Volker Mauersberger

 4 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Kalte Wut, Hitler in Weimar und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Volker Mauersberger

Cover des Buches Kalte Wut9783746630038

Kalte Wut

 (7)
Erschienen am 20.01.2014
Cover des Buches Henning Scherf9783861083696

Henning Scherf

 (0)
Erschienen am 01.10.2007

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Rezension zu "Kalte Wut" von Volker Mauersberger

Vorsatz oder Notwehr?
Herbstrosevor 4 Monaten

Im September 1949 wird im Keller eines Trümmerhauses in Wuppertal-Barmen der Torso einer männlichen Leiche entdeckt, Kopf, Arme und Beine waren abgetrennt und fehlten. Eine fieberhafte Suche nach den restlichen Leichenteilen beginnt, und bald kann die Polizei einen ersten Erfolg vermelden. Bei Inspektor Faust meldet sich eine Frau Ellen Rinsche aus Gevelsberg, die ihren Mann als vermisst meldet. Seine Nachforschungen bei Nachbarn ergeben, dass der Mann schon einige Tage nicht mehr gesehen wurde und die Ehe der beiden sehr zerrüttet gewesen sein soll. Josef Rinsche wäre ein Tyrann, seine Frau wäre oft mit Platzwunden und blauen Flecken übersät gewesen. Bei einem Besuch in der Wohnung der Rinsches findet die Polizei Blutspuren und Ellen Rinsche, die immer elegant gekleidete Frau aus gutbürgerlichem Hause und Mutter eines kleinen Jungen, gesteht die unfassbare Tat, ihren Mann erschlagen, zerstückelt und beiseite geschafft zu haben – aus Notwehr, wie sie behauptet …  


Der Autor Volker Mauersberger ist Journalist und begann seine Karriere in den 50ern bei der Lokalzeitung Gevelsberg. Danach war er zwölf Jahre als ARD-Korrespondent in Madrid und später als Studioleiter tätig, bevor er Hörfunk- und Zeitungskorrespondent in Bonn und Berlin wurde. Er ist seit 2004 pensioniert und schrieb seither zahlreiche Sachbücher. „Kalte Wut – der Fall Ellen Rinsche“ ist sein erster Kriminalroman, der 2009 erschien und 2014 als Taschenbuch neu aufgelegt wurde. 


Anhand der originalen Polizei- und Prozessakten sowie damaligen Zeitungsartikeln rekonstruiert der Autor einen der spektakulärsten Mordfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mit nüchternen Worten und klarem Blick schildert Mauersberger das tragische Schicksal einer Frau, die sich in ihrer Verzweiflung nicht mehr anders zu helfen wusste. Es ist ein Sitten- und Familienbild einer Zeit, in der die Frauen rechtlos waren, abhängig von ihren Männern, und häusliche Gewalt noch keine gesetzliche Straftat war. Nur so war es möglich, dass Josef Rinsche seiner Frau das Leben jahrelang zur Hölle machen und sie in seinen maßlosen Wutanfällen bis zur Bewusstlosigkeit verprügeln konnte. Lange ertrug sie es klaglos, schämte sich vor den Nachbarn und versuchte vor dem Kind ihre Verletzungen zu verbergen – bis sie dann eines Tages nicht mehr konnte. 


Mit diesem Buch rollt der Autor den Fall nochmals auf, analysiert, wägt ab und schildert neutral von der schicksalhaften Verbindung dieser beiden Menschen, deren Ehe anfangs recht glücklich zu sein schien. Doch der Krieg und die Nachkriegszeit hinterließen bei Josef Rinsche ihre Spuren, er wurde zum brutalen Tyrannen und gewalttätigen Sadisten. 1949 dann bricht die mühsam aufrecht erhaltene Fassade zusammen. Ellen Rinsche wehrt sich, schlägt zurück, schlägt und schlägt, bis Josef tot ist. Was dann geschieht übersteigt die Vorstellungskraft und erfordert vom Leser starke Nerven. 


