Volker Hage Die freie Liebe

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Inhaltsangabe zu „Die freie Liebe“ von Volker Hage

» Jules und Jim« im Schwabing der 70er JahreAnfang der 70er Jahre kommt Wolfgang nach München, um dort zu studieren. Er genießt es, endlich der Enge des Elternhauses und den eingefahrenen Bahnen der Beziehung zu seiner Freundin zu entkommen. In einer Wohngemeinschaft findet er bei dem Pärchen Andreas und Larissa ein Zimmer. Die beiden führen eine »offene« Beziehung. Und zwischen Lissa und Wolf entwickelt sich eine »Jules-und-Jim-Geschichte«, eine nur mühsam in Zaum gehaltene Anziehung zunächst, dann Liebe, dann rasendes Begehren, von dem sie umso weniger lassen können, je mehr sie vernünftig bleiben wollen und ihm zu entfliehen versuchen.

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  • "So ist das heute: Erst schläft man zusammen, danach lernt man sich richtig kennen."

    Die freie Liebe
    skywatcher

    skywatcher

    24. February 2016 um 16:00

    Volker Hage war mir vorher unbekannt und das Buch hat mich zunächst nur wegen des Titels angesprochen. Dass freie Liebe nicht nur in den 70er Jahren ein brisantes Thema war, sondern vor allem heute, spiegelt sich zum Beispiel in Berlin wieder, wo oft von Polyamorie, offenen Beziehungen und Sexclubs die Rede ist. Die Dreiecksgeschichte um Lissa, Andreas und Wolf klingt zunächst nicht neu und ist bestimmt in der Konstellation schon mehrmals erzählt worden. Doch weshalb die Geschichte mich berührt hat, sind die Gefühle drumherum, das Ausziehen aus dem Elternhaus und Ankommen in einer Großstadt (München), die Abnabelung von (getrennten) Eltern, die Enttäuschung der Eltern, wenn sie nicht oft genug besucht werden und dann auch noch in der falschen Kleidung und der falschen Laune. Die erste Beziehung, heftiges Verlieben, das Leiden über die Liebe, die Liebe zur Qual und ein großer Sexdrang. Die Frage, ob man nicht mehrere Menschen gleichzeitig lieben kann, warum man nur mit einer Person "eine Geschichte machen" darf und wieso der Ehebruch eigentlich Ehebruch heißt. Das Gefühlsleben eines Anfang 20jährigen jungen Mannes, der Drehbuchautor werden will und in dem Studium seine Erfüllung sucht, wird sehr realistisch in seinen Tagebucheinträgen geschildert und ich habe oft schmunzeln müssen, hat es mich doch an die eigene Zeit nach der Schule erinnert. Eingebettet ist die Geschichte ebenso in einige historische Ereignisse wie die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München 1972 und ganz allgemein in eine Zeit, in der es keine Smartphones oder Internet gab und man auf dem WG-Festnetztelefon anrufen musste, um sich mit einem Mitbewohner zu treffen. Der Roman lässt einen mitfiebern, mitleiden und man möchte sich manchmal die Hände über den Kopf schlagen und Wolf endlich wachrütteln, um ihn aus seinem 'sinnlosen' Liebeswahn zu befreien. Sehr lesenswert ebenso dank vieler Literaturtipps (Updikes' "Eheleute", Millers "Stille Tage") und Zitate von Thomas Mann, Goethe, Philip Roth u.a.

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  • Reich-Ranicki wusste schon genau, warum er keine Romane schrieb

    Die freie Liebe
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    18. June 2015 um 09:52

    Nun hat sich auch Volker Hage, der ehemalige Kultur-Chef des „Spiegel“ unter die Romanautoren gewagt, In "Die freie Liebe" erzählt er die Geschichte einer Dreiecksbeziehung in den 70ern. Zwischen Umsturz und Revolution probieren eine junge Frau und zwei Männer in Sachen Erotik alles Mögliche aus. In einer Rahmenhandlung treffen sich nach 40 Jahren zwei Männer wieder. Sie lebten in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in München zusammen mit einer Frau in einer WG. Sie tauschen die eine oder andere Erinnerung aus, wollen sich auch wiedersehen, doch zu sagen haben sie sich nicht viel. Kurze Zeit später findet der Ich-Erzähler in der Wohnung seiner verstorbenen Mutter sein altes Tagebuch aus dieser Zeit. Dieses Tagebuch macht den größten  Teil des Romans aus. Es handelt von einer Zeit, in der alles Mögliche ausprobiert wurde, freie Sexualität, Umsturz, Revolution – doch viel merkt man davon nicht. Die Zeitumstände werden nur kurz angerissen, hauptsächlich geht es im Stile eines Softpornos ("So etwas Schönes hatte ich noch nie gesehen, ihre dunkle Haut, ihr schmaler Körper, große Brüste, pechschwarzes Schamhaar. Alles im Kerzenlicht.") um eine Dreiecksbeziehung. Vergleiche des jungen Tagebuchschreibers mit Goethes Stella, mit Max Frisch, aber auch Philip Roth und John Updike werden erwähnt, zeigen meiner Meinung nach, in welcher literarischen Klasse sich Volker Hage selbst ansiedelt. Ob er da hingehört? Reich-Ranicki wusste schon genau, warum er keine Romane schrieb.

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