Walter Kohl Leben oder gelebt werden

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Inhaltsangabe zu „Leben oder gelebt werden“ von Walter Kohl

Die Herausforderung: leben, statt gelebt zu werden Viele Jahre lang lebte Walter Kohl ein Leben im Schatten eines übermächtigen Namens – als „Sohn vom Kohl“. Die Belastungen der CDU-Parteispendenaffäre und der Freitod seiner Mutter wurden für ihn schließlich zur existenziellen Prüfung. Doch er entdeckt einen Weg, um die Herausforderung seines Lebens zu meistern: Durch einen Prozess bewusster Versöhnung schließt er Frieden mit der eigenen Vergangenheit, mit den Eltern und mit sich selbst. So öffnet sich für ihn ein neuer Weg zu Selbstbestimmung und persönlicher Erfüllung. Ein Buch, das Mut macht, sich aus fremdbestimmten Lebensumständen zu lösen und den eigenen Weg zu gehen.

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    halbkreis

    halbkreis

    28. September 2012 um 11:10

    Kein schlechtes Buch, überhaupt nicht, nur hat es mich nicht ganz so angesprochen, wie ich erhofft hatte. Walter Kohl gelingt es ganz gut, die Mischung zwischen Anklage und (Versuch von) Verständnis und die daraus resultierende innere Zerrissenheit zu beschreiben. Dass das Leben als "Sohn vom Kohl" alles andere als leicht war, ist gut nachvollziehbar und entspach auch ziemlich genau den Vorstellungen, die ich hatte. Trotzdem: Irgendwie sind wir nicht so warm geworden, dieses Buch und ich - die vielen introspektiven Passagen wirkten irgendwie teils gezwungen auf mich und gaben dem Buch eine bemüht philosophische Note, die mir nicht so richtig passte. Ich glaube, ich hatte mir außerdem ein stärkeres Gewicht auf die politischen Bezüge gewünscht. Wie gesagt, nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Also: 2 Sterne = okay.(

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    arunaa

    arunaa

    07. September 2012 um 14:46

    Dieses Buch beinhaltet eine Geschichte, die sehr authentisch, in eine wunderbare Sprache gebettet wurde. Es beschreibt das Erleben vom Sohn des Kanzlers. Jedes Ereignis wird aus der gefühlten und erlebten Perspektive des jeweiligen Alters, schonungslos in seiner persönlichen Beschreibung, aber ohne Anklage an die Beteiligten, wiedergegeben. An manchen Stellen tat es richtig weh zu lesen, was der Seele eines Kindes zugemutet wird bzw. wurde. In der Beschreibung seiner inneren Zustände und Gefühle, habe ich mich temporär erkannt und ich bin so dankbar, dass Herr Kohl sie in so klare Worte zu kleiden vermag. Der Weg der Versöhnung, die innere Einkehr, ist echte Lebenshilfe. Wenn man diese Zeilen liest, dann fühlt es sich an als würde man einen wärmenden Mantel umgelegt bekommen, der Schutz und Halt bietet.

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    merle81

    merle81

    09. April 2012 um 15:24

    Biographie von Helmut Kohls Sohn Walter. Ein sehr deutlicher Einblick in das Leben des Politikers, schwieriger Familienbeziehungen und auch der Krankheit der Mutter, HAnnelore Kohl. Sehr gut und flüssig lesbar. Durchaus auch spannend für wenjiger Politikinteressierte Laien. Interessanter Einblick in das Leben als berühmtes Politikerkind. So hat es Walter sowohl in Kindheit, Jugend als auch im Erwachsenenalter immer wieder schwer, als SOhn seines Vaters. Im Fussballverein ist er unerwünscht als "Sohn vom Kohl", die Familie haust im Zeitalter der RAF in einem Hochsicherheitsbunker und auch als Erwachsener bekommt Walterkohl einige von ihm gewünschte Arbeitsplätze nicht aufgrund seines Vaters. Und das Verhältnis zu diesem ist auch alles andere als innig, erst recht seit dem Tod von HAnnelore Kohl und Helmut Kohls erneuter Heirat. Ein gelungener Versuch von Walter Kohl mit sich und seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen.

