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strickleserl

vor 2 Monaten

Teil 2 Die Ursachen
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Ich finde das Buch so gut geschrieben, dass man immer weiter lesen möchte. Ich finde auch die Aufteilung gut - zuerst die Krise, dann den Hintergrund, und dann wie es weiterging.

Es hat mich sehr bewegt, welche Auswirkungen es hat, wenn ein Kleinkind keine Geborgenheit erlebt.

Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt diese Zwangsgedanken zu haben. Ich finde es sehr gut, dass der Autor erklärt, wie es ihm geht. Psychische Erkrankungen nehmen ja stark zu, und ich möchte Betroffene besser verstehen können.

Die große Wut wegen dem Kinofilm war sicher ein erschreckendes Erlebnis. Ich denke wir neigen dazu, dass wir überreagieren, wenn irgendeine tiefe Verletzung angestoßen wird. Das ist sicher auch ein Grund vieler Ehekonflikte.

Es muss sehr belastend sein ein Doppelleben zu führen. Nach dem Lesen der Ursachen fragt man sich, wie der Autor so lange gut funktionieren konnte.

Babscha

vor 2 Monaten

Teil 2 Die Ursachen
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So, jetzt versteht man deutlich besser, wo Volker Halfmanns Probleme liegen/lagen und wo deren Ursachen und wie die von ihm beschriebene persönliche Abhängigkeitsstruktur zur tickenden Zeitbombe wurde. Was muss das 40 Jahre (!) eine innere Zerrissenheit in ihm gewesen sein, die Barmherzigkeit Gottes zu predigen und gleichzeitig nahezu verrückt zu werden in seiner von klein auf empfundenen Furcht vor ihm (S.110: „Mein Grundgefühl diesem Gott gegenüber war eben nicht das Vertrauen, sondern die Angst, eine verzweifelte und panische Angst“/S.112: „Ich lebte in göttlicher Geiselhaft“).

Als in den 50/60er-Jahren geborener Mensch mit Eltern, die selbst einer traumatisierten Kriegsgeneration angehörten, mit Medizinern, die nicht mal ansatzweise von den heutigen Erkenntnissen der Psychoanalytik wussten geschweige denn an „Kinderseelen“ überhaupt interessiert waren, mit einer Kirche, die keinerlei Hinterfragen zuließ oder duldete und unbedingten Gehorsam forderte, kann man sich in den geschilderten Kindheits- und Jugenderfahrungen des Autors nur zu gut wiederfinden. Das gilt für mich (wie für so viele andere aus der Zeit) ganz besonders für den hier beschriebenen völligen inneren Rückzug in die Rockmusik der damaligen Zeit als Fluchtpunkt und absoluter innerer Trost, zumindest mal für Stunden, dieses „Wegbeamen“, wie er es nennt; genau so war´s.
Absolut problematisch dabei natürlich die ganz besondere Persönlichkeitsstruktur des Autors, sein fast schon unvermeidliches sukzessives Abrutschen in Alkohol- und Drogenmissbrauch i. V. m. seinen ganzen inneren, nicht beherrschbaren Zwängen und Dämonen.

Die teils derbe Sprache des Buches stört mich hier nicht im Geringsten, er nennt die Dinge beim Namen, so wie sie eben sind. Gut so!

Rose75

vor 2 Monaten

Teil 2 Die Ursachen
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Bei Volker kommt viel zusammen. Für mich ist er hochsensibel wahrscheinlich auch hochsensitiv. Er nimmt von Haus aus mehr wahr als andere und kann sich kaum abgrenzen.

Im ersten Teil hatte ich den Eindruck sein Elternhaus war stabil und dass er ein Wunschkind ist. Hier im Teil 2 wird die Überforderung der Mutter kurz angeschnitten. Nach Volkers Geburt litt sie unter einer Wochenbettdepression. Das war damals bestimmt ein Makel. Kinder schreien zu lassen und ja nicht zu verhätscheln, war üblich in dieser Zeit. Heute unvorstellbar.

Seine frühe Angst vor göttlicher Strafe hat mich sehr verwundert. Der kleine Volker ging schon sehr früh "durch die Hölle".

Mir gefällt wie er verschiedene Episoden seines Lebens mit Spotlights beleuchtet. Er lässt uns an seinen Erfahrungen mit Alkohol, Tabletten, Essen/Brechen und exzessivem Musikkonsum teilhaben. Sehr mutig

Die Erläuterungen und Erklärungen zu den verschiedenen psychischen Erkrankungen fand ich in diesem Abschnitt sehr hilfreich und wertvoll. Dass sich "Sucht" von 'siechen' ableitet war mit so nicht bewusst.

