Jack Engles Leben und Abenteuer

von Walt Whitman 
4,2 Sterne bei5 Bewertungen
Jack Engles Leben und Abenteuer
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SusannePichlers avatar

Absolut lesenswert! Walt Whitman zeichnet ein wunderbares Porträt New Yorks und seiner vielschichtigen Bewohner!

vielleser18s avatar

Neuentdeckung nach 165 Jahren: Ein bisher unbekanntes Werk von einem einflussreichem amerikanischen Lyriker des 19. Jahrhunderts

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Inhaltsangabe zu "Jack Engles Leben und Abenteuer"

"Ein unbekannter Roman Walt Whitmans, der ein multikulturelles Amerika preist – eine Weltsensation zur rechten Zeit." Wieland Freund

Humorvoll-lakonisch erzählt Walt Whitman eine klassische Aufstiegsgeschichte in der Tradition des großen Charles Dickens, allerdings in der Neuen Welt, mitten in New York. Er schildert die Schattenseiten der rasant wachsenden Metropole, verschweigt weder das Elend der Notleidenden noch die Korrumpierung derer, die an der Wall Street zu schnellem Geld gekommen sind. Doch vor allem feiert er in seinem "Jack Engle" uramerikanische und urdemokratische Tugenden: den Glauben an den unveräußerbaren Glücksanspruch des Einzelnen, die Zuversicht und den Pioniergeist der kleinen Leute, ihren Mut zur Improvisation und nicht zuletzt die alles überragende Leitidee der Einwanderernation – sich gemeinsam, ohne Ansehen von Herkunft, Stand oder Religion, aufzumachen in eine bessere Zukunft.
1852 als Fortsetzungsroman im "Sunday Dispatch" erschienen und erst 165 Jahre später als Schöpfung Walt Whitmans identifiziert – ein kleines Wunder der Weltliteratur! 2017 ist sie erstmals in deutscher Übersetzung zu entdecken, die Lebensgeschichte eines Waisenjungen, der auf den Straßen New Yorks lernt, sich mit Fäusten, flinker Zunge und viel Köpfchen zu behaupten. Keine ganz gefahrlose Sache in diesem brodelnden Eldorado der Überlebenskünstler aus aller Herren Länder ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783717524502
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:192 Seiten
Verlag:Manesse
Erscheinungsdatum:22.05.2017

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    SusannePichlers avatar
    SusannePichlervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Absolut lesenswert! Walt Whitman zeichnet ein wunderbares Porträt New Yorks und seiner vielschichtigen Bewohner!
    Whitman goes Dickens

    Walt Whitman ist der Dichter Amerikas; sein Lebenswerk "Grashalme" und daraus wiederum "O Captain! My Captain!" sind untrennbar mit der amerikanischen Literaturgeschichte verbunden. Umso größer war die Aufregung als ein 1852 veröffentlichter Fortsetzungsroman 165 Jahre später Walt Whitman zugeordnet werden konnte.

    In "Jack Engles Leben und Abenteuer" erzählt eben jener Jack Engles auszugsweise aus seinem Leben. Im Alter von zehn Jahren beginnt seine Geschichte, sein Leben, als ihn sein Weg vor die Türe des Milchhändlers Ephraim Foster führt. Jack ist einer von unzähligen heimatlosen Minderjährigen, die allein, auf sich selbst gestellt, ihr Leben meistern müssen. Selbstbewusst bittet er Ephraim Foster um ein Frühstück, weder frech noch fordernd, eher dem Herzen dieses Mannes, der ihm bisher gänzlich unbekannt ist, vertrauend. Und sein Gespür soll ihn nicht trügen. Ephraim und seine Frau Violet nehmen den kleinen Herumtreiber auf. Sie schenken ihm ein Heim, Liebe, Sicherheit und Güte.
    Im Alter von zwanzig Jahren tritt Jack eine Stelle bei Mr. Covert, einem erfolgreichen aber dubiosen Rechtsanwalt an. Obwohl ihn diese Berufswahl alles andere als begeistert, kann er sich dem innigsten Wunsch Ephraim Fosters nicht widersetzen. Folglich tritt er Tag für Tag fügsam zum Dienst an. Seine Welt wird um Kanzleidiener, Laufburschen, Wall Street Spekulanten, Politiker, Tänzerinnen.Prediger und die damals wie heute pulsierende Vitalität New Yorks bereichert. Bald schon wird er mit Hinweisen auf seine Herkunft konfrontiert. Jack, der keinerlei Anhaltspunkte zu seiner Vergangenheit hatte, erfährt durch viele akribisch zusammengetragene Teilchen von einer Geschichte, die Mord, Betrug und Verrat im Übermaß beinhaltet. Auch kreuzt er immer wieder die Wege zweier Damen, die, wie er zu seiner Freude erfahren wird, ebenfalls mit ihm von Geburt an verbunden sind.

