Volker Kutscher Lunapark

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Inhaltsangabe zu „Lunapark“ von Volker Kutscher

Gereon Rath legt sich in seinem sechsten Fall mit einem SA-Sturm und der Berliner Unterwelt an Berlin, Ende Mai 1934. Die anfängliche Begeisterung für die Regierung Hitler schwindet, die unberechenbare SA macht vielen Bürgern Angst. Und Gereon Rath gerät bei seinen aktuellen Ermittlungen ausgerechnet mit den Braunhemden aneinander. Unter der Eisenbahnbrücke an der Liesenstraße, unter einer unvollendeten kommunistischen Parole, liegt ein SA-Mann, der scheinbar erschlagen wurde, tatsächlich aber an einem Glasauge erstickt ist. Am Tatort trifft Kommissar Rath auf seinen früheren Kollegen Reinhold Gräf, der nun für die Geheime Staatspolizei arbeitet. Während Gräf von einem politischen Mord ausgeht, ermittelt Rath in eine andere Richtung und entdeckt Verbindungen zum zerschlagenen Ringverein »Nordpiraten«, der seine kriminellen Aktivitäten als SA-Sturm getarnt fortsetzt. Als ein zweiter SA-Mann erschlagen aufgefunden wird, scheint alles auf eine Mordserie zu deuten. Eine Spur führt in den seit Kurzem geschlossenen Lunapark, einstmals Berlins berühmtester Rummel. Und Rath fragt sich, welche Rolle Unterweltboss Johann Marlow, ein Erzfeind der »Nordpiraten«, in diesem Fall spielt. Die politische Lage wird immer brisanter, Raths Frau Charly gerät in SA-Haft, und der Kommissar wird in einen Strudel sich überschlagender Ereignisse gezogen, an deren Ende er sogar einen unmissverständlichen Mordauftrag erhält. Wird er ihn ausführen? Volker Kutscher liefert atemlose Spannung und das packende Porträt politisch höchst unruhiger Zeiten.

Auch Band 6 begeistert mit einer spannenden Story vor geschichtlichem Hintergrund, bei der die bedrohliche Atmosphäre zum Greifen nahe ist.

— SalanderLisbeth

spannender Krimi & tolle Geschichtslektion!

— Bella5

spannend geschriebene Darstellung der Lebensverhältnisse im beginnenden 3. Reich aus der Sicht eines Polizeikommissars.

— amazone314

Eine gelungene Fortsetzung der Serie. Die Beschreibung der gesellschaftlichen Verhältnisse sind gelungener "Geschichtsunterricht".

— Settembrini

Einfach außergewöhnlich, ein spannender Krimi vereint mit einer detaillierten Beschreibung des gesellschaftlichen Wandels in den 30er Jahren

— leserattebremen

Politikgeschichtliche hochspannend, aber Gereon Rath war nun nicht ganz mein Fall

— DunklesSchaf

Es kommt knüppeldick für Gereon Rath

— Matzbach

Die grandiose Fortsetzung rund um Kommissar Rath bildet die Veränderungen Deutschlands im Jahr 1934 ab.

— Bellis-Perennis

Ganz starke Fortsetzung der Reihe!

— LinusGeschke

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Ein spannender Thriller, der mich durchweg gut unterhalten hat.

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  • Spannend erzählte Zeitgeschichte

    Lunapark

    UteSeiberth

    15. May 2017 um 16:15

    In Gereon Raths sechstem Fall überschlagen sich die Vorfälle zwischen SA-Leuten und kommunistischen Gruppen,auch in dem ehemaligen Rummel Lunapark.Als ein SA-Mann getötet wird,geht Rath von einem Mord aus und sein ehemaliger Kollege Gräf von einem politischen Mord aus.Die politische Situation wird immer brisanter,sogar Raths Ehefrau Charlotte gerät in diesen Strudel.Volker Kutscher liefert hier wieder atemlose Spannung und das packende Porträt einer politisch unruhigen Zeit um 1934.

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  • Düstere Aussichten in Deutschland

    Lunapark

    SalanderLisbeth

    17. April 2017 um 21:14

    Ein blaues Auge schaute ihn an. Kein kompletter Augapfel, eher eine Halbschale, gleichwohl perfekt gerundet. Rath musste unwillkürlich an das blutige Auge denken, das im Mülleimer des Sturmlokals gelegen hatte, und ihm wurde flau im Magen. Doch dieses Auge hier war anders. Hart und unerbittlich. „Daran ist er gestorben?“ Karthaus nickte. „Wie zum Teufel, Doktor, bekommt jemand ein Glasauge in seine Luftröhre?“ „Eine interessante Frage, Kommissar“, sagte der Gerichtsmediziner, „die zu beantworten dann wohl ihre Aufgabe sein dürft.“ Auszug Seite 111 Der Tote, der 1934 in Berlin unter einer Eisenbahnbrücke gefunden wird, trägt eine braune SA-Uniform und scheint auf brutalste Weise totgeschlagen zu sein. Der alarmierte Kommissar Gereon Rath trifft am Tatort auf seinen ehemaligen Untergebenen Reinhold Gräf. Dieser hat die Zeichen der Zeit erkannt und hofft mit seinem Wechsel zur Geheimen Staatspolizei auf einen Karrieresprung. Da über dem Opfer an der Mauer eine kommunistische Parole prangt, fühlt sich die Gestapo hier zuständig. Während Gräf den Täter nur in Kommunistenkreisen sucht, zweifelt Rath an den politischen Motiven und ermittelt auf eigene Faust. Dabei entdeckt er Verbindungen zu Berliner Verbrecherbanden. Der Ringverein „Nordpiraten“ wurde zwar zerschlagen, hat aber seine kriminellen Aktivitäten als SA-Sturm getarnt fortgesetzt. Nachdem ein zweiter SA-Mann erschlagen aufgefunden wird, findet Gereon eine Spur, die in den Lunapark führt. In dem seit einiger Zeit geschlossenem Vergnügungspark haben Kriminelle und Regimegegner Unterschlupf gefunden. Auch der Großkriminelle Dr. Johann Marlow hat ein Interesse daran, dass der Täter von der Bildfläche verschwindet, und er setzt den Kommissar unter Druck, damit dieser den Konkurrenten für ihn eliminiert. Lunapark ist der sechste Band um den von Köln nach Berlin gewechselten Kommissar Gereon Rath. Der erste Teil „Der nasse Fisch“ spielt 1929 und fünf Jahre später ist von der Dekadenz einer schillernden Metropole nichts mehr zu spüren. Der Autor beschreibt sehr glaubhaft und präzise, wie der Nationalsozialismus, seit einem Jahr an der Macht, sich langsam auch in den Alltag der Familie Rath einschleicht. Das ist spannend und mit dem Wissen von heute auch ziemlich beklemmend zu beobachten. Der politisch desinteressierte Kommissar bekommt zunehmend Probleme mit dem Regime, er laviert um den Hitler-Gruß herum und glaubt an ein baldiges Ende der Nazizeit. Zusätzlich gerät Rath in ein moralisches Dilemma, denn das Auftauchen von Dr. M bringt seine nicht ganz saubere Vergangenheit wieder zum Vorschein. Er spürt, dass die Nähe zu dem Gangsterboss für ihn und seine Familie immer gefährlicher wird. Mit Ehefrau Charly kann oder will er darüber nicht offen reden und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Heimlichkeiten und Lügen. Charlotte Rath, mit der Rolle der Hausfrau unzufrieden, fängt als Referendarin bei einem Rechtsanwalt an. Sie erkennt deutlich die Gefahren der Hitler-Regierung und hält auch mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. So passt es ihr auch nicht, dass Ziehsohn Fritze zur Hitlerjugend möchte. Doch das ehemalige Heimkind fühlt sich in der Gruppe anderer Jungen wohl. Bestürzt verfolgt man, wie der aufgeweckte Junge begierig alles aufnimmt, was in der HJ vermittelt wird. Charly dagegen bringt sich in Schwierigkeiten, als sie Kommunisten unterstützt und feststellen muss, wie hilflos der einzelne Bürger der Willkür der Nazi-Schergen ausgeliefert ist. Das sorgt für viel Konfliktstoff zwischen den Eheleuten und anhand der kleinen Familie gelingt es dem Autor, ein Spiegelbild der Gesellschaft darzustellen. Mit Handschellen waren sie für den Transport ans Gestänge des Lkw gekettet worden, und Charly hatte sich gefragt, ob die wohl aus Polizeibeständen stammten. Vor einem Jahr war die halbe SA noch als Hilfspolizei im Einsatz gewesen. Inzwischen führte sie sich eher wie eine Parallelpolizei auf. Charly und der ganzen Festgesellschaft war das widerfahren, wovor sich die Deutschen, selbst die braven und regimetreuen, am meisten fürchteten: von der SA ohne Grund oder bestenfalls mit fadenscheiniger Begründung in Schutzhaft genommen zu werden. Ohne irgendetwas dagegen tun zu können. Auszug Seite 177 Wie in den vorherigen fünf Bänden hat Volker Kutscher auch hier wieder akribisch recherchiert um historische Fakten mit einer fiktiven, spannenden Kriminalgeschichte zu kombinieren. Mit vielen stimmigen Details kreiert er ein atmosphärisch dichtes Bild des Alltags im Deutschland der 30er Jahre kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Historisch belegte Ereignisse wie der Röhm-Putsch oder die Verhaftung von Konrad Adenauer werden gekonnt in die Erzählung eingeflochten. Aber das Besondere an diesem sechsten Teil ist die bedrohliche Atmosphäre, die der Autor eingefangen hat. Für mich waren die düsteren Aussichten in Deutschland förmlich zum Greifen nah. Gebannt verfolgt man, wie die Zustände sich immer mehr zuspitzen, fast schmerzhaft ist es zu beobachten, wie die mittlerweile liebgewordenen Figuren sich in Gefahr begeben. Als Leser taucht man völlig ab in diese angespannte Zeit, in der politisch Andersdenkende, Juden und Homosexuelle bereits verfolgt, verhaftet und gefoltert werden und kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Lunapark, direkt am Halensee gelegen, war ein beliebter Ausflugsort der Berliner und wurde kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten geschlossen. Das vermeintlich dekadente Treiben in dem „Schandfleck des Westens“ ging ihnen gegen den Strich.

