Volker Kutscher Märzgefallene

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Inhaltsangabe zu „Märzgefallene“ von Volker Kutscher

'Kutschers historische Krimis sind ein Glücksfall.' FAS
Rosenmontag 1933: Gereon Rath feiert Karneval in Köln, und der Morgen danach beginnt für ihn mit einem heftigen Kater, der falschen Frau im Bett und einem Anruf aus Berlin: Der Reichstag steht in Flammen! Sofortige Urlaubssperre! Zurück in Berlin wird Rath in die Kommunistenhatz der Politischen Polizei eingespannt und soll eine mysteriöse Mordserie aufklären, der immer mehr Weltkriegsveteranen zum Opfer fallen. Dazu muss er einen Geschäftsfreund des Gangsterbosses Johann Marlow aus den Klauen der SA befreien und sich um die Hochzeitsvorbereitungen mit seiner Dauerverlobten Charlotte 'Charlie' Ritter kümmern.

Volker Kutscher zeigt wieder seine außergewöhnlichen Qualitäten: atemlose Spannung, ein komplexer Fall, zwischenmenschliche Komplikationen gepaart mit historischer Genauigkeit und Anschaulichkeit.

Mit der beste Gereon Rath! Klasse Krimi aus einer bewegenden Zeit. Freu mich auf Lunapark.

— BerniGunther

Hat mir wieder sehr gut gefallen. Kutscher gelingt es wirklich, die Serie interessant zu halten und die Charaktere weiterzuentwickeln.

— sofie

Berlin 1933 - nichts ist mehr, wie es vorher war. Authentische Beschreibung der Umstände in Deutschland

— Bellis-Perennis

Authentische Wiedergabe der Stimmung in Deutschland 1933, glaubhafte Weiterentwicklung der Charaktere, ein spannender Fall

— PMelittaM

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  • Rezension zu "Märzgefallene" von Volker Kutscher

    Märzgefallene

    tragalibros

    24. September 2017 um 10:21

    Der fünfte Fall von Kommissar Gereon Rath beginnt am Rosenmontag 1933 mit der Meldung, der Reichstag stehe in Flammen. Rath wird zur Politischen Polizei beordert, soll gegen Kommunisten vorgehen und gleichzeitig versuchen eine mysteriöse Mordserie an Kriegsveteranen aufzuklären, die Berlin erschüttert...Ich bin bei dieser Lektüre sehr zwiegespalten. Zum einen gefielen mir Schreibstil und Handlung, zum anderen konnten mich aber die Charaktere nicht packen.Der Autor hat ein tolle und äußerst realistische Verbindung zwischen fiktiven Ereignissen und wahrem historischen Hintergrund geschaffen, aber die Protagonisten blieben davor für mich eher fremd und wenig sympathisch. Für mich persönlich ein großes Manko.Obwohl sich das Buch Im Großen und Ganzen sehr flüssig liest, kamen mir die Passagen, in denen es um persönliche Gespräche zwischen den Handelnden ging, zu fade und langweilig vor. Zu oft drehten sich diese Unterhaltungen im Kreis und endeten entweder ergebnislos oder in politischen Disputen. Trotzdem vermittelt der Autor eine knisternde und reale Athmosphäre, die gefüttert wird vom Aufschwung der NSDAP und der Wahl Hitlers zum Reichskanzler. Mein Fazit lautet daher: Dreieinhalb Sterne. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich nun begeistert sein soll oder nicht. Der Krimi hat eindeutig sehr gute Seiten und einen dramatischen sowie spannenden Hintergrund, was eine tolle Athmosphäre hervorruft. Leider versagte der Autor zum Teil bei seinen Hauptpersonen, welche meist streitsüchtig und starrköpfig erschienen und bei mir somit keine Sympathiepunkte sammeln konnten. Trotzdem, alles in allem ist "Märzgefallene" ein solider Kriminalroman, der mit ein paar Abstrichen auf eine gute Bewertung kommt.

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  • Polizeiarbeit unterm Hakenkreuz

    Märzgefallene

    PaulTemple

    17. July 2017 um 14:26

    Der fünfte Fall von Gereon Rath führt den Leser in das Jahr 1933, die "Machtergreifung" der NDSAP und deren Folgen ist von daher im Alltag dominierend. Inmitten dieser Umwälzungen ermittelt Rath schließlich in einem Fall, dessen Ursache bis in den Ersten Weltkrieg zurückgeht. Von der wieder einmal guten Krimihandlung abgesehen, versteht es der Autor meisterlich, die Folgen und den Einfluss der Naziherrschaft auf den (Polizei)Alltag  der Menschen aufzuzeigen. Ehemalige Kollegen werden kaltgestellt, Freundschaften zerbrechen, ehemals republiktreue Menschen sympathisieren aus Karrieregründen nun für die Nazis usw.Ein fantastischer Kriminalroman, freue mich auf Band Nr 6. 

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  • Wieder gelungen!

    Märzgefallene

    sofie

    04. February 2017 um 10:50

    „Märzgefallene“ von Volker Kutscher ist bereits der fünfte Band in der Reihe um den Berliner Ermittler Gereon Rath. Mir geht es oft so, dass ich solche Krimireihen nach 4 oder 5 Bänden abbreche, weil sich die Figuren nicht weiterentwickeln, die Fälle sich ähneln oder die Geschichten immer haarsträubender werden. Hier ist das zum Glück nicht der Fall. Schon allein durch den historischen Rahmen gibt es immer wieder interessante neue Entwicklungen. Mittlerweile sind wir im Jahr 1933 angekommen und der Wahlsieg der Nationalsozialisten spielt in der Handlung eine große Rolle. Ich fand es gut, dass sich der Autor nicht scheut, auch sympathische Personen aus dem Umfeld von Rath zu Mitläufern und Jubelnden zu machen. Alles andere wäre auch sehr unrealistisch. Gut gefallen hat mir auch, dass Charlotte Ritter diesmal einen sehr großen Anteil am Buch bekommt und nicht nur Gereons Partnerin bleibt. Sie ermittelt eigenständig und ist über einen Teil des Buchs fast die Hauptfigur. Der eigentlich Fall ist auch sehr spannend und mit seinen Verbindungen in den Ersten Weltkrieg auch historisch sehr interessant. Ich freu mich auf den nächsten Teil!  