    "Jack Engles Leben und Abenteuer" erinnert in vielerlei Hinsicht an die Romane von Charles Dickens. Die Metropolen New York und London bilden den Rahmen für Geschichten, die von ihren Gegensätzen leben: Reich und Arm, Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, Vertrauen und Verrat. Walt Whitmans Figuren sind weicher gezeichnet als die von Charles Dickens. Die Bösewichte sind nicht ganz so abgrundtief böse. Als Leser kann man ihrem Handeln und Tun leichter folgen. Sie werden von Habgier und Egoismus angetrieben, doch sind sie letztendlich menschlicher als der typische Dickens-Bösewicht. Der gesamte Roman wird von einem positiven Grundton durchzogen. Der Glaube an eine bessere Zukunft, heute wie damals typisch amerikanisch, treibt jeden an.

    Mein Lieblingskapitel ist Kapitel 19. In diesem gönnt sich Jack Engles eine Auszeit auf dem Friedhof der Trinity Church. Heute wie damals ist die Trinity Church in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hektik rund um die Wall Street gelegen. Diese Kirche und der kleine Friedhof mit seinen verwitterten Grabsteinen und hohen Bäumen ist eine Insel der Ruhe inmitten der niemals schlafenden Metropole New York. Ob eine Querstraße weiter millionenschwere Geschäfte gemacht werden oder Polizeiwagen vorbeirasen, dort spielt es keine Rolle.
    Walt Whitman erzählt nicht nur die Geschichte Jack Engles, er erzählt auch von New York selbst.

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    vielleser18s avatar
    vielleser18vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Neuentdeckung nach 165 Jahren: Ein bisher unbekanntes Werk von einem einflussreichem amerikanischen Lyriker des 19. Jahrhunderts
    Eine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert

    Walt Whitman (1819-1892), der als Begründer der modernen amerikanischer Dichtung und als einflussreichster amerikanischer Lyriker gilt (Quelle: wikipedia), hat unter anderem auch diese Geschichte des Jack Engles verfasst. Erstmals veröffentlicht in mehreren Folgen 1852 in einer New Yorker Zeitung - damals nicht unter Angabe eines Autors. Erst 2016 entdeckte der junge Literaturwissenschaftler Zachary Turpin durch detektivische Recherchearbeit, dass Walt Whitman der Urherber dieser Geschichte ist. In deutscher Übersetzung erschien das Werk in Buchform im Manesse Verlag fast zeitgleich mit dem amerikanischen Reprint.

    Jack Engles Leben und Abenteuer erzählt die fiktive autobiografische Geschichte eines New Yorker Waisenjungen, der durch Glück und Zufall auf wohlmeinende Adoptiveltern stieß, sich in einem unbeliebten Beruf als angehender Anwalt betätig und einem Geheimnis, dem er zufällig auf die Spur kommt.
    Das Buch ist mit etwas mehr als 180 Seiten schnell zu lesen, die Sprache, auch wenn sie weiterhin in der Manier des 19. Jahrhunderts geschrieben ist, verständlich. Anmerkungen zu ungewohnten Textstellen ergänzen das Verständnis.
    Die Sicht aus der des erlebenden Erzählers, der im Nachhinein sein Leben (zumindest die Anfänge) Revue passieren lässt, ist gut gewählt. Neben emphatischen Momenten, humorigen Szenen, aber auch vielen, die das Los und das Leben der damaligen unteren Schichten beschreiben, sowie vielen gut formulierten Beschreibungen von New Yorker Schauplätzen der damaligen Zeit ergänzen die eigentliche Geschichte in der Geschichte, die zur Aufdeckunge eines Geheimnisses führt.