Lesestern

vor 2 Monaten

Teil 2 Die Ursachen
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strickleserl schreibt:
Ich finde das Buch so gut geschrieben, dass man immer weiter lesen möchte. Ich finde auch die Aufteilung gut - zuerst die Krise, dann den Hintergrund, und dann wie es weiterging. Es hat mich sehr bewegt, welche Auswirkungen es hat, wenn ein Kleinkind keine Geborgenheit erlebt. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt diese Zwangsgedanken zu haben. Ich finde es sehr gut, dass der Autor erklärt, wie es ihm geht. Psychische Erkrankungen nehmen ja stark zu, und ich möchte Betroffene besser verstehen können. Die große Wut wegen dem Kinofilm war sicher ein erschreckendes Erlebnis. Ich denke wir neigen dazu, dass wir überreagieren, wenn irgendeine tiefe Verletzung angestoßen wird. Das ist sicher auch ein Grund vieler Ehekonflikte. Es muss sehr belastend sein ein Doppelleben zu führen. Nach dem Lesen der Ursachen fragt man sich, wie der Autor so lange gut funktionieren konnte.

Ich finde den Schreibstil auch sehr packend - man lässt alles andere liegen und liest weiter.

Dass mit Baby schreien lassen, habe ich auch oft gehört.
Und bei unserem ersten Kind war das ein Tipp der Hebamme.
Und wir haben Dieter Falk Instrumental laufen lassen und ins Wohnzimmer das Körbchen gestellt.
Unser Sohn hat sich damals sehr schnell beruhigt und hat mit 9 Wochen durchgeschlafen.
Bei unserer Tochter hatten wir einen Trauerfall In der Familie und wir sind mit unseren Kindern für 4 Wochen von zuhause weg und zu meinem Schwiegervater zur Unterstützung gezogen. Da haben wir im Speicher zu viert in einem Zimmer mehrere Wochen genächtigt.
Dadurch ist der Rhytmus unserer Tochter völlig durcheinander geraten und sie hat 1 Jahr gebraucht, bis sie das erste Mal durchgeschlafen hat.
Dass das bei Volker solche Auswirkungen hatte, hat mich sehr erstaunt.

Ich finde es auch gut, dass er alles so genau erklärt, denn ich kenne aus meinem freundschaftlichen Umfeld Jugendliche und junge Erwachsene, die psychische Probleme hatten und haben.
Und auch in unserer Gemeinde gibt es diese Probleme sogar im Teenager Alter, aber auch Suchterkrankungen bei "Älteren", wo man dachte nach dem Entzug ist es besser.
Da bin ich oft sehr unsicher, was ich mit Ihnen reden kann und darf, um nichts falsch zu machen.
Das diese Probleme so komplex sind, bewegt mich sehr.
Ich bin schon jemand, der immer viel Fragen, insbesondere offene stellt, aber so richtig greifen und in die Tiefe gehe ich da nicht unbedingt.
Diese Ursachen zu lesen, hilft mir auf jeden Fall, die Menschen besser zu verstehen.

Die lange Zeitspanne, in der er alles nach innen gefressen, ist schon heftig.
Unter diesem Gesichtspunkt, ist es sicherlich gut, dass Psychosen frühzeitig ans Tageslicht kommen, sowie jetzt in meinem Umfeld.
Wenn man das mitbekommt, ist man erstmal geschockt, gerade weil die Patienten noch sehr jung sind.
Aber wenn ich das hier so lese, ist es sicherlich eine Chance, wenn es frühzeitig behandelt wird.

Lesestern

vor 2 Monaten

Teil 2 Die Ursachen

Die Klinik in Bad Herrenalb hat auf mich ja erstmal merkwürdig gewirkt; aber so wie er schreibt, hat er dort die Ursachen seiner Erkrankung und auch die Krankeit und damit auch sich selbst, besser kennengelernt.
Und auch danach gab es noch viele ihn weiter bringende Ansätze von dort für seinen weiteren Weg.

BookishBonnie

vor 2 Monaten

Teil 2 Die Ursachen
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Meine Hoffnung darauf, im zweiten Teil tiefer in die Gefühlswelt des Autors eintauchen zu dürfen, hat sich voll und ganz erfüllt.
Wie gebannt las ich die einzelnen Kapitel, war gefesselt von der Schonungslosigkeit, mit der die verschiedenen Problemfelder aufgearbeitet wurden.
Besonders hervorzuheben ist Halfmanns Versuch, Zwangsgedanken-und handlungen für Nicht-Betroffene verständlich zu machen - eigentlich ein sinnloses Unterfangen, kann man dieses emotionale Korsett doch selbst kaum begreifen.
Trotzdem findet der Autor passende Bilder; schildert eindrückliche Beispiele.