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  • Cui bono? Wem nützt der Tod des Obdachlosen?

    Märzgefallene

    Bellis-Perennis

    31. August 2016 um 17:40

    Inhalt:Berlin 1933, das Gebäude des Reichstags brennt! Sofort werden die Kommunisten der Brandstiftung beschuldigt. Rath muss mit der politischen Polizei Kommunisten jagen, wird aber bald wieder abgezogen, weil nun der Mord an einem vorerst unbekannten Obdachlosen aufzuklären ist. Der Mann, der von einem ehemaligen Kameraden und nunmehrigen Schriftsteller identifiziert wird, scheint in ein längst vergessenes Kriegsverbrechen verwickelt zu sein. Doch der Unterstandslose wird nicht der einzige Tote bleiben. Wer tötet die Weltkriegsveteranen und warum?Während sich Rath noch mit den Ermittlungen abgibt, wird Hitler Reichskanzler. Die Braunhemden nehmen überhand. Egal wo man hinschaut, sogar in den Reihen des Alex, findet man Mitglieder der NSDAP. Manche sind Nazis der ersten Stunde, manche Mitläufer und viele erhoffen sich von der neuen Partei Aufschwung und persönliche Vorteile.Gereon Rath nimmt die Veränderungen zwar wahr, aber leider noch nicht wirklich ernst. Im Gegensatz dazu ist Charly realistischer und erkennt die Gefahren, vor allem als auch noch Polizeipräsident Weiß aus seinem Amt entfernt wird. Dann stolpern Fritze, ein Straßenjunge und Hannah Singer, eine aus der Irrenanstalt entflohene, mehrfache Mörderin, in Charlys Leben. Charly gerät in Gewissenskonflikte. Kann sie dieser Polizei, diesem Willkürstaat noch dienen?Die Atmosphäre ist düster. Wem können Charly und Gereon noch vertrauen?Für den einzigen Lichtblick sorgt die Hochzeit von Gereon Rath und Charly Ritter. Doch auch hier hat der neue Reichskanzler seinen ungebetenen Auftritt, wenn auch nur im Radio. Doch wie viele Deutsche ist auch Charlys Mutter begeistert.Erzählstil/Charaktere:Volker Kutscher zeichnet ein beklemmendes Bild der damaligen Zeit. Ein grausliches Detail ist für mich, als der SA-Mann dem gefangenen Unterweltler das Auge herausgesaugt hat. Geht das überhaupt? Doch wie wir heute wissen, ist die Brutalität der SA- und SS-Schergen beinahe grenzenlos.Der Autor hat Charlys Gewissenskonflikt sehr gut herausgearbeitet. Gereon hingegen wirkt diesmal ein wenig naiv in seinem Abwarten.Diesmal habe die Einschübe im Berliner und Kölschen Dialekt den Lesefluss ein wenig gestört.Der eigentliche Kriminalfall ist diesmal ein wenig ins Hintertreffen geraten. Er ist allerdings durch die Komplexität und der Ursache im Jahre 1917 ziemlich verwickelt. Ich musste da einiges, wie z. B. das „Unternehmen Alberich“, nachlesen. Auch das falsche Identifizieren von gleich zwei Leichen durch Graf von Roddeck ist ein bisschen zu viel des Zufalls.Fazit:Ein durchaus spannendes Buch, bei dem die Verbrecherjagd ein wenig hintan steht. Vor allem, weil damals noch nicht klar ist, dass die Verbrecher auf der Seite des Staates zu suchen sind.

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  • Kutscher wird immer besser ...

    Märzgefallene

    PMelittaM

    1933 verbringt Gereon Rath den Karneval in Köln, bis er nach Berlin zurückbeordert wird: Der Reichstag brennt und alle Polizeikräfte werden gebraucht. Doch Gereon wird nicht der Aufklärung des Reichstagsbrandes zugeordnet, sondern soll sich um Todesfälle unter Weltkriegsveteranen kümmern. Dennoch haben die Auswirkungen des Brandes auch Einfluss auf seine Arbeit.„Märzgefallene“ ist bereits der fünfte Roman um Gereon Rath. Man kann die Romane unabhängig voneinander lesen, da aber nicht nur die Charaktere sondern auch ihr Umfeld und Deutschland selbst Entwicklungen durchlaufen, ist es sinnvoller, sich an die Reihenfolge zu halten. Der erste Band spielt 1929, so konnte man schon in den letzten Bänden erleben, wie die Nazis eine immer größere Rolle im Land spielen, 1933 ist nun das Jahr der Machtergreifung und dies wirkt sich sehr konkret auch auf alle schon bekannten Charaktere aus. Ich bin sehr gespannt auf deren weiteres Schicksal in den zukünftigen Bänden, denn Vieles ändert sich nun.Es ist schön, Gereon, Charly und all die Anderen wieder zu treffen und ihre weitere Entwicklung zu erleben. Wer wird sich den Nazis andienen, wer Probleme mit ihnen bekommen? Wie sieht das weitere Leben in Nazideutschland aus? Aber nicht nur die großen politischen Fragen spielen eine Rolle, auch kleine, private, vor allem natürlich in der Beziehung zwischen Gereon und Charly. Kutscher schafft es sehr gut, (mehr oder weniger) liebgewonne Charaktere einer glaubhaften Weiterentwicklung zu unterziehen und diese mit der aktuellen politischen Lage zu verknüpfen. Alle Charaktere wirken dabei sehr authentisch und vermitteln gut, wie sich die Menschen dieser Zeit mit den Verhältnissen zu arrangieren versuchten (oder das eben nicht konnten). Da gibt es fanatische Nazis, Mitläufer, auf eine bessere Zukunft Hoffende, aber auch Gegner, mehr oder weniger offen, und solche, die unter den veränderten Verhältnissen leiden müssen oder gar in Lebensgefahr geraten. Der Autor hat dies alles sehr gut in seine Geschichte integriert, die sich verändernde Stimmung sehr gut herausgearbeitet, auf den Leser, der ja bereits weiß, wie sich das Ganze noch entwickeln wird, wirkt es sehr bedrückend. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, so dass die Geschehnisse, nicht nur die des Falles, auch die politischen, von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Der Fall ist ebenfalls gut in das politische Geschehen eingearbeitet und sehr interessant. Man kann gut mitraten und die Auflösung stellt zufrieden. Volker Kutscher steigert sich mit jedem Roman, für mich ist dieser sein bisher bester und ich bin sehr gespannt auf die weiteren Bände. Von mir gibt es verdiente volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für die gesamte Reihe.

