Ich habe die Reihe um den Kommissar Gereon-Rath sehr gern gelesen, da Kutscher es verstanden hat, die historischen Ereignisse- von der Weimarer Republik bis zur Machtübernahme der Nazis und darüber hinaus - geschickt in eine Krimihandlung einzubetten (oder umgekehrt). Auch das Einbringen realer Persönlichkeiten- sowohl in Haupt- als auch in Nebenrollen - haben dem Ganzen einen besonderen Drive verschafft.
Allerdings war ich schon von den letzten zwei Büchern der Reihe etwas enttäuscht, da ich das Gefühl hatte, der Autor hat sich zunächst etwas verrannt; so spielte Rath plötzlich nur noch eine Nebenrolle und hat - meiner Meinung nach - einiges von seinem Charisma verloren. Und schließlich- so mein Gefühl, ging es nur noch darum, die Reihe irgendwie abzuschließen - schade.
Umso erstaunter war ich, als ich das hier besprochene Hörbuch entdeckt habe; ich war gespannt, ob nun noch etwas Neues kommt - leider nicht.
Worum es geht liest sich im Klappentext sehr gut: Rath - mittlerweile 74 und Kommissar a.D. - wird von einem Historiker interviewt, der über die Polizeiarbeit im Wandel der politischen Systeme forscht. Doch bald stellt sich heraus, dass dieser mehr über Rath weiß, als eigentlich möglich wäre.
Das mit etwa 2 Stunden recht kurze Hörbuch stellt den Verlauf eines Interviews dar, welches auf zwei 60 Minuten-Kassetten festgehalten ist. Ein mir gänzlich unsympathischer und teilweise störrischer Rath, gibt verstockt Auskunft über seine Geschichte; ein plump vorgehender Singer stellt Fragen, die Rath in die Ecke treiben; und dann taucht auch noch Charlotte (Charly) auf, woraufhin Rath sich plötzlich einsichtig und kooperativ verhält.
Über die Art und Weise, wie die Sprecher dieses Hörbuchs agieren, kann man sicher geteilter Meinung sein - für mich passten die vermittelten Emotionen nicht immer zum Inhalt des Textes. Inhaltlich kann ich nur sagen: Das hätte nicht sein müssen. Für Fans der Reihe (oder zumindest die, die diese gern gelesen haben) erfolgt hier lediglich eine Inhaltsangabe des schon bekannten - quasi eine Zusammenfassung; ich persönlich brauche es aber nicht, dass man mir nochmals eine Handlung erklärt, die ich schon verstanden habe. Gut, ein paar vermeintlich offene Stränge finden noch ein (teilweise plumpes) Ende - da habe ich mich einige Male gefragt, ob das nun notwendig war.
Für mich eine unnötige Zugabe und eher der Versuch, das etwas unglückliche Ende der Reihe aufzufangen - offenbar war Kutscher doch noch nicht fertig…
Von meiner Seite 5/10 oder 2,5 von 5.
Von Osterwoldaudio bin ich bessere Produktionen gewohnt.
Zu empfehlen ist das Buch vielleicht Lesern/Hörern, die überlegen, mit der Rath-Reihe zu beginnen und die sich einen Überblick verschaffen wollen - wobei dafür eigentlich zu viel gespoilert wird.