Jede Geschichte hat ihren Anfang, und so auch die legendäre Erzählung um Captain James T. Kirk. In diesem Buch begleiten die Leser den jungen Captain an seinem ersten Tag im Amt. Die Autorin legt von Beginn an Wert darauf, nicht nur Kirk in den Fokus zu rücken, sondern auch einige der bedeutendsten Mitglieder seiner Crew. Spock, McCoy, Uhura, Sulu, Scotty und sogar ein wenig Chekov erleben diese erste Mission auf ihre ganz eigene Weise. Während Spock bereits unter Captain Pike auf der Enterprise
gedient hat, betreten die meisten anderen Crewmitglieder das berühmte Schiff zum ersten Mal. Der erste Auftrag klingt unspektakulär: Das Flaggschiff der Sternenflotte soll die "Warpschnelle Varietégesellschaft" zu einer abgelegenen Sternenbasis transportieren. Doch so trivial und langweilig die Mission zunächst wirkt, birgt sie einige unerwartete Wendungen, die für Turbulenzen sorgen.
Der Einstieg wird von der Autorin recht ausführlich gestaltet, doch leider mangelt es dabei an der Fokussierung auf wesentliche Details. Kirk beginnt seinen großen Tag überraschenderweise mit einem lockeren Treffen mit einem Freund – ein irritierender Auftakt, wenn man bedenkt, welche Bedeutung dieser Tag für ihn hat. Spock wiederum äußert still seine Zweifel an Kirks Eignung als Captain, Sulu scheint deplatziert, und McCoy ist schlichtweg abwesend. Die anfängliche Darstellung der Crew vermittelt eher den Eindruck eines chaotischen Haufens als einer disziplinierten Einheit, was nicht ganz zum Anspruch der Sternenflotte passt. Für Stirnrunzeln sorgt zudem die Einführung der Varietégesellschaft. Diese bunte Truppe aus Artisten – einschließlich eines fliegenden Pferdes (ja, tatsächlich!) – erscheint wie aus einem Märchenbuch entsprungen. Zwar hat die Enterprise schon viele bizarre Abenteuer erlebt, doch dieser Aspekt fühlt sich überzogen und deplatziert an.
Wie zu erwarten, begegnen einige Crewmitglieder Kirk mit Zurückhaltung. Sein junges Alter und die fehlende Erfahrung lassen Zweifel an seiner Autorität aufkommen, was ihm durchaus bewusst ist. Es wird gezeigt, wie er vorsichtig versucht, Vertrauen aufzubauen, insbesondere bei Spock und Scotty, was sich jedoch als schwierig erweist. Diese Dynamik hätte Potenzial, wird aber nur oberflächlich ausgearbeitet. Die Artisten, die als zentrale Figuren eingeführt werden, wirken hingegen überflüssig. Sie tragen kaum zur Handlung bei und scheinen lediglich dazu zu dienen, den Erzählfluss zu strecken. Glücklicherweise wird die Mission durch eine Bedrohung spannender: Eine Klingonin hat einen Prototyp eines neuartigen Kampfschiffes in die Hände bekommen, was die Crew der Enterprise
in ein unvermeidliches Aufeinandertreffen mit den Klingonen führt.
Die Geschichte gewinnt an Fahrt, als die Enterprise
unvermittelt aus dem Warpflug gerissen wird und auf eine mysteriöse Konstruktion trifft. Die dort lebenden Außerirdischen bringen endlich das klassische Star Trek-Gefühl zurück. Ihre faszinierende Kultur, die ungewöhnliche Kommunikationsweise und ihre Lebensweise bereichern die Handlung – doch leider wird dieser Teil der Geschichte viel zu spät eingeführt und bleibt in seiner Ausarbeitung zu kurz. Ein Highlight des Buches ist die Charakterentwicklung von Sulu. Dieser oft im Hintergrund stehende Charakter erhält spannende Hintergrundinformationen, die seine Persönlichkeit und Hobbys näher beleuchten. Spock bleibt hingegen gewohnt distanziert und analytisch, während Kirk in seiner Rolle als Captain noch unsicher und unstrukturiert wirkt. Er hat Mühe, Prioritäten zu setzen, und verliert sich in Nebensächlichkeiten, was ihn weit von der souveränen Figur entfernt, die er später werden soll.