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    • 9
  • Gereon Rath auf dem Weg in die Nazi-Diktatur

    Märzgefallene

    MichaelSchrader

    11. October 2015 um 21:47

    Volker Kutscher: Märzgefallene Darauf war ich ja wirklich gespannt: wie Volker Kutscher es schafft, seinen Kriminalkommissar Gereon Rath und der Galerie an Nebendarstellern den Übergang von der Weimarer Republik in die Nazizeit zu „ebnen“. „Märzgefallene“ ist bereits der fünfte Fall des aus dem Rheinland und der dortigen katholischen Beamtenelite (Konrad Adenauer ist ein Freund der Familie) stammenden, allerdings eher wenig Frohsinn versprühenden Mordermittlers Gereon Rath, dessen Temperament eher dem eines Fischkopps gleicht, was ihn mir nicht unbedingt sympathisch macht, obwohl ich selber einer bin, aber er kommt mir eben bekannt vor. Die Handlung setzt ein zwischen der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und dem Reichstagsbrand, und während fast die gesamte Polizei für die Jagd nach Kommunisten eingespannt wird, schafft Rath es, sich zu einer Mordermittlung abzuseilen. Ermordet wurde ein obdachloser Weltkriegsveteran, und die Spur führt bald weit zurück in die Vergangenheit, in der im Jahre 1917 eine Gruppe deutscher Soldaten einen riesigen Goldschatz von den Franzosen erbeutet hatte und diesen hinter den feindlichen Linien versteckte, um ihn nach dem Krieg unter sich aufzuteilen. Als ein weiteres ehemaliges Mitglied der damaligen Einheit auf die gleiche Weise ermordet wird wie der Obdachlose, wird deren früherer Leutnant Achim Graf von Roddeck nervös, denn er hat einen Schlüsselroman („Märzgefallene“) über die damalige Zeit geschrieben, der demnächst erscheinen soll und befürchtet nun, dass es auch ihm ans Leben gehen soll … Wie von Kutscher inzwischen gewohnt, wird die Haupthandlung umrahmt von einem ganzen Strauß an Nebenhandlungen, diesmal unter anderem die bevorstehende Hochzeit mit seiner Langzeitgeliebten und Kollegin Charly Ritter, die Flucht eines jüdischen Mädchens aus der Psychiatrie, wo sie wegen Brandstiftung festgehalten wurde, und verschiedene Ausflüge Raths in die alte Heimat, wo er hautnah die nationalsozialistische Machtübernahme in Köln miterlebt. Überhaupt wird der historische Hintergrund wie gewohnt ganz exquisit ausgeleuchtet. In den ersten vier Romanen erweckte Kutscher die Hoch- bzw. Endzeit der Weimarer Republik zum Leben, insbesondere die vielen Facetten Berlins. Das reiche kulturelle Leben, die prosperierende Halb- und Unterwelt, aber auch die sich immer mehr verschärfenden sozialen Konflikte, welche sich in blutigen Straßenschlachten entluden, bildeten den Hintergrund für die Kriminalfälle und ihre Aufklärung. Nun aber ist alles anders, auch wenn Rath das nicht wahrhaben will. Während er noch davon ausgeht, dass der NS-Spuk bald wieder zu Ende sein wird, sieht seine Verlobte Charly die Dinge wesentlich klarer und damit düsterer. Die Vertreibung verdienter Beamter aus der Polizei und ihre Ersetzung durch linientreue Nazis, die Juden- und Kommunistenhatz der neuen Machthaber verleiden ihr zusehends den Dienst bei der Polizei. Es fällt aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts leicht, sich zu fragen, warum damals so viele Menschen so blind waren und entweder begeistert mitmachten bei der „Nationalsozialistischen Revolution“ oder doch zumindest mehr oder weniger widerstandslos dabei zusahen, wie ihr Land der Katastrophe entgegentaumelte. Wer das verstehen möchte, macht keinen Fehler, wenn er zu diesem Buch greift. Kutscher erliegt nicht der Versuchung, seine Figuren heldenhafter zu machen als es realistischerweise zu erwarten war. Raths Verhalten ist von vorn bis hinten völlig widersprüchlich – und gerade deswegen überaus authentisch und glaubhaft. Und der frühere Freund und Kollege, der sich als schwul entpuppt und mit einem SA-Mann liiert ist, geht zwar mit Begeisterung zur politischen Polizei, der späteren Gestapo, aber man ahnt, dass auch der noch seine Probleme bekommen wird. So lässt sich das Fazit ziehen, dass der „Systemwechsel“ mit Bravour gelungen ist. Für mich ist „Märzgefallene“ der beste aus der Gereon-Rath-Reihe. Aber kein Lob ohne Wermutstropfen: Schön wäre es, wenn Volker Kutscher auch stilistisch so großartig wäre wie bei der Entwicklung seiner Geschichten und Figuren und beim historischen Hintergrund. Aber leider bleibt das wie schon in den anderen Romanen sein Schwachpunkt. Wenn man gerade parallel einen Roman einer Autorin von Weltgeltung wie Margaret Atwood gelesen hat, dann fällt einem der Kontrast vielleicht noch umso mehr auf. Aber nichtsdestotrotz ist „Märzgefallene“ ein guter, ein lesenswerter Roman.

