre dazu. Allerdings, hat mich dieses Werk sehr aufgewühlt und sehr beim Lesen gefordert. Dem Autor gelingt es auf sehr eindringliche Art aufzuzeigen, dass die Täter in den KZs und an der Front bei Leibe keine Monster waren. Es waren vielmehr einfach Menschen die, durch ein verbrecherisches System angefeuert und gedeckt und oft um eigene Vorteile herauszuholen, breit waren vormalige moralische und mitmenschliche Verhaltensweisen zu übergehen und neu gewonnene Macht, im Großen wie im Kleinen, auszuüben. Genau für diese Haltung, trifft Altwasser meiner Meinung nach den richtigen Ton. Oft wirkt der Text fast plauderhaft und überhaupt nicht so dunkel, wie man es erwarten würde. Aber vor dem Hintergrund, dass die Verbrechen während des Holocausts nicht von so genannten einzelnen Sadisten durchgeführt wurden, sondern gerade der ganz normale gewöhnliche Bürger, der Nachbar, Bruder oder Familienvater Teil der Barbarei war, ist die ganz „gewöhnliche“ Sprache und Gelöstheit sehr passend. Auch die immer wieder dargestellte Unwissenheit von Richter Schmelz über den Holocaust, lässt sich für mich nur durch die so oft propagierte angebliche Unwissenheit der deutschen Mehrheit erklären, die mantrahaft als Selbstentlastung vorgetragen wurde. Dieses Werk macht deutlich wie sehr, jeder einzelne mit Schuld beladen war und sei es einzig durch die Feigheit einem zutiefst unmenschlichen und perversem System zu widersprechen. Dabei ist die Justiz während der NS Zeit beispielhaft. Sie war nicht mehr in der Lage Recht von Unrecht zu trennen und verschloss die Augen vor den menschenverachtenden systemisch angeordneten Verbrechen und machte sich vielmehr zu einem willigen Instrument. Natürlich handelt es sich hier um ein fiktives, allerdings sehr gut recherchiertes, Werk und das muss immer im Hinterkopf behalten werden. Doch gerade die literarische Fiktion ist es hier, die manche Vorgänge, die ich schon mehrfach auf sachliche Weise gelesen habe, besser nachvollziehbar machte. Auch wenn manche Szenen kaum auszuhalten sind, oder vielleicht gerade weil man sich dem aussetzen sollte, gebe ich diesem Buch eine klare Leseempfehlung. In meinen Augen ein wichtiges Werk.

Cover des Buches Letzte Haut (ISBN: 9783882217445)
Monsignores avatar

Rezension zu "Letzte Haut" von Volker H. Altwasser

Monsignore
Das Unrecht im noch größeren Unrecht bekämpfen.

Eine aberwitzige Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Da wird ein promovierter Richter, Jahrgangsbester und in SS-Uniform, in Konzentrationslager geschickt, um die Korruption beim Leitungspersonal vor Gericht zu bringen. "Die SS soll sauber bleiben", hat der Reichsführer gesagt und meint es ernst. Der Richter gilt als hochverdienter Korruptionsjäger. Ausgestattet mit Vollmachten von allerhöchster Stelle und mit Kriminalassistenten an seiner Seite sieht er alles, was in den Lagern geschieht - und legt Akten über Unterschlagung, Bereicherung und Dienstvergehen an. Erst spät kommt er auf den Gedanken, dass das Geschehen in den Lagern auch etwas mit Mord zu tun haben könnte. Doch hierfür NS-gerichtstaugliche Beweise zu finden, ist sehr schwierig.

Im Buch heißt der Richter Kurt Schmelz. Der tatsächliche Richter hieß Konrad Morgen und hat tatsächlich einen KZ-Kommandanten an den Galgen gebracht. Wieviele Morde und Folterungen der Richter selbst auf dem Gewissen hat, ist historisch unklar. Allerdings traf er beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess als Zeuge der Verteidigung auf und schilderte die Konzentrationslager als friedliche, beschauliche Orte. Er war bis 1979 als Rechtsanwalt in Frankfurt/Main tätig.

Je mehr man über diesen Stoff recherchiert, desto aberwitziger wird die ganze Geschichte. Und so ist es auch beim Lesen, man gerät von einer unfassbaren Geschichte in die nächste.

Das Thema "Haut" durchzieht den gut konstruierten Roman, der aber auch einige Längen hat, Kürzungen hätten dem Buch gut getan. Dabei geht es nicht nur um die hautbespannten Lampenschirme - das Lebensende des Richters im Nachkriegs-Frankfurt ist beherrscht von einer grausamen Krankheit: er verfault bei lebendigem Leib, seine Haut löst sich vom Körper ...

Cover des Buches Letzte Fischer (ISBN: 9783882215540)
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Rezension zu "Letzte Fischer" von Volker H. Altwasser

Monsignore
"Heutzutage glauben die Leute dem Fernseher mehr als dem Nachbarn ..."