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  • Auch Gereons sechster Fall hat mich überzeugt

    Lunapark

    PMelittaM

    07. April 2017 um 17:28

    Berlin 1934: Gereon Rath bekommt den Fall eines ermordeten SA-Mannes zugewiesen, zu seinem Leidwesen muss er die Ermittlungen zusammen mit seinem ehemaligen Kollegen Reinhold Gräf, der jetzt bei der Gestapo arbeitet, leiten. Nicht nur, dass er es nicht gut findet, wie die Gestapo ermittelt, vor allem, dass diese direkt einen bestimmten Personenkreis in Verdacht hat, er hat auch persönliche Ressentiments gegenüber Gräf . Aber Gereon wäre nicht Gereon, wenn er nicht trotzdem seine eigenen Wege ginge.Auch privat steht im Hause Rath nicht alles zum Besten. Charlie, Gereons Ehefrau, möchte unbedingt wieder arbeiten gehen und hat auch schon einen möglichen Arbeitsplatz. Gereon hat ihr zwar versprochen, dass er nichts dagegen haben würde, würde sie wieder arbeiten gehen, aber so ganz recht ist es ihm nicht. Zur Familie gehört mittlerweile auch das Pflegekind Fritz, das sich nichts mehr wünscht, als in die Hitlerjugend eintreten zu können. Sehr zu Charlies Verdruss, die den Nazis absolut nichts abgewinnen kann.Der mittlerweile sechste Fall des recht eigenwilligen und nicht immer gesetzestreuen Ermittlers Gereon Rath führt den Leser mitten hinein in eine Zeit, in der der Adolf Hitlers Partei immer mehr Macht erlangte, viele Menschen aber noch davon ausgingen, dass es nur eine Frage der Zeit sein könne, bis der Spuk wieder vorbei sei. Wieder baut der Autor seine Geschichte um ein historisches Ereignis herum, dem „Röhm-Putsch“ der seine Auswirkungen auch auf das Geschehen hat. Mir gefällt es gut, dass und wie der Autor Tatsachen und Fiktion vermischt und man so nicht nur einen spannenden Kriminalroman erhält, sondern auch ein Stück Geschichtsunterricht.Volker Kutscher erzählt, wie gehabt, aus mehreren Perspektiven, neben Gereons und Charlies erleben wir das Geschehen auch aus Sicht Fritzes und Reinhold Gräfs sowie eines weiteren Charakters. Die Perspektivewechsel tragen dabei nicht nur zum Spannungsaufbau bei, da durch sie Cliffhanger möglich sind, sondern geben dem Leser die Möglichkeit das Geschehen umfassender zu erfahren.Gereon Rath ist kein einfacher Charakter, und mehr als einmal schüttelt man als Leser den Kopf über ihn. Aber gerade das macht ihn aus, er ist ein Charakter mit vielen Schattierungen, und man weiß nie, in welche Richtung er letztlich abdriften wird. Er ist ein spannender Charakter, der dem Leser hoffentlich noch lange erhalten bleibt. In diesem Band habe ich auch über Charlie sehr oft den Kopf geschüttelt, die nicht immer durchdacht handelt und sich auch schon einmal in große Gefahr begibt. Auch darauf, wie es mit ihr, und ihrer Beziehung zu Gereon,weitergeht, kann man gespannt sein. Am interessantesten könnte sich die Entwicklung Fritzens, des neuen Familienmitglieds, entpuppen. Ich finde es recht schlau von Volker Kutscher, diesen Charakter einzuführen, um zeigen zu können, wie sich das Regime auf Kinder und Jugendliche auswirkt. Reinhold Gräf hat mich in diesem Band überrascht, er war sicher nicht das letzte Mal dabei. Für mich ist die Reihe gerade durch ihre Verquickung von Fiktion und Fakten, aber auch wegen ihrer interessanten, facettenreichen Charaktere sehr lesenswert. Ich vergebe volle Punktzahl und eine Leseempfehlung für die gesamte Reihe, die man am besten in der richtigen Reihenfolge lesen sollte.