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  • Buchtipp

    Märzgefallene

    Kerstin-Scheuer

    23. August 2015 um 17:05

    Gut recherchierte Bücher über die deutsche NS-Vergangenheit gibt es genauso viele wie handwerklich solide gearbeitete Kriminalromane. Meistens sind erster zwar sehr lehrreich und anspruchsvoll aber nur mäßig unterhaltsam. Letzter sind dagegen meist sehr spannend, aber in der Regel leider auch eher trivial. Die Gereon Rath-Reihe von Volker Kutscher vereint aus beidem das Beste, nämlich Anspruch und spannende Unterhaltung. Im aktuellen fünften Band wartet auf Kriminalkommissar Gereon Rath nicht nur wieder eine neue Mordreihe, die ihn diesmal zurück ins Kriegsjahr 1917 führt. Auch der dramatische politische Umbruch des Jahres 1933 macht Charly und ihm beruflich wie privat zu schaffen.Worum geht es? Rosenmontag 1933. Als gebürtiger Rheinländer verbringt Gereon Rath die tollen Tage natürlich in der alten Heimat, wo er sich volltrunken einen außerehelichen Fehltritt erlaubt. Viel Zeit für ein schlechtes Gewissen bleibt ihm jedoch nicht, denn dann brennt in Berlin plötzlich der Reichstag, und Rath wird sofort zurück beordert. Allgemeine Urlaubssperre. Etwa zur gleichen Zeit wird am Nollendorfplatz ein Obdachloser erstochen aufgefunden. Gereon Rath erbt diesen Fall von seinen Vorgesetzten Wilhelm Böhm, der beim neuen Nazi-Polizeipräsident in Ungnade gefallen ist und strafversetzt wird. Schnell geschehen weitere Morde nach dem gleichen Muster. Zum Glück gibt Leutant a.D. Achim von Roddeck wichtige Hinweise: Die Spur führt weit zurück in die Wirren des ersten Weltkriegs, als im März 1917 einige Soldaten der „Operation Alberich“, die beim Rückzug der deutschen Armee aus Frankreich nichts als verbrannte Erde zurückließen, die Goldreserven einer französischen Bank unterschlugen. Aber wie glaubhaft ist Achim von Roddeck wirklich? Geht es ihm am Ende vielleicht nur darum, sich wichtig zu machen, um seinen in Kürze erscheinenden Roman „Märzgefallene“, der von genau diesen Ereignissen berichtet, zu bewerben? Die Ermittlungen gestalten sich für Gereon Rath äußert schwierig, denn ständig funkt ihm etwas anderes dazwischen: da wären zum einen die Hochzeitsvorbereitungen und zum anderen seine Abordnung zur Politischen Polizei, für die er Kommunisten zum Reichstagsbrand verhören soll. Zu allem Überfluss beauftragt Gangsterboss Johann Marlow Rath schließlich auch noch, einen Bandchef aus den Klauen der SA zu befreien. Und auch der Polizeipräsident macht Druck und will endlich Ergebnisse sehen.Warum habe ich es gelesen? Seit Gereon Raths erstem Fall „Der nasse Fisch“ verfolge ich diese Krimiserie von Volker Kutscher. Die tolle Kombination aus historischen Tatsachen und fiktiver Kriminalgeschichte begeisterte mich sofort. Auf diesen fünften Fall habe ich mich vor allem deshalb besonders gefreut, weil „wir“ nun endlich im Jahr 1933 und damit bei der Machtergreifung Hitlers angekommen sind. Ich war schon sehr gespannt, wie die einzelnen Charaktere, die ich in den ersten vier Bänden bereits gut kennenlernen konnte, auf diese politischen Entwicklungen reagieren würden. Bei einigen Figuren zeichnete sich bereits im Vorfeld ab, dass sie zumindest ihre Probleme mit der Anpassung an die neuen Verhältnisse haben würden. Umso neugieriger war ich daher, ob und wie ihnen dies gelingen würde.Wie war mein erster Eindruck? Das Buch ist in drei Teile unterteilt, die jeweils einen bestimmten Zeitabschnitt umfassen. Neu ist jedoch, dass die Abschnitte nun Überschriften haben: „Feuer“, „Rauch“ und „Asche“. Zudem ist jedem Teil ein Auszug aus einem Konversationslexikon vorangestellt, in dem der entsprechende Begriff beschrieben wird. Dies und der metaphorische Bezug zum jeweiligen Inhalt gefielen mir gut. Mit dem Fund der ersten Leiche und Gereon Raths One Night Stand geht es inhaltlich gleich spannend los. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, vollkommen unvermittelt in den Fall geworfen zu werden. Wie gewohnt lässt sich Volker Kutscher Zeit, um die Geschichte solide zu entwerfen und zunächst einmal die Stimmung jener Tage einzufangen. Hierdurch entsteht beim Leser ein atmosphärisch dichtes Bild. Am besten gefiel mir jedoch, wie geschickt Volker Kutscher den Brand des Berliner Reichstags gleich zu Beginn verarbeitet. Hierzu bedient er sich der Figur des Journalisten Weinert, der treuen Lesern bereits aus den vorherigen Bänden bekannt ist und zufällig als einer der ersten vor Ort ist. Aber auch Charly kommt hierzu zu Wort. Dieses historische Ereignis, über das man sonst nur relativ nüchtern in Geschichtsbüchern liest, quasi aus erster Hand