Wäis Kiani

 3.9 Sterne bei 54 Bewertungen
Autor von Hinter dem Mond, Nichts anzuziehen! - und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Wäis Kiani

Hinter dem Mond

Hinter dem Mond

 (38)
Erschienen am 16.08.2012
Stirb, Susi!

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 (8)
Erschienen am 16.01.2006
Nichts anzuziehen! -

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 (8)
Erschienen am 19.06.2006
Die Susi-Krise

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 (0)
Erschienen am 14.09.2015
Hinter dem Mond

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 (0)
Erschienen am 13.08.2012

Neue Rezensionen zu Wäis Kiani

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Tini2006s avatar

Rezension zu "Hinter dem Mond" von Wäis Kiani

Gut geschrieben, interessante Thematik - aber die Hauptperson war für mich kaum auszuhalten....
Tini2006vor einem Jahr


Als Lilly 9 wird, beschließen ihre persischen Eltern, wieder zurück in den Iran zu gehen. Für Lilly, die sich in dem ostfriesischen Dorf, das bisher ihre Heimat war, äußerst wohl fühlte, ein Schock. Persien und die bis dato unbekannte Verwandtschaft liegen ihr so gar nicht, und somit verweigert Lilly bis zuletzt die Integration. In diesem Buch beschreibt sie das Leben in Persien und die Umstände aus ihrer (externen) Sicht.


Ich war auf dieses Buch sehr gespannt. Ich habe mehrere persischstämmige Freunde und Bekannte, daher interessiert mich das Land, die Zeit vor und nach dem Schah, die Kultur, das Essen.... Flüssig und sprachlich gewandt führt uns die Autorin im Stile der Ich-Erzählerin durch knappe sieben Jahre im Leben der Lilly, die eigentlich "Leily" heisst. Auch, wenn mir das Buch insgesamt nicht so wahnsinnig gut gefallen hat (dazu komme ich noch!), möchte ich betonen, dass die Autorin eine absolute Könnerin ist und das Schreiben und Geschichten erzählen beherrscht.


Was mir nicht gefallen hat, war diese unerträgliche Hauptperson Lilly, die das Geschehen aus der Sicht der Ich-Erzählerin erzählt. Schon als Kind in Norddeutschland ist Lilly aggressiv, gewaltbereit, frech...aus meiner Sicht genau das Kind, von dem man seine eigenen fernhalten möchte. Die Eltern von Lilly kümmern sich quasi um nichts. Das behalten sie bis zur letzten Seite bis auf wenige Aussetzer, die mehr mit wütender Hilflosigkeit als mit Erziehung zu tun haben, bei. Im Gegenteil: Lilly wird extrem verwöhnt (es wird für sie extra gekocht, jeder Wunsch wird ihr erfüllt) , ihre fragwürdigen Aktionen teilweise noch gutheißen. Lilly hält sich selbst für die allerbeste und tollste, als sie nach Teheran kommt, und alle, die das nur annähernd in Frage stellen bzw. nicht für sie interessieren, für "scheiße". Dieses Wort fällt im Buch des Öfteren, genauso wie "Arschloch" und ähnliches. In Teheran wird Lilly auf eine deutsche Schule geschickt; was anderes bleibt auch kaum übrig, denn Lilly kann nicht mal persisch. Die Eltern haben sich - wie schon gesagt - um nichts gekümmert. Auch auf der deutschen Schule ist erstmal alles "scheiße". Lillys Leistungen sind miserabel, sie macht nie Hausaufgaben, lernt nichts, die Eltern kümmern sich nicht darum, halten aber fest an der Idee, dass ihre Tochter irgendwann Abitur macht und studiert. Lilly schimpft auf das Schulsystem und sieht kein Eigenverschulden bei sich, sondern spottet über alle, die fleißig lernen. Dass sie  in ihrem verherrlichten Deutschland schon lange vom Gymnasium geschmissen worden wäre, damit setzt sie sich nicht auseinander. Nur gegen Ende des Buches streift sie mal der kurze Geistesblitz, dass sie nie Medizin studieren können wird, weil sie das (geistig) eben nicht schafft.


Lillys mangelnde Reflexion, gepaart mit Ignoranz und Dummheit, haben dieses Buch für mich zu einer harten Kost gemacht. Ich kann aufgrund von eigenen Erfahrungen durchaus verstehen, wie es ist,  mit 9 Jahren in einen anderen Kulturkreis geschmissen zu werden und wie furchtbar es sich anfühlt, in einer neuen Schule (anderssprachige, anders sozialisierte) Freunde finden zu müssen. Was ich nicht nachvollziehen kann, war Lillys Totalverweigerung in jeder Hinsicht. Sie kapiert bis zuletzt nicht, dass sie nicht für ihre Elter, nicht für ihre Lehrer, nicht für diese verhasste Schule lernt, sondern nur für sich und ihre Zukunft. Aber vielleicht liegt da der Hund begraben, denn Lilly ist eine absolut geistige Flachzange und beschäftigt sich von jeher lieber mit ihrem flachen, dunklen Bauch, ihren tollen Haaren, ihren Klamotten und später auch den Burschen, als sich über irgendetwas tiefere Gedanken zu machen. Sie zerstört absichtlich Besitztümer anderer (z.B. die Brille eines Mitschülers), verletzt andere auch körperlich, macht aus ihrem Hass für ihre Eltern keinen Hehl.


