Der nasse Fisch

von Volker Kutscher 
4,1 Sterne bei257 Bewertungen
Der nasse Fisch
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Positiv (204):
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Ich bin wirklich begeistert! Diese Reihe verfolge ich auf jeden Fall weiter!

Kritisch (11):
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Insgesamt nicht schlecht, aber wirklich gefallen hat mir der Roman nicht.

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Inhaltsangabe zu "Der nasse Fisch"

Die große Krimi-Entdeckung - jetzt in KiWi. "Der beste deutsche Hardboiler des Jahres" Bücher. Mit diesem Roman beginnt eine sensationelle Serie, mit der Volker Kutscher den Kriminalkommissar Gereon Rath durch das Berlin der 20er- und frühen 30er-Jahre und mitten in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit schickt.
Volker Kutscher lässt das Berlin des Jahres 1929 lebendig werden. Sein Held Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten - ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, neu in der Stadt und abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein - und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat.
"Weitere Gereon-Rath-Romane sind in Planung. Hoffentlich erscheinen sie bald!" Brigitte
"An zeithistorischen Krimis besteht derzeit großes Interesse, wie vor allem die Bestseller-Erfolge von Anna Maria Schenkel zeigen. Zu diesen schmalen Büchern bildet 'Der nasse Fisch' nicht nur hinsichtlich des Umfangs eine Art Gegenpol. In 'Tannöd' wird Zeitgeschichte nur in homöopathischen Dosen verabreicht. Kutschers Projekt, den Untergang der Weimarer Republik im Medium des Kriminalromans darzustellen, ist ungleich ambitionierter und dabei ganz und gar schlüssig. Es bleibt zu hoffen, dass es die verdiente Beachtung findet." Hardy Reich, FAS

"Ein höchst lesenswertes Stück Kriminalliteratur vor politisch-historischem Hintergrund." ORF

"Spannung bis zum Schluss!" Kölner Illustrierte

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462040227
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:560 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:25.08.2008
Das aktuelle Hörbuch ist am 19.12.2008 bei Argon erschienen.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ich bin wirklich begeistert! Diese Reihe verfolge ich auf jeden Fall weiter!
    Der nasse Fisch

    Spätestens nach jeder Lektüre schaue ich mir noch einmal den Titel an und frage mich, wie gut er passt, ob er eigentlich schon etwas über den Inhalt verrät, wenn man diesen kennt, oder ob ich den Titel vielleicht gänzlich unpassend oder irreführend finde. In diesem Fall kann ich aus vollem Herzen sagen: Ja, er passt. Und ich weiß jetzt auch, was ein nasser Fisch ist. Dieses Kriminalfall hat mich restlos überzeugt und ich bin wirklich begeistert.

    Gereon Rath kommt aus dem Morddezernat aus Köln und wird auf Grund einer ungemütlichen Sache in der Vergangenheit nach Berlin ins Sittendezernat abgestellt. Dort lernt er gleich zu Beginn, was es heißt in Berlin zu arbeiten: Informanten rekrutieren, notfalls mit Schlägen, und immer wieder am Ende der Nahrungskette zu stehen. Einzig "der Onkel", Bruno Wolters wird ein enger Vertrauter und so etwas wie ein Freund für ihn. Dass jedoch Razzien in Nachtlokalen und kleine Drogenhändler den ehrgeizigen Gereon nicht zufriedenstellen, ist schnell klar. Er war Mordermittler und so mischt er auf eigene Faust in einem Fall des Morddezernats Berlin mit, um viel tiefer in einen Fall gezogen zu werden, wie er es nie für möglich gehalten hätte.
    Gleich die Verfolgungsjagd zu Beginn verspricht einen rasanten Krimi, als der sich dieser erste Fall entpuppt. Berlin 1929, in Zeiten der D-Mark und politischer Unruhen. Es tauchen Namen wie Goebbels und Hitler schon auf, der letzte Krieg ist noch nicht allzu lange her und Stahlhelmer machen die Gegenwart Berlins zusätzlich zu einem Schauplatz mit Waffenhandel und Goldschmuggel.
    Gereon Rath ist ein toller Charakter. Er ist gut aussehend und manchmal ein Arsch, aber nicht sozial inkompetent. Er ist ein ehrgeiziger Ermittler, der sich zwar in die Stenotypistin Charly verliebt, ihr Wissen aus dem Morddezernat aber gleichzeitig für seine Zwecke ausnutzt.
    Nach und nach verweben sich die einzelnen Fäden und die Katastrophe, in die Gereon hineinschlittert, wird immer größer.
    Spannung, Handlung, toll gezeichnete Charaktere und der  historische Hintergrund machen dieses Buch zu einem absolut phantastischen Krimi, dessen Serie ich definitiv weiterverfolge!

