Volker Kutscher Der nasse Fisch

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Inhaltsangabe zu „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher

Die große Krimi-Entdeckung - jetzt in KiWi. "Der beste deutsche Hardboiler des Jahres" Bücher. Mit diesem Roman beginnt eine sensationelle Serie, mit der Volker Kutscher den Kriminalkommissar Gereon Rath durch das Berlin der 20er- und frühen 30er-Jahre und mitten in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit schickt. Volker Kutscher lässt das Berlin des Jahres 1929 lebendig werden. Sein Held Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten - ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, neu in der Stadt und abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein - und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat. "Weitere Gereon-Rath-Romane sind in Planung. Hoffentlich erscheinen sie bald!" Brigitte "An zeithistorischen Krimis besteht derzeit großes Interesse, wie vor allem die Bestseller-Erfolge von Anna Maria Schenkel zeigen. Zu diesen schmalen Büchern bildet 'Der nasse Fisch' nicht nur hinsichtlich des Umfangs eine Art Gegenpol. In 'Tannöd' wird Zeitgeschichte nur in homöopathischen Dosen verabreicht. Kutschers Projekt, den Untergang der Weimarer Republik im Medium des Kriminalromans darzustellen, ist ungleich ambitionierter und dabei ganz und gar schlüssig. Es bleibt zu hoffen, dass es die verdiente Beachtung findet." Hardy Reich, FAS "Ein höchst lesenswertes Stück Kriminalliteratur vor politisch-historischem Hintergrund." ORF "Spannung bis zum Schluss!" Kölner Illustrierte

Sehr gut dargestellte Zeitgeschichte - spannender Fall

— MackieMesser229
MackieMesser229

Ein Lesetipp aus einer vergangenen Zeit.

— Kaisu
Kaisu

Zeitstimmung gut eingefangen, spannender Fall, glaubhafte Charaktere - hat mir gut gefallen. 5 Sterne

— Fee-ChristineAKS
Fee-ChristineAKS

Toller Start der Hardboiled-Krimireihe rund um Kommissar Gereon Rath im Berlin der 20er Jahre: politisch, unterhaltsam, sehr lesenswert!

— DieBuchkolumnistin
DieBuchkolumnistin

Gut recherchierter, spannender Auftaktband einer Krimiserie über ein schillerndes Berlin zum Ende der 1920er Jahre.

— SalanderLisbeth
SalanderLisbeth

Ich mag wie der Autor schreibt und es ist spanne.d spielt zurZeit des Stummfilms Übergang zum Tonfilm in Berlin

— evalitera
evalitera

Langweiliges Krimi, das in Berlin der 1920er Jahre spielt. Die Charaktere sind gekünstelt und die Geschichte ist irgendwie vorhersehbar.

— zukunftskind
zukunftskind

der spannende Auftakt einer Krimi-Reihe im Berlin der 1930er

— Bellis-Perennis
Bellis-Perennis

Ein wirklich toller Krimi - Ich muss dringend den zweiten Teil lesen. :)

— Nymphe
Nymphe

Spannender Krimi auf höchstem Niveau und super Einblick in die politische Zeit in Berlin in den 1920ern.

— Mono-chan
Mono-chan

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  • Toller Berlin Krimi aus den 1920er Jahren

    Der nasse Fisch
    Stephanus

    Stephanus

    16. September 2017 um 12:58

    Gereon Rath, ein junger Kommissar aus Köln nach Berlin versetzt, gerät in der pulsierenden Großstadt Berlin Ende der 1920er Jahre in eine andere Welt. Zunächst bei der Sitte, gelingt es ihm, durch private Ermittlungen, zur Mordkommission zu kommen und dort erwartet ihn gleich ein verzwickter Mordfall. Die Spuren führen ihn über Gerüchte und die Jagd nach einem Goldschatz, in die Berliner Unterwelt und die Ringvereine, die das Sagen haben. Schließlich tötet er selbst einen Menschen und gerät aus dem eigenen Gleichgewicht. Er droht, vom Fall und der Stadt verschluckt zu werden und selbst unterzugehen, bevor er den eigentlichen Drahtziehern, die bei der Polizei sitzen und damit einem nationalsozialistischen Verein, auf die Spur kommt. Perfekt und sehr realistisch entwirft der Autor ein Bild des Berlin der 1920er Jahre und katapultiert den Leser in eine längst vergangene Zeit, die hier wieder auflebt. Neben der großen Anstrengung, die der Autor mit der Beschreibung von Berlin und dem wilden Leben dort auf sich nimmt, sind auch die Figuren detailliert ausgearbeitet und haben etwas sympathisch liebenswertes, so dass sie zur Atmosphäre beitragen und der Leser sich gut hineinversetzen kann. Die Krimi-Handlung ist facettenreich und spannend und mit so mancher überraschenden Wende. Ich fand das Buch toll und bin begeistert von dieser Art von "historischen" Krimis, die ich nur weiterempfehlen kann.

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  • Damals, vor dem Krieg...