Fazit: Nicht nur ein nach einem wahren Mordfall nacherzählter Krimi, sondern auch Sitten- und Familienbild der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Meine Empfehlung für Leser mit starken Nerven. 

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Rezension zu "Kalte Wut" von Volker Mauersberger

Geschichten, die das Leben schreibt ...
engineerwifevor 2 Jahren

Auf dieses kleine Buch wurde ich in einem Lesekreis aufmerksam. Eine der Teilnehmerinnen hatte einige Zeit genau in dem Haus gewohnt, in dem auch die junge Familie Rinsche wohnte. Diese doch ein wenig gruselige Tatsache machte mich neugierig und ich wurde nicht enttäuscht. Dem Journalisten und Autor Volker Mauersberger ist es tatsächlich gelungen ein recht nüchternes Buch zu schreiben und dennoch die Aufmerksamkeit des Lesers für sich zu beanspruchen. Der biografische Roman ist durchsetzt mit Originaltexten der damaligen Ermittlungen und schafft es dadurch, die Nachkriegsatmosphäre in Gevelsberg perfekt wieder zu geben. Beim Lesen ertappte ich mich immer wieder, mit der Mörderin zu sympathisieren. Nichts entschuldigt einen Mord, aber diese Frau hatte ein wirklich trauriges Leben und niemand hörte ihr zu. Niemand nahm sich Zeit für sie und ihre Problemen an. Wie verzweifelt muss sie gewesen sein um diese Gräueltat zu vollbringen. Wie viele Tage und Nächte verbrachte sie schlaflos und voller Angst? Dieses Buch beinhaltet eine „Geschichte, die das Leben schreibt“ … dieses traurige Leben wünsche ich aber keinem Zweiten. Mich hat das Buch beeindruckt. 

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Rezension zu "Kalte Wut" von Volker Mauersberger

Spannend und authentisch ...
angi_stumpfvor 2 Jahren

Wer – wie ich – gerne True Crime-Geschichten liest, ist hier genau richtig. Der Autor entführt uns in die deutsche Nachkriegszeit ins Jahr 1949 und erzählt uns unter Einstreuung vieler authentischer Zeitzeugenberichte aus den Ermittlungsakten die Lebensgeschichte von Ellen Rinsche.
Alles beginnt mit dem Fund einer Leiche, oder besser gesagt nur dem Torso eines Mannes. Die Polizei tappt zunächst im Dunkeln, doch nach einer Woche meldet Ellen Rinsche ihren Mann Josef als vermisst. Diese verspätete Anzeige erscheint den Polizisten schon sehr verdächtig und die Beweise gegen die Ehefrau stellen sich als erdrückend heraus.
Doch was steckt hinter dem ganzen Verbrechen?
Volker Mauersberger lässt uns teilhaben am Leben von Ellen, erzählt in Rückblicken, wie aus der Tochter aus gutem Hause eine verzweifelte, verarmte Hausfrau wurde. Das Buch ist eher in einem nüchternen Berichtsstil verfasst und doch kann man sich hineinversetzen, mitfühlen, Anteil nehmen. Aussagen von Nachbarn, Kollegen, Familienangehörigen, Polizeiprotokolle und Zeitungsberichte werden zitiert und zeichnen so ein dichtes Bild der Umstände.
Ellen war zwar keine Heilige und hatte auch ihre Fehler, aber ihr Martyrium wünscht man niemandem. Die Wahrheit wird nie mehr ans Licht kommen, wenn sie wirklich gelogen haben sollte.
Bis hin zum Prozess und Urteilsspruch dürfen wir ausführlich den Fall „Ellen Rinsche“ mitverfolgen. Perfekt hätte ich noch einige erwähnte Originalfotos gefunden, das hätte das Buch prima abgerundet. Aber ich würde es Krimifans auch so empfehlen: spannend, authentisch, tragisch, kontrovers.

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