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    SusanneKs avatar
    SusanneKvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein packender Krimi, der durch die historische Atmosphäre Berlin lebendig werden lässt und dessen Figuren kantige Vergangenheiten haben
    Zwangsversetzter Ermittler ermittelt in Berliner Unterwelt

    Warum hat mich das Buch in Atem gehalten? 1 Die plastischen Schilderungen Berlins lassen die End-Zwanziger des letzten Jahrhunderts lebendig werden. Es entsteht eine greifbare Atmosphäre, die das nahende Unheil einige Jahre später andeutet. Verruchte, unterdrückte Unterwelten treffen auf das biedere Preußentum. 2. Die Hauptfiguren - der zwangsversetzte Kommissar Gereon Rath und sein Vorgesetzter Böhm. haben unterschiedliche Vergangenheiten, aus denen ihr jeweiliges Handeln entsteht. 3. Der Mordfall und die Ermittlungen werden spannend aufgebaut und man fragt sich, wie kommt Gereon Rath aus der Situation heraus, in die er sich selbst reinmanövriert hat. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall und das Begleiten von Rath bei seiner beruflichen und persönlichen Entwicklung.

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    dominonavor 10 Monaten
    Achterbahn

    Selbst ich als Nicht Krimi-Fan muss sagen, dass mir vieles sehr gut gefallen hat und ich endlich mal wieder das Gefühl hatte, dass da eine wirklich anspruchsvolle Entwicklung ansteht, zumal, wenn man sich den historischen Kontext in Erinnerung ruft. Es war ein Auf und Ab in diesem ersten Roman der Reihe und das hat mir Spaß gemacht, auch, wenn es zum Teil seine Längen hatte, aber wie auch nicht, bei dem Umfang. Das Finale kam mit einem Krach, wie ich es mag und ich freue mich sehr auf den zweiten Teil, der bei mir nicht lange auf sich warten lassen wird.

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    Archervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Einer der seltenen Fälle, wo die Serie besser ist als die literarische Vorlage.
    Selten ...

    ... kommt es vor, dass mir ein Buch weniger gut gefällt als ein Film oder wie in diesem Fall hier die Serie. Obwohl mir Kutschers 20iger Jahre Krimis schon öfter vor die Füße gelaufen sind, hatte ich noch nie wirklich Bock gehabt, sie zu lesen. Und dann kam Netflix und eine Serie, die mich fast von Minute eins an fesseln konnte. Klar, jetzt gab es kein Zurück mehr.

    Es konnte wahrscheinlich nur in einer Enttäuschung enden. Man sollte die Medien Buch und Film nicht miteinander vergleichen, heißt es. Aber wie soll man es nicht, wenn das eine auf dem anderen basiert? In der Serie sind die Protagonisten vielschichtig, menschlich, kompliziert, im Buch wirken sie auf mich blass und zweidimensional. Dazu kommt, dass mir im Buch alle sympathischer sind als Gereon Rath selbst. Ich kann diesen selbstverliebten, arroganten und gewisslosen Typen hier nicht ausstehen. Gut finde ich, dass im Buch seine dumme Affäre nicht auftaucht, dafür gibt es andere Sachen, die nicht vorkommen, die mich mehr stören.

    Was auch nervig ist, ist der lahme Erzählstil. Diese 560 Seiten hätten auf jeden Fall gestrafft gehört, damit mal Spannung auftauchen kann, doch man kann natürlich auch alles totreden. Stilmäßig wird sich Kutscher hoffentlich in den nächsten Bänden steigern, denn seine Perspektivwechsel stören schon manchmal, jedenfalls wenn sie innerhalb eines Absatzes auftauchen. Ich weiß, dass ich hier dieses (Ausnahme)Mal eher einen Vergleich zwischen Buch und Serie geschrieben habe, wobei die Serie bei mir bedeutend besser wegkommt, aber ich denke, den Inhalt kann ich mir hier sparen, gibt ja genügend Rezensionen zu dem Buch. 2,5/5 Punkten.