    Der nasse Fisch
    Kaisu

    Kaisu

    16. July 2017 um 12:58

    Mit diesem Roman beginnt eine sensationelle Serie, mit der Volker Kutscher den Kriminalkommissar Gereon Rath durch das Berlin der 20er- und frühen 30er-Jahre und mitten in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit schickt. Volker Kutscher lässt das Berlin des Jahres 1929 lebendig werden. Sein Held Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten – ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, neu in der Stadt und abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein – und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat. (KiWI Verlag) Meine Meinung: Nachdem ich in letzter Zeit eine Lesephase habe, in der sich viele Bücher, die sich mit der Situation nach dem ersten Weltkrieg beschäftigen, einschleichen, kam ich natürlich um diesen Serienauftakt nicht drumherum. Trotz einiger schlechter Kritik zum Buch, hab ich mich nicht abschrecken lassen und es nicht bereut. Der Autor hat mit seinem Kriminalkommissar Gereon Rath eine ruhige Person erschaffen, die mit ihren beruflichen Schatten zu kämpfen hat und dennoch nach vorne schaut. Nicht immer läuft alles rund in seiner Welt. Dennoch ist es recht schwer ihn unter Druck, Hohn und Verachtung begraben. Ein kleines Steh-auf-Männchen quasi, das für Gerechtigkeit kämpft. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und kommt ohne große Aufreger daher. Einen actiongeladenen Krimi, wo man von Tatort zu Tatort hetzt sollte man also nicht erwarten. Es wird ein ruhiger Ton angeschlagen. Da es ein Serienauftakt ist, beschäftigt man sich natürlich mit den Figuren, bevor es zur Sache geht. Auslöser ist ein seltsamer Unfall mit einem Auto, in dem ein Körper gefunden wird, der schon lange vor dem Unfall tot war. Gereon weiß durch Zufälle bereits zu Beginn mehr, wie seine Kollegen und nutzt das für seine eigene Recherchen aus. Nicht immer versteht man, warum der Kommissar so handelt, wie er handelt – aus menschlicher Sicht – letztlich führt aber alles zu einem runden Ende, man klappt das Buch zufrieden zu und ist neugierig auf neue Fälle mit dem Neu-Berliner Kommissar Rath. Schade fand ich nur, dass zu wenig das Feeling der damaligen Zeit herüberkommt. Zwar geht man auf das Denken und die politische Situation ein. Spürt den Hass, die kommende neue Orientierung und erkennt sofort, wer sich nicht dieser beugen will. Dennoch fehlt etwas die Optik. Der raue Alltag, die Sorge um Nahrung, die erschöpften Seelen nach dem Krieg, wie die Autorin es in „Der zweite Reiter“ geschafft hatte. Ein Lesetipp, der ruhigeren Art! Zitate: „Ein seltsamer Fall. Und wie hatte sich der tote Russe die Verletzungen an Händen und Füßen zugezogen? Ein wirklich seltsamer Fall, dachte Rath.“ (S.91) „Und wenn die Helden der Mordkommission den Täter präsentieren, dann steht die Polizei wieder da wie Persil am Himmel. Weiß und strahlend! Die Presse feiert sie, ganz Berlin feiert sie. Und kein Mensch denkt mehr an die blutigen Maitage.“ (S.134) „Ich habe einen ganz einfachen Grund“, sagte er. „Ich bin Polizist, damit solche Schweine wie du nicht ungestraft davon kommen.“ (S.489)

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  • Die goldenden 20er Jahre in Berlin

    Der nasse Fisch
    SalanderLisbeth

    SalanderLisbeth

    23. November 2016 um 16:24

    Der Schmerz machte ihn halb wahnsinnig, er musste sich zusammenreißen. Das Geräusch der Tropfen nicht beachten, so laut es auch war. Tropfen, die auf einen harten, feuchten Boden fielen. Er wusste, dass es sein eigenes Blut war, das da auf den Beton tropfte. (Auszug Seite 11)     Volker Kutscher entführt uns in seinem Kriminalroman Der nasse  Fisch in das Berlin des Jahres 1929. Sein Hauptprotagonist Gereon Rath fängt in Berlin als Kommissar bei der Sitte an. Er stammt ursprünglich aus Köln, hat dort aber im Dienst den Sohn eines bedeutenden Verlegers erschossen. Nach einer Hetzkampagne durch die Medien wurde er dank der Beziehungen seines Vaters nach Berlin „strafversetzt“. In der Hauptstadt muss der ehemalige Mordermittler sich unter anderem während der schweren Unruhen am 1. Mai erst mal profilieren. Die Maiunruhen, bei denen es durch die überforderte Polizei zu zahlreichen unbeteiligten Opfern kommt, werden später als Blutmai in die Geschichtsbücher eingehen.     Die Maiunruhen hielten auch am dritten Tag an. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Schupos, immer wieder fielen Schüsse. Auf den Straßen um Wedding und in Neukölln herrschte Krieg. Aus dem Baumaterial in der Hermannstraße waren Barrikaden errichtet worden, in einigen Straßenzügen sämtliche Straßenlaternen durch Steinwürfe außer Betrieb gesetzt. (Seite 67)     Als im Landwehrkanal die Leiche eines schwer misshandelten, unbekannten Mannes gefunden wird, meint der ehrgeizige Rath, diesen zu kennen. Er nutzt die Chance zur Mordkommission zu wechseln und ermittelt auf eigene Faust. Seine Recherchen führen ihn ins Berliner Nachtleben. Er findet eine Verbindung zu russischen Emigranten, die hinter geschmuggeltem Gold her sind, um damit Waffen zu kaufen. Da auch das organisierte Verbrechen hinter dem Gold her ist, begibt sich Rath in große Gefahr. Er verstrickt sich immer mehr in den Fall, erschießt in Notwehr einen Verfolger und versteckt die Leiche. Aufgrund seiner Vergangenheit in Köln versucht er die Tat zu vertuschen.   In seinem Auftaktband der bisher sechsteiligen Reihe versteht es der Autor Volker Kutscher, ein schillerndes Portrait Berlins und der Weimarer Republik zu zeigen. Berlin galt damals als amerikanischste Stadt Europas, eine moderne, pulsierende Metropole. An der Seite des Neuberliners Gereon Rath erlebt der Leser eine Hauptstadt voller politischer und sozialer Spannungen und Umbrüche sowie ungezügelter Vergnügungssüchte. Die neuen Freiheiten ließen aber auch das Verbrechen erblühen. Berlin bildet die spannende Kulisse einer Gangstergeschichte mit den Umbrüchen dieser Zeit. Der ambitionierte Autor hat wirklich akribisch recherchiert und den Zeitgeist der 30er Jahre gut wiedergegeben. Durch die umfassende historische Genauigkeit vermittelt er ein lebendiges Bild der Zeit und Schauplätze. Er benutzt das Vokabular der Zeit und setzt den Berliner Dialekt dosiert ein. Viele moderne Ansätze, wie zum Beispiel die sexuelle Freizügigkeit oder die Emanzipation der Frau, sind von unserer heutigen Zeit gar nicht so weit entfernt, wurden aber durch die Katastrophe des Dritten Reiches erst mal gestoppt. Der Nationalsozialismus mit seinen Symbolen taucht bisher nur ab und zu am Rande auf. Noch ahnen die Zeitgenossen um den in politischen Dingen völlig desinteressierte Rath noch nichts von der drohenden Katastrophe. Kutscher betont aber, dass es sich nicht um ein Geschichtsbuch handelt, bis auf wenige Ausnahmen ist sein Figurenpersonal auch rein fiktiv.     Mit seinem Protagonist ist Kutscher ein durchaus vielschichtiger, ambivalenter Charakter gelungen. Der gerissene Rath nimmt es oft mit der Wahrheit nicht so genau, hat aber immer die Gerechtigkeit im Sinn. Um den Fall aufzuklären, überschreitet er immer wieder Grenzen, arbeitet oft am Rande der Legalität, unter anderem auch mit Berliner Unterweltgrößen zusammen. Als seine Recherchen ihn in illegale Nachtclubs führen, nimmt er sogar Kokain, um nicht aufzufallen. Gereon verliebt sich in Charly, eine Stenotypistin der Mordkommission, was ihn nicht daran hindert, ihr Insiderwissen für seine eigenmächtigen Ermittlungen zu missbrauchen. Als ein nasser Fisch wird zu der Zeit übrigens ein ungelöster Fall genannt, passt aber auch auf den sich manchmal geschickt durchlavierenden Rath.     Das Besondere an diesem komplexen Krimi ist nicht unbedingt der Plot, der zwar wendungsreich aber in gemächlichem Tempo daherkommt, teilweise ausschweifend erzählt wird und zum Schluss in einem etwas konstruierten Actionfinale mündet. Faszinierend fand ich, wie der Autor dem Leser anhand des politisch naiven Polizisten Rath aufzeigt, wie die politische Zerrissenheit, die Arbeitslosigkeit oder die Ängste vor den Kommunisten den Weg in eine Diktatur erst ermöglichten.   Kutscher erzählt flüssig, routiniert und spannend den Untergang der Weimarer Republik und ich bin sehr neugierig, wie es mit allen weitergeht.

