Wallace Thurman

 4,5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor*in von The Blacker the Berry.

Lebenslauf

Wallace Thurman , geboren 1902 in Salt Lake City, studierte an der University of Southern California und ging nach dem Abschluss 1925 nach Harlem. 1926 wurde er Herausgeber der Zeitschrift The Messenger und gründete wenig später u. a. mit Langston Hughes und Zora Neale Hurston das literarische Magazin "Fire!!", das zur wesentlichen Plattform der Harlem Renaissance wurde. Sein Theaterstück "Harlem: A Melodrama of Negro Life in Harlem" wurde 1929 am Broadway uraufgeführt. Er starb im Alter von nur 32 Jahren an Tuberkulose.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Wallace Thurman

Cover des Buches The Blacker the Berry (ISBN: 9783869152462)

The Blacker the Berry

 (4)
Erschienen am 18.08.2021

Neue Rezensionen zu Wallace Thurman

Cover des Buches The Blacker the Berry (ISBN: 9783869152462)
Pialalamas avatar

Rezension zu "The Blacker the Berry" von Wallace Thurman

Gutes, wichtiges Buch!
Pialalamavor einem Monat

„Die Debatte über „die richtige Art von Leuten, diejenigen, die wirklich zählen“, die sie schon ihr ganzes Leben lang begleitete, hatte in ihrem Inneren ein ganz bestimmtes Idealbild geformt.“ S. 38

Wallace Thurmans “The Blacker the Berry” gilt als einer der wichtigsten Romane der Harlem Renaissance und beschreibt eindrücklich das schwarze Amerika der 20er Jahre. Mit seiner Story über die junge, dunkelhäutige Emma Lou, erschuf Thurman einen wichtigen, mutigen Text über den Colorism innerhalb der schwarzen Gesellschaft – der leider bis heute nicht an Aktualität verloren hat.

Emma Lou ist eine unglaublich verbitterte und naive Person, deren Charakter geradezu besessen von der Kategorisierung der unterschiedlichen Hautschattierungen ist. Als dunkelhäutiges Mädchen, wird sie bereits von Kindheit an von ihrer eigenen Familie schikaniert und für weniger wertig betrachtet. Denn anders als ihre weiblichen Vorfahren, deren Hautfarbe durch die Vereinigung mit weißen Sklavenbesitzern hellhäutigere Nachkommen vorbrachten, ist Emma Lou die Tochter eines dunkelhäutigen Mannes. Doch Emma sträubt sich gegen ihr Schicksal und möchte hinaus in die Welt. Denn in den großen Städten wie L.A. oder New York, muss die schwarze Gesellschaft doch anders über die Farbe der Haut denken, oder nicht? Sind sie hier nicht alles gleich? Schnell merkt Emma, dass dem nicht so ist und sie selbst trägt dazu bei, dass das Gift der Vorverurteilung sich weiter ausbreitet.
Es fiel mit schwer EL zu mögen und am Ende hat mir auch ein bisschen ihre Entwicklung gefehlt. Jedoch ist in meinen Augen gerade diese Art von Charakter nötig gewesen, um die Vorverurteilung innerhalb der eigenen Community darzustellen. Der Text enthält auch autobiografische Elemente von Thurman, der selbst in Harlem lebte und diesen Vorurteilen ausgesetzt war. Für mich ein wichtiger Text, der das Bewusstsein für ein Thema schafft, dass auch hundert Jahre später leider noch existiert. Thurman ist ein großartiger, wortgewandter Schriftsteller gewesen und dieser wiederentdeckte Klassiker hat mir sehr gut gefallen und ich finde ihr solltet ihn alle lesen!

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Cover des Buches The Blacker the Berry (ISBN: 9783869152462)
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Rezension zu "The Blacker the Berry" von Wallace Thurman

Diskriminierung erzeugt Vorurteile
Julia79vor 2 Jahren

Was passiert mit der eigenen Identität, mit dem ethnischen Zugehörigkeitsgefühl eines Menschen, wenn dieses immer wieder negativiert wird, verantwortlich gemacht wird für alles Ungemach, ja sogar von vornherein der Möglichkeit einer glücklichen Zukunft jegliche Hoffnung entzogen wird? 

Emma Lou wird seit sie denken kann eingeredet, dass sie mit ihrer tiefschwarzen Haut nichts Gutes vom Leben zu erwarten hat. Jedes Unglück, jede Enttäuschung bezieht sie folglich auf diesen "Makel", fühlt sich beobachtet, hässlich, minderwertig. Sie verlässt ihre Familie um zu studieren und soziale Kontakte zu knüpfen, die ihrem Anspruch genügen und landet letztendlich nach vielen Enttäuschungen in Harlem.

Doch ist die Geschichte so einfach? Ist sie ein Opfer der Gesellschaft? Geprägt von den sich wiederholenden Vorurteilen verhält sie sich nicht besser. Hier geht es nicht allein um die Diskriminierung, die jemand seiner Hautfarbe wegen erfährt, es geht vielmehr um Diskriminierung, die aufgrund eigener Erlebnisse an andere weiter gegeben wird. 

"Die Unvermeidbarkeit der Zurückweisung! Die Bestürzung über trübe Perspektiven... Der zwanghafte Bezug auf sich selbst... Die Verbreitung des Schlangengifts von der Bissstelle aus."