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    Stephanuss avatar
    Stephanusvor einem Jahr
    Toller Berlin Krimi aus den 1920er Jahren

    Gereon Rath, ein junger Kommissar aus Köln nach Berlin versetzt, gerät in der pulsierenden Großstadt Berlin Ende der 1920er Jahre in eine andere Welt. Zunächst bei der Sitte, gelingt es ihm, durch private Ermittlungen, zur Mordkommission zu kommen und dort erwartet ihn gleich ein verzwickter Mordfall. Die Spuren führen ihn über Gerüchte und die Jagd nach einem Goldschatz, in die Berliner Unterwelt und die Ringvereine, die das Sagen haben. Schließlich tötet er selbst einen Menschen und gerät aus dem eigenen Gleichgewicht. Er droht, vom Fall und der Stadt verschluckt zu werden und selbst unterzugehen, bevor er den eigentlichen Drahtziehern, die bei der Polizei sitzen und damit einem nationalsozialistischen Verein, auf die Spur kommt.

    Perfekt und sehr realistisch entwirft der Autor ein Bild des Berlin der 1920er Jahre und katapultiert den Leser in eine längst vergangene Zeit, die hier wieder auflebt. Neben der großen Anstrengung, die der Autor mit der Beschreibung von Berlin und dem wilden Leben dort auf sich nimmt, sind auch die Figuren detailliert ausgearbeitet und haben etwas sympathisch liebenswertes, so dass sie zur Atmosphäre beitragen und der Leser sich gut hineinversetzen kann. Die Krimi-Handlung ist facettenreich und spannend und mit so mancher überraschenden Wende. Ich fand das Buch toll und bin begeistert von dieser Art von "historischen" Krimis, die ich nur weiterempfehlen kann.

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    Kaisus avatar
    Kaisuvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Lesetipp aus einer vergangenen Zeit.
    Damals, vor dem Krieg...

    Mit diesem Roman beginnt eine sensationelle Serie, mit der Volker Kutscher den Kriminalkommissar Gereon Rath durch das Berlin der 20er- und frühen 30er-Jahre und mitten in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit schickt.

    Volker Kutscher lässt das Berlin des Jahres 1929 lebendig werden. Sein Held Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten – ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, neu in der Stadt und abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein – und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat. (KiWI Verlag)

    Meine Meinung:

    Nachdem ich in letzter Zeit eine Lesephase habe, in der sich viele Bücher, die sich mit der Situation nach dem ersten Weltkrieg beschäftigen, einschleichen, kam ich natürlich um diesen Serienauftakt nicht drumherum. Trotz einiger schlechter Kritik zum Buch, hab ich mich nicht abschrecken lassen und es nicht bereut.

    Der Autor hat mit seinem Kriminalkommissar Gereon Rath eine ruhige Person erschaffen, die mit ihren beruflichen Schatten zu kämpfen hat und dennoch nach vorne schaut. Nicht immer läuft alles rund in seiner Welt. Dennoch ist es recht schwer ihn unter Druck, Hohn und Verachtung begraben. Ein kleines Steh-auf-Männchen quasi, das für Gerechtigkeit kämpft.

    Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und kommt ohne große Aufreger daher. Einen actiongeladenen Krimi, wo man von Tatort zu Tatort hetzt sollte man also nicht erwarten. Es wird ein ruhiger Ton angeschlagen. Da es ein Serienauftakt ist, beschäftigt man sich natürlich mit den Figuren, bevor es zur Sache geht.

    Auslöser ist ein seltsamer Unfall mit einem Auto, in dem ein Körper gefunden wird, der schon lange vor dem Unfall tot war. Gereon weiß durch Zufälle bereits zu Beginn mehr, wie seine Kollegen und nutzt das für seine eigene Recherchen aus.

    Nicht immer versteht man, warum der Kommissar so handelt, wie er handelt – aus menschlicher Sicht – letztlich führt aber alles zu einem runden Ende, man klappt das Buch zufrieden zu und ist neugierig auf neue Fälle mit dem Neu-Berliner Kommissar Rath.

    Schade fand ich nur, dass zu wenig das Feeling der damaligen Zeit herüberkommt. Zwar geht man auf das Denken und die politische Situation ein. Spürt den Hass, die kommende neue Orientierung und erkennt sofort, wer sich nicht dieser beugen will. Dennoch fehlt etwas die Optik. Der raue Alltag, die Sorge um Nahrung, die erschöpften Seelen nach dem Krieg, wie die Autorin es in „Der zweite Reiter“ geschafft hatte.