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    • 2
  • Gekünstelte Geschichte

    Der nasse Fisch
    zukunftskind

    zukunftskind

    21. August 2016 um 19:18

    Der einzige Charme dieses Buches ist nur für Eingeweihte sichtbar: man muss sich in Berlin nämlich SEHR gut auskennen, damit es interessant wird. Eigentlich hat das Buch mehr von einem historischen Roman für Berlin-Nostalgiker (oder überhaupt Nostalgiker), als von einem Krimi.Die Geschichte an sich: Kommissar Rath wird nach einem Zwischenfall von seinem Papa nach Berlin geschickt, um dort weiter Karriere zu machen. Rath ist ein Arschloch, trotzdem mögen ihn viele und sogar eine schnulzige Liebesgeschichte mit dem schönsten und klügsten Mädchen der Polizei ist auch noch drin. Die ganze Geschichte, in der er sich verwickelt, wirkt gekünstelt und vorhersehbar. Nichts läuft schief für Kommissar Rath und natürlich glauben ihm alle alles und natürlich gibt es ein Happy End..

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  • Polizei-Alltag in der Weimarer Republik ...

    Der nasse Fisch
    Bellis-Perennis

    Bellis-Perennis

    04. August 2016 um 17:35

    Mit diesem Buch ist Volker Kutscher ein toller Auftakt zu einer besonderen Krimi-Reihe gelungen. Berlin, in den späten 1920 Jahren, ist der Schauplatz. Es ist eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Das Land und die Leute haben sich noch immer nicht mit dem verlorenen Großen Krieg abgefunden. Die Arbeitslosigkeit ist groß, die Angst vor dem Kommunismus noch größer, die vaterländische Front rüstet auf und die SA-Schlägertrupps beginnen Ausländer und Juden zu tyrannisieren. Das wirkt sich in allen Gesellschaftsschichten aus. Und eben in diese Zeit platziert der Autor seinen Krimi. 1. Mai 1929: die Kommunisten und Sozialisten veranstalten trotz Verbote Mai-Aufmärsche. Es kommt zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen es mehrere Tote gibt. Auch Gereon Rath, ehemaliger Mordermittler aus Köln, wegen eines Todesschusses aus seiner Dienstwaffe, nach Berlin zur Sitte versetzt, ist mitten im Chaos. Weil die Berliner Mordkommission chronisch unterbesetzt ist, soll Rath aushelfen. Er ermittelt auf eigene Faust. Doch damit macht er sich weder am Alexanderplatz noch in der Demi-Monde von Berlin Freunde. Mit den Berliner Gepflogenheiten im Nachtleben nicht vertraut, tritt er so manchem auf die Zehen. Gereon Rath ist nicht ganz unkompliziert. Er muss sich von seinem übermächtigen Vater emanzipieren, der ständig aus dem fernen Köln, seine Fäden zieht. Dummerweise kokst der Herr Kommissar manchmal und hat auch schon das eine oder andere Mal mit kriminellen Mitteln Ergebnisse erzielt. Volker Kutscher stellt zeitweise ihm Charlotte „Charly“ Ritter an die Seite. Charly ist eigentlich Stenotypistin im Alexander und protokoliert an den Tatorten. Ihr großes Ziel ist, selbst Kommissarin zu werden. Das Zeug dazu hätte sie. Der Krimi liest spannend und zeichnet ein authentisches Abbild des Lebens in der Millionenstadt Berlin. Erschreckend für mich war zu lesen, wie die Beamtenschaft und die Offiziere von Heer und Polizei von rechtsradikalem Gedankengut durchsetzt waren. Muss natürlich so sein, sonst hätte es Hitler 1933 nicht so leicht gehabt. Bin schon auf die nächsten Fälle gespannt. Sie liegen schon bereit. Ach ja, den Titel sollte ich noch auflösen: als „nasser Fisch“ bezeichnen die Kriminalisten ungeklärte Fälle - eine schöne Metapher. Ein supertolles Cover, das sich durch das Schwarzweiß-Foto aus der Masse der Krimis hervorhebt und neugierig auf dem Inhalt macht - gut gelungen .