    Da die Geschichte 1852 in einem Fortsetzungsroman in einer Zeitung erschien und der Roman wahrscheinlich erst während der Veröffentlichungsphase entstand, gibt es ab und zu mal stilistische Hilfsmittel, deren sich der Autor bediente, wenn er z.B. eine Person noch nicht gleich zu Anfang eingeführt hat und sie erst im späteren Stadium erscheint. Aber ich empfand gerade dies auch als gut gelöste und auflockernde Erzählweise der Geschichte.

    Anmerkungen, ein ausführliches Nachwort von Wieland Freund und eine editorische Notiz ergänzen die kleine hochwertige Ausgabe des Buches aus dem Manesse Verlag. Gefallen hat mir auch das passende Cover des Buches.

    Der Roman lebt nicht von Spannung oder von höchster literarischer Qualität, sondern eher von diesem gekonnten Erzählstil, der diese Zeit in New York und das Leben eines fiktiven Protagonisten gekonnt darstellen kann.

    Fazit:
    Gut zu lesende Geschichte, die das New York der 1850er Jahr wieder aufleben lässt. Eine fiktive autobiografische Geschichte eines Waisenjungen, dem das Glück und der Zufall zu manch überraschenden Erkenntnissen verhilft.


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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor einem Jahr
    Sensationsfund?

    Solche Funde sind natürlich eine Sensation. 165 Jahre nach seiner Veröffentlichung als Fortsetzungsgeschichte in einer kurzlebigen Wochenzeitung, dem Sunday Dispatch, entdeckt ein Doktorand der Houston University, der Walt Whitman Experte Zachary Turpin, einen bisher unentdeckten Roman des großen amerikanischen Lyrikers. Mithilfe von digitalen Suchmethoden gelingt es ihm zuerst einen von Whitman veröffentlichten Fitnessratgeber, „Manly health and training“, in den Weiten der journalistischen Veröffentlichungen zu entdecken – ein eher bizarrer Fund -, darauf förderte auf recht abenteuerliche Weise den kleinen Roman „Jack Engles Leben und Abenteuer“ zutage.


    Tatsächlich ist die Geschichte dieser Entdeckung das eigentlich Spannendste. Über die recht eigentümlichen Namen von Figuren, die Whitman in seinem berühmten „Roten Notizbuch“ erwähnt hat, stieß Turpin auf eine Werbeanzeige für den Fortsetzungsroman, der zwischen März und April 1852 in sechs Teilen im Sunday Dipatch anonym erschien. Die Zeitung ist, wohl aufgrund ihres kurzen Bestehens von 1845 bis 1854, noch nicht digitalisiert und der Roman nur in einer einzigen Kopie auf Mikrofilm einsehbar. Das Originalmanuskript des Romans hat Walt Whitman selbst vernichtet, ebenso wie andere Prosatexte.


    Es ist natürlich immer wieder diskussionswürdig, ob es überhaupt legitim ist, Texte, die ein Autor rundweg nicht veröffentlicht sehen wollte, dennoch einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Whitman wollte definitiv als Verfasser des großen amerikanischen Poems „Leaves of grass“ rezipiert werden, dem Hohelied auf Individualität, Freiheit, Gemeinsamkeit und Einheit, dem Loblied auf die amerikanische Demokratie per se, das er bis zu seinem Tod immer wieder bearbeitet hat und das vielleicht zu dem Lyrikwerk des 19. Jahrhunderts in den USA und Whitman dadurch zu einem Nationaldichter wurde. Und tatsächlich zeigt „Jack Engles“ einen ziemlich anderen Walt Whitman.