    Ein Lesetipp, der ruhigeren Art!

    Zitate:

    „Ein seltsamer Fall. Und wie hatte sich der tote Russe die Verletzungen an Händen und Füßen zugezogen? Ein wirklich seltsamer Fall, dachte Rath.“ (S.91)

    „Und wenn die Helden der Mordkommission den Täter präsentieren, dann steht die Polizei wieder da wie Persil am Himmel. Weiß und strahlend! Die Presse feiert sie, ganz Berlin feiert sie. Und kein Mensch denkt mehr an die blutigen Maitage.“ (S.134)

    „Ich habe einen ganz einfachen Grund“, sagte er. „Ich bin Polizist, damit solche Schweine wie du nicht ungestraft davon kommen.“ (S.489)

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    SalanderLisbeths avatar
    SalanderLisbethvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Gut recherchierter, spannender Auftaktband einer Krimiserie über ein schillerndes Berlin zum Ende der 1920er Jahre.
    Die goldenden 20er Jahre in Berlin


    Der Schmerz machte ihn halb wahnsinnig, er musste sich zusammenreißen. Das Geräusch der Tropfen nicht beachten, so laut es auch war. Tropfen, die auf einen harten, feuchten Boden fielen. Er wusste, dass es sein eigenes Blut war, das da auf den Beton tropfte. (Auszug Seite 11)
     
     
    Volker Kutscher entführt uns in seinem Kriminalroman Der nasse  Fisch in das Berlin des Jahres 1929. Sein Hauptprotagonist Gereon Rath fängt in Berlin als Kommissar bei der Sitte an. Er stammt ursprünglich aus Köln, hat dort aber im Dienst den Sohn eines bedeutenden Verlegers erschossen. Nach einer Hetzkampagne durch die Medien wurde er dank der Beziehungen seines Vaters nach Berlin „strafversetzt“. In der Hauptstadt muss der ehemalige Mordermittler sich unter anderem während der schweren Unruhen am 1. Mai erst mal profilieren. Die Maiunruhen, bei denen es durch die überforderte Polizei zu zahlreichen unbeteiligten Opfern kommt, werden später als Blutmai in die Geschichtsbücher eingehen.
     
     
    Die Maiunruhen hielten auch am dritten Tag an. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Schupos, immer wieder fielen Schüsse. Auf den Straßen um Wedding und in Neukölln herrschte Krieg. Aus dem Baumaterial in der Hermannstraße waren Barrikaden errichtet worden, in einigen Straßenzügen sämtliche Straßenlaternen durch Steinwürfe außer Betrieb gesetzt. (Seite 67)
     
     
    Als im Landwehrkanal die Leiche eines schwer misshandelten, unbekannten Mannes gefunden wird, meint der ehrgeizige Rath, diesen zu kennen. Er nutzt die Chance zur Mordkommission zu wechseln und ermittelt auf eigene Faust. Seine Recherchen führen ihn ins Berliner Nachtleben. Er findet eine Verbindung zu russischen Emigranten, die hinter geschmuggeltem Gold her sind, um damit Waffen zu kaufen. Da auch das organisierte Verbrechen hinter dem Gold her ist, begibt sich Rath in große Gefahr. Er verstrickt sich immer mehr in den Fall, erschießt in Notwehr einen Verfolger und versteckt die Leiche. Aufgrund seiner Vergangenheit in Köln versucht er die Tat zu vertuschen.
     
    In seinem Auftaktband der bisher sechsteiligen Reihe versteht es der Autor Volker Kutscher, ein schillerndes Portrait Berlins und der Weimarer Republik zu zeigen. Berlin galt damals als amerikanischste Stadt Europas, eine moderne, pulsierende Metropole. An der Seite des Neuberliners Gereon Rath erlebt der Leser eine Hauptstadt voller politischer und sozialer Spannungen und Umbrüche sowie ungezügelter Vergnügungssüchte. Die neuen Freiheiten ließen aber auch das Verbrechen erblühen. Berlin bildet die spannende Kulisse einer Gangstergeschichte mit den Umbrüchen dieser Zeit.
    Der ambitionierte Autor hat wirklich akribisch recherchiert und den Zeitgeist der 30er Jahre gut wiedergegeben. Durch die umfassende historische Genauigkeit vermittelt er ein lebendiges Bild der Zeit und Schauplätze. Er benutzt das Vokabular der Zeit und setzt den Berliner Dialekt dosiert ein. Viele moderne Ansätze, wie zum Beispiel die sexuelle Freizügigkeit oder die Emanzipation der Frau, sind von unserer heutigen Zeit gar nicht so weit entfernt, wurden aber durch die Katastrophe des Dritten Reiches erst mal gestoppt. Der Nationalsozialismus mit seinen Symbolen taucht bisher nur ab und zu am Rande auf. Noch ahnen die Zeitgenossen um den in politischen Dingen völlig desinteressierte Rath noch nichts von der drohenden Katastrophe. Kutscher betont aber, dass es sich nicht um ein Geschichtsbuch handelt, bis auf wenige Ausnahmen ist sein Figurenpersonal auch rein fiktiv.
     