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    • 6
  • Geschichtsunterricht als Krimi

    Der nasse Fisch
    Corsicana

    Corsicana

    31. August 2015 um 19:21

    Die Gereon-Rath-Krimi-Reihe wurde mir empfohlen, weil hier geschichtliche Hintergründe mit einem Kriminalroman verbunden sind. Und da ich gerne sozial-kritische-Krimis skandinavischer Herkunft lese, hat mich das sehr interessiert. Hier geht es um die Zeit der Weimarer Republik, Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre in Berlin. Die Goldenen Zwanziger, eine schillernd-halb-seidene Stadt, der Kampf von Sozialdemokratie, Kommunismus und Nationalsozialismus um die Vorherrschaft - und dazu ein charismatischer Kommissar, der knifflige Fälle löst. Die Mischung ist gut gelungen, der Schreibstil ansprechend und teilweise anspruchsvoll, die Charakterzeichnungen sind sehr ausgefeilt und das Zeitkolorit wird gut wiedergegeben. Das alles hat mich gefesselt. Der Kriminalfall selbst war mir persönlich irgendwann zu kompliziert und zu verschachtelt - aber zum Glück lese ich Krimis nicht wegen des Falles sondern wegen des "Drumherum" - daher war das für mich kein Problem. Und andere Leser werden den ganzen Fall sicherlich verstehen - mir war es einfach zu anstrengend. Es weht ein großer Hauch Melancholie durch das Buch, diese Mischung aus dem prallen Leben, das die Menschen leben möchten, nachdem sie den 1. Weltkrieg überlebt haben, und dem Abgrund, der sich irgendwie schon auftut - zumindest, wenn man mit dem heutigen Wissen liest. Und die Protagonisten? Gut gezeichnete, nicht ganz einfache Charaktere. Viele auch anders, als es auf den ersten Blick erscheint, Der Kommissar der Typ einsamer Wolf  - er verliebt sich zwar ernsthaft - stößt seine Geliebte jedoch heftig vor den Kopf. Die Frauen viel emanzipierter und freier, als man es aus heutiger Zeit vermuten würde, Nach dem Krieg muss die Entwicklung der Frauen einen heftigen Rückschritt gemacht haben, das mal so am Rande. Ich werde mich also jetzt den weiteren Büchern der Reihe widmen.

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  • Ein gelungener Auftakt im Berlin der 20er Jahre

    Der nasse Fisch
    knuddelbacke

    knuddelbacke

    01. March 2015 um 08:29

    Mit dem Auftakt zu einer neuen Kriminalreihe um den Kommissar Gereon Rath ist dem Autor ein gut recherchierter und fundierter historischer Kriminalroman gelungen, der nicht nur in sprachlicher und atmosphärischer Hinsicht glänzen konnte, sondern vor allem durch die authentische Zeichnung der Charaktere. Im Jahr 1929 erlebt der Zwangsversetze Kölner Kriminalkommissar Gereon Rath eine Hauptstadt voller politischer und sozialer Spannungen und nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise in die letzten Züge der Weimarer Republik. Gereon Rath ist eine Figur mit Ecken und Kanten, wie ich sie liebe. Nach seiner Zwangsversetzung zur Berliner Sitte setzt er alles daran, sich bei seinem neuen Vorgesetzten zu profilieren. Das er sich dabei mit seinem unnachgiebigen Willen und seinem Durchsetzungsvermögen plötzlich ungeplant in einer Mordermittlung befindet, gibt ihm endlich die gesuchte Möglichkeit bei seinen neuen Vorgesetzten einen gebührenden Eindruck zu hinterlassen. Das er dabei zwischenzeitlich selber zum Verdächtigen avanciert und schließlich einer seiner Kollegen nach einer von ihm aufgetragenen Ermittlung Tod aufgefunden wird, sind nur die ersten Anzeichen,dass sein Vorhaben sich zu profilieren aus dem Ruder zu laufen scheint. Gereon Raths Ehrgeiz und sein unermüdlicher Glaube an das Gute im Menschen machen ihn trotz seiner häufigen Fehltritte zu einem sympathischen Ermittler, mit dem ich als Leser bis zum Schluss mitfieberte.  Der gut recherchierte historische Hintergrund, aber auch die Detailgetreue Sprache (der Berliner Dialekt hätte von mir aus gerne noch öfter verwandt werden dürfen) lassen die Handlung des Ersten Gereon Rath Falls glaubwürdig und realistisch erscheinen. Teilweise hatte ich beim lesen den Eindruck mich tatsächlich mit dem Kommissar auf den Straßen des Berlins der Zwanziger Jahre zu bewegen. Lediglich der Verlauf der Handlung, und einige überraschende Wendungen haben mich zwischenzeitlich etwas verwirrt, und mich für kurze Zeit den Überblick verlieren lassen. Nicht zuletzt weil Volker Kutscher einen komplexen historischen Kriminalroman geschaffen hat, der dem Leser einige Aufmerksamkeit abverlangt, die sich letztendlich auszahlt. Ein spannender und zugleich unterhaltsamer Krimi,der sprachlich und inhaltlich auf ganzer Linie überzeugen konnte. Ich bin gespannt auf die folgenden Fälle, die ich auf jeden Fall lesen möchte. 