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    • 5
  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 24.09.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   239 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  646 Punkte Beust                                          ---   302 Punkte Bibliomania                               ---   201 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  397,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 253 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   130,5 Punkte Code-between-lines                ---  136 Punkte eilatan123                                 ---   53 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   168 Punkte Frenx51                                     ---  82 Punkte glanzente                                  ---   82 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   157 Punkte Hortensia13                             ---   130 Punkte Igelchen                                    ---   25 Punkte Igelmanu66                              ---  178 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   122 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   78 Punkte Katykate                                  ---   110 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   142 Punkte Kuhni77                                   ---   114 Punkte KymLuca                                  ---   103 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   259 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   226 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   92 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  131 Punkte Nelebooks                               ---  235 Punkte niknak                                       ----  285 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   213 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   115 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 65 PunkteSandkuchen                              ---   205 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   178 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   279 Punkte SomeBody                                ---   178,5 Punkte Sommerleser                           ---   198 Punkte StefanieFreigericht                  ---   213,5 Punkte tlow                                            ---   149 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   61 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   179 Punkte Yolande                                       --   171 Punkte

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  • Lese - Tipp

    Lunapark

    Bella5

    16. February 2017 um 19:00

    „Lunapark“ ist der sechste Teil der Reihe um den Ermittler Gereon Rath. Der erste Band beginnt im Jahr 1929. Meines Erachtens kann man „Lunapark“ aber sehr gut als stand alone lesen, da Kutscher alles Wichtige für das Verständnis des Romans im Text erklärt oder andeutet.  Berlin 1934:  Die übel zugerichtete Leiche eines SA-Mannes wird aufgefunden. Waren Kommunisten die Täter? Die unvollendete kommunistische Parole an der Wand scheint ein handfester Beweis zu sein.   Kommissar Gereon Rath trifft am Tatort auf seinen Ex-Kollegen Reinhold Gräf, der bei der Geheimen Staatspolizei Karriere macht. Gräf geht sofort von einem politischen Mord aus. Rath hingegen ist breiter aufgestellt, und so entdeckt er, dass unter dem SA-Deckmantel der kriminelle Ringverein der Nordpiraten  trotz Zerschlagung weiter sein Unwesen treibt. Es bleibt indes nicht bei einem Mord. Ein zweiter SA – Mann wird erschlagen aufgefunden; die Spur führt zu Berlins berühmtestem Rummel „Lunapark“, der geschlossen wurde.  Der Gangster Johann Marlow, an den Rath keine guten Erinnerungen hat, scheint auch eine Rolle zu spielen, denn er war der grösste Gegenspieler der Nordpiraten. Die politische Lage spitzt sich immer mehr zu und sogar Charly, Raths bessere Hälfte, gelangt in SA – Haft. Die Ereignisse überschlagen sich und Gereon  soll als Auftragsmörder arbeiten, was ihm gar nicht behagt… „Lunapark“ ist ein wirklich exzellenter historischer Krimi, detailliert erzählt und vor allem faktentreu und sehr gut recherchiert. Vieles, was ich über die Zeit bereits wusste, stellt Kutscher absolut richtig dar. Aber ich konnte auch Neues lernen, die Berliner Ringvereine waren mir vor der Lektüre etwa kein Begriff. Rath betreibt kein bloßes name dropping, vielmehr setzt er die  Dinge in Kontext, ohne dabei zu dozieren. Geschickt verflicht er Fakten und Fiktion zu einem spannenden Roman. Es gibt parallele Erzählstränge, in denen gezeigt wird, wie sich die Figuren mit dem „Neuen Deutschland“ arrangieren. Rath glaubt, der Sturm werde vorbeiziehen und denkt, es werde schon nicht alles so schlimm kommen. Charlotte Rath ist absolut skeptisch, hellsichtig und ablehnend den Nazis gegenüber und möchte folgerichtig nicht, dass Ziehsohn Fritze in die  Hitlerjugend eintritt, was Gereon hysterisch findet. Die Beziehung der Raths leidet sehr unter den neuen Zeiten.  Fritz ist begeistert von der HJ: „Volksgemeinschaft“, Kameradschaft, Zelten in der Natur. Das kennt das ehemalige Heimkind aus dem unkonventionellen Rath’schen Haushalt nicht, Charly ist nicht die typisch deutsche Hausfrau, denn sie geht selbst arbeiten (braucht dafür aber die schriftliche Erlaubnis ihres Ehemannes!). Außerdem ermittelt sie in einem eigenen „Fall“. Sie ist mir aber als Figur fast ein wenig zu perfekt gezeichnet.  „Lunapark“ ist sehr spannend, ein richtiger pageturner, den ich nicht mehr beiseite legen konnte. Spitze fand ich, wie beiläufig reale Personen und Ereignisse aus dem Jahr 1934 in die Erzählung eingeflochten wurden  - der Machtkampf zwischen SA und SS, Röhm, der angebliche Putsch, Heydrich, Paragraph 175. Unkonventionelle Allianzen zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Richtig gerührt hat mich aber die Darstellung der Familie Adenauer und insbesondere eine starke Szene gegen Ende (Details verrate ich nicht – ihr müsst den Roman selbst lesen!).  Fazit:  Ein spannender pageturner und eine tolle Geschichtslektion. Unterhaltung auf höchstem Niveau. Jetzt heißt es warten auf den nächsten Band. Ich vergebe volle 5 Sterne und spreche eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus! 

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    • 3
  • Geschichtsunterricht - spannend und unterhaltsam vermittelt

    Lunapark

    amazone314

    11. February 2017 um 15:18

    Innerhalb  der  vergangenen  Monate  habe  ich  alle  Kommissar Rath-Bände gelesen.  Wer sich  ohne Langeweile  über  Deutschlands dunkle  Zeiten  unterrichten will,  ist hier  bestens  aufgehoben.  Bevor man Lunapark liest,  sollte man  jedoch  auch die früheren  Bände kennen.  Herr Kutscher  befasst sich  kompetent  mit dem Genre.  Für mich persönlich  einzig  negatives  Empfinden:  Musste  der  geliebte  treue Hund  wirklich sterben?   Ansonsten  sorgt  der Autor  doch  für  das  von  so  vielen  Krimi-Liebhabern  durchaus  willkommene Happy-End,  dies trotz  aller   notwendigen  Härte,  indem  er  kleinen  heruntergekommenen  Mädchen  und Jungen  zu so etwas wie  verhaltenem Glück verhilft  und es dem  Kommissar trotz  aller  Probleme  gut geht.            