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    Betty Geröllheimer

    Betty Geröllheimer

    04. March 2012 um 13:37

    Ich habe mir das Buch als Ergänzungslektüre zu "Die Frau an seiner Seite" von Heribert Schwan gekauft um mich der Biographie der Familie Kohl aus verschiedenen Perspektiven anzunähern. Schwerpunkt ist die difizile Beziehung zwischenVater und Sohn und wie er als "Sohn vom Kohl" die Schulzeit, Bundeswehr, Ausbildung und sein Leben gemeistert hat. Er beschreibt seine innere Ablösung vom Übervater und seinen Weg sich mit diesem auszusöhnen. Allerdings bleibt er bei diesen Schilderungen meist sehr oberflächlich. Wie schreibt ähnlich einem Geschäftsbrief und versucht durch Phrasen, Nähe und Gefühle zum und beim Leser zu erzeugen. Er bemitleidet sich selbst und jammert, wie schwer es hatte mit seinem Vater und welche Nachteile er durch seinen Vater in seinem eigenen Leben hinnehmen musste. Er lamentiert über seitenlang über Hänseleien, die er in der Schule hinnehmen musste und welche Nachteile er während seiner Ausbildungszeit bei der Bundeswehr er hinnehmen musste. Dabei vergisst er zu erwähnen, was ihm gerade durch die Stellung seiner Vaters alles ermöglicht werden konnte. Die Aufnahme an der renommierten Harvard-Universität und die Vorbereitung darauf durch eine Heidelberger Professorin wäre wohl Hänschen Müller nicht möglich gewesen. Auch beim Mauerfall mit der Polit-Prominenz als einer der ersten durch das Brandenburger Tor zu schreiten. Ich hätte mir gewunschen, dass er mehr als Zeitzeuge berichtet und z.B. die Auswirkung der terrorbedrohung der RAF in den 70ern ausführlich beschreibt. Dass er diese als Kanzlersohn zwangsläufig anders erlebt hat als ein Normalbürger, ist das was eigentlich interessiert hätte. Im Endeffekt hätte ich mir ein spannendes Zeitzeugnis erwartet und nicht ein Buch, das als Ersatz-Therapie für herhalten musste!

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. September 2011 um 18:13

    Wenn man diesem Buch eines zugutehalten möchte, dann ist es die Tatsache, dass es eine vortreffliche Einschlafhilfe abgegeben hat. Diesem entrückten, teilweise ins Esotherische abdriftenden Redeschwall über mehrere Seiten zu folgen, kostete mich teilweise schon einige Überwindung. Über Walter Kohls Lebenslauf und das Leben mit seinem Vater erfährt man erstaunlich wenig. Über größte Strecken liest sich das Buch wie ein philosophischer Ratgeber für Kanzlerkinder, bzw. eben Kinder von Helmut Kohl. Dabei wiederholen sich Begrifflichkeiten wie "Opferrolle", "Sohn vom Kohl" und "Leben oder gelebt werden" in Endlosschleife. Dabei kommt es nur selten zu neuen Erkenntnissen im Seelenstriptease. Während das Buch vor Inhaltsleere kaum an Langeweile zu überbieten ist, ist es stilistisch wahrlich unerträglich. Ein auch nur ein bisschen literarisch ambitionierter Lektor hätte dem Buch gutgetan. So liest es sich eben wie der Text eines ehemaligen Zeitsoldatens/Bankers: stocksteif!

