In der Literatur kommt es manchmal vor, dass der Autor seinen Erzähler bzw. seine Erzählstimme in den Knast versetzt. Günter Grass’ Blechtrommel oder Max Frischs #Stiller gehören in diese Kategorie, aber auch Jean-Paul Dubois mit Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise. Manchmal sitzt der Autor selbst im Gefängnis und schreibt von diesem Ort aus seine Werke. Peter-Paul Zahl wäre ein Beispiel, der sich unter anderem mit dem Hitler-Attentäter Johann Georg Elser befasst hat.
Noch etwas anders geartet liegt der Fall bei Maxim Znak. Zwar verbrachte auch Zahl seine Zeit keineswegs freiwillig hinter Gittern, doch konnte und durfte er schreiben und publizieren. Dem Belarussen Znak ist das verwehrt, hier ist das Schreiben aus dem Knast kein literarisches Mittel oder gar Attitüde, sondern bitterer Ernst. Er ist politischer Gefangener in einem diktatorischen System und sein #Zekamerone ist nur realisiert worden, weil die Texte auf Zettelchen aus #Gefängnis und Land geschmuggelt wurden.
Maxim Znak ist im Zivilberuf Anwalt und bekannt durch seine Verteidigung von Maria Kalesnikava. Er wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Zekamerone schildert eine ganze Reihe von Impressionen aus der Haft, die dem Leser einen Eindruck davon verschaffen, wie es in der Gefängniswelt von Belarus zugeht. Die kurzen Texte widmen sich alltäglichen Themen, sie zeigen, wie das Regime mit seinen Gegner umgeht, wie es sie drangsaliert, erniedrigt, mit bürokratischer Willkür erstickt und im Albtraum überfüllter Zellen in Unsicherheit vegetieren lässt.
Manchmal wird Znak heiter und bringt den Leser auch zum Lachen. Ein Raureif-Lachen ist es, denn aus den erbärmlichen Umständen der Gefangenschaft kann man sich nicht lösen. Soll man sich nicht. Kaufen und lesen sollte man dieses Büchlein aber, um wenigstens lesend hinter die Kulissen des belarussischen Regimes unter Diktator Lukaschenka zu schauen, wo jene sitzen, die wir im Westen nicht vergessen sollten, die mutigen Bürgerrechtler von Belarus.
Volker Weichsel
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Volker Weichsel
Das Buch ist nicht umfangreich im Sinne der Seitenanzahl, aber sehr wohl vom informativen Gehalt her und selbst das klingt irgendwie falsch. Die Nüchternheit in der Schilderung ist hier eher das Grausame, aber ich denke, dass man dem Thema und das, was den Menschen passiert ist nicht anders begegnen kann, weil es eben über Jahre die eigene Realität war.
Er nennt es "Universum", weil er ganz klare Strukturen aufzeigt und erklärt, warum und wie das alles funktioniert hat.
Wichtig ist, dass der Autor auch betont, dass so etwas auch woanders wieder möglich wäre.
Ich konnte das Buch nicht am Stück lesen, brauchte immer wieder Themenwechsel, weil es sich nicht so nüchtern lesen lässt, wie der Schreibstil es wiedergibt.
Dennoch möchte ich es empfehlen, weil man wenigstens versuchen muss zu begreifen. Das ist man den Menschen schuldig, denke ich.
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