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  • Kommissar Rath unter Druck

    Lunapark

    Settembrini

    02. February 2017 um 22:17

    Zur Einordnung der Rezension möchte ich darauf hinweisen, dass ich ein Fan der Reihe bin, so dass ich auch leicht geneigt bin, über etwaige Schwächen hinweg zu sehen. Es handelt sich hier um den sechsten Band der Reihe um Kommissar Gereon Rath. Die Reihe beginnt im Jahr 1929. Ich würde daher empfehlen, die Bücher in der Reihenfolge zu lesen, da die Beziehungen der Figuren untereinander und auch das historische Umfeld sich weiter entwickeln. Gerade dieser Kontext ist besonders hervorzuheben. M. E. kann man sich bei der Lektüre gut in die Menschen aus den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten in der damaligen Zeit hinein versetzen.  Eine weitere Besonderheit ist, dass Kommissar Rath nicht sonderlich sympathisch ist. Er ist eben kein strahlender Held, sondern ein ganz normaler Vertreter seiner Zeit.  Es geht zunächst um einen getöteten SA-Mann. Die Tat tritt allerdings bald - jedenfalls für einige Personen - in den Hintergrund.  Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was das Buch noch einmal deutlich interessanter macht und einige Reaktionen erklärt.  Wie regelmäßig in den Romanen kriselt es in der Beziehung bzw. Ehe zwischen Gereon und Charly. Es tauchen auch Personen auf, die man schon aus den anderen Romanen kennt. So trifft Gereon Rath Reinhold Gräf wieder, der inzwischen anderweitig (Geheime Staatspolizei) tätig geworden ist. Auch Dr. M ist wieder mit dabei. Fritzes Rolle wird ebenfalls größer. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten, sondern empfehlen, dass Buch selbst zu lesen. 

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  • Spannend und detailgenau geschrieben

    Lunapark

    leserattebremen

    30. January 2017 um 11:27

    Inzwischen ist der sechste Band der Krimi-Reihe um Gereon Rath erschienen und „Lunapark“ spielt im Jahr 1934. Als ein SA-Mann tot aufgefunden wird und dazu noch eine kommunistische Parole über ihm an der Wand prangt, ist für das simple Schwarz-Weiß-Denken der Sicherheitspolizei sofort klar, dass hier Kommunisten gezielt Jagd auf –natürlich unschuldige- SA-Männer machen. Rath muss in diesem Fall mit seinem alten Kollegen Gräf zusammen ermitteln, der inzwischen bei der Sicherheitspolizei arbeitet. Dies stellt Rath vor große Probleme, denn die simplen Verurteilungen der politischen Polizei kann er nicht akzeptieren und begibt sich, wie so oft, auf eigene Ermittlungen. Das bringt ihm einmal wieder mehr Ärger ein, als er eigentlich gedacht hatte und auch sein altes Feindbild Dr. Marlow taucht wieder auf. Der neue Band von Volker Kutscher rund um den Berliner Kriminalkommissar Gereon Rath übertrifft meiner Meinung nach alle vorhergehenden Bände noch einmal an Qualität und besonders an historischer Auseinandersetzung mit dem Umfeld des Protagonisten. Mit viel Sinn für Details und Stimmungen beschreibt Kutscher, wie der Nationalsozialismus sich langsam auch in den Alltag der Familie Rath einschleicht. Neben der Kriminalermittlung nimmt dies den Hauptteil der Geschichte ein und macht auch den besonderen Reiz des Buches aus. Natürlich ist auch die Kriminalhandlung wieder spannend beschrieben, doch Raths Arbeit lässt sich nicht mehr losgelöst von der politischen Situation sehen, was für die Hauptfigur selbst am schwierigsten zu sein scheint. Er will eigentlich nur in Ruhe seiner Arbeit nachgehen, so das Gefühl beim Lesen, doch inzwischen ist alles politisch und besonders der Tod eines SA-Mannes ist nicht mehr objektiv zu untersuchen. Volker Kutscher zeigt in „Lunapark“ auf eindrucksvolle Weise, wie der Nationalsozialismus sich immer weiter verbreitet und wie er das Leben aller Menschen beeinflusst. Diese gesellschaftlichen Veränderungen packt er dabei in einen spannenden Krimi, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein großartiger Roman, der weit mehr ist als ein Krimi, sondern uns einen detaillierten Blick auf die gesellschaftlichen Umbrüche der 30er Jahre werfen lässt. 

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    • 2
  • Es wird dunkel in Deutschland

    Lunapark

    Havers

    26. January 2017 um 18:45

    Volker Kutscher ist mit „Lunapark“,  dem sechsten Band seiner Gereon Rath-Reihe mittlerweile im Jahr 1934 angelangt und nicht nur Berlin sondern ganz Deutschland befindet sich mittlerweile fest in nationalsozialistischer Hand. Die Menschen sind der Willkür und dem Terror der SA-Schergen ausgeliefert. Die einen begrüßen diese neuen Verhältnisse und werden Teil der Diktatur, die anderen organisieren sich im Verborgenen und planen den Widerstand. Wieder andere stecken den Kopf in den Sand, arrangieren sich mit den Verhältnissen und leben nach dem Ich-schau-mal-lieber-weg-und-werde-deshalb-nicht-auffallen Prinzip. Wie Gereon Rath, Kommissar, der zwar sieht, was um ihn herum geschieht, sich aber einredet, dass es seine Aufgabe als Polizist ist, Verbrechen aufzuklären. Und die politischen Verhältnisse haben seiner Meinung nach damit überhaupt nichts zu tun. Ein typischer Scheuklappenträger. Ich warte schon auf den Tag, an dem er aufwacht und es ihm wie Schuppen von den Augen fällt. Aber noch ist es nicht soweit. Berlin, 1934, das Jahr des Röhm-Putsches. Innerhalb kürzester Zeit werden die Leichen zweier SA-Männer aufgefunden. Erschlagen und auf das Übelste zugerichtet. Ein Fall für die Kommissar Rath. Aber nicht nur, denn auch das Geheime Staatspolizeiamt Gestapa (Vorläufer der Gestapo) mischt mit. Am Fundort der ersten Leiche prangt nämlich eine kommunistische Parole an der Wand. Und damit ist klar, aus welcher Ecke der  Täter kommt. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Rath findet während seiner Ermittlung heraus, dass viele Mitglieder der zerschlagenen Ringvereine sich mittlerweile der SA angeschlossen haben – wie die beiden Toten. Und dann taucht auch noch Marlow, König der Unterwelt und ein alter Bekannter des Kommissars, auf, der einen Gefallen einfordert. In der Ruinenlandschaft des Lunaparks kommt es zum Showdown… Der Lunapark, eine Vergnügungsstätte, in den Augen der Nationalsozialisten ein Ort der Ausschweifungen, unmoralisch und subversiv, ein Schandfleck. Passt nicht in ihr Weltbild, lenkt die Untertanen vom Wesentlichen ab, muss zerstört werden. Metaphorisch für das Leben in Deutschland. Erschreckende Parallelen zum Heute sind erkennbar. Die Lager, die vor den Toren der Stadt entstehen für alle Andersdenkenden, Andersgläubigen, die Verweigerer, wenn es gilt, Deutschland zu alter Größe wieder uferstehen zu lassen. Warum kommt mir sofort ein amerikanischer Wahlkampf- Slogan in den Sinn? Die historischen Gegebenheiten sind wie immer akribisch recherchiert, aber noch stärker wirkt dieser Roman in den eher nebensächlichen Beschreibungen, den Kleinigkeiten des damaligen Lebens, die für stimmige Bilder im Kopf des Lesers sorgen. Die Dunkelheit, die sich über das Land und seine Menschen legt, kann man förmlich greifen. Nachdrückliche Leseempfehlung! Und wer nicht lesen will, kann schauen. Die Verfilmung des ersten Bandes des Gereon Rath-Reihe „Der nasse Fisch“ wird im Herbst 2017 im Pay-TV zu sehen sein.

