Walter H. Pehle Der Judenpogrom 1938

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Inhaltsangabe zu „Der Judenpogrom 1938“ von Walter H. Pehle

Das Attentat des 17-jährigen Herschel Grynszpan auf einen deutschen Botschaftsangehörigen in Paris lieferte den Nationalsozialisten den Vorwand zu dem von oben organisierten reichsweiten Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fielen fast alle der noch verbliebenen 400 Synagogen den Brandstiftungen und Plünderungen bierseliger Parteigenossen zum Opfer. Die Feuerwehr griff nur dort ein, wo "arische" Nachbargrundstücke gefährdet waren. An die hundert Juden verloren in dieser Nacht ihr Leben, 7 500 jüdische Geschäfte wurden demoliert und ausgeraubt. Rund 30 000 vornehmlich wohlhabende Juden prügelte man aus ihren Häusern und Wohnungen und verschleppte sie in Konzentrationslager; viele von ihnen kamen nicht mehr zurück. Der ironisch-verharmlosende Begriff "Reichskristallnacht", den der Volksmund bald gebrauchte, wird diesen Ereignissen schwerlich gerecht. Zwar strafte die weitgehende Passivität der deutschen Bevölkerung das von Propagandaminister Goebbels gewünschte Bild eines "spontanen Volkszorns" Lügen - Widerstand, gar offener Protest gegen die judenfeindliche Barbarei zeigte sich freilich so gut wie nirgendwo. Dieser Mangel an moralischer Substanz war Ergebnis jahrelanger Abstumpfung gegenüber dem Schicksal jüdischer Mitmenschen und sollte der fatalen Gleichgültigkeit den Boden bereiten, mit welcher der allergrößte Teil der Deutschen nur wenige Jahre später der Deportation ihrer Nachbarn gegenüberstand. Dieser Band enthält Beiträge zur Vorgeschichte des Geschehens, geht auf die handfesten ökonomischen Interessen bei der bald folgenden Zwangsenteignung - "Arisierung" - jüdischer Betriebe ein und dokumentiert Zeitzeugenberichte. Der existenziellen Frage "Gehen oder Bleiben?", vor die sich deutsche Juden spätestens nach dem 9. November 1938 gestellt sahen, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Schließlich wird dargestellt, wie Planung und Befehlsgebung des Mordes an den europäischen Juden zustandekamen und was die Deutschen von alledem gewußt haben. Ein Blick in die Nachkriegszeit zeigt, dass das Leiden der Juden über den 8. Mai 1945 hinaus andauerte. Zehn Historiker und Zeitzeugen aus fünf Ländern haben an diesem Buch mitgewirkt. Walter H. Pehle, geboren 1941, studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie in Köln, Bonn und Düsseldorf; Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Nationalsozialismus in einer Provinzregion; Lektor für Geschichte/Zeitgeschichte im Fischer Taschenbuch Verlag, Herausgeber der Buchreihe "Die Zeit des Nationalsozialismus", beteiligt an der Konzeption der Buchreihe "Europäische Geschichte". Als Herausgeber verantwortlich für zahlreiche weitere Veröffentlichungen; zuletzt Lexikon des deutschen Widerstandes (Bd. 50232, zusammen mit Wolfgang Benz). Das Attentat des 17-jährigen Herschel Grynszpan auf einen deutschen Botschaftsangehörigen in Paris lieferte den Nationalsozialisten den Vorwand zu dem von oben organisierten reichsweiten Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung.

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  • Rezension zu "Der Judenpogrom 1938" von Walter H. Pehle

    Der Judenpogrom 1938

    Sokrates

    21. September 2011 um 18:39

    Das Buch, als Aufsatzsammlung konzipiert, beleuchtet viele Einzelprobleme, die allesamt mit dem Judenpogrom von 1938 im Zusammenhang stehen. Deutlich wird, dass der Judenpogrom kein spontanes Ereignis war, sondern vielmehr Folge einer befohlenen Sache. Die Ursache muss bei Goebbels gesucht werden, er mit einer Rede die Initialzündung gab. Die sich sodann anschließenden Unruhen, Plünderungen, Brandschatzungen und Inhaftierungen wurden von den Nationalsozialisten ausgenutzt und durchgeführt. Dem Judenpogrom folgten 1938 die Nürnberger Rassegesetzt, erste Inhaftierungen und Deportationen, Arbeitslager, KZ und insbesondere Enteignungen jüdischer Mitbürger. Ein Großteil verlies Deutschland daraufhin für immer. Die Sammlung wird mit einem Aufsatz zur brisantesten Frage beendet, die die historische Forschung noch immer kritisch diskutiert: wie viel hat das Volk von der Endlösung eigentlich gewusst?

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