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  • Auftakt einer unvergleichlichen Krimireihe im Berlin der 30er Jahre....

    Der nasse Fisch
    SigiLovesBooks

    SigiLovesBooks

    Auf viele Empfehlungen hin habe ich kürzlich den ersten Krimi von Volker Kutscher gelesen - und habe es nicht bereut! Das Cover passt sehr gut zum Histo-Krimi und wie hier bereits festgestellt wurde, versteht es der Autor durch gute Recherche und seine Sprachgewandtheit (inklusive Dialogen im Berliner Dialekt, die mir besonders gut gefielen :-)), den Zeitgeist und die politischen Umstände im letzten Stadium der Weimarer Republik einzufangen und dem Leser nahe zubringen: Gereon Rath, der ermittelnde Kommissar und Hauptprotagonist des Krimis, wird "strafversetzt" von Köln nach Berlin und muss sich in der Großstadt und - zuvor als Mordermittler tätig - nun erstmal bei der Abteilung "Sitte" profilieren. Durch seine Vorerfahrungen, seine Intelligenz und auch sein Durchsetzungsvermögen gelingt es ihm, auch in Berlin einen Mordfall als leitender Kommissar aufzuklären, mit dem er - in eher privater Hinsicht - bereits verwickelt ist.... Die Charaktere und die Hintergründe der handelnden Personen sind glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt; die Hierarchie in den Polizeirevieren und unter den Beamten sowie der aufkeimende Antisemitismus und die aufstrebende NS-Diktatur, die 4 Jahre später durch die Gleichschaltung die Macht an sich reißt, sind sehr gut dargestellt. Gerade die politische Zerrissenheit, die Arbeitslosigkeit und das Gedankengut der älteren Protagonisten, die den 1. Weltkrieg erlebten und Ängste in sich tragen, von den "Sozis" und den "Roten" überrollt zu werden, fand ich sehr beeindruckend. Dieser Teppich bzw. Wegbereiter in der Bevölkerung, die das Gewaltregime erst ermöglichte, spielt eine nicht eben untergeordnete Rolle in dem Krimi, der ihn für mich - historisch betrachtet - zu einem Besonderen werden lässt. Auch der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig und anspruchsvoll, was mir sehr gut gefallen hat. Der Krimi ist in 3 Kapitel unterteilt und sachlich sehr stimmig aufgebaut. Er kommt nun nicht sehr blutrünstig daher, sondern eher in gemächlichem Tempo, das sich aber im letzten Drittel dann doch steigert: Der Plot ist dann doch sehr fulminant und der vermeintlich "Gute", dann aber doch der Bösewicht, den Rath als einziger in ihm erkennt - stirbt eines unrühmlichen Todes, nachdem er sich ungewollt einer tödlichen Säure ausgesetzt sieht, hierin könnte man auch eine Metapher sehen, das Korrupte und wahrhaft "Böse" doch noch auszumerzen.... Ich werde definitiv die Folgebände auch noch lesen und kam nicht umhin, die geschilderten alten Autos mal zu googeln (Maybach, Horch 350 u.a. aus dem Jahre 1929) - ich finde sie alle schön und mag einfach alte Autos: Diesen Charme hat das KFZ längst verloren, schade! Ich freue mich auf die "Akte Vaterland" und "Märzgefallene" sowie zuerst "Goldstein" und kann diesen historischen Krimi sehr empfehlen! Von mir gibt es 92 Punkte und 4,5 Sterne!

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    • 4
  • Die verruchte Atmosphäre im Berlin der 20er Jahre

    Der nasse Fisch
    Dunkelblau

    Dunkelblau

    02. February 2014 um 20:42

    Berlin, 1929 – Kommissar Gereon Rath wurde durch die Kontakte seines Vaters von der Kripo Köln nach Berlin zur Sitte versetzt. So richtig wohl fühlt er sich dort noch nicht und die Razzien in Nachtklubs und das Aufspüren von Pornoproduzenten befriedigt seinen kriminalistischen Instinkt nicht wirklich. Doch dieser erwacht umso mehr, als er eine unbekannte Leiche in der Gerichtsmedizin erkennt. Rath behält sein Wissen allerdings für sich und beginnt eigene Ermittlungen ohne die Kollegen der Mord Abteilung zu informieren. Er bewegt sich dabei in zwielichten Kreisen der Berliner Unterwelt und überschreitet die legalen Grenzen. Volker Kutscher packt ganz schön viel rein in seinen Roman. Manchmal habe ich etwas den Überblick über die ganzen Wendungen und Verstrickungen verloren, trotzdem hat mich das Buch irgendwie gefesselt. Nicht unbedingt wegen atemberaubender Spannung, die steht hier nicht im Fokus, sonder eher wegen der besonderen Atmosphäre im Berlin der späten 20er Jahre.  Dies hat Volker Kutscher für mich besonders im ersten Drittel des Romans gut rüber gebracht und es sind viele bunte Bilder in meinem Kopf entstanden. Ich werde auch die weiteren Bände Rund um Gereon Rath lesen um zu erfahren wie es mit ihm und Berlin weiter geht.