von bereits bekannten und vertrauten Figuren erzählt zu bekommen, machte es für mich wesentlich anschaulicher. Ich bin froh, dass es ihm mehr als nur den Zeitungsartikel dazu wert war, den Gereon Rath hierüber am nächsten Morgen in Köln liest.Wie fand ich die Erzählweise? Der Roman ist wie von der Serie gewohnt in der dritten Person verfasst. Der Erzähler ist dennoch weder neutral noch gibt er einen objektiven Überblick über das Geschehen, sondern nimmt in jedem Kapitel den Standpunkt einer anderen Figur ein. So erhält man Einblick in verschiedene Gefühlswelten, lernt unterschiedliche Absichten und Ziele kennen. Dieser Wissensvorsprung des Lesers gegenüber den einzelnen Handelnden erhöht schließlich zur Spannung. Aber auch der geschickte Wechsel der Erzählperspektiven erzeugt Spannung. Häufig endet ein Kapitel mit einem Höhepunkt, der nicht sofort im darauffolgenden aufgelöst wird. Stattdessen greift Volker Kutscher einen anderen Handlungsstrang wieder auf und erzählt zunächst diesen weiter. So entstehen immer wieder kleine Cliffhanger, die es mir schwer machten, das Buch lange Zeit aus der Hand zu legen. Mir gefällt diese Art des Erzählens gut; auch wenn es bisweilen anstrengend ist. Sie erfordert eine gute Aufmerksamkeit, um bei den vielen Perspektivenwechseln und mehreren Handlungssträngen nicht den Überblick zu verlieren. Durch die vielen Nebencharaktere und –handlungen fiel mir dies bei „Märzgefallene“ bisweilen etwas schwer.Wie fand ich den Schluss? Volker Kutscher konstruiert in „Märzgefallene“ einen komplexen Kriminalfall mit vielen Verwicklungen und einer brisanten Vorgeschichte. Dennoch werden am Schluss sämtliche Fäden entwirrt und es bleiben keine Fragen offen. Kutscher schafft es sogar noch, mit einer neuen Wendung zu überraschen, was mir sehr gefiel. Nur was das Privatleben von Gereon und Charly betrifft war mir das Ende dann doch etwas zu perfekt und klischeehaft geraten. Vor allem Charlys Zukunftsaussichten, die sich gegen Ende des Buches abzeichnen, gefielen mir gar nicht.Wie fand ich das Buch insgesamt? Mit „Märzgefallene“ gelingt Volker Kutscher wieder ein spannender und komplexer Kriminalroman vor dem Hintergrund eines wichtigen Stücks deutscher Geschichte. Geschick verknüpft er historische Tatsachen wie z.B. den Brand des Deutschen Reichstags oder die Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz mit einer fiktiven Mordserie. Dass die Spur diesmal auch noch in das Kriegsjahr 1917 zurückführt, fügt dem Roman eine weitere spannende historischer Ebene hinzu. Dabei stellt „Märzgefallene“ u.a. auch sehr gekonnt dar, wie gegenwärtig der Schrecken und die Folgen des Krieges nach 15 Jahren in der deutschen Bevölkerung noch immer sind. Die eigentliche Stärke von „Märzgefallene“ liegt für mich jedoch in der anschaulichen Darstellung, was die Machtergreifung der Nazis einerseits für die Arbeit der (Berliner) Polizei sowie andererseits für die einzelnen Charaktere dieser Buchreihe persönlich bedeutete. So wird auch Gereon Rath kurzfristig zur Politischen Polizei abgeordnet, wo er Kommunisten verhören soll, denen im Zusammenhang mit dem Feuer im Reichstag Brandstiftung vorgeworfen wird. Dabei wird selbst dem politisch uninteressierten Kommissar schnell klar, dass es sich hierbei um eine bloße Schikane handelt, um möglichst viele bekannte Kommunisten an der anstehenden Wahl zu hindern. Auch als einmittlerweile konvertierter Jude als Mörder unter Tatverdacht gerät, nimmt der neue NSDAP-Polizeipräsident dies dankbar zum Anlass, um die allgemeine Judenhetze weiter anzufeuern. Da wundert es kaum, dass Gereon Rath mit seinen Ermittlungen zeitweise auf der Stelle zu treten scheint. Teilweise tritt der Kriminalfall in „Märzgefallene“ sogar vollkommen in den Hintergrund. Dies verzieh ich Volker Kutscher jedoch gerne. Viel zu interessant und spannend sind alle die persönlichen Reaktionen, Einschätzungen und zum Teil auch unerwarteten Folgen, die sich für die einzelnen Charaktere durch den dramatischen politischen Umbruch ergeben. So erlebt man den Wandel der Polizeiarbeit in Nazi-Deutschland und die verschiedenen persönlichen Konsequenzen, die daraus gezogen werden, auf eine sehr kurzweilige und unterhaltsame Art. Angenehmer Weise wird in „Märzgefallene“ weder der moralische Zeigefinger erhoben noch hat man das Gefühl, an ein allzu belehrendes Geschichtsbuch geraten zu sein. Volker Kutscher überlässt es dem Leser, seine eigenen Schlüsse zu ziehen (oder auch nicht), was mir sehr zusagt. So beweist Volker Kutscher mit „Märzgefallene“ wieder einmal, dass auch anspruchsvollere Kriminalromane möglich sind und Erfolg haben können. (kerstin-scheuer.de)

