Wakayama Bokusui

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In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter

In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter

 (1)
Erschienen am 19.03.2018

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Rezension zu "In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter" von Wakayama Bokusui

Rezension: In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter
killmonotonyvor 4 Monaten

Dass ich sehr Literatur aus dem asiatischen Raum verschlinge, ist kein Geheimnis mehr. Wer meine Monatsrückblicke verfolgt, findet dort immer mindestens ein Werk aus Asien. Allerdings beliefen sich meine bisherigen Begegnungen mit der asiatischen Literatur auf — nun ja, Literatur. Die asiatische Lyrik habe ich (wie Lyrik eigentlich im Allgemeinen) noch nicht näher betrachtet. Ganz bekannt sind ja die Haikus, doch ihre Grundform, die Tanka, kannte ich noch nicht. Tanka gelten als die Kunstform, um Momentaufnahmen der Natur oder auch dem Leben allgemein festzuhalten. Für einen Lyrik-Einsteiger wie mich vermutlich gut geeignet. Also zog kurzerhand Wakayama Bokusuis Tanka-Sammlung „In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter“ bei mir ein. Bei diesem Sammelband handelt es sich nicht um eine von dem Autor selbst getroffene Zusammenstellung seiner Tanka, sondern wurden diese posthum (Bokusui starb bereits 1928) vom Japanologen Eduard Klopfenstein übersetzt und für den Manesse Verlag ausgewählt. Das Ergebnis ist dabei eine bunte Mischung aller Tanka, die Wakayama Bokusui jemals verfasste, in einer wunderschönen Edition.

Wakayama Bokusui erzählt in seinen Tanka nicht nur von der sich stets wandelnden Natur, sondern auch von seiner großen Liebe (einer älteren Frau), dem schwierigen Verhältnis zu seinen Eltern, der tiefen Trauer, als sein Vater stirbt und dem darauf folgenden Alkoholismus. Bokusui war zu seiner Zeit einer der berühmtesten Tanka-Dichter und verfasste mehrere tausend Tanka, die in 15 Sammelbänden erschienen. Die Tanka in dieser Ausgabe wurden nach Jahren gestaffelt, damit der Leser einen besseren Überblick hat, in welchem Lebensabschnitt Bokusuis diese verfasst wurden. Als Referenz gibt es ein extensives Nachwort von Klopfenstein, in dem dieser detailliert das Leben Bokusuis aufrollt und in Relation zu anderen Tanka-Künstlern stellt. So lernen wir beispielsweise, dass der Autor in tiefen Wäldern und an Berghängen seine Kindheit verbracht hat; dadurch lässt sich möglicherweise sein Bezug zur Natur erklären. Auch über seine Beziehung zu einer ein Jahr älteren Frau (damals unerhört!), erfahren wir einiges, vor allem, dass Bokusuis Eltern mit der Beziehung nicht einverstanden waren. Dies alles spiegelt sich in Bokusuis Tanka wider, die man – mit der Biographie im Gedächtnis – noch einmal auf eine ganz andere Weise liest. In Bokusuis späteren Tanka findet man auch stets einen Funken Selbstironie, er genügt sich selbst nicht, kritisiert an sich herum und verfällt auch nach längerer Abstinenz aufgrund einer Krankheit wieder dem Sake, an dem er auch letzten Endes mit nur 43 Jahren zugrunde ging.

Frau und Kinder

überlasse ich dem Schlaf —

Spätnachts     ganz allein

koche ich mir den reinen weißen

Sake     ungefiltert

Fazit: Auch als Kostverächter der Lyrik hatte ich schöne Stunden mit diesem Büchlein. Da die Tanka in einer klaren Sprache verfasst sind, gibt es hier auch wenig Sinn zur Analyse a là „Was möchte uns der Autor hiermit denn sagen?“, die Tanka geben nämlich nur diesen einen, kurzen Moment wieder. Die Tatsache, dass sich vor den einzelnen Kapiteln eine Abbildung von einem ausgewählten Tanka und dessen lautschriftlicher Darstellung findet, ist sehr gelungen und gibt diesem Gedichtband noch das gewisse Etwas. Jeder, der sich für die japanische Kultur interessiert, sollte einen Blick in diese wunderschöne Ausgabe werfen.

Mehr gibts auf: https://killmonotony.de/rezension/wakayama-bokusuis-moderne-tanka

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