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  • Die Vergangenheit holt Gereon Rath ein

    Lunapark

    Heimfinderin

    16. January 2017 um 11:05

    InhaltBerlin 1934: Unter einer Brücke wird ein auf den ersten Blick zu Tode geprügelter SA-Mann gefunden. Gereon Rath von der Mordkommission trifft am Tatort auf seinen ehemaligen Kollegen Gräf, der nun für die Geheime Staatspolizei arbeitet. Dieser hat die Zeichen der Zeit gut genutzt und ist dort auf der Karriereleiter aufgestiegen, so dass er Gereon Rath nun vom Rang her gleichgestellt ist. Für Gräf ist der Fall klar: halbfertige Schmierereien an einer Mauer weisen auf eine kommunistische Gruppe als Täter hin, was Gräf sehr gut passt, ist er doch sowieso schon einige Zeit hinter denen her. Gereon Rath sieht das ganz anders, ist aber gezwungen, mit Gräf zusammenzuarbeiten und es bleibt ihm keine andere Wahl, als das zu tun, was er gut kann: auf eigene Faust den Täter zu finden. Seine Ermittlungen bringen ihn auf die richtige Spur, aber was er dabei herausfindet, zieht ihn in seine eigene nähere und weitere, nicht immer ganz saubere Vergangenheit zurück und bringt ihn selbst, seine Karriere und seine kleine Familie in große Gefahr. Gleichzeitig bringt sich auch seine Frau Charly in Gefahr, als sie der Bitte einer Bekannten nachkommt, deren untergetauchten Bruder zu finden. Und der ist Kommunist ... Meine MeinungEs wird immer düsterer in Deutschland. Ein Jahr nach der Wahl der Nationalsozialisten wird das Leben immer angespannter. Deren Verfolgung von Kommunisten, Juden, Homosexuellen und allen anderen, die ihnen nicht gefallen und auch Folterungen bestimmen mehr und mehr das Bild. Kein Wunder, dass viele lieber schnell in ein Geschäft verschwinden, als einer Gruppe Nazis auf der Straße zu begegnen. Viele solche Details beschreiben eindringlich den Alltag und die Veränderungen, die die Zeit bringt. Ebenso werden wieder historische Personen und Aktivitäten eingeflochten, so dass sich auch in diesem Buch wieder sehr gut zeigt, wie großartig der Autor es versteht, Atmosphäre und ein authentisches Lesegefühl zu erschaffen. Mit steigendem Entsetzen verfolgt man als Leser, der ja weiß, was in den folgenden Jahren mit dem Deutschland passieren wird, wie die Nazis mehr und mehr das Leben der Menschen bestimmen und sie deren Willkür ausgesetzt sind. Dabei fragt man sich als wissender Leser einmal mehr, wie lange Gereon Rath wohl immer noch daran glaubt, dass diese Phase bald vorübergeht und wie lange er weiterhin seiner Taktik der Verdrängung und des Ausweichens treu bleiben wird. Ganz anders erlebt man seine Frau Charly, die die Gefahr bereits erkennt und rebelliert, allerdings nicht ohne Folgen. Hier würde man ihr gerne immer mal wieder zurufen, etwas vorsichtiger zu handeln. Besonders schmerzlich empfand ich dann die Entwicklung ihres Pflegesohns Fritze, der mit großer Begeisterung in die Hitlerjugend eintritt, nachdem man ihn vorher immer als aufgeweckten und nicht auf den Mund gefallenen Jungen erlebt hatte. Die Anspannung in der Familie Rath erhöht sich hier also sehr und das Problem der Schweigsamkeit untereinander führt sich leider weiter fort und ich hätte Charly und Gereon auch hier wieder mehrfach schütteln können für ihren Mangel an ordentlichen Aussprachen, auch mit Fritzi.Aber die kleine Familie ist damit auch ein gutes Abbild der Menschen der damaligen Zeit: die politisch uninteressierten Verdränger und Wegducker wie Gereon, die ahnungsvollen und Widerstand leistenden Kämpfer wie Charly und die begeisterten Anhänger wie Fritze. Mir macht die Entwicklung in der Familie mehr und mehr Sorge.Der Kriminalfall rückt fast ein bisschen in den Hintergrund, ist aber auch wiederum kein Wunder, denn es wird Gereon Rath sehr schwer gemacht, seine Arbeit zu tun. Da für die Gestapo der Fall klar ist und Gereon mit dieser zusammenarbeiten muss, hat er kaum Chancen auf eine korrekte Ermittlung. Und da er bald erkennt, wohin die Indizien wirklich führen, bleibt ihm mal wieder keine Wahl, auf eigene Faust zu ermitteln, was unter den Umständen nicht leicht ist. Wem sollte er überhaupt den wahren Täter nennen? Man spürte den Frust, den Gereon Rath hier erlebte, aber noch schlimmer war dann die weitere Entwicklung, die frühere Verfehlungen hochbrachte und ihn nun zum Handlanger werden ließ. Hier rückte der Fall endgültig in den Hintergrund und Leben und Karriere standen auf dem Spiel. Das war sehr spannend zu lesen und ließ mich öfter mal die Luft anhalten, auch weil der Autor hier nicht zimperlich war und den vielleicht etwas zu sorglosen Leser bzw. Gereon Rath zwischendurch etwas aufrüttelte, um klar zu machen, dass das kein Spaziergang mehr ist. Auch dieser Fall war für mich wieder sehr spannend zu lesen und erweckte die zu dem Zeitpunkt immer bedrückender werdende Vergangenheit gekonnt zum Leben. Und lässt mich nun mehr und mehr um die lieb gewordenen Figuren bangen.

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  • Ein gelungener Fall in einer zunehmend düsteren Zeit