Fazit:
Manege frei für die Crew der Enterprise! Die erste Mission von Captain James T. Kirk hätte vielversprechend sein können, enttäuscht aber in mehreren Aspekten. Die Idee, eine Varietégesellschaft zu transportieren, wirkt nicht nur banal, sondern auch unpassend für das Prestige des Flaggschiffs der Sternenflotte. Statt diplomatischer Würdenträger oder politisch relevanter Missionen begleiten wir eine Zirkustruppe mit fliegenden Pferden – ein Ansatz, der wohl mehr Fragen als Begeisterung aufwirft. Die Handlung wirkt stellenweise wie ein zusammengewürfeltes Patchwork aus Ideen, die nicht harmonisch ineinandergreifen. Während die Begegnung mit den Außerirdischen und der Konflikt mit der Klingonin Spannung und Tiefe bringen, hätte die Geschichte ohne den Zirkusballast deutlich stringenter und fesselnder sein können. Weniger wäre hier mehr gewesen. Was die Charaktere angeht, ragen McCoy, Sulu und Spock positiv hervor, während Kirk, der eigentlich die zentrale Figur sein sollte, blass bleibt. Seine Unsicherheiten sind zwar nachvollziehbar, aber sie nehmen ihm den Glanz, den man von einem Captain erwartet. Dennoch: Auch wenn dieser erste Ausflug der Crew einige Schwächen hat, gibt es Lichtblicke, die zeigen, warum
Star Trek
ein so langlebiges und beliebtes Franchise ist.
Matthias Göbel
Autorin: Vonda N. McIntyre
Übersetzung: Andreas Brandhorst
eBook: 477 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Veröffentlichung: 25.02.2014
ISBN: 9783641115210
Vonda N. McIntyre
Alle Bücher von Vonda N. McIntyre
Das Lied von Mond und Sonne
Star Trek IV. Zurück in die Gegenwart
Auf der Suche nach Mr. Spock. Star Trek III 05.
Star Trek - Die Anfänge
Star Wars™: Der Kristallstern
Star Trek IV. Zurück in die Gegenwart
Star Trek - Die Anfänge: Die erste Mission
Neue Rezensionen zu Vonda N. McIntyre
Es sind einige Jahre seit den Ereignissen um "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" passiert. Han Solo und Prinzessin Leia sind mittlerweile Eltern von drei Kindern. Den Zwillingen Jacen & Jaina und dem Jüngsten namens Anakin. Während Luke und Han sich auf einer Geheimmission befinden, um weitere verschollene Jedi zu finden, passiert Zuhause etwas, dass man eigentlich für unmöglich halten sollte - alle drei Kinder werden entführt. Leela wird zum Tatort gerufen, findet jedoch wenig Anhaltspunkte und sie macht sich mächtig Sorgen um ihre Kinder. Als Leser erfahren wir natürlich wo sie sind und wie es ihnen geht. Dabei werden auch ihre Jedi-Fähigkeiten vorgestellt.
Jacen kann z.B. sehr gut mit Tieren. Sie hören auf ihn und er findet immer wieder neue Freunde unter ihnen. Jaina wiederum kann Moleküle in der Luft bewegen und hat in Sachen Technik ein unausgesprochen großes Talent. Anakin ist zwar noch klein, aber schon mächtig genug, um die Macht einzusetzen, auch wenn er noch nicht genau weiß wie. Doch genau dieser Part der entführten Kinder wirkt irgendwie unpassend in der Gesamtgeschichte. Der Bösewicht Lord Hethrir verfolgt mit ihnen zwar einen perfiden Plan, dennoch wirkt er sehr unorganisiert, auch wenn er ausgestattet ist mit einem Weltenschiff und dabei ist, das neue Imperium auszurufen.