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    sheepy

    sheepy

    15. May 2011 um 14:56

    Mich hat das Buch nicht so ganz überzeugt. Ich hatte mit nach einem Interview, welches ich im Fernsehen mit Walter Kohl gesehen hatte mehr erhofft. Es war teilweise ganz interessant, wie sein Leben ausgesehen hat also "Sohn vom Kohl", ich fand aber auch, dass es streckenweise ein "Rumgejammer" war. Gegen Ende wird es dann auch noch zum Ratgeber für Menschen, deren es schlecht geht. Das hat mir überhaupt nicht gefallen.

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    Phil Decker

    Phil Decker

    25. April 2011 um 13:27

    Bis auf den letzten Teil hat mir das Buch gut gefallen. Es bestätigt meine Vorurteile gegen seinen Vater und schildert beeindruckend ein Leben an der Seite eines Übermächtigen, in dessen Schatten nichts wachsen kann. Schade, daß seine Mutter nicht die Kraft hatte, ihren Mann zu verlassen.

  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    15. March 2011 um 15:24

    Wege aus dem Schatten heraus Helmut Kohl ist noch in guter Erinnerung, nicht nur als Kanzler der Einheit, sondern auch als einer, der über 16 Jahre als Kanzler der Bundesrepublik sich vor allem anderen auch ein gewiefter, in Teilen rücksichtsloser Machtpolitiker erwiesen hat, mit dem als Gegner nicht gut Kirschen essen war. Einer mit einem intuitiven Gespür, sich darzustellen und andere in den Schatten zu stellen. Davon können eine ganze Reihe ehemals prominenter und in Machtpositionen sich befindender Politiker gerade der CDU ein lautes Lied singen. Eine starke, auf sich bezogene, machtorientierte und machtbewusste Person. Ein Bild des Altkanzlers, das sich beim Lesen der Autobiographie seines Sohnes durchaus verdichtet. Auch ein Übervater, einer, der eine breite Schneise schlug und dabei, nicht allein ob der Körperfülle, auch viel Schatten um sich herum verbreitete. Eie sehr persönliche Ebene ist es, auf der Walter Kohl seine Geschichte erzählt und, das vor allem, keine verbitterte oder dem Vater lebenslang nachtragende Haltung offenbart er in seinen Zeilen. Ganz im Gegenteil, der Untertitel weist in seiner Formulierung „Schritte der Versöhnung“ die eigentliche Richtung seiner Gedanken und auch die Art und Weise seiner Beschreibungen sprechen eine Sprache der feinfühligen Zurückhaltung, ohne das Wesentliche außen vor zu lassen. Nicht dem Vater macht der Sohn hier ellenlange Vorwürfe, sondern den eigenen Weg zunächst hinter dem überstarken Helmut Kohl beleuchtet Walter Kohl und legt sensible, persönlich und zeitweise anrührend seine Einsichten und Erkenntnisse offen, die es brauchte, um den ganz eigenen Weg zu finden. Schritte zur Versöhnung auch mit sich selbst. Vor allem. Ein eigener Weg, der sich eben nicht entweder unkritisch aus den Fußstapfen des Vaters ergibt und eben auch nicht in prinzipieller Ablehnung allein im Trotz verharrt. Es gibt genügend andere Beispiele der Gegenwart, vielleicht ist ein Blick auf den Strauß Sohn hilfreich, die zeigen, wie leicht es ist, an der Figur eines mächtigen und durchsetzungsfähigen Vaters und Politikers zu scheitern. Auf diesem eigenem Weg aber spricht Walter Kohl durchaus offen über sein persönlich lange Zeit nicht einfaches Verhältnis zu Helmut Kohl, auch den vollzogenen Bruch verschweigt er nicht. Nach der Lektüre dieses Buches weiß man auf jeden Fall, wunderbar erzählt, was es heißt, im Schatten eines Vaters auch in den Augen der anderen fast zu verschwinden. Der Weg einer Selbstwerdung, der nicht zuletzt 2001 durch den Freitod seiner Mutter noch einmal und intensiv angestoßen wurde. Schon die ersten Zeilen und Seiten offenbaren in der Beschreibung dieses Schocks für Walter Kohl seine außerordentliche sprachliche Fähigkeit, die Empfindungen und Gedanken seines inneren präzise und einfühlsam, mit klaren Worten und dennoch sensibel formuliert, nahe zu bringen. Eine auch sprachliche Qualität, die Kohl im ganzen Buch durchhält und die das Lesen zu einem Erlebnis gestalten. Und ein mitnehmendes Zeugnis, wenn Walter Kohl sich grundlegend und zutiefst alleine fühlt angesichts des Todes der Mutter. Kaum vorhandene, innere Bande zu einem Vater, den Walter Kohl im alltäglichen Leben als „entrückt“ beschreibt. Einem Leben, in dem alle praktischen Dinge des Alltages bis zum TÜV des Autos von Hannelore Kohl gemanagt wurden, wie es der Altkanzler eben gewohnt war. Einer, der bei Umbaumaßnahen im Haus einfach für eine Weile auszog und seiner Frau überließ, die Dinge zu regeln, damit er in seiner Arbeit nicht gestört wurde. Bei weitem nicht die einzige Funktionalisierung seiner Familie, die Helmut Kohl öffentlichkeitswirksam betrieb. Walter Kohl legt einen offen Blick auf sein inneres Erleben vor und beschreibt einerseits eine „Reise zu sich selbst“ und andererseits vielfache Ursachen, Hintergründe und Schwierigkeiten eines Umganges auch mit der privaten Persönlichkeit seines Vaters, die als Ursachen dafür einleuchtend im Raume stehen, dass ein solcher „Weg zu sich selbst“ in dieser Form überhaupt nötig wurde. Einfühlsam, sensibel und ohne Verbitterung geschrieben ist dieses Buch ein eindrucksvolles, anrührendes und innerlich mitnehmendes Zeugnis eines Lebens, dass erfolgreich zu sich selber gefunden hat und eine Darstellung eines Stücks auch deutscher Zeitgeschichte durch die Augen der Altkanzlerfamilie.