Ein Manifest über die Folgen von Vorverurteilung, die sich wie Gift verbreitet und das Selbstbewusstsein und Selbstakzeptanz unterminiert. Daraus entsteht eine Doppelmoral, denn je dunkler die Haut eines Mitmenschen, umso größer ist Emma Lous Abneigung, sie definiert schließlich zwischenmenschliche Beziehungen über Äußerlichkeiten, ungeachtet der Persönlichkeit des Anderen. 

Wallace Henry Thurman war Journalist und Autor. Zur Zeit der Harlem Renaissance wendete er sich mit seinen Texten vornehmlich an "Persons of Color", er selbst war Afroamerikaner und hatte sehr dunkle Haut. Ich fühle mich von seinem großartig geschriebenen Roman jedoch absolut mitgenommen und einbezogen. Auch nach über 90 Jahren hat seine "Novel of Negro Life" - so der Untertitel - Aktualität und ist ein wertvoller Beitrag gegen Rassismus und Diskriminierung, egal von wem und gegen wen. Diskriminierung schürt eigene Vorurteile. 

Thurman starb 1934 an - wie Karl Bruckmaier es im Nachwort beschreibt - "Alkoholismus, Depressionen, Tuberkulose und dem ganzen Rest". In seinem biografisch beeinflussten Werk wird sehr gut die Stimmung in der schwarzen Gesellschaft der 20er Jahre übermittelt, deren homogene Identität Thurman als Trugschluss bewertete. Hochinteressant ist die beigefügte Tabelle der verschiedenen Abstufungen der Hautfarben, die sehr eindrucksvoll zeigt, welch große Unterschiede gemacht wurden und wie fixiert man auf dieses Thema war. 

1929 veröffentlicht und nun wunderbar von Heddi Feilhauer übersetzt, ist die Novelle erstmals auf deutsch bei Ebersbach und Simon erschienen. Ich spreche eine große Leseempfehlung aus! 

Kommentare: 11
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Cover des Buches The Blacker the Berry (ISBN: 9783869152462)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "The Blacker the Berry" von Wallace Thurman

Ist der Saft auch noch süß, muss er erstmal gepresst werden
aus-erlesenvor 2 Jahren

Als Anfang der 90er Stevie Nicks Album „Timespace“ erschien verzauberte das Ex-Mitglied von Fleetwood Mac den Hörer mit den Zeilen: „I cried a river of tears from the pain

I try to dance with what life has to hand me

My partner's bring pleasure...my partner's bring pain”

Ein reichliches halbes Jahrhundert zuvor erschien Wallace Thurmans “The blacker the berry”, ein Klassiker der Harlem Renaissance, der nun erstmals auf Deutsch erschienen ist. Obwohl viel später ersonnen, klingen die Zeilen der Flower-Power-Ikone wie Guardian-lines für das Leben von Emma Lou, der Protagonistin des Romans.

Irgendwo in Idaho, dem Gem State, Edelsteinstaat, ist sie aufgewachsen. Als in ihren Augen einzige Schwarze. Und sie ist nicht einfach nur schwarz. Sie ist purpurschwarz, tiefschwarz. Als einzige in der Familie. Das hat sie von ihrem Papa. Und sie hasst es. Auch am College in Los Angeles fällt sie auf. Selbst unter Schwarzen. Dennoch findet sie hier die große Liebe, wie sie meint. Doch es wird „nur“ die erste Liebe sein. Das Ausgegrenzt sein, das sie aus Idaho kennt, setzt sich in Kalifornien fort. Als sie Ende der 1920er Jahre nach Harlem kommt, hofft sie das Paradies vorzufinden. Hier ist sie Schwarze unter Schwarzen. Kein Tuscheln hinter ihrem Rücken, kein peinliches Gaffen mehr. Harlem! Doch es kommt ganz anders!

Denn auch Harlem ist weit entfernt von ihrer Vorstellung vom Paradies. Sie findet zwar eine Anstellung, die es ihr erlaubt das Leben zu genießen – die nostalgische Vorstellung vom wilden Nightlife bedient Wallace Thurman vortrefflich – dennoch wird Emma Lou sich permanent ihrer schwarzen Hautfarbe bewusst. Sobald sich zwischen ihr und einer anderen – schwarzen – entschieden werden muss, zieht Emma Lou den Kürzeren. Sie zweifelt an sich und verzweifelt an ihrer Farbe. Das Schwarz in ein „gewünschteres“ yeller, also ein helleres Schwarz, zu verwandeln misslingt ein ums andere Mal. Will sie etwas ändern, muss sie mutig werden. Will sie siegen, muss sie Verluste einstecken…

Wallace Thurman war als Mitgründer der Zeitschrift Fire!! grundlegender Teil der Harlem Renaissance. Harlem und seine Mitbewohner, und deswegen vor allem Mitgestalter, sind das Spiegelbild einer Gesellschaft, die sich (immer noch) schwer tut Menschen mit anderer Hautfarbe ohne jegliches Vorurteil zu begegnen. So wie Emma Lou. Sie macht ihrer Arbeit, mit ebenso so vielen Fehlern wie alle anderen auch. Doch es ist einzig allein ihre Hautfarbe, die sie am Aufstieg hindert. Und das sogar mitten in Harlem.  


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