Hethrir hat mittlerweile genug Anhänger und auch seine Macht scheint innerhalb seiner imperiumtreuen Mithelfen stetig zu steigen. Dennoch ist er von sehr unfähigen Personal umgeben. Sie schaffen es nicht, auf eine Handvoll Kinder aufzupassen. Die Mission von Luke und Han klingt hingehen sehr spannend. Sie treffen auf ein sehr eigenartiges Wesen, welches heilende Kräfte besitzt - haben sie eventuell endlich einen der Jedi gefunden? Der Buchname bezieht sich übrigens auf einen sterbenden Stern in der Nähe eines Schwarzen Lochs, wo sich auch die Station befindet und die Suche nach den Jedi beginnt. Leia bleibt natürlich auch nicht still sitzen, im Gegenteil, sie ist den Entführern dicht auf den Fersen.
Sie lernt dabei, wie der Leser, einiges mehr über die Machenschaften des Imperiums und findet unverhofft neue Freunde. Die Autorin versucht viel Abwechslungsreicher in die Story zu bringen, was ihr auch gelingt. Die Absätze sind kurz, die Gespräche zwischen den Kameraden klingen wie aus den Originalfilmen und wenn die Kinderstory nicht wäre, gäbe es genug Spannung, dass auch der erwachsene Leser seine volle Freude hätte. Selbst C3PO und R2D2 machen ihren Job sehr gut und Chewbacca hat wohl seine Berufung als Kindergärtner gefunden. Dass alles ein klassisches gutes Ende nimmt, muss ich sicherlich nicht verraten und versteht sich von selbst.
Fazit:
Der Wert der Macht! Die Kinder der Skywalkers tragen logischerweise die Macht in sich. Dass einige sie benutzen wollen, um selbst mächtiger zu werden, klingt auch glaubhaft, wenn auch schrecklich. Die Suche nach den verschollenen Jedi, ist für Luke nicht nur eine Herzensangelegenheit. Er hat nie seine Ausbildung richtig abschließen können, bevor alle Jedi weg waren und so erhofft er sich neue Lektionen, die ihn weiterbringen. Somit kommt alles zusammen und ein dunkler Lord des alten Imperiums stellt sich ihnen jetzt in den Weg. Vonda McIntyre hätte meiner Meinung nach den Part der Kinder viel kürzer halten sollen und Lord Hethrir macht die gleichen Fehler, wie alle seine Vorgänger auch. Trotz guter und einiger neuer Ideen ist das Ende vorhersehbar und der Verlauf dahin zum Teil auch. Eine nette Nebenstory, zwar nicht mehr im Kanon, aber dennoch ausreichend mit Star Wars gefüllt.
Matthias Göbel
Autorin: Vonda McIntyre
Übersetzung: Hans Sommer
Verlag: Heyne Verlag
Taschenbuch: 366 Seiten
Veröffentlichung: 1999
EAN: 9783453108011
Für die Erzählung Of Mist, and Grass and Sand erhielt Vonda N. McIntyre 1973 den Nebula Award. Diese Erzählung erweiterte sie 1978 zum Roman Dreamsnake (Traumschlange), für den sie den Hugo, den Locus und neuerlich den Nebula Award erhielt. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Dieser Erfolg ist nach heutigen Maßstäben nicht mehr wirklich nachvollziehbar: Sprachlich zum größten Teil gut erzählt und unterhaltsam zu lesen, wirkt die Handlung dennoch – über die eigentliche Grundidee hinaus – etwas einfallslos und mit sich wiederholenden Szenarien in die Länge gezogen.
Dunst (Mist), Gras und Sand sind die Namen von Schlangen unterschiedlicher Arten, mit dem eine „Heilerin“ durch eine postapokalyptische Welt nach einem Atomkrieg zieht und mithilfe von modifiziertem Schlangengift medizinische Hilfe leistet. Die Schlangenart von Gras ist außerirdischer Herkunft. Da Gras durch Verschulden der Heilerin umkommt, und da sich diese Art auf der Erde nur sehr selten vermehrt, handelt der letzte Teil des Buchs von der Suche nach solchen Schlangen und vom Geheimnis ihrer Nachzucht. Abgesehen von fundierten Spekulationen zu medizinischen und biologischen Themen (die Autorin war Biologin) ist es eher eine Fantasy- als eine schlüssige Science-Fiction-Geschichte. Der zu seiner Entstehungszeit populäre Roman wird inzwischen kaum mehr beachtet und in der deutschen Übersetzung aktuell auch nicht mehr aufgelegt.
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