     
    Mit seinem Protagonist ist Kutscher ein durchaus vielschichtiger, ambivalenter Charakter gelungen. Der gerissene Rath nimmt es oft mit der Wahrheit nicht so genau, hat aber immer die Gerechtigkeit im Sinn. Um den Fall aufzuklären, überschreitet er immer wieder Grenzen, arbeitet oft am Rande der Legalität, unter anderem auch mit Berliner Unterweltgrößen zusammen. Als seine Recherchen ihn in illegale Nachtclubs führen, nimmt er sogar Kokain, um nicht aufzufallen. Gereon verliebt sich in Charly, eine Stenotypistin der Mordkommission, was ihn nicht daran hindert, ihr Insiderwissen für seine eigenmächtigen Ermittlungen zu missbrauchen. Als ein nasser Fisch wird zu der Zeit übrigens ein ungelöster Fall genannt, passt aber auch auf den sich manchmal geschickt durchlavierenden Rath.
     
     
    Das Besondere an diesem komplexen Krimi ist nicht unbedingt der Plot, der zwar wendungsreich aber in gemächlichem Tempo daherkommt, teilweise ausschweifend erzählt wird und zum Schluss in einem etwas konstruierten Actionfinale mündet. Faszinierend fand ich, wie der Autor dem Leser anhand des politisch naiven Polizisten Rath aufzeigt, wie die politische Zerrissenheit, die Arbeitslosigkeit oder die Ängste vor den Kommunisten den Weg in eine Diktatur erst ermöglichten.
     

    Kutscher erzählt flüssig, routiniert und spannend den Untergang der Weimarer Republik und ich bin sehr neugierig, wie es mit allen weitergeht.

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    zukunftskinds avatar
    zukunftskindvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Langweiliges Krimi, das in Berlin der 1920er Jahre spielt. Die Charaktere sind gekünstelt und die Geschichte ist irgendwie vorhersehbar.
    Gekünstelte Geschichte

    Der einzige Charme dieses Buches ist nur für Eingeweihte sichtbar: man muss sich in Berlin nämlich SEHR gut auskennen, damit es interessant wird. Eigentlich hat das Buch mehr von einem historischen Roman für Berlin-Nostalgiker (oder überhaupt Nostalgiker), als von einem Krimi.
    Die Geschichte an sich: Kommissar Rath wird nach einem Zwischenfall von seinem Papa nach Berlin geschickt, um dort weiter Karriere zu machen. Rath ist ein Arschloch, trotzdem mögen ihn viele und sogar eine schnulzige Liebesgeschichte mit dem schönsten und klügsten Mädchen der Polizei ist auch noch drin. Die ganze Geschichte, in der er sich verwickelt, wirkt gekünstelt und vorhersehbar. Nichts läuft schief für Kommissar Rath und natürlich glauben ihm alle alles und natürlich gibt es ein Happy End..

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: der spannende Auftakt einer Krimi-Reihe im Berlin der 1930er
    Polizei-Alltag in der Weimarer Republik ...

    Mit diesem Buch ist Volker Kutscher ein toller Auftakt zu einer besonderen Krimi-Reihe gelungen.

    Berlin, in den späten 1920 Jahren, ist der Schauplatz. Es ist eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Das Land und die Leute haben sich noch immer nicht mit dem verlorenen Großen Krieg abgefunden. Die Arbeitslosigkeit ist groß, die Angst vor dem Kommunismus noch größer, die vaterländische Front rüstet auf und die SA-Schlägertrupps beginnen Ausländer und Juden zu tyrannisieren. Das wirkt sich in allen Gesellschaftsschichten aus. Und eben in diese Zeit platziert der Autor seinen Krimi.