"Aufs Meer blicken, heiße immer, etwas zu erwarten" - das ist einer der vielen anrührenden und treffenden Sätze in diesem Buch. Mein Textmarker konnte sich auf den knapp 500 Seiten austoben.
Es handelt sich um den Abgesang auf eine sterbende Welt, die einst mit Heldenliedern besungen wurde, die Welt der Seefahrer, Hochseefischer und Walfänger. Eine Welt der harten Männer. Zugleich beschäftigt sich das Buch mit der heutigen Jungengeneration, die bekanntermaßen so schlecht dasteht, weil ihr geeignegte männliche Identifikationsmuster fehlen, weil das Bildungssystem jungengerechte Sozialisation verweigert und weil Mädchen im Namen des überfälligen Chancenausgleichs ab dem Kindergarten auf Kosten der Jungs gefördert werden.
Beides verarbeitet der Autor in einem langen Atemzug - und das ist die größte Schwachstelle des ansonsten packenden und mitreißenden Romans, denn beides gehört nicht zusammen.
Der gnadenlose Niedergang der jahrtausendealten Seefahrerwelt ist Thema genug und tragisch genug. Und erstmals führt ein Autor dieses Dramas den Lesern vor Augen: Walfang ist verpönt und aus heutiger Sicht eine riesige Tierquälerei, vom Stolz der mutigen Walfänger spricht niemand mehr, Greenpeace-Boote drängen sie ab und stellen sie bloß. Die Hochseefischerei befindet sich in den mafiosen Händen großer Konzerne und bemächtigt sich rücksichtslos der sensiblen Resourcen. Die moderne Piraterie greift die Hochseefischer an, weil zigtausende afrikanischer Fischer keinen anderen Ausweg mehr sehen.
Der groß angelegte Roman führt sie alle vor, die vielen Verlierer des Wandels, die Beug- und die Unbeugsamen. Etwas überzogen mag sein, dass alle männlichen Hauptpersonen des Buches am Ende tod sind.

Höchst beeindruckend sind die Szenen auf dem Trawler, einem riesigen Fang- und Verarbeitungsschiffes mit mehreren Fischfabrikhallen unter Deck, in Tag- und Nachtschichten werden zigtausende Tonnen Fisch verkaufsfähig verarbeitet. Und dann die Szenen auf dem Walfänger, die gigantische Metzelei der gewaltigen Tiere, um etwas Walöl, Amber und Glycerin zu gewinnen. Und dann das Ethos der letzten Seefahrer, gespeist durch uralte Tradition und längst verkümmert und vor dem Untergang stehend.

Ein höchst beeindruckendes, atmosphärisch dichtes Drama. Aber mit Webfehlern: Am meisten hat mich gestört, dass letztlich die Frauen den Untergang herbeiführen - der Trawler wird von somalischen Piraten unter brutalem weiblichen Befehl geentert, die Besatzung umgebracht. Und der Walfänger vor Spitzbergen hat eine paramilitärische Begleitsicherung unter weiblichem Befehl - das mehrfache Versagen der Befehlshaberin führt in die Katastrophe.

Absolut lesenswert, guter Stoff, tolle Sätze - aber keine große Literatur und mit handwerklichen Fehlern.

Gespräche aus der Community

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miadonna
Also ich schau immer erst einmal, ob ich eines der Bücher gelesen habe. In diesem Jahr sieht es aber ganz schlecht aus, in meinem Regal liegen zwar noch ungelesen 'Léon und Louise' und 'Adams Erbe', aber gilt ja nicht. Wie ist es bei euch? Welche der nominierten Bücher kennt ihr und sind sie eurer Meinung zu Recht für den deutschen Buchpreis nominiert worden? Drückt ihr einem der Bücher besonders die Daumen? • Volker Harry Altwasser, Letzte Fischer (Matthes und Seitz Berlin, September 2011) • Jan Brandt, Gegen die Welt (DuMont, August 2011) • Michael Buselmeier, Wunsiedel (Das Wunderhorn, März 2011) • Alex Capus, Léon und Louise (Hanser, Februar 2011) • Wilhelm Genazino, Wenn wir Tiere wären (Hanser, Juli 2011) • Navid Kermani, Dein Name (Hanser, August 2011) • Esther Kinsky, Banatsko (Matthes und Seitz Berlin, Januar 2011) • Angelika Klüssendorf, Das Mädchen (Kiepenheuer & Witsch, August 2011) • Doris Knecht, Gruber geht (Rowohlt.Berlin, März 2011) • Peter Kurzeck, Vorabend (Stroemfeld, März 2011) • Ludwig Laher, Verfahren (Haymon, Februar 2011) • Sibylle Lewitscharoff, Blumenberg (Suhrkamp, September 2011) • Thomas Melle, Sickster (Rowohlt.Berlin, September 2011) • Klaus Modick, Sunset (Eichborn, Februar 2011) • Astrid Rosenfeld, Adams Erbe (Diogenes, Februar 2011) Hier die Livestream-Lesung zum Buch: http://www.lovelybooks.de/lesung/astrid-rosenfeld/ • Eugen Ruge, In Zeiten des abnehmenden Lichts (Rowohlt, September 2011) • Judith Schalansky, Der Hals der Giraffe (Suhrkamp, September 2011) • Jens Steiner, Hasenleben (Dörlemann, Februar 2011) • Marlene Streeruwitz, Die Schmerzmacherin (S. Fischer, September 2011) • Antje Rávic Strubel, Sturz der Tage in die Nacht (S. Fischer, August 2011)
Zum Thema
4 Beiträge

Zusätzliche Informationen

Volker H. Altwasser wurde am 30. Dezember 1969 in Greifswald (Deutschland) geboren.

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