    Lunapark

    dubh

    01. January 2017 um 15:52

    Berlin, 1934.Unter einer Eisenbahnbrücke nahe des Stettiner Bahnhofes findet sich eine übel zugerichtete Leiche. Als Kriminalkommissar Gereon Rath zum Tatort kommt, herrscht dort bereits Hochbetrieb. Der Tote ist eindeutig als Mitglied der SA erkennbar - da steht es nach der 'Nationalen Revolution' nicht zur Debatte, dass Mann und Maus zum Fundort geeilt sind. So verwundert es auch in keinster Weise, dass Gereon vor Ort seinen früheren Kollegen Reinhold Gräf trifft, der inzwischen für die Geheime Staatspolizei arbeitet. Während Gereon gewohnt eigenbrötlerisch aber mit perfektem Instinkt zu ermitteln beginnt, stehen für den GeStaPo-Mann Gräf die Täter bereits fest: direkt neben der Leiche findet sich eine frische, nicht ganz beendete antifaschistische Parole.Während Gereons Nachforschungen in den Sumpf der alten, längst zerschlagenen Berliner Ringvereine deuten, wird ein zweiter Toter gefunden - ebenfalls ein SA-Mann. Und mit dieser Tat deutet alles daraufhin, dass die Berliner Polizei, die in diesen Fällen mit der GeStaPo zusammenarbeiten muss, mit einer Mordserie konfrontiert wird.Doch nicht nur die Arbeit macht Gereon zu schaffen - auch privat bahnt sich Unheil an. Holt die ein oder andere Vereinbarung, die die Trennlinie zur Grauzone längst überschritten hat, den Kommissar nun ein? Auch dieses Mal schafft er es, sich selbst in die Bredouille zu bringen.Außerdem wären da noch Fritze, dessen Leidenschaft für die HJ entbrennt, und Charly, Gereons Frau, die stets ihre eigene Meinung zur sogenannten neuen Zeit hat und schon bald in SA-Haft landet.Gereon hat alle Hände voll zu tun und gerät mit seinen ihm eigenen Methoden mal wieder an die ein oder andere Grenze. Am Ende beschert es ihm einen eindeutigen Auftrag. Er muss ihn ausführen - doch wird er es auch tun?Auch dieses Mal war meine Freude riesig, als ich die Ankündigung für den sechsten Fall Gereon Raths entdeckt habe. Für mich ist das im Grunde die einzige Krimi-Reihe, deren Ende ich am liebsten in weiter Zukunft wüsste - aber viel Zeit bleibt nicht mehr. Man merkt inzwischen deutlich die Zeichen der Zeit und auch für einen verhältnismäßig unpolitischen Menschen wie Gereon wird es allmählich schwierig, seiner Arbeit ohne Anweisung und Überwachung überzeugter Nazis nachzugehen. Alleine das macht mir bewusst, dass die Tage des Kommissars (und somit auch meiner Hoffnung auf weitere Fälle) gezählt sind.Bislang hat mich kein Fall enttäuscht und auch dieser tut das nicht. Im Gegenteil, ich finde, dass Volker Kutscher mit "Lunapark" ein großer Wurf gelungen ist! Diese Zuspitzung der Verhältnisse, die Angst derer, die erkannt haben, wessen Geistes Kind die Nazis und ihre Schergen sind, wird hier greifbar geschildert. Und die Zeichen der Zeit machen auch vor der Familie Rath nicht Halt. Genau diese Beschreibung, was das neue Regime mit Gereon, Charly und Fritze macht, gehört zur ganz großen Stärke des Buches.Zudem ist der Fall an sich gewohnt spannend und die Entwicklung der Figuren lässt sich alleine durch die historische Entwicklung lange nicht immer absehen.Für mich ist und bleibt Volker Kutscher einer von ganz wenigen Autoren, die einen Kriminalroman mit sehr interessanten Figuren, einem historisch korrekten Setting und der wirklich schwierigen Zeit des Dritten Reiches perfekt umsetzen kann. "Lunapark" ist einfach viel mehr als nur ein Krimi, denn:Chapeau! Volker Kutscher hat seine Figuren gekonnt und glaubhaft in zunehmend düsteren Zeiten platziert, die bedrohlich werdende Atmosphäre eingefangen und einen packenden Fall gestrickt.

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  • Gereon Rath in seinem neuesten Fall

    Lunapark

    odenwaldcollies

    31. December 2016 um 21:00

    Berlin, Ende Mai 1934: unter einer Eisenbahnbrücke findet die Polizei die Leiche eines SA-Mannes. Der Tote ist ziemlich übel zugerichtet, herausstechend ist jedoch das Glasauge, welches sich im Rachen des Mannes befindet. Gereon Rath von der Mordkommission wird angewiesen, mit der Geheimen Staatspolizei zusammenzuarbeiten und trifft dabei auf seinen früheren Kollegen Reinhold Gräf. Dieser geht davon aus, dass es sich bei dem Mord um einen kommunistischen Anschlag handelt, während Rath auch in andere Richtungen ermittelt. Bald führt eine Spur in die Berliner Unterwelt. Der neueste Fall von Gereon Rath siedelt zeitlich ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers an: die Begeisterung für die Regierung schwindet in der Bevölkerung, was auch an den unberechenbaren und brutalen Übergriffen der SA liegt. Rath, der im Gegensatz zu seiner Frau Charly sehr blauäugig ist, was die politische Situation angeht, glaubt immer noch an ein baldiges Ende der Nazis. Charly Rath sieht das dagegen deutlich realistischer: ihre Abneigung und ihr Widerstand gegenüber der Hitler-Regierung nimmt permanent zu, was nicht nur immer wieder zu Streit mit ihrem Mann führt, sondern auch zu gefährlichen Alleingängen. Die familiäre Situation spitzt sich aber noch weiter zu: Fritze, der Pflegesohn der Raths, gerät immer mehr unter den Einfluss der Hitlerjugend. Typisch für Gereon waren und sind schon immer seine Alleingänge, was die Ermittlungen angeht – während ich mich in den letzten Bänden immer wieder darüber aufgeregt habe, war ich diesmal froh, dass er entgegen aller Anweisungen seiner Spürnase folgt, da sich die offiziellen Ermittlungen hauptsächlich nur noch an politischen Belangen orientieren. Allerdings wird es immer enger für Rath, vor allem, als ein alter Bekannter eine gefährliche Gefälligkeit einfordert. Ich muss gestehen, dass ich diese Szene ziemlich unterschätzt habe. Durch den zunehmenden Druck, der auf Gereon Rath lastet, baut der Autor zunehmend Spannung in dem Buch auf und ich muss gestehen, dass ich im letzten Teil des Buches beinahe Angst vor dem Weiterlesen hatte. Ich finde den sechsten Teil der Krimiserie wieder sehr gelungen und das Ende des Buches macht neugierig, wie es in Zukunft weitergehen wird, auch wenn die Aussichten nicht besonders rosig sind.

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  • Quereinstieg: Lunapark - Volker Kutscher