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  • Wieder ein spannender Fall in einer immer düsterer werdenden Zeit

    Märzgefallene

    Heimfinderin

    15. June 2015 um 17:14

    Inhalt Kriminalkommissar Gereon Rath feiert gerade Karneval in Köln, als er nach Berlin zurückbeordert wird: der Reichstag brennt. Es erwartet ihn ein neuer Nazi-Polizeipräsident, die Abschiebung seines ungeliebten Vorgesetzten Böhm und ein Mord an einem Obdachlosen. Obwohl die Jagd auf Kommunisten offensichtlich Priorität zu haben scheint und Gereon dafür zur Politischen Polizei wechseln muss, bleibt er hartnäckig an dem Mordfall dran. Der Tote war ein ehemaliger Soldat aus dem Ersten Weltkrieg und ist nicht einfach auf der Straße gestorben, sondern wurde mit einem Grabendolch ermordet. Ein Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Kriegsromans vom ehemaligen Leutnant Roddeck scheint offensichtlich. Was war damals geschehen? Wer hat Angst vor Enthüllungen? Und was hat ein junges Mädchen, das nur knapp einem Mordanschlag entkam, mit der ganzen Sache zu tun? Meine Meinung Die Atmosphäre wird immer düsterer. Es ist Anfang 1933 in Berlin und man spürt den sich verstärkenden Einfluss der Nationalsozialisten. Immer mehr Positionen werden von diesen besetzt, Kommunisten werden gejagt, Juden verlieren ihre Jobs und Übergriffe und Drohungen durch die Nazis werden immer häufiger und unbarmherziger. Reichstagsbrand, Bücherverbrennung, manipulierte Wahlen ... mit der Zeit merken auch die letzten Optimisten, dass Hitler und seine Anhänger stärker werden und keine vorübergehende Erscheinung sind. Auch Politikverweigerer Gereon Rath kann sich so langsam den Zuständen nicht mehr entziehen, nachdem sogar sein Arbeitsumfeld davon betroffen wird und die neuen Vorgesetzten ihn mit der Jagd auf Kommunisten beschäftigen, anstatt ihn wie gewohnt einen Mordfall lösen zu lassen. Lange Zeit führte seine Gleichgültigkeit gegenüber der Politik zu regelmäßigem Streit mit seiner Verlobten Charly, die die Gefahr für Deutschland längst erkannt hat und entsprechend Position bezieht. Doch nach und nach wird nun auch Gereon bewusst, dass tatsächlich im Land etwas gar nicht stimmt, spätestens als politisch begründete Handlungen mit seinem Gerechtigkeitssinn kollidieren. Ist er sonst vielleicht gleichgültig, so reagiert er auf Ungerechtigkeit sofort, auch mit nicht immer korrekten Mitteln, entsprechend hartnäckig verbeißt er sich auch in seinen Fall. Aber auch Charly zeigt ein überraschendes Verhalten, das ohne die veränderten Zeiten kaum vorstellbar gewesen wäre. Andere Kollegen dagegen blühen regelrecht auf unter der neuen Herrschaft und sind kaum wiederzuerkennen, während es einige hart trifft und ihnen nur noch die Flucht bleibt. In diesem Buch kippt alles durcheinander und man spürt mit den Figuren die stark veränderte und sehr düstere Stimmung. Das wirkt wie in den bisherigen Büchern der Reihe wieder sehr authentisch und insgesamt beängstigend, weil wir als Leser natürlich wissen, dass es noch viel schlimmer kommt. Der Kriminalfall rückt zwar fast in den Hintergrund, aber er ist doch auch wieder schön spannend und man kann sehr gut miträtseln. Diesmal führt uns der Fall etwas in die Vergangenheit zurück, nämlich in den Ersten Weltkrieg, genauer in den März 1917. Während die deutschen Soldaten mit dem „Unternehmen Alberich“ eine geplante Verwüstung hinterlassen, nutzt eine kleine Gruppe die Situation, um einen Goldraub zu begehen. Die Geschehnisse und ihre weitreichenden Folgen, bis hin zu mehreren Morden, mit denen nun eben Gereon Rath sich beschäftigt, sind interessant zu lesen und bieten sehr viel Raum für Spekulationen. Dies und die neuen politischen Umstände, die für Gereon Rath die Ermittlungen zusätzlich erschweren, machen diesen Krimi wieder zu einer spannenden, aufwühlenden und atmosphärisch sehr dichten Lektüre. Sehr gut sind auch wieder die Personen beschrieben, sie strahlen alle Persönlichkeit aus. Gereon Rath ist dabei wie gewohnt nicht immer sympathisch was das Zwischenmenschliche betrifft, aber er ist ein Charakter mit einer, wie ich finde besonders vielschichtigen Ausstrahlung. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Fall!

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  • Gereon Rath und die neuen Herren in Braun

    Märzgefallene

    MWagner

    07. June 2015 um 18:21

    "Märzgefallene" war eigentlich ein Spottname für diejenigen, die im März 1933 - also kurz nach Hitlers Machtergreifung - zu den Nationalsozialisten überliefen. Der zeitgeschichtliche Hintergrund bildet aber auch im fünften Roman der Gereon-Rath-Reihe nur so etwas wie die Bühne für den eigentliche Fall: das mysteriöse Wiederauftauchen eines vermeintlich im März 1918 - auch deshalb "Märzgefallene" - umgekommenen deutschen Offiziers jüdischer Herkunft. Er ist den neuen Herren der genehme Hauptverdächtige, dem man unterstellt, er töte aus Rachsucht seine ehemaligen Kriegskameraden. Wie bei den anderen Büchern Kutschers bekommt man auch bei diesem Band nicht nur eine spannende Handlung mit zahlreichen Nebensträngen geboten, sondern außerdem noch jede Menge interessanter, aufschlußreicher, aber auch skurriler Informationen über die deutsche Vergangenheit.

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  • Gelungene Mischung aus Krimi und historischem Roman

    Märzgefallene

    ech

    09. March 2015 um 14:41

    Die Geschichte startet ohne großes Vorgeplänkel gleich mit dem ersten Leichenfund, die handelnen Personen (so weit aus den früheren Büchern noch nicht bekannt) werden gut eingeführt, die ersten Spuren werden gelegt und die einzelnen Erzählstränge vermitteln ein gutes Bild der Zeit, in der die Story spielt. Die geschichtlichen Ereignisse (Wahlen, Reichstagsbrand, Bücherverbrennungen) und die historischen Figuren werden geschickt in die Handlung eingebaut und tragen zur Gesamtstimmung des Buches entscheidend bei. Die Mischung zwischen dem eigentlichen Kriminalfall und der Beschreibung der geschichtlichen bzw. politischen Entwickelung ist sehr stimmig und ausgewogen. Obwohl ich die ersten 4 Bücher der Reihe noch nicht gelesen habe, bin ich sehr schnell in die Geschichte reingekommen, auch die wesentlichen Informationen aus den früheren Büchern werden geschickt in die Geschichte eingetreut, ohne den Lesefluß zu stören. Ich freue mich schon auf die weiteren Bücher der Reihe und bin gespannt, wie sich die Geschichte der Hauptpersonen weiterentwickelt. Jetzt sind aber erst einmal die ersten 4 Bücher der Reihe dran.