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  • "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher

    Der nasse Fisch
    Rinnerl

    Rinnerl

    Gleich vorweg, ich hab das Buch nur deshalb gelesen, weil Valkyrie Kane es total unterirdisch fand (jedenfalls die 60 Seiten die sie geschafft hat :) und das hat mich dann doch neugierig gemacht :D Ich wollte wissen, ob wir (wie so oft) einer Meinung sind oder (was tatsächlich auch manchmal vorkommt) eher nicht. Womit wohl bewiesen wäre, dass eine „negative“ Rezension andere Leute nicht zwangsläufig davon abhält ein Buch zu lesen, sondern wie in meinem Fall, genau das Gegenteil bewirkt. Hätte Valkyrie Kane geurteilt das Buch wäre ganz okay, hätte mich die Story nicht so interessiert, dass ich mich zum lesen veranlasst gefühlt hätte. Jetzt zum Buch. „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher ist ein Kriminalroman, der im Berlin der späten zwanziger Jahre spielt. Hauptfigur ist der Kölner Kriminalkommissar Gereon Rath, der mehr oder weniger strafversetzt jetzt im Berliner Sittendezernat seinen Dienst verrichten darf / muß. Ohne zuviel zu verraten, Korruption, Verrat, Vetternwirtschaft und Mord sind nur einige der Dinge, mit denen sich der „Neuling“ in seinem ersten Berliner Fall herumschlagen muss. Historisch gesehen habe ich von den zwanziger Jahren absolut keine Ahnung, von daher kann ich nicht beurteilen, ob das was im Buch dargestellt wird tatsächlich dem damaligen Zeitgeist entspricht und ob die Personen sich „in echt“ wirklich so verhalten hätten wie sie es im Buch tun. Von der politischen Lage damals habe ich sogar noch weniger Ahnung, da war ich in Geschichte krank. Für mich persönlich spielte das beim lesen keine übergroße Rolle. Das was mir an diesem Buch gefallen hat, hätte mir auch dann gefallen würde das Buch 2013 spielen, das was mir nicht gefallen hat, hätte mir egal in welcher Zeit nicht gefallen. So etwa ab der Hälfte des Buches war ich mir ziemlich sicher dass ich a) wusste wer der Böööööööösewicht war und b) wie sich der Fall im Groben weiterentwickeln würde. So war es dann auch, trotzdem fand ich das Buch nicht langweilig und habe es zügig durchgelesen. Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, dass der Fall für geschichtlich interessierte Personen ein ganzes Stück spannender und ausgereifter daherkommt als für jemanden der ihn als reinen Krimi liest und von der politischen und gesellschaftlichen Situation damals keine Ahnung hat. Als jemand der sich in Berlin einigermaßen auskennt und zurechtfindet fand ich es schön „alten Bekannten“ wie Karstadt, dem Ku-Damm, der Friedrichstraße usw. zu begegnen. Hatte was von „Ach guck, da war ich auch schon“ :) So richtige Sympathien konnte ich eigentlich für keine der Figuren entwickeln, am ehesten für einen Unterweltboss (ich frag mich, was das über mich aussagt) und dass ich trotzdem weiter gelesen habe spricht irgendwie für das Buch. Gestört hat mich an manchen Stellen die in meinen Augen etwas zu sehr gewollt wirkende Vulgärsprache, aber vielleicht war der Umgangston nach dem Krieg ja wirklich so und das ist wohl auch einfach Geschmacksache. Gefühlt auf (spätestens) jeder dritten Seite hat sich irgendjemand eine Zigarette angesteckt. Auch das kann durchaus so gewesen sein, aber irgendwann hatte die Leserin, also ich, dann echt kapiert dass wirklich JEDER geraucht hat und zwar quasi STÄNDIG, ohne dass es alle paar Seiten explizit erwähnt werden müsste. Zu guter letzt, hat eine Lovestory was in einem Krimi zu suchen? Ich schätze bei dieser Frage gibt es so viele Meinungen wie Bücher. In diesem Fall könnte man so argumentieren, dass es ja irgendwie den Fall vorangetrieben hat. Richtig. Und genau deswegen hat mich auch weniger die Lovestory an sich gestört, sondern das leider weit verbreitete Hin-und-Her-Getue. Ich liebe dich. Ja, ich dich auch. Nee, doch nicht. Ach eigentlich doch. Oh du gemeiner Lügner, ich lieb dich jetzt doch nicht mehr. Ach Schatz, ich lächle dich an und wir lieben uns doch. Ja wenn das so ist, dann lieb ich dich halt jetzt doch wieder. Ich kann das einfach nicht ab. Sei es in Bücher-, Film- oder sonstiger Form, es geht mir auf den Sack. Punkt. Mit ziemlich viel Gelaber bin ich damit alles in allem bei 3 Sternen angekommen.

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    • 8
    Rinnerl

    Rinnerl

    10. January 2014 um 07:39
  • Berlin 1929

    Der nasse Fisch
    smutcop

    smutcop

    12. October 2013 um 13:55

    Gedeon Raths erster Fall. Der junge Kriminalkommissar, eigentlich für die Mordkommission schwärmend, muß zunächst Dienst im verrufenen Sittendezernat schieben und kommt gleich einer internen, riesigen Sauerei auf die Spur, die ihn prompt in Lebensgefahr bringt. Ein tolles Buch mit dem Lokal/Histokolorit der aufstrebenden Metropole Berlin!