Die Eltern. Ein Kapitel für sich. Als ich die ersten Seiten las, dachte ich: es muss ja einen Grund haben, dass dieses arme Kind so ist, dass es sich so schlimm entwickelt. Ich wartete daher immer darauf, mehr über dieses persische Paar zu erfahren: er Arzt, sie eine bezaubernd schöne Hausfrau, die mit 19 schwanger wurde. Sie sprechen gut Deutsch und Englisch, führen ein ziemliches weltoffenes Leben, essen Schweinefleisch und trinken Alkohol und haben mit Religion nichts am Hut. Mit ihrer Tochter allerdings auch nicht. Der Vater sieht sich nur dann in der Pflicht, wenn es auf hart auf hart kommt - Lilly also etwas anstellt, was ihm sauer aufstößt, oder wenn er gerade schlechte Laune hat. Die Mutter ist unreif, uninteressiert, eine verzogene Göre, die sich mit nichts auseinandersetzen will außer mit sich selbst. Ich hätte gerne mehr über diese Eltern erfahren, doch ihre Charaktere blieben leider fragmentarisch - was eben halt leider auch daran liegt, dass das Buch aus der Ich-Perspektive von Lilly erzählt wird und diese sich absolut nicht für ihre Eltern interessiert.


Interessant fand ich die Einblicke in das Leben der persischen Oberschicht zu Zeiten des Schahs. Ich kann die Erzählungen meiner Bekannten jedenfalls nun besser einordnen. Gestört hat mich jedoch diese ewige Schwarzweißmalerei: Deutsche sind toll, Perser sind sch....e!
"Überaus gelungen, weil man nicht umhinkann, Lillys schonungslosem Blick zu folgen", lautet die Buchrezension der deutschen Frauenzeitschrift FREUNDIN. Ich habe mich beim Lesen dieses unreflektierten Elaborats an Vorurteilen und Hasstiraden gegen die persische Kultur immer wieder gefragt, was die FREUNDIN wohl geschrieben hätte, wenn die Autorin nicht persische Wurzeln hätte, sondern, wenn es sich um eine stinknormale Deutsche handelt. Vermutlich wäre das Buch dann gar nicht verlegt worden, so politisch inkorrekt, wie es ist...oder besser gesagt; hasserfüllt.
Ich nehme mal an, die Autorin hat sich damit ihr eigenes Kindheitstrauma von der Seele geschrieben; ihre Kurzbiographie legt das zumindest nahe.  Ich kann ihr und ihrem Umfeld jedoch nur wünschen, dass sie ansonsten nichts mit Lilly gemeinsam hat!

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Kristine_liests avatar

Rezension zu "Hinter dem Mond" von Wäis Kiani

Das Buch verspricht mehr, als es halten kann
Kristine_liestvor 4 Jahren

Der flüssige und leicht zu lesende Schreibstil macht einfach Spaß beim Lesen. Ich hätte mir etwas mehr Tiefe gewünscht, etwas mehr Einblicke und Informationen aus der damaligen Zeit. Leider blieb das Buch doch sehr an der Oberfläche, es wird halt das Leben eines Teenagers aus der Sicht des Teenagers erzählt.
Wenn ich nun also die Messlatte für einen historisch fundierten, ernsten Roman anlege, dann wurde ich sehr enttäuscht.
Wenn ich mich aber darauf einlasse, dass das Buch "einfach nur" unterhalten will vor dem Hintergrund der Zeit des Umbruchs im Iran, wenn ich mich auf die verzogene Göre einlasse und ihre teenagertypische Engstirnigkeit, dann bekomme ich genau das: Unterhaltung.


Gute 3,5 Sterne vergebe ich.

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MsBookerias avatar

Rezension zu "Hinter dem Mond" von Wäis Kiani

4,5 Sterne für einen Auflug in den Iran
MsBookeriavor 4 Jahren

Leily ist neun als ihre Eltern entscheiden aus einem kleinen Dorf in Ostfriesland zurück in den Iran zu ziehen. Kurzerhand und ohne Kompromisse wird sie auf den Rücksitz des neuen Autos gesetzt und ab geht die Reise durch ganz Osteuropa bis nach Teheran.