Ebenso bewegend, authentisch und ehrlich erscheint mir die Auseinandersetzung mit seinem Gottesbild, das ja bereits in seinem Brief drastisch formuliert, nun aber noch tiefgründiger behandelt wurde.
Insbesondere der Kontrast zwischen dem eigenen Verhältnis zu Gott und der tagtäglich gepredigten Botschaft der Barmherzigkeit wurde aufgearbeitet; der darin enthaltene Widerspruch wird vermeintlich.
Da mich dieser Aspekt besonders interessiert, regte mich die Bezugnahme des Autors dazu an, mir das Werk "Gottesvergiftung" von Tilmann Moser einmal genauer anzusehen.
Dass ihm dieses Buch von einem Theologie-Dozenten empfohlen wurde, finde ich ziemlich bemerkenswert.

Wieder einmal ist es Halfmanns eindrucksvolle Lyrik am Ende dieses Leseabschnittes, die mich gespannt weiterlesen lässt.
Sich seinen emotionalen Abgründen bewusst zu sein, ist ohne Zweifel wichtig, Resultat eines schmerzhaften Prozesses und bedarf radikaler Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Doch mit den daraus entstandenen Erkenntnissen umzugehen, ein stabiles Leben nach dem Zusammenbruch aufzubauen - das ist noch einmal eine Herausforderung für sich.

peedee

vor 1 Monat

Teil 2 Die Ursachen
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Volker weiss nun, dass er eine Zwangsstörung hat. Diese Zwangsgedanken müssen unwahrscheinlich quälend sein. Oder auch die Zwangshandlungen, wie z.B. das Unterstreichen von ganzen Büchern!

„Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, warum gibt es dann so viel Leid auf dieser Welt“ (S. 93) Ja, das mag man sich schon fragen.

Ich musste lachen, als ich von Pink Floyd und „The Wall“ las, denn im ersten Leseabschnitt hätte ich noch gesagt, dass ich noch nie mit Prog-Rock in Berührung kam. Aber da Pink Floyd offenbar dazugehört und dieses Album in der neunten Klasse beinahe die „Klassenhymne“ wurde, stimmt das daher nicht. Aber ich habe diese Musik seither nie mehr aktiv gehört – klar, wenn mal was im Radio kommt, aber sonst…

Befürchtungen, Sorgen, Vorwürfe, Verzweiflung, Depression, Ängste, Panikattacken – das ist schon bedrückend, wenn man von Volkers Erlebnissen liest. Und dann rutscht er auch noch in die Alkoholsucht ab, was seine Selbstzweifel und Vorwürfe natürlich noch bestärken. Dazu kommt die Bulimie, was ja eher eine Frauen-Erkrankung ist. Es ist interessant, da mal etwas aus Männersicht zu erfahren.

peedee

vor 1 Monat

Teil 2 Die Ursachen

strickleserl schreibt:
Es muss sehr belastend sein ein Doppelleben zu führen. Nach dem Lesen der Ursachen fragt man sich, wie der Autor so lange gut funktionieren konnte.

Das muss wirklich sehr viel Kraft gekostet haben. Mit einem Zusammenbruch war sicherlich zu rechnen.

peedee

vor 1 Monat

Teil 2 Die Ursachen

Babscha schreibt:
Die teils derbe Sprache des Buches stört mich hier nicht im Geringsten, er nennt die Dinge beim Namen, so wie sie eben sind. Gut so!

Mir wäre dies auch nicht speziell aufgefallen.

peedee

vor 1 Monat

Teil 2 Die Ursachen

Lesestern schreibt:
Unter diesem Gesichtspunkt, ist es sicherlich gut, dass Psychosen frühzeitig ans Tageslicht kommen, sowie jetzt in meinem Umfeld. Wenn man das mitbekommt, ist man erstmal geschockt, gerade weil die Patienten noch sehr jung sind. Aber wenn ich das hier so lese, ist es sicherlich eine Chance, wenn es frühzeitig behandelt wird.

Ich denke, viele Menschen mit psychischen Problemen schaffen es lange Zeit sehr gut, sich vor den anderen zu verstellen (so wie der allseits fröhliche Clown in der Manege, der insgeheim ein trauriger Mensch ist). Wenn das Problem dann auch für Aussenstehende wahrnehmbar ist, ist es sicher schon sehr schwerwiegend.
Psychische Probleme stossen leider bei vielen Menschen nicht auf Verständnis, doch diese sollten froh sein, von solchen Problemen verschont zu sein!

peedee

vor 1 Monat

Teil 2 Die Ursachen

BookishBonnie schreibt:
Da mich dieser Aspekt besonders interessiert, regte mich die Bezugnahme des Autors dazu an, mir das Werk "Gottesvergiftung" von Tilmann Moser einmal genauer anzusehen. Dass ihm dieses Buch von einem Theologie-Dozenten empfohlen wurde, finde ich ziemlich bemerkenswert.

Danke, dass Du das Werk nochmals erwähnst (ich wollte mir eine Notiz dazu machen, habe es aber vergessen). Ich will das auch mal unter die Lupe nehmen.

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