Wer sich für die Entwicklungs- und Hintergrundgeschichte der neuen und alten rechten Kräfte in Deutschland und der Welt interessiert, die ideologischen Wurzeln und Auswüchse des Nationalkonservatismus kennenlernen will, und die Akteure, Medien und Plattformen, durch die sie verbreitet werden, der sollte zu diesem Buch greifen.
Es enthält eine starke Darstellung und liefert viel Erhellendes zu den derzeitigen Entwicklungen innerhalb der politischen und gesellschaftlichen Landschaft der deutschen und auch der anderen europäischen Nationen. Volker Weiß ist eine nicht überspannte, analytisch und informationstechnisch brillante Studie über eine als Randerscheinung abgestempelte Weltanschauung geglückt, die immer deutlicher ihren fatalen Siegeszug in die Mitte der Gesellschaft antritt.
Vom engsten Kreis bis zur breitesten Wirkung, von der kleinsten Ästhetik bis zur größten Propaganda - in diesem Porträt wird auf keine Aspekt verzichtet. Ein sehr wichtiges Buch, das man lesen sollte!
Volker Weiß
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Neue Bücher
Politik & Gesellschaft / Katechon
Alle Bücher von Volker Weiß
Die autoritäre Revolte
Das Deutsche Demokratische Reich
Deutschlands Neue Rechte
Katechon
Das Deutsche Demokratische Reich: Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört
Politik & Gesellschaft / Katechon
Neue Rezensionen zu Volker Weiß
Rezension zu "Das Deutsche Demokratische Reich: Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört" von Volker Weiß
felicitas_pagesDieses Buch war für mich wirklich ein kleines Projekt, nicht weil es schlecht war, sondern weil es so unglaublich dicht und informationsgeladen ist. Ich musste beim Hören durchgehend voll konzentriert sein, was ehrlich gesagt nicht immer einfach war, aber es hat sich gelohnt.
Ich habe so viel Neues gelernt, gerade über rechte Ideologien, Geschichtsbilder und die Ziele der AfD.
Besonders interessant fand ich, wie die extreme Rechte versucht, Geschichte umzudeuten und politische Narrative zu beeinflussen. Auch die Verbindungen zu rechten Bewegungen in den USA und Russland wurden aufgezeigt, was mir nochmal eine ganz neue Perspektive gegeben hat. Viele Begriffe und Namen waren mir vorher noch kein Begriff, umso mehr schätze ich es, dass vieles im Buch nochmal erklärt und eingeordnet wurde.
Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass einige Teile des Buches in etwas einfacherer Sprache verfasst wären, gerade wenn es um die vielen Fachbegriffe geht. Da ich im Geschichts-LK bin, konnte ich die meisten Begriffe verstehen, aber für Menschen ohne viel Vorwissen könnte es stellenweise schon etwas schwierig sein, den komplexen Inhalt zu verfolgen.
Eine Version in vereinfachter Sprache wäre hier definitiv hilfreich, um mehr Menschen den Zugang zu solchen wichtigen Themen zu erleichtern.
Besonders das Nachwort hat mir geholfen, nochmal alles einzuordnen. Heiko Grauel als Sprecher fand ich super angenehm - er hat den Inhalt ruhig, aber eindringlich vermittelt. Ich hab das Buch in kleinen Etappen gehört, weil ich wirklich nichts verpassen wollte. Es hat mir definitiv geholfen, aktuelle politische Entwicklungen besser zu verstehen, und ehrlich: Wir sollten ALLE mehr über diese Themen wissen.
Rezension zu "Das Deutsche Demokratische Reich: Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört" von Volker Weiß
SternchenBlauIhr habt euch schon mal gefragt, warum rechte Akteur*innen, dass DDR-Lied „Kleine weiße Friedenstaube“ genauso in ihren Kanon aufnehmen, wie NS-Entschuldungsstrategien und Russland-Verherrlichungen? Volker Weiß taucht tief ein in rechte Geschichtsnarrative und Begriffe analysiert scharfsinnig, ja seziert gar, welche Verrenkungen begangen werden, damit sie Anschluss an andere Denktraditionen nehmen.
Weiß benutzt bei der Analyse einer russischen Regierungssprecherin den Begriff „Crossover“, der generell sehr gut passt. Er analysiert hier noch länger, aber ich zeige das mal beispielhaft, weil seine Methode durchaus hilft, auch selbst solche Narrative besser zu hinterfragen, die argumentativ in jeweils ganz andere Richtungen gehen.