  • Rezension der ersten 60 Seiten: Der nasse Fisch

    Der nasse Fisch
    Valkyrie Kane

    Valkyrie Kane

    20. September 2013 um 12:36

    Dieses Buch könnte wirklich fantastisch sein – wenn es nicht so unterirdisch schlecht geschrieben wäre. Ganz im Ernst, könnte man hier null Sterne vergeben, würde ich es tun. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich das Buch nicht sehr lange gelesen habe. Ich bin nur etwa 60 Seiten weit gekommen. Und bevor jetzt alle wieder das Schreien anfangen, von wegen „Wie kannst du es wagen, ein Buch zu be- und verurteilen, obwohl du es gar nicht zu Ende gelesen hast?“, hier ist der Grund: Weil es mich nicht mehr interessiert! Dieses Buch ist so schlecht, dass es schon auf den ersten gerade mal 60 Seiten geschafft hat, mir mein anfänglich großes Interesse zu nehmen und es dann auch noch in komplette Gleichgültigkeit zu verwandeln. Deshalb! Ich hatte das Buch bei meinem letzten Berlin-Urlaub in einem Hugendubel entdeckt und der Klappentext versprach auf jeden Fall spannende Unterhaltung. Dann hatte ich noch ein bisschen reingelesen, irgendwo in der Mitte, und es hörte sich tatsächlich gar nicht so schlecht an. Ich hatte eine Stelle erwischt, in der die Leute tatsächlich „Berlinerisch“ reden (wenn auch nicht immer ganz korrekt) und ich mag diesen Dialekt. Schließlich bin ich ja Berlinerin. (Zwar „im Exil“, aber ich bin in Berlin geboren und habe immerhin 21 Jahre da gelebt.) Berlin in den 20er/30er Jahren, politische Wirren, Mord… klang auch nicht schlecht. Also entschloss ich mich dazu das Buch zu kaufen und freute mich auf einen schönen, „alten“, spannenden Berlin-Krimi. Diese Freude verpuffte allerdings praktisch gleich nach dem Prolog. Ja, okay, Gereon Rath arbeitet zur Zeit bei der Sitte. Mir ist klar, dass es da sprachlich etwas derber zugeht, aber irgendwie hatte ich trotzdem die ganze Zeit das Gefühl, ich befinde mich im Berlin der Gegenwart. Polizei und Abteilung Sitte hin oder her, das ist in einer so derart… einfachen und ordinären Sprache geschrieben, dass absolut keine 20er-Jahre-Atmosphäre aufkommen will. Sätze wie „Der König bumst beim Kaiser“ oder „Ein fickender Kaiser reicht da nicht“, finde ich weder besonders lustig noch irgendwie 20er-Jahre-Style. Und 20er Jahre Pornos? Echt jetzt? Damit fängt das Buch an? Rasend interessant. Und dann kommt auch noch der kokainsüchtige Strippenzieher. Genau. Die Charaktere bleiben absolut flach und uninteressant, es gibt keinen Punkt, an dem man irgendwie mit einem von ihnen mitfiebert oder dass auch nur ein Fünkchen Sympathie aufkommt, die Dialoge wirken lustlos und konstruiert. Ich hatte den Eindruck, der Autor will einem irgendwie vermitteln, dass die Jungs von der Sitte eine total gute und coole Truppe sind, aber für den Leser kommen sie nur wie gefühllose Idioten rüber. Oder zumindest mal für mich. Und wie ich diese Frage hasse: „Wann hattest du eigentlich zum letzten mal eine Frau? Kein Wunder, dass du dich bei der Sitte nicht wohlfühlst, wenn du lebst wie ein Mönch.“ Ja. Sex ist die Lösung für alle Probleme. Gott sei Dank schläft der Protagonist im nächsten Absatz gleich mal mit seiner 10 Jahre älteren Cougar-Vermieterin, die er eigentlich gar nicht leiden kann und über die er vorher nur gelästert hat. Und obwohl er gerade behauptet hat, er „hatte vorerst die Nase voll von Frauen“. Was für ein toller Kerl! Nee, echt nicht. Und es hilft auch nichts, wenn man dem Leser erklärt, dass man gerade über den Alexanderplatz läuft. Und dass das Präsidium am Alexanderplatz steht. Oder dass ein Auto über den Alexanderplatz fährt. Wir haben es begriffen!!! Du hältst dich am Alexanderplatz auf!!! Ach, überhaupt! Die ersten 60 Seiten dieses Buches waren langweilig, konstruiert, humorlos und absolut enttäuschend. Ich hatte etwas erwartet wie z. B. die Charaktere in dem Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (Ja, dumm von mir, ich weiß.), was ich gekriegt habe, waren kokainsüchtige Pornokaiser, die nicht richtig berlinern können. Da ich mich geschichtlich in dieser Zeit nicht wirklich gut auskenne, hätte ich die ab und zu von anderen Lesern erwähnten „inhaltlichen Fehler“ sowieso nicht mitgekriegt, daher hat mich daran auch nichts gestört. Andererseits ist auf den ersten 60 Seiten ja auch noch gar nichts passiert – weder fallmäßig noch politisch. Und dem Autor ist es in diesen 60 Seiten nicht gelungen, mich davon zu überzeugen, dass das Buch danach besser wird; dass die Charaktere eine Entwicklung zum Besseren durchmachen werden; dass es sich lohnt, sich durch den Anfang zu quälen und einfach weiterzulesen, weil man am Ende mit einem spannenden Finale und einer überraschenden, einleuchtenden Wendung belohnt wird. Nein, DAS Vertrauen kam in mir nie auf. Deshalb habe ich mich entschlossen, dieses Buch nicht weiter zu lesen. Es ist mir absolut und komplett piep egal, was mit Gereon Rath und den anderen passiert und was es nun mit dem Toten auf sich hat.

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  • Rezension zu "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher

