Volker Leppin Die fremde Reformation

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Inhaltsangabe zu „Die fremde Reformation“ von Volker Leppin

Die Reformation gilt als Zäsur, mit der das Mittelalter endet. Volker Leppin zeigt demgegenüber, dass der junge Luther einer von vielen mystischen Schriftstellern war, und führt uns eine Reformation vor Augen, die viel mittelalterlicher und fremder ist, als es die Meistererzählungen von diesem „Umbruch“ wahrhaben wollen. Der Thesenanschlag zu Wittenberg, die Urszene der Reformationsgeschichte, hat nicht stattgefunden. Vielmehr hat Luther an diesem Tag ein „Disputationszettelchen“ verschickt, so wie es akademischer Brauch war. Diese und viele andere überraschende Erkenntnisse lassen sich gewinnen, wenn man Luther konsequent in seinem spätmittelalterlichen Umfeld betrachtet. Rechtfertigungslehre und „Priestertum aller Gläubigen“, Predigtgottesdienst, Papstkritik und landesherrliches Kirchenregiment – all dies war selbstverständlicher Teil des spätmittelalterlichen Spektrums an Positionen und Protesten. Neu war allerdings die Art, wie Luther diese Elemente miteinander verband und von unterschiedlichen Interessengruppen zum Vordenker erhoben wurde. Erst diese Gemengelage führte zur Zuspitzung des Konflikts mit Rom. Vergessen und verdrängt wurden dabei Luthers mystische Wurzeln. Volker Leppin ruft sie anschaulich in Erinnerung und gibt Luther den spätmittelalterlichen Kontext zurück, der ihm von Protestanten wie Katholiken seit Jahrhunderten vorenthalten wird.

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  • Ein verständliches Plädoyer für ein tieferes Verständnis für Luther und seine Zeit

    Die fremde Reformation

    WinfriedStanzick

    22. February 2016 um 11:04

    Volker Leppin ist Professor für Kirchengeschichte in Tübingen, Mitglied der Sächsischen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Er wurde mit dem Ruprecht-Karls-Preis der Universität Heidelberg geehrt. Sein Buch ist ein verständliches Plädoyer für ein tieferes Verständnis für Luther und seine Zeit. Eine Zeit des Umbruchs, vor der wir, so scheint es in den letzten Jahren dem kritischen Zeitgenossen, erneut stehen. Wendepunkte allenthalben. So könnte in den Monaten vor den großen Feierlichkeiten zum 500- jährigen Jubiläum der Reformation 2017 zu so etwas wie einen Spiegel werden. Obwohl er uns, nicht nur den Theologen, heute fremder scheint denn je. Volker Leppin beschreibt das in seinem Buch so:  "Luther ist uns Heutigen fremd. Er ist nicht nur fremd in jenen Zügen, von denen man sich ohnehin gerne lösen will und die man gerne auf das Konto seines mittelalterlichen Erbes schreibt: in seinem unerträglichen Judenhass, seinen Ausfällen gegen Türken oder den Papst. Auch die Wurzeln seines Anliegens, der Botschaft von der Rechtfertigung des Sünders, liegen für die Menschen des 21. Jahrhunderts fern. Sie entstammen der religiösen Bewegung der Mystik des Mittelalters." Leppins Hauptthese in seinem Buch ist, dass die meisten Gedanken Luther nicht wirklich neu waren. Luther und sein ganzes Denken waren tief m mittelalterlichen Denken verwurzelt, der Mystik einer tiefen Frömmigkeit. Die Mystik suchte Antworten auf die Angst vor dem Tod. Wird die Seele aufgrund ihrer Sünden zu ewiger Qual verdammt sein? Ein Mittel gegen diese Angst waren die Ablassbriefe. Sie versprachen gegen Geld einen Nachlass der Sündenstrafen. Doch Luther genügte ein Ablassbrief nicht. Einen Ausweg fand er in der individuellen Erfahrung der Liebe von und zu Gott. Leppin zitiert Luther: " … dass wahre Buße allein mit der Liebe zur Gerechtigkeit und zu Gott beginne … Denn dann werden die Gebote Gottes süß, wenn wir erkennen, dass sie nicht bloß in Büchern, sondern in den Wunden des allersüßesten Heilands gelesen werden müssen." Auch durch die neuen Drucktechniken erfuhren immer mehr Menschen von Luthers Gedanken,  von den Unterschieden im Denken und Fühlen. Und da es um das Heil der Seele ging, gab es kein Pardon. Die gelehrte und akademische Diskussion gewann eine Eigendynamik - die mystischen Ideen wurden in Machtansprüche verwandelt, sie verloren ihren tiefen Zauber und wurden manchmal zu Argumenten für Mord und Totschlag. Parallelen zur heutigen Zeit sind nicht übersehbar. Es ist zu hoffen, dass Leppins Hinweise auf Luthers mystische Wurzeln nicht nur bei den Theologen im Vorfeld der Feierlichkeiten, Reden und Predigten zum Reformationsgedenken auf kritischen Boden fallen.

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