„Das wilde Crossover, in dem sich mit diesen Statements reaktionäre und scheinbar fortschrittliche Elemente vermischen, ist erstaunlich. Das Motiv des dekadenten Westens (…) ist von einem deutlichen Kulturpessimismus im Stil der 20er Jahre getragen. Die vorgebliche Parteinahme für ausgebeutete Migrantinnen und Migranten und der Bezug zur NS-Zwangsarbeit schlagen hingegen einen Menschenrechts- und Gewerkschaftston an.“
Die Strategie der freien Interpretation ist nicht neu: Schon die NSDAP deutete den Begriff des „Sozialismus“ um, weil man als Massenbewegung die Arbeiter*innenschaft nicht ausschließen konnte. Weiß zeichnet die Geschichte der Umdeutung nach und begibt sich dafür auch auf Spurensuche, wo ein Zitat, das in der Geschichtsklittung Goebbels zugeschrieben wird, tatsächlich herkommt.
Ich fand es durchaus packend und spannend – wenn auch gruselig – zu lesen, welche Taschenspielertricks und Verrenkungen angewendet werden, um heutiges rechtes Gedankengut angesichts der Geschichte in einem positiven Licht erscheinen zu lassen. Dabei kam in der Szene durchaus nach dem eskalierten Krieg gegen die Ukraine im Februar 2022 durchaus auch Verwirrung auf: Zu Putin halten, der sich als Kämpfer gegen „woken“ Mainstream und transatlantische NATO aufspielt? Oder für nationalistische Bewegungen? Weitgehend setzte sich ein pro-russischer Kurs durch, aber dennoch bleibt an vielen Stellen eine so große Flexibilität, dass man eben gleichzeitig an den NS und an die DDR-Nostalgie anschlussfähig bleibt. Dafür werden Begriffe umgedeutet und dafür Strategien genutzt, die ursprünglich von Linken für emanzipatorische Zwecke genutzt werden.
Auch, wenn ich mich mit rechten Strategien immer mal wieder beschäftigt habe, fand ich dieses Buch sehr hilfreich, weil Weiß hier stark in die Denk- und Propagandastrukturen einführt. Leider ist diese Beschäftigung mehr als notwendig und oftmals scheitern auch etablierte Medien daran, diese Narrative nicht einfach zu übernehmen, bei Putin ebenso wie bei AfD-Politiker*innen. Dabei steht einiges auf dem Spiel, wie Weiß am Ende seines Buches noch einmal betont:
„Mittlerweile steht in der Gegenwart viel auf dem Spiel, weshalb dieser »Krieg« um die Vergangenheit mit großer Intensität geführt wird. Dieses Buch soll dazu beitragen, seine Mechanismen zu durchschauen und eine seiner wirkungsvollsten Waffen zu entschärfen.“
Bei aller Begeisterung für das Buch, die Lektüre erfordert doch einiges an Konzentration. Das liegt nicht nur daran, dass Akteur*innen der rechten Szene aus mehr als 150 Jahren vorkommen. Die komplexe Inhalte präsentiert Weiß in sehr langen Sätzen und mit einigem an Fremd- und Fachwörtern, die nicht immer nötig gewesen wären (finde ich zumindest). Von einer „Messalliance“ habe ich hier vorher vielleicht nur ein einziges Mal in meinem Leben gelesen. Ich hoffe wirklich, dass sich Menschen ohne akademischen Hintergrund hier nicht abschrecken lassen, weil dieses Buch ist wirklich wichtig. Hier war ich wirklich froh, dass ich sowohl Buch wie Hörbuch zur Verfügung hatte, weil ich mich manchmal besser auf das Hörbuch und manchmal besser auf den Text konzentrieren konnte.
Heiko Grauels Stimme kennt ihr vermutlich auch, u.a. aus ZDF-Dokus. Grauel liest das Hörbuch auf seine nüchterne und doch eindringliche Art, das fand ich besonders hilfreich, wenn mir die rechten Tatsachenverdrehungen Knoten ins Gehirn machten. Das Buch löst diese Knoten dann aber wieder schnell auf.
Dieses Buch empfehle ich wirklich sehr. Da es aber sprachlich keine einfache Lektüre ist, gibt es statt den vollen 5 hier 4 Sterne.
PS: Zur weiteren Lektüre empfehle ich „Pop-Up-Propaganda – Epikrise der russischen Selbstvergiftung“ von Irina Rastorgueva, das dieses Buch wirklich gut ergänzt. Viele Strategien sind identisch bzw. ähnlich. In einer Diktatur wie in Russland kann vieles noch auf die Spitze getrieben werden.
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