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    Rock-n-Roll

    Rock-n-Roll

    08. March 2011 um 19:44

    Dieses Buch ist so viel mehr als nur eine Biographie, es ist schwer zu erklären, was genau es ist, aber es rührt den Leser oft zu Tränen der Rührung, der Wut und des Mitgefühls, aber auch der Erkenntnis. Der Leser erkennt sich in so mancher Situation wieder und muss sich mit seiner eigenen Geschichte auseinandersetzen. Hat nicht jeder von uns seine eigenen Probleme, Ängste und Zweifel am Leben? Viel mehr ist eigentlich gar nicht zu sagen, ich möchte das Buch uneingeschränkt wirklich jedem empfehlen!

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. March 2011 um 22:45

    Ohne vorher Buchbesprechungen gelesen zu haben, wäre ich davon ausgegangen, dass hier ein Sohn mit seinem Vater abrechnet. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Vielmehr schildert Walter Kohl, der Sohn unseres ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, lediglich wie er seine Kindheit erlebt und wie sie - im Rückblick - auf ihn gewirkt hat. Vorurteile, Verletzungen, nicht nur seelischer Art, Unverständnis und Einsamkeit sind Begriffe, die immer wiederkehren. Ein hohes politisches Amt über einen langen Zeitraum auszufüllen bedeutet eben nicht gleichzeitig als Vater seine Rolle erfolgreich auszufüllen. Aber auch die Mutter, Hannelore Kohl, war nicht durchweg in der Lage, dem Jungen die nötige Wärme zu geben, zuzuhören und seine Ängste und Nöte ernst zu nehmen bzw. zu zerstreuen. Die Summe all dieser Erfahrungen, auch aufgrund teilweise miserabler Pädagogen, brachten ihn eines Tages zu dem Punkt, an dem er seinem Leben ein Ende setzen wollte. Im Bewusstsein seinem Sohn damit den Vater zu nehmen, den dieser so nötig brauchte, unterlies er diese Tat und suchte stattdessen den Weg aus dem Tal, in dem er sich befand, um nicht mehr allein "Sohn von Kohl" sein zu müssen, sondern als eigenständige Person und Persönlichkeit, allein als "Walter Kohl" wahrgenommen zu werden. Es war ein langer schmerzlicher, aber notwendiger und am Ende erfolgreicher Weg. Dennoch scheint er - dieser Analyse zufolge - mittlerweile mit seinen Eltern und der Jugendzeit seinen Frieden geschlossen und seinen Platz in der Gesellschaft gefunden zu haben. Das kann man ihm nur wünschen. Ein berührendes Buch mit einem versöhnlichen Ende.