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  • Mordserie im Berlin der 30iger Jahre

    Märzgefallene

    Soeltjerin

    06. February 2015 um 12:53

    Gereon Rath, Kommissar aus Berlin, feiert in seiner Heimatstadt Köln Karneval. Genau in dieser Nacht brennt in Berlin der Reichstag. Nach Ansicht der Nazis können das nur die Kommunisten gewesen sein. Gereon wird sofort wieder zurück nach Berlin beordert und vorrübergehend zur Politischen Polizei versetzt. Im gleichen Zeitraum geschieht eine Mordserie an Kriegsveteranen des 1. Weltkrieges, die er ebenfalls aufklären soll. Märzgefallene ist bereits der fünfte Band der Krimireihe um Gereon Rath. Für mich war es jedoch der erste Roman von Volker Kutscher, den ich gelesen habe. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und lies sich flüssig lesen. Die Mordserie und die Aufklärung sind spannend dargestellt und gut nachvollziehbar. Was mich jedoch an diesem Roman wirklich begeistert hat, war die Einflechtung der Geschichte in die dreißiger Jahre und somit in die Anfänge der Naziherrschaft. Volker Kutscher hat diese geschichtlich interessante Zeit wirklich zum Leben erweckt und auch manche "Gräultat" der Nazis beschrieben, aber auch die Ohnmacht der Leute die damit nicht einverstanden waren. Ich gebe dem Buch vier Sterne und es wird definitiv nicht das letzte Buch von Volker Kutscher gewesen sein, welches ich gelesen habe.

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  • Märzgefallene

    Märzgefallene

    Sternenstaubfee

    Berlin 1933: Auf dem Nollendorfplatz ist ein Obdachloser erstochen aufgefunden worden. Kommissar Gereon Rath übernimmt den Fall, dem jedoch kaum Bedeutung zugeordnet wird. Viel wichtiger dagegen erscheint die Kommunistenhatz der Politischen Polizei zu sein, so dass auch Gereon Rath bald sein Fall entzogen wird und er die Politische Polizei verstärken soll. Doch dann gibt es einen weiteren Toten, der in Verbindung gebracht wird mit dem toten Obdachlosen... Mein Leseeindruck: "Märzgefallene" ist bereits der fünfte Band der Reihe um Kommissar Gereon Rath. Es ist durchaus möglich, dieses Buch ohne seine Vorgänger zu lesen; man kann der Handlung dennoch ohne Weiteres gut folgen. Die Geschichte spielt in Berlin 1933. Die bedrückende Stimmung dieser Zeit ist auf jeder Seite zu spüren. Die Hakenkreuzfahnen, die an allen Ecken und Ende zu sehen sind, die Vertreibung der Juden, Bücherverbrennung, Hitlergruß. Ich hatte beim Lesen oft einen Kloß im Hals. Der Autor hat diese dunkle Atmosphäre wirklich gut rüberbringen können. Doch auch der eigentliche Mordfall bzw. die Mordserie ist äußerst spannend. Bis zum Ende tappt man im Dunkeln; es gibt immer wieder Wendungen in der Geschichte. Schon denkt man, man ist der Lösung nahe, dann gibt es wieder eine neue Fährte, mit der man nicht gerechnet hat. Auch über das Privatleben von Gereon Rath und seiner Verlobten Charlotte Ritter bekommt man in diesem Band wieder einiges mit, was mir sehr gut gefallen hat. Die Figuren wirken dadurch sehr authentisch; man kann sich ein gutes Bild von ihnen machen und sich sogar in sie hineinversetzen. Mit gut 600 Seiten ist das Buch ein dicker Schmöker, der aber auf keiner Seite Langeweile verbreitet. Die Spannung ist durchgehend vorhanden. Auch sollte man das Buch konzentriert lesen, damit man die vielen Verwicklungen nicht verpasst. Es ist eine sehr durchdachte, "intelligente" Geschichte, der man seine volle Aufmerksamkeit schenken sollte. Es ist kein Buch für zwischendurch. Von mir gibt es auf jeden Fall eine ganz klare Leseempfehlung! Wer gute Kriminalromane mag, sollte sich diesen auf jeden Fall einmal näher anschauen!

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    • 4
  • Märzgefallene

    Märzgefallene

    heinz60

    Dank einer Leserunde durfte ich "Märzgefallene" von Volker Kutscher lesen. Rosenmontag 1933; während die einen noch Karneval in Köln feiern, wird in Berlin ein Obdachloser ermordet. Schritt für Schritt bildet sich in diesem Roman eine Verbindung zu einem Kriegsverbrechen des 1. Weltkriegs heraus. Was mit vielen losen Enden beginnt entwickelt sich zu einem spannenden Roman der Zeitgeschichte. Die NSDAP übernimmt die Macht, die Hetze gegen anders denkende Personen, Säuberungen im Beamten- u. Polizeiapparat und der Verwaltung beginnen. Dann brennt der Reichstag und in dieser politisch unruhigen und von Umbruch geprägten Umgebung muss der Komissar Gereon Rath unter dem Druck der neuen braunen Führung ermitteln. Vor dem Hintergrund all dieser widrigen Umständen und persönlichen Veränderungen auch noch einen Mordfall zu lösen zu müssen gestaltete sich für die Hauptfigur des Buches als echte Herausforderung. Die vielen losen Handlungsfäden haben mich zu Beginn etwas verwirrt, was aber evtl. auch dem Umstand geschuldet ist, dass "Märzgefallene" bereits der 5. Band in der Reihe um Kommissar Gereon Rath ist. Im Laufe der Geschichte hat sich dies gelegt und ich wurde belohnt mit einer sehr spannenden Krimihandlung in hochinteressantem historischem Setting, die am Ende in einem Showdown der Extraklasse gipfelt. Mein Fazit: Ein mir bisher unbekannter Autor, der mir mit seinem mehr als lesenswerten Buch Topunterhaltung geboten hat.