    1. Mai 1929: die Kommunisten und Sozialisten veranstalten trotz Verbote Mai-Aufmärsche. Es kommt zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen es mehrere Tote gibt. Auch Gereon Rath, ehemaliger Mordermittler aus Köln, wegen eines Todesschusses aus seiner Dienstwaffe, nach Berlin zur Sitte versetzt, ist mitten im Chaos. Weil die Berliner Mordkommission chronisch unterbesetzt ist, soll Rath aushelfen. Er ermittelt auf eigene Faust. Doch damit macht er sich weder am Alexanderplatz noch in der Demi-Monde von Berlin Freunde. Mit den Berliner Gepflogenheiten im Nachtleben nicht vertraut, tritt er so manchem auf die Zehen.

    Gereon Rath ist nicht ganz unkompliziert. Er muss sich von seinem übermächtigen Vater emanzipieren, der ständig aus dem fernen Köln, seine Fäden zieht.
    Dummerweise kokst der Herr Kommissar manchmal und hat auch schon das eine oder andere Mal mit kriminellen Mitteln Ergebnisse erzielt.

    Volker Kutscher stellt zeitweise ihm Charlotte „Charly“ Ritter an die Seite. Charly ist eigentlich Stenotypistin im Alexander und protokoliert an den Tatorten. Ihr großes Ziel ist, selbst Kommissarin zu werden. Das Zeug dazu hätte sie.

    Der Krimi liest spannend und zeichnet ein authentisches Abbild des Lebens in der Millionenstadt Berlin.
    Erschreckend für mich war zu lesen, wie die Beamtenschaft und die Offiziere von Heer und Polizei von rechtsradikalem Gedankengut durchsetzt waren. Muss natürlich so sein, sonst hätte es Hitler 1933 nicht so leicht gehabt.

    Bin schon auf die nächsten Fälle gespannt. Sie liegen schon bereit.

    Ach ja, den Titel sollte ich noch auflösen: als „nasser Fisch“ bezeichnen die Kriminalisten ungeklärte Fälle - eine schöne Metapher.

    Ein supertolles Cover, das sich durch das Schwarzweiß-Foto aus der Masse der Krimis hervorhebt und neugierig auf dem Inhalt macht - gut gelungen .

    Kommentare: 5
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    Corsicanas avatar
    Corsicanavor 3 Jahren
    Geschichtsunterricht als Krimi

    Die Gereon-Rath-Krimi-Reihe wurde mir empfohlen, weil hier geschichtliche Hintergründe mit einem Kriminalroman verbunden sind. Und da ich gerne sozial-kritische-Krimis skandinavischer Herkunft lese, hat mich das sehr interessiert. Hier geht es um die Zeit der Weimarer Republik, Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre in Berlin. Die Goldenen Zwanziger, eine schillernd-halb-seidene Stadt, der Kampf von Sozialdemokratie, Kommunismus und Nationalsozialismus um die Vorherrschaft - und dazu ein charismatischer Kommissar, der knifflige Fälle löst.

    Die Mischung ist gut gelungen, der Schreibstil ansprechend und teilweise anspruchsvoll, die Charakterzeichnungen sind sehr ausgefeilt und das Zeitkolorit wird gut wiedergegeben. Das alles hat mich gefesselt. Der Kriminalfall selbst war mir persönlich irgendwann zu kompliziert und zu verschachtelt - aber zum Glück lese ich Krimis nicht wegen des Falles sondern wegen des "Drumherum" - daher war das für mich kein Problem. Und andere Leser werden den ganzen Fall sicherlich verstehen - mir war es einfach zu anstrengend.
    Es weht ein großer Hauch Melancholie durch das Buch, diese Mischung aus dem prallen Leben, das die Menschen leben möchten, nachdem sie den 1. Weltkrieg überlebt haben, und dem Abgrund, der sich irgendwie schon auftut - zumindest, wenn man mit dem heutigen Wissen liest.

    Und die Protagonisten? Gut gezeichnete, nicht ganz einfache Charaktere. Viele auch anders, als es auf den ersten Blick erscheint, Der Kommissar der Typ einsamer Wolf  - er verliebt sich zwar ernsthaft - stößt seine Geliebte jedoch heftig vor den Kopf. Die Frauen viel emanzipierter und freier, als man es aus heutiger Zeit vermuten würde, Nach dem Krieg muss die Entwicklung der Frauen einen heftigen Rückschritt gemacht haben, das mal so am Rande.

    Ich werde mich also jetzt den weiteren Büchern der Reihe widmen.

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