    Lunapark

    DunklesSchaf

    28. December 2016 um 13:46

    Ich habe mich nochmal in die Mitte einer Serie getraut. Gehört hab ich natürlich schon viel von Volker Kutscher und seinem Gereon Rath, doch bis jetzt hatte ich noch nicht das Vergnügen, mich in eines seiner Bücher zu vertiefen. Derweil der erste Teil der Reihe „Der nasse Fisch“ im Jahr 1929 spielt, befinden wir uns mit Lunapark schon im Jahr 1934. Die Nazis haben die Macht ergriffen, die Kommunisten und Sozialisten sind vertrieben oder leben versteckt, die Hitlerjugend ist auf dem Vormarsch – es ist die Zeit kurz vor dem Röhm-Putsch. Geschichtlich eine wirklich interessante und sehr spannende Zeit, vor allem, weil wir ja wissen, wie die Geschichte ausgehen wird und wir quasi dabei zusehen müssen, wie die Menschen mit offenen Augen in ihr Unglück rennen. Aber wie sieht es von der kriminalistischen Seite aus? Kann Volker Kutchers Gereon Rath da auch viel bieten? Als Gereon Rath zu einem Mordfall gerufen wird, findet er den übel zugerichteten SA-Mann Horst Kaczmarek, unter Freunden auch mehr oder minder liebevoll Katsche gerufen, unter einer halben kommunistischen Parole vor. Das ruft auch die Gestapo schnell auf den Plan, in Person Raths früheren Kollegen Gräf, der die Nazi-Gesinnung als Karrieresprungbrett benutzt. Dort sind schnell die Schuldigen gefunden, es muss natürlich die Gruppe Wolff sein, eine von Russland bzw. Stalin indoktrinierte und zurückgesandte Gruppe von Kommunisten, die den Nationalsozialismus mit heimlich hingeschmierten Parolen untergraben und stürzen soll. Diese Theorie scheint anscheinend nur Gereon Rath hanebüchen. Derweil also die Gestapo einer Gruppe Wolff hinterher hetzt, macht Gereon Rath, das was er schon immer konnte und kann: ermitteln. Und zwar allein. Gereon Rath ist ein Eigenbrötler. Anscheinend ist er schon in früheren Teilen nicht teamfähig gewesen, mit der Gestapo und seinem früheren Kollegen Gräf ist er es nun ganz besonders nicht. Das hat zum einen Vorteile, denn die festgelegten Ermittlungen in Richtung Kommunisten inklusive der Ignoranz vorhandener Spuren oder dem Nichtzulassen von anderen Ermittlungsansätzen und Theorien, kann Rath nur so entkommen. Andererseits bringt ihm das auch Nachteile, denn sowohl die SA als auch die Gestapo sitzen mittlerweile am längeren Hebel und Rath entkommt nur knapp Maßregelungen und drohendem Jobverlust.  Rath ist aber auch einer, der gerne seine Augen verschließt. Klar kann man das heute einfach sagen, weil man weiß, wie die Geschichte weiter geht, doch Rath ist in der Hinsicht wirklich naiv. Noch 1934, ein Jahr nach Machtergreifung durch die Nazis, und obwohl sein Pflegesohn Fritze nach und nach mehr von der Hitlerjugend vereinnahmt wird, macht er beide Augen zu und behauptet, dass alles wieder gut wird. Dass „Papa“ Hindenburg das schon wieder richten wird. Gereon ist ein widersprüchlicher Charakter. Zwar kann er sich in seinem Job behaupten, Karriere wird er aber wohl erst mal nicht machen. Insgesamt ist er mir zu lasch – gegenüber seinen Mitarbeitern, gegenüber Fritze und auch gegenüber alten Freunden, ob nun Kollegen oder Verbrechern. Im Gegenzug dazu steht seine Frau Charlotte. Sie versucht des Öfteren Rath vom Gegenteil zu überzeugen, nicht nur, als Rath ohne zu lesen, den Mitgliedsbeitritt von Fritze für die HJ ungesehen unterzeichnet. Mit ihr erlebt man auch die Gesellschaft, ganz ohne Polizeiabzeichen, z. B. wie Leute schnell in Läden verschwinden, wenn ein Pulk SAler um die Ecke biegt, aber solche Kleinigkeiten bleiben zu Hause unerwähnt. Gespräche und Unterhaltungen sind jetzt nicht unbedingt die Stärke im Hause Rath. Gereon erzählt praktisch nichts von seinen Ermittlungen, aber auch nicht, dass er einem alten Bekannten, dem Gangsterboss Marlow, begegnet ist. Aber auch Charlotte hält vor Gereon geheim, dass sie auf der Suche nach einem untergetauchten Kommunisten ist, nachdem dessen Schwester sie beauftragt hat. Auch ihren neuen Job in einer Anwaltskanzlei verheimlicht sie so lange wie möglich, auch wenn sie Gereons Unterschrift benötigt, um dort zu arbeiten. Die Raths machen sich das Leben wirklich unnötig schwer und man mag sie ständig durchschütteln. Es scheint auch, als würden sie aus ihrem Verhalten nicht lernen, in ihren Geheimnissen gefangen zu sein und somit in ihrer Beziehung in Stillstand zu verharren. Dieses Dreigestirn an Figuren, welches sich im Hause Rath tummelt, scheint die damalige Situation gut zu beschreiben. Wir haben die, die den Ernst der Lage erkennen, aber nicht viel machen können in Charlotte vertreten, wir haben die, die begeistert folgen in Fritze gespiegelt und Gereon ist derjenige, der wie viele wegguckt und hofft, dass es bald besser wird. Eine sehr ungesunde Mischung, wie wir aus der Erfahrung wissen. Neben dieser politisch und gesellschaftlich heiklen Situation, den vielen historischen Kleinigkeiten, die eingestreut sind (z. B. Gereons Zigarettenmarke, die ich ehrlich gesagt, schon bald nicht mehr lesen konnte, es hätte auch mal gereicht zu schreiben, dass er sich eine Zigarette anzündet – aber noch vielen anderen kleinen Dingen) und den Figuren, die den Lesern der ersten Stunde der Serie vermutlich mehr ans Herz gewachsen sind als mir bis jetzt, gibt es natürlich noch den Kriminalfall. Ja, der Kriminalfall. Die Lösung der Gestapo kann kein Leser auch nur für einen Moment als möglich ansehen – einfach schon, weil sie keinen anderen Schluss zulassen. Die Ermittlungen von Gereon Rath führen dann über ein Glasauge zu einem alten Mann zur Kirche und außerhalb von Berlin bis sie letztendlich bei alten Bekannten landen – allerdings findet Gereon dies recht schnell heraus. Trotzdem lässt die Spannung nicht nach, denn der Täter ist zwar bekannt, aber noch lange nicht gefasst. Und was genau der Lunapark damit zu tun hat, tja, das müsst ihr dann noch selbst herausfinden. Abschließend kann ich sagen, dass mir der Krimi ganz gut gefallen hat, auch wenn ich glaube, dass die Begeisterung bei den Lesern, welche die vorigen Teile auch schon kannten, wesentlich höher war, als bei mir. Ich vermute mal, es ist der Sog der Serie, wenn einem die Charaktere einfach ans Herz wachsen – und man dann das Ganze noch mit politisch-interessante Zeiten und einem spannenden Kriminalfall geliefert bekommt. Der Quereinstieg, wie ich ihn gemacht habe, ist durchaus möglich, denn der Autor erklärt alle wiederkehrenden Elemente kurz, so dass man nicht verwirrt ist. Allerdings muss man schon sagen, dass die Geschichten sehr miteinander verwoben sind – d. h. das Buch „Lunapark“ hätte es ohne die vorigen Teile gar nicht geben können. Auch bin ich mir nicht sicher, ob ich tatsächlich die vorigen Teile nachholen werde, denn einige Dinge sind mir jetzt schon bekannt und ich fürchte mich vor fehlender Spannung, wenn ich denn nun eben einiges schon kenne oder wiedererkenne. Schade eigentlich, denn gerade die politisch-historische Komponente würde mich reizen. Gereon Rath Fans werden „Lunapark“ sowieso lesen – allen andere empfehle ich tatsächlich mit dem ersten Teil der Serie „Der nasse Fisch“ zu beginnen. Fazit: Der Krimi ist politikgeschichtlich hochinteressant und mit einem recht spannenden Fall garniert, allerdings war mir Gereon Rath ein wenig zu lasch. Ein Quereinstieg in die Reihe ist möglich, aber ich empfehle ihn nicht.