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    • 10

    Igelmanu66

    16. January 2015 um 23:06
  • Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg

    Märzgefallene

    hundertwasser

    06. January 2015 um 21:28

    2014 jährte sich das Geschehen des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal – Volker Kutscher hat dem Gedenken nun einen weiteren Roman hinzugefügt, der die Erinnerung an die damaligen Ereignisse wachhält – im Gewand eines Kriminalromans. „Märzgefallene“ ist der fünfte Fall, den der Berliner Kommissar Gereon Rath lösen muss. In Berlin steht die Machtergreifung der Nazis infolge des Reichstagsbrandes kurz bevor, als ein ermordeter Obdachloser entdeckt wird. Die Spuren des Mordes führen zurück in die Gräben des Ersten Weltkrieges. Bei seinen Ermittlungen gegen den Willen der neuen gleichgeschalteten Polizeispitze stößt Gereon Rath auf weitere Opfer. Verbindendes Element scheint ein Einsatz einer Gruppe von Soldaten im französischen Hinterland zu sein, die für die Aktionsplan „Alberich“ eingesetzt wurden. Während die Nazis in ganz Deutschland die Macht übernehmen muss sich Rath auf die Suche nach einem Mörder und einem Motiv begeben. Seine Recherche führt ihn bis nach Bonn und Wuppertal, wo er den Ursprung der Mordserie ergründen will, während sich Raths Arbeitswelt in der Mordkommission drastisch ändert. So düster wie in „Märzgefallene“ der Gereon-Rath-Serie ist bislang noch kein Titel von Volker Kutscher ausgefallen. Gelungen integriert er die damaligen Ereignisse des Reichstagsbrandes, die Machtergreifung Hitlers, Bücherverbrennung und das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in die Krimihandlung. Eindrücklich zeigt er, wie sich die Privat- und Arbeitsverhältnisse innerhalb kurzer Zeit änderten und mit welchen Widerständen exemplarisch Gereon Rath und seine Verlobte Charly Ritter zu kämpfen hatten. Hierbei widersteht Kutscher auch der Versuchung, seinen Helden Rath moralisch zu überzeichnen. Vielmehr steht er für die eigentlich apolitisch Schweigenden, die die Lage infolge der Machtergreifung systematisch verkannten bzw. nicht erkennen wollten. Im Moment ist die Reihe um Rath im deutschsprachigen Raum eine der besten Kriminalserie, die sowohl durch ihre Ambitionen als auch durch Inhalte besticht. Bemängeln muss ich – weniger an diesem Titel, eher generell – das sich Volker Kutscher thematisch wiederholt (schon wieder eine Mordserie in Berlin, die ihre Ursprünge in der Vergangenheit hat). Die Fälle, mit denen sich Gereon Rath herumschlagen muss, ähneln einander vom Aufbau inzwischen sehr. In „Märzgefallene“ ist Kutscher in meinen Augen jedoch der ausgeklügeltste Plot bisher gelungen. Kein heiterer Wohlfühl-Krimi, aber eine lohnende Anschaffung, die auch noch einmal die Ereignisse des Ersten Weltkriegs wachruft und die Anfänge des Dritten Reichs anschaulich beleuchtet.

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  • Ein echtes Lese-Vergnügen

    Märzgefallene

    solveig

      Dieser fünfte Teil um und mit Gereon Rath ist bestimmt kein Leichtgewicht, und das meine ich nicht nur im Hinsicht auf seinen Umfang. Der neue Roman von Volker Kutscher ist ein komplexes, vielschichtiges Werk. Wie auch in seinen vorherigen Krimis versteht der Autor es perfekt, einen Kriminalfall in das Deutschland der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zu verlegen und  mit historischen Ereignissen und Personen zu verknüpfen.   Nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 wird Kommissar Gereon Rath aus seinem Köln-Urlaub zurückgerufen und mit dem Mord an einem Obdachlosen konfrontiert. Der Fall wird zwischenzeitlich als zweitrangig eingeordnet und Rath zur Arbeit bei der Politischen Polizei beordert. Als aber ein zweiter, ähnlicher Mord geschieht, ermittelt Rath weiter und erkennt erstaunliche Zusammenhänge. Seine Nachforschungen führen ihn unter anderem zu Leutnant von Roddeck und Geschehnissen aus dem 1. Weltkrieg, die Roddeck in einer Erzählung,  „Märzgefallene“ ,  veröffentlicht. Der Roman im Roman berichtet von den gefallenen Soldaten der Kämpfe vor der „Siegfriedfront“ bei Cambrai im März 1917.  Wer sich in der Geschichte des 20. Jahrhunderts etwas auskennt, dem wird die Mehrdeutigkeit des Titels, den Kutscher seinem Krimi gegeben hat, durchaus bewusst; denn gleichzeitig ist der Begriff „Märzgefallene“ auch die ironische Bezeichnung für die zahlreichen Menschen, die nach den Wahlen am 5. März 1933 der NSDAP beitraten.   Der Autor nimmt seine Leser auf eine Zeitreise in das Jahr 1933 mit, und es gelingt ihm mühelos, sie mitten in den Alltag der Protagonisten hinein zu versetzen. Detailgetreu und sensibel beleuchtet er die düstere Atmosphäre und die aufgeputschte Stimmung im „neuen Deutschland“ von „unten“ her, aus der Sicht der Bevölkerung. Er lässt den Leser die Wahlen im März und die Veränderung Deutschlands miterleben und gibt aus unterschiedlichen Perspektiven Lebensgefühl, Hoffnungen und Ängste jener Zeit wieder, was den Roman sehr real und die Charaktere authentisch wirken lässt. Die Mordserie und ihre Aufklärungsarbeit geraten darüber keineswegs in den Hintergrund, sondern sind geschickt in mehreren Erzählsträngen mit historischen Ereignissen und privaten Problemen Raths verwoben. Unerwartete Wendungen halten die Spannung bis zum Schluss. Mein Fazit: Ein rundum gelungenes Buch und ein wirkliches Lese-Erlebnis!

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    • 3

    dieFlo

    05. January 2015 um 09:56
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