Volker Reinhardt Luther, der Ketzer

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Inhaltsangabe zu „Luther, der Ketzer“ von Volker Reinhardt

Bisher unbeachtete Akten in den Vatikanischen Archiven lassen erstmals detailliert erkennen, wie Luther von Rom aus wahrgenommen wurde. Volker Reinhardt zeigt in seinem bahnbrechenden Buch, wie sich daraus ein ganz neues Bild der Reformation ergibt, deren tiefere, bis heute nachwirkende Ursachen in Hass und Unverständnis zwischen „kultivierten Italienern“ und „barbarischen Deutschen“ liegen. Luther hegte einen flammenden Hass auf „des Teufels Sau, den Bapst“. Die römischen Theologen wiederum verstanden nicht, was der grobschlächtige, unendlich eitle Mönch anderes wollte, als das Papsttum zu zerstören. Und fromme Fürsten in Deutschland hatten ihre eigenen Gründe, den wortgewaltigen Hassprediger zu unterstützen. So war der Weg zur Kirchenspaltung früh vorgezeichnet – ganz unabhängig von den theologischen Disputen, die schon damals kaum jemand verstand. Volker Reinhardt zeigt anhand bisher vernachlässigter römischer Quellen über Luther, dass die wahren Gründe für die Glaubensspaltung jenseits der Glaubensfragen liegen. Er rekonstruiert erstmals die großen, von Protestanten mythisch verklärten Begegnungen zwischen Luther und dem Papsttum aus römischer Sicht, zeigt, warum die Päpste das Geschrei im fernen Deutschland oft nicht ernst nahmen, und zeichnet ein erstaunlich neues Bild von dem Kampf der Mentalitäten und Interessen, der die Welt verändert hat.

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    Luther, der Ketzer

    michael_lehmann-pape

    27. May 2016 um 15:27

    Fundiert vorgelegt Es ist „die“ Spezialität Volker Reinhardts, sich in bewegende, historisch bedeutsame Personen quasi „hineinzuversetzen“ und dem Leser das Leben dieser Personen zunächst breit und, an den entscheidenden Schnittstellen ihrer historischen Wirksamkeit, dann auch in großer Tiefe auszuloten.Was ihm auch im Blick auf Luther (im Vorgriff auf das Jahr des Reformationsjubiläums hervorragend gelungen ist.„Die Kontrahenten haben sich nie gesehen“. Zumindest nicht 1511 bei Luthers Romreise. Und der Grund für die Abwesenheit des Papstes (Kriegsgeschäft) ist ein Puzzlestein in der wachsenden Überzeugung Luthers, dass „seine“ Kirche dringend Haltungen verändern müssen. Denn Ostern im blutigen Kampf zu verbringen ist in Luthers Augen für einen Papst ein Frevel. Eine „Abwesenheit“, die Luther lange noch mit Ärger, Hass erfüllte,Womit die spezielle Handschrift Reinhardts umgehend sichtbar wird. In das Innere seiner Figuren steigt er hinein, lotet den Menschen Luther aus, versucht, dem Leser (mit Erfolg) das Denken und Fühlen, die Motive und die jeweils entscheidenden Stationen und Wendepunkte Luthers somit auch aus der „Innensicht“ her verständlich zu machen. Inklusive des immer wieder emotional beeinflussenden Temperaments des ehemaligen Mönches, der ebenso von inneren Leidenschaft angetrieben ist wie von massiver theologischer Überzeugung.Auch wenn sich Luther eigentlich Vornahm Person und Sache zu trennen, Papst Papst sein zu lassen und sich auf die Lehre zu begrenzen, welche (jeder) Papst damals vertrat, das Persönliche schimmerte immer wieder durch. So entsteht der Eindruck, dass Luther nicht nur ein „Geistlich“ Getriebeneer war, der intensiv seine Theologie gegen jene der römischen Kirche entfaltete, sondern ebenso ein Wut-Getriebener, der die Dinge persönlich nahm und persönlich festmachte.Und so entfaltete sich das Geschehen der Reformation, zunächst gedacht als innere Reform der katholischen Kirche, in den Personen wie auf festgefahrenen Schienen mit klaren Rollenzuweisungen und ohne eine Chance auf Dialog und wechselseitiger Empathie.„Da keine Seite von ihren Überzeugungen abrückte, die Gegenseite sei die Seite des Teufels, lief der Schlagabtausch……wie ein Film ab, bei dem die Rollen unverändert festgelegt waren.Mehr noch, nicht einmal über die Grundlagen, auf denen eine Debatte geführt hätte können, konnte man sich verständigen.Entgegen der landläufigen Interpretation nun, dass eben Rom den „kleinen Mönch“ mit allen Kräften vernichtet sehen wollte und Luther sich „ nur wehrte“, entfaltet Reinhardt allerdings (auf der Grundlage der katholischen Akten zur Reformation) doch ein anderes, differenzierteres Bild.Beide Seiten taten mit aller Kraft das ihre hinzu, eine Annäherung, ein „ins Gespräch treten“ zu vermeiden und so im Verhalten wechselseitiger Absto0ungen zu verbleiben.Und damit weitet Reinhardt den Blick in ganz hervorragender Weise. Indem er die Vorgeschichte detailliert aufarbeitet (das „Gegeneinander“ bestand in derselben festgefahrenen Form bereits in den Zeiten vor Luthers öffentlichem Auftritt zwischen dem deutschen Reich und Rom), wie er ebenso die römische Sicht der Dinge detailliert vorlegt und verständlich gestaltet.So ergibt sich auch (nicht nur, natürlich) eine Einordnung des theologischen Streits zwischen Luther und Rom in die größere, gesellschaftliche und politische Bewegung des Dranges nach Nationalstaatlichkeit, der das seine hinzutat, die harten Fronten nicht aufweichen zu lassen. Auch wenn sowohl Luther wie auch Leo X von ihren Persönlichkeiten her durchaus in der Lage gewesen wären, Streitgespräche auch anders, offener zu führen.Insgesamt ein sehr ausgewogenes Buch, dass mit einem Schwerpunkt die römisch-katholische Sicht zu Zeiten der Reformation vor die Augen des Lesers führt und im Gesamten zur Relativierung und Differenzierung des reformatorischen Geschehens gegenüber der vielfachen protestantischen Literatur über Luther und sein Werk einen gewichtigen Beitrag leistet. Und Luther weder als „der Barbar“ stehen lässt (aus katholischer Sicht), noch als den „Helden des Glaubens“ aus protestantischer Sicht.Sehr flüssig im Stil, sehr differenziert in der chronologischen Herangehensweise, zudem eine durchaus breite Biographie Luthers und zu guter Letzt sehr informativ zu lesen.

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