Leily ist alles andere als glücklich mit dem Umzug. In Deutschland hatte sie alle Freiheiten. Ganz anders geht es dann in Teheran zu. Ständig fühlt sie sich beobachtet und belagert durch ihre Verwandten, die sie noch nicht einmal verstehen kann, da sie kein persisch spricht. Alleine darf sie nun nicht mehr durch die Stadt ziehen. In der internationalen Schule muss sie sich mit der neuen Sprache und neuen Mitschülern auseinandersetzen, worauf sie nur mäßig Energie drauf verschwendet.

Doch alles wird noch schlimmer, als der Schah vertrieben wird und die Mullah Regierung an die Macht kommt. Alkohol wird verboten, ebenso internationale Musik und Zeitschriften. Die internationalen Schulen werden geschlossen, Familien mit einem deutschen Elternteil verlassen möglichst schnell das Land. Mädchen und Jungen werden nun getrennt voneinander unterrichtet, Mädchen müssen in der Öffentlichkeit Kopftuch und Kittel tragen. Es werden Ausgangssperren verhängt und der Iran erklärt dem Irak den Krieg. Die Situation im Land verändert sich zusehends und die aufmüpfige und unzufriedene Leily ist mitten drin.

 

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist sehr interessant zu lesen, wie Leily den Iran mit ihrer sehr direkten Art aus der Sicht eines Europäers beschreibt. Die Andersartigkeit der Familienbande, den Einschränkungen, der Lebensstil. Alles kann der Leser sehr detailiert und mit einer unverblümten Sprache durch ihre Augen kennenlernen. Mir haben besonders die Beschreibungen der Gepflogenheiten der Iraner gefallen und auch sämtliche Familienmitglieder geben ein weites Spektrum an interessanten Persönlichkeiten ab, durch die es nie langweilig wird. Durch Leilys sarkastische und auch etwas verzogene Art, bekommt man schnell eine Verbindung zu ihr. Auch ihre Mutter ist nicht ganz konventionell und auch wenn ich auch oft den Kopf schütteln musste über ihr Verhalten, ist sie mir in anderen Passagen sogar auf eine Weise wieder sympathisch.

In diesem Buch wird Vieles aufgegriffen: das Erwachsen werden, die erste Liebe, Freundschaften und ebenfalls die interkulturellen Konflikte zwischen der westlich eingestellten Leily und ihren recht traditionell geprägten iranischen Eltern.

 

Wer mal etwas anderes lesen möchte und sich besonders für andere Länder, Kulturen und Sitten interessiert, dem empfehle ich, in dieses Buch einmal reinzuschauen. Da es nicht viele Romane gibt, die sich in dieser Art und Weise mit dem Iran beschäftigen, ist es sicherlich eine gute Chance mehr über dieses Land und einen kleinen Teil seiner Geschichte zu erfahren.

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Gespräche aus der Community

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Daniliesings avatar
In wenigen Tagen erscheint im Hoffmann und Campe Verlag das bewegende Debüt von Autorin Wäis Kiani. "Hinter dem Mond" ist ein gleichermaßen humorvolles wie berührendes Buch, das schonungslos ehrlich von einer Jugend in Teheran erzählt. In einer Leserunde möchten wir dieses Buch gemeinsam entdecken und uns darüber austauschen.

Mehr zum Inhalt:
Lilly ist neun, als ihre Eltern beschließen, das kleine ostfriesische Dorf, in dem sie geboren wurde, zu verlassen und dorthin zurückzukehren, wo sie herkommen: Teheran, Iran. Jetzt muss sich Lilly in dem fremden Land, das ihre Eltern Heimat nennen, durchschlagen.
In Teheran versteht Lilly die Welt nicht mehr: Nicht die prächtigen Villen mit Kristalllüstern, nicht die zahlreiche persische Verwandtschaft, die das ihr unverständliche Farsi spricht, nicht die Eltern, die sie plötzlich nicht mehr Fahrrad fahren lassen. Aber Lilly passt sich nicht an, ihr bleibt ihr Eigensinn und die Wut, von den Eltern in eine fremde Welt verschleppt worden zu sein. Dann verlässt eines Tages der Schah das Land, Bomben fallen auf Teheran und Chomeinis Sittenwächter dringen auch in die abgeschlossene Welt der persischen Oberschicht ein. Was Lilly bleibt, ist die Sehnsucht nach Deutschland, nach Abendbrot, Fahrradfahrten und Apfelbäumen.


--> Leseprobe zum Buch


Habt ihr Lust gemeinsam mit Lilly das für sie fremde Land zu entdecken und diesen Roman mit einer ganz besonderen Atmosphäre zu lesen? Wir suchen 25 Testleser für "Hinter dem Mond" von Wäis Kiani.

Wenn ihr genug Zeit habt und mitmachen möchtet, dann könnt ihr euch bis einschließlich 15. August 2012 für eines der Freiexemplare bewerben. Verratet uns unter "Bewerbung als Testleser" dafür einfach, wieso ihr gern dabei wärt und was euch besonders am Buch interessiert.

abas avatar
Letzter Beitrag von  abavor 6 Jahren
Sind sie aber auch nicht.
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