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  • Spannend und bedrückend

    Lunapark

    buecherwurm1310

    17. December 2016 um 14:18

    Ein toter SA-Mann wird 1934 unter einer Eisenbahnbrücke in Berlin aufgefunden. Es sieht aus, als sei er erschlagen worden. Als Gereon Rath am Tatort ankommt, muss er feststellen, dass auch die Geheime Staatspolizei an dem Fall interessiert ist. So muss er wieder mit seinem früheren Kollegen Reinhold Gräf zusammenarbeiten, der ihm inzwischen rangmäßig gleichgestellt ist. Während Gräf felsenfest überzeugt ist, dass es sich um einen politischen Mord handelt, den die Roten verübt haben, hat Gereon da seine Zweifel. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Tote in Wirklichkeit an einem Glasauge erstickt ist. Rath beginnt zu ermitteln ohne die Staatspolizei zu informieren und findet Spuren, die in die Vergangenheit weisen. In Berlin ändert sich vieles, aber Gereon bleibt wie er ist. Er verdrängt die Situation und hofft, dass alles schon nicht so schlimm wird und der Spuk bald eine Ende hat. Noch kommt er mit seiner höchst eigenen Version des Hitler-Grußes durch. Wir wissen natürlich, wie alles wirklich weiterging. Es ist sehr bedrückend zu lesen, wie die Menschen drangsaliert wurden und wie die Angst umgeht. Man flüchtet von der Straße sobald schwarze Uniformen auftauchen, denn man weiß nicht, ob man solch eine Begegnung heil übersteht. Wer verhaftet wird, den erwarten harte Verhöre und Folterung, und wer allzu widerspenstig ist, der landet auch schon mal im Konzentrationslager. Auch in der Familie Rath macht sich die politische Situation unangenehm bemerkbar. Charly geht offenen Auges durch die Welt und sieht die drohende Gefahr. Gereons mangelndes politisches Interesse regt sie auf und der Haussegen hängt öfter mal schief. Dass ihr Pflegesohn Fritze dann auch noch der HJ beitreten will, macht sie nur noch wütender. Diese Unzufriedenheit bringt sie dazu, leichtsinnig zu handeln und einer jungen Frau zu helfen. Fritze dagegen fühlt sich in der Gruppe anderer Jungen wohl und nimmt begierig auf, was ihm dort vermittelt wird. Gräf hat die Zeichen der Zeit für seine Karriere zu nutzen gewusst. Er weiß, dass ihm alle Wege offen stehen. Mich hat aber überrascht, wie kaltblütig er die Chance nutzt, dunkle Flecken in seinem Leben verschwinden zu lassen.   Es gibt weitere tote SA-Männer und Gereon hat schon bald einen Verdacht, wer hinter den Morden steckt. Er will den Täter natürlich festnehmen, aber Dr. Marlow hat auch ein Interesse daran, dass dieser von der Bildfläche verschwindet – aber das bitte tot. Gereon spürt nun sehr heftig, dass die Nähe zu dem Gangsterboss für ihn gefährlich ist. Da er Charly aber immer aus solchen Geschichten rausgehalten hat, kann er nun auch nicht offen mit ihr reden. Er verhält sich wieder einmal wie immer, wenn’s schwierig wird: Er duckt sich weg. Aber das Problem ist da und muss gelöst werden. Wieder einmal gelingt es Volker Kutscher perfekt, uns diese bedrückende Zeit nahe zu bringen. Von Buch zu Buch wird es bedrückender und mit dem Wissen von heute geht es einem beim Lesen besonders nah. Trotzdem fesselt diese Geschichte und versetzt einen in ein Wechselbad der Gefühle. Dennoch bin ich schon sehr auf den nächsten Band gespannt. Ein packender Krimi in einer dunklen Zeit.

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  • sehr spannend

    Lunapark

    gagamaus

    12. December 2016 um 13:52

    Am Anfang des neuen Kutscher-Krimis „Lunapark“ steht ein toter SA-Mann. Da in der Nähe der Leiche kommunistische Parolen gefunden werden, wird auch die Geheime Staatspolizei auf den Fall aufmerksam und Rath muss widerwillig mit seinem ehemaligen Kollegen Gräf zusammenarbeiten, der jetzt dort als Kommissär den gleichen Rang wie Geron bekleidet. Aber Rath zweifelt an den politischen Motiven für diesen Mord. Er beginnt im Geheimen und auf eigene Faust zu ermitteln und findet schnell eine heiße Spur, die ihn auch in die eigene Vergangenheit führt.Schnell ist man wieder drinnen im Berlin der 30er Jahre. Die Nazis sind seit einem Jahr an der Macht und es ist erschreckend, wie sie die politische Stimmung in Deutschland nach ihren Wünschen bereits verändert haben. SA und SS führen ein hartes Regime. Politisch Andersdenkende werden ebenso rigide verfolgt wie Juden und Homosexuelle. Es wird gedroht und gefoltert, bei Verhaftungen kommt es schon mal zu Verletzten und Toten und nur allzu schnell kann man im KL landen.Gereon Rath versucht diese Zustände noch immer auf seine eigene Art zu verdrängen. Er hofft darauf, dass die Nazis nur eine kurze Episode in Deutschland sind und dass er und seine Familie das Ganze schon aussitzen könnten, wenn sie sich nur unauffällig verhalten. Während weitere SA-Männer erschlagen werden muss er erkennen, dass der mutmaßliche Mörder ein alter Bekannter ist, den die Polizei auf keinen Fall verhaften darf, da er sonst auch Rath mit ins Verderben reißen könnte. Auch der Gangsterboß Marlow hat ein gesteigertes Interesse daran, dass der Täter verschwindet und er versucht deshalb Rath unter Druck zu setzen. Von all dem weiß Charly wenig. Sie ist auf der Suche nach einem jungen Kommunisten, der irgendwo im Berliner Untergrund leben soll und den seine Schwester unbedingt treffen möchte. Ihrem Mann erzählt Charly wohlweislich nichts von ihren eigenen Ermittlungen und bringt sich damit in große Gefahr.Volker Kutscher hat diesmal den Kriminalfall etwas mehr in den Hintergrund treten lassen, um die politische Situation Deutschlands unter den Nazis und die persönliche Entwicklung der Protagonisten noch intensiver erzählen zu können. Gereon ist kein strahlender Held sondern einer mit Ecken und Kanten, der manchmal mehr Glück als Verstand hat, während er versucht ohne Wissen von Gräf und der SA den Mörder zu fassen. Charly ist eine liebenswerte für ihre Zeit erfrischend selbstständige Frau, die ihre eigene Meinung mit Vehemenz vertreten kann. Und der junge Fritze wird  zum Leidwesen seiner Pflegeeltern und zum Schrecken des Lesers von der Propaganda der Nazis eingelullt und hinterfragt die Handlungen der Erwachsenen mit wachsendem Interesse. Die historisch belegten Ereignisse sind eng mit der Geschichte um diese  Hauptpersonen verknüpft. Alle drei werden in einen Strudel der Ereignisse gezogen und unterschätzen mehr als einmal die Brisanz und die Bedrohung für ihre kleine Familie. Nebenbei gibt es auch kleine Gastspiele historischer Prominenz wie z.B. Adenauer und Heydrich, die dem Ganzen noch mehr Authentizität geben.Das Buch ist unglaublich spannend und auch wenn die Stimmung eine bedrückende ist, so macht es doch Spaß „Lunapark“ zu lesen. Bei zwei, drei Stellen hat der Zufall die Hand im Spiel aber ich kann das dem Autor nachsehen, denn ansonsten ist es ein kluger historischer Krimi und eine hervorragende Fortsetzung dieser Reihe. Ich freue mich schon auf das nächste Buch - und auf die Verfilmung, die bereits im nächsten Jahr zu sehen sein wird.

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