    Der nasse Fisch
    3vorDrei

    3vorDrei

    10. February 2013 um 19:12

    Ein spannendes Buch, das ich zum Schmökern weiterempfehlen kann. Auf meinem Blog 3vordrei.wordpress.com findet ihr einen ausführlichen Buchtipp dazu. Darum geht es: Rath, ein junger Polizist der Mordkommission, kommt aus Köln in die Hauptstadt, um hier einen Neustart beim Sittendezernat zu wagen. Doch anstatt sich damit zu begnügen, verbotene Vergnügungslokale hochgehen zu lassen, lässt Rath sich alles andere als widerwillig in eine Mordermittlung hineinziehen. Die Leiche eines zuvor misshandelten Unbekannten wird aus dem Landwehrkanal geborgen und lässt das Morddezernat im Dunkeln tappen. Es stellt sich heraus, dass diese Leiche ein Bekannter von Gereon Raths Vormieter war. Klar, dass Rath als typischer Schnüffler nicht lange zögert und auf eigene Faust zu ermitteln beginnt. In einem verwobenen Netz aus Unterwelt, Polizeikorps und konkurrierenden politischen Parteien gerät der „Neue“ schnell zwischen die Fronten und muss unter anderem merken, dass Berlin eben ganz besondere Anforderungen an einen Polizisten stellt. Maiunruhen, politische Lager in der Weimarer Republik und der rauschhafte Zustand im Nachtleben der Hauptstadt werden nicht nur am Rande beschrieben, sondern optimal mit der Geschichte verflochten. Das hat mir gut gefallen. Mein Fazit daher: Das ambitioniertes Vorhaben, Zeitgeschichte mit einer spannenden Rahmenhandlung zu versehen, geht in weiten Teilen auf. Und diese Kunst macht aus einem Krimi mit lokalem Einschlag ein wirklich packendes Portrait des Alltags der Berliner Bürger gegen Ende der Weimarer Republik. Der noch etwas fremdelnde Kommissar eröffnet dem Leser ein Berlin, das man so längst nicht mehr kennen kann – und das mir gleichzeitig doch sehr vertraut vorkommt. Die Figur des Gereon Rath ist weder der typische Held noch das komplette Gegenteil davon – er ist ein Charakter mit vielen Reibungspunkten, der bestimmt nicht jedem sympathisch ist. Das ist aber auch nicht nötig, um sein Schicksal dennoch mit Interesse zu verfolgen. Falls euch interessiert, warum, und ihr weitere Reviews lesen möchtet, schaut doch mal auf meinem Blog vorbei!

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  • Rezension zu "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher

    Der nasse Fisch
    Pongokater

    Pongokater

    31. December 2012 um 21:40

    Ausgesprochen gelungen ist das Einfangen der historischen Zeitumstände in Berlin um 1930. Dabei scheint der Autor nicht nur historisch kenntnisreich in Bezug auf die allgemeinen Zeitumstände, sondern gerade auch in Bezug auf die organisierte Kriminalität und ihre Verbindungen in die Polizei und in die Politik. Parallelen zum NSU-Fall drängen sich auf. Allerdings ist der Roman kein Sprachkunstwerk, in Teilen (Anglizismen) schleichen sich sogar Nachlässigkeiten ein. an Spannung mangelt es nicht, die Konstruktion des Falls ist zumindest nicht ganz an den Haaren herbeigezogen. Da dies mein erster Rath-Krimi ist: Steigerungen der Qualität sind noch möglich.

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  • Rezension zu "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher

    Der nasse Fisch
    Hasewue

    Hasewue

    06. December 2012 um 14:29

    Berlin 1929. Kriminalkommissar Gereon Rath ist neu in der Stadt, nachdem er aus seinem Heimatort ins Berliner Sittendezernat strafversetzt wurde. Als eine unidentifizierte Leiche im Landwehrkanal gefunden wird, schaltet sich der junge und karriereorientierte Kommissar in die Ermittlungen der Mordkommission ein und ermittelt dabei auf eigene Faust. Er merkt dabei zunächst nicht, dass er immer tiefer in einen Sumpf aus Drogen, Gewalt und illegalen, politischen Machenschaften gezogen wird. „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher ist der erste Fall des jungen Kriminalkommissars Gereon Rath, in dem er versucht sich nach seinem schwerwiegenden Fauxpas in seiner Heimatstadt zu rehabilitieren und sich dabei zu profilieren um auf der Karriereleiter voranzukommen. Rath ist eine sehr sympathische Figur mit einigen Schwächen, die ihn aber dadurch menschlich erscheinen lassen, wenn es auch manchmal etwas übertrieben wirkt. So hat der doch sehr karrieregeile Kommissar einen Hang zum Kriminellen und kokst dabei auch gern mal selber, zuerst aus ermittlungstechnischer Not heraus und im weiteren Verlauf des Buches um sich aufzuputschen. Diese Aussetzer werden dem Leser aber unterhaltsam dargelegt und man merkt schnell, dass in der düsteren Geschichte auch Humor vorhanden ist, aber auch der nötige Ernst geht nicht verloren. Dennoch gab es auch Seiten an Rath, die etwas unglaubwürdig auf mich als Leser wirkten. So hatte Rath einen äußerst guten Draht zu verschiedenen Verbrechern und auch sämtliche riskante Aktionen, die Rath unternahm liefen mehr als glatt. Der Kommissar zeigte auch des Öfteren eine sehr selbstgerechte Seite, da er beruflich sehr egoistisch handelte und nicht nur einmal nur auf den eigenen Vorteil bedacht war. Kutschers Schreibstil und seine Art zu erzählen gefiel mir sehr gut. Sein Stil ist sehr abwechslungsreich und situationsgetreu. So sorgt der Berliner Dialekt für eine stimmige Atmosphäre und die milieutreue Sprache unterstützt die Glaubwürdigkeit und Authentizität der Geschichte. Nur das Wort „preußisch“ kam mir etwas zu oft vor und wurde mit der Zeit dann auch relativ nervig. Die Schilderungen über die Stadt und die Zeit sind sehr detailgenau und glaubhaft und auch das historische Wissen und die nötigen Informationen sind gut in der Geschichte verpackt. Der Anfang war aber leider etwas zäh und obwohl die Thematik sehr ansprechend und interessant ist, fesselt die Handlung trotz vieler spannender Momente den Leser nicht komplett. Das Band aus Intrigen war letztendlich dann auch ziemlich verwirrend und undurchsichtig und trug nicht wirklich zum Positiven und der Neugiersteigerung bei mir bei. Nebenbei gibt es für alle Romantiker auch noch eine Liebesgeschichte, die meiner Ansicht nach aber etwas zu schnell ging und ich hoffe, dass in den nachfolgenden Fällen diese noch etwas mehr thematisiert wird. Überhaupt hoffe ich, dass Raths negative Charaktereigenschaften sich etwas zum besseren wenden und er merkt, dass es noch wichtigeres als Karriere und Erfolg gibt. Ich freue mich schon sehr auf die anderen Bücher in der Hoffnung darauf, dass sie spannungstechnisch besser entwickelt sind. 4 von 5 Sternen!

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