    Es ist eine Geschichte ganz in der Manier von Charles Dickens. Die Handlung kommt dementsprechend vertraut daher: Der kleine Waisenjunge Jack steht eines Tages vor der Tür des Milchhändlers Ephraim Foster und bittet um etwas zu essen. Ihm wird nicht nur das gewährt, sondern das Ehepaar Foster nimmt ihn an Kindes statt an und gewährt ihm später eine Ausbildung in einer Anwaltskanzlei. Hier setzt der Roman ein, denn Jack ist alles andere als dem Anwaltsberuf zugeneigt, kommt dem Wunsch des Adoptivvaters nur aus Dankbarkeit nach. Anwalt Covert ist, wie so oft auch bei Dickens, ein Schurke, dem Jack mithilfe des alten Kanzleiangestellten Wigglesworth auf die Schliche kommt. Allerhand Verwicklungen und etliches an skurril-liebenswertem Personal sind genauso anzutreffen wie das aus seiner Not gerettete Mündel des Anwalts und eine veritable Liebesgeschichte.


    Trotz des Dickens verhafteten Plots ist bei Whitman aber auch eine typisch amerikanische Note zu finden. Besonders die Stadt New York wird in ihrer Vielfalt und Einzigartigkeit besungen, so dass ein wunderbares Porträt der Metropole um die damalige Zeit entsteht. Aber auch der alte (amerikanische) Traum, es schaffen zu können, in Gemeinschaft und Solidarität zu prosperieren, kommt deutlicher als bei seinem englischen Kollegen hervor. Optimismus und Zuversicht ist ein Gefühl, das deutlich durch die Zeilen hindurch schimmert.
    An die Komplexität und literarische Qualität von Charles Dickens kommt das kleine Werk allerdings nicht heran. Es ist mit seiner Mischung aus rührseliger Sentimentalität, Tragik und Situationskomik sehr gefällig, eindeutig für ein großes (Zeitungs)publikum geschrieben. Als Drucker und Herausgeber einer Zeitung wusste er recht genau, wonach die Leser verlangten. Auch dass die Geschichte nicht besonders sorgfältig, sondern teilweise sogar recht nachlässig verfasst wurde, lässt sich nicht übersehen. Whitman handelt das mit einer gehörigen Portion Selbstironie. So schlängelt er sich zum Beispiel auf Seite 74, in der eine für die Geschichte recht wichtige Person überraschend eingeführt wird, aus der Affäre, indem er bemerkt:


    „(…)und ich kann mich nur wundern, dass ich ihn in dieser Chronik bisher noch nicht vorgestellt habe.“


    Als die Geschehnisse etwas zu abenteuerlich zufällig wirken könnten, fügt er hinzu:


    „Wiederum musste ich innerlich die zwingende Beweiskette, die Wigglesworth zusammengetragen hatte, Glied um Glied aneinanderfügen, bevor ich etwas so Romanhaftes glauben konnte.“


    Überhaupt bleibt der Verfasser der Aufzeichnungen, der niemand anderes als Jack Engles selbst zu sein behauptet – „Da ich aber hier nur eine wahre Geschichte aufschreibe, überlasse ich es dem Leser dieser Zeilen, diesen Gedankengang selbst weiterzuführen.“ – in steter Ansprache zu seiner Leserschaft.


    Was bleibt als Fazit zu diesem „Sensationsfund“? Es ist ein nett und unterhaltsam geschriebenes Stück Literaturgeschichte, mit starken Personenbildern, aber auch einer Neigung zur Kolportage, ein Loblied auf die amerikanische Demokratie und Pluralität, das aber auch das herrschende soziale Elend nicht verschweigt. Es ist ein durchaus lesenswertes Zeitdokument, das seinen besonderen Charme durch die Art seiner Wiederentdeckung, seinen Kontrast zu „Leaves of grass“ und sein Zeitkolorit gewinnt. Die allerorts verbreitete „Sensation“ ist aber eine Nummer zu groß für diese kleine Geschichte und berührt wohl in erster Linie die Literaturhistoriker.

    Kommentare: 1
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    bonds avatar
    bondvor 9 Monaten
    Karin-Ls avatar
    Karin-Lvor einem Jahr

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