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  • Rezension zu "Leben oder gelebt werden" von Walter Kohl

    Leben oder gelebt werden
    Clari

    Clari

    03. February 2011 um 16:30

    Kanzlersohn, was nun ? Beeindruckend und erschütternd sind die Erfahrungen und Erinnerungen, mit denen Walter Kohl eine Art Lebensbilanz über sein bisheriges Leben als Kanzlersohn zieht. Der Satz seines Sohnes auf dem Weg zum Kindergarten: “Papa,ist das Leben schön?“ kann als Initialzündung angesehen werden, nach der Walter Kohl sich seiner Kindheit und seinem bisherigen Leben stellt. Um es vorweg zu nehmen: es war keine glückliche Kindheit, die Walter mit seinem Bruder in dem immer dichter werdenden Netz von Fremdbestimmung, Bewachung und Isolation als Prominentenkind zugebracht hat. Zeitlebens und bis heute wird er als „ der Sohn vom Kohl“ angesehen. Doch nach einem langen und beschwerlichen Weg der Besinnung und inneren Einkehr, der Reflexion und der Suche nach Lösungen für einen ersehnten inneren Frieden ist es Walter Kohl gelungen, sich auf einen eigenen Weg zu machen. Bis dahin aber gab es seelische Verletzungen und schwerste Erfahrungen, die ihn lange Jahre seines Lebens von seiner frühesten Kindheit an wie eine Gefangenschaft erleben ließen. Dem alles beherrschenden Politikervater waren die Karriere und Partei immer wichtiger war als die heimische Familie. Walter Kohl findet die richtigen Worte, seinen Werdegang unter den o.g. Bedingungen zu beschreiben. 1963 geboren fühlte er sich früh alleine gelassen und musste harte Prüfungen durch Hänseleien, Ablehnungen und Attacken von Menschen aller Couleur hinnehmen lernen. Die Folge ist eine totale Vereinsamung und ein Rätselraten, wie das alles zusammenhängen mag: sein Aufwachsen unter Festungsbedingungen, seine Isolation unter Mitschülern und die Unmöglichkeit, über seine inneren Zustände weder mit dem Vater noch mit der Mutter reden zu können. In diesem Buch beschreibt er seinen langen Weg aus der Einsamkeit, der von wechselnden Stimmungen und einer steten Unsicherheit gekennzeichnet war. Nach einem Studium in Harvard und einem längeren beruflichen Amerikaaufenthalt fühlte er sich fast befreit. Doch als seine erste Ehe scheitert, seine Mutter stirbt und der Vater wieder heiratet und den Bruch mit ihm vollzieht, erlebt er hohe Anforderungen an sein „Stehvermögen“, einem beliebten Ausdruck der Eltern, um an diesen Erlebnissen nicht zu zerbrechen. Bemerkenswert sind die klaren, sachlichen und doch von tiefster Not zeugenden Ausführungen, in denen Walter Kohl sich beinahe selbst analysiert. Die außergewöhnliche Lebenssituation als Kanzlersohn ist die eine Seite seines Berichtes; die andere beschäftigt sich mit den Charakterstrukturen der Eltern, die er mit kenntnisreichem und verständnisvollem Blick zeichnet. Dieser Lebensbericht ist ungewöhnlich in der Intention, die nicht auf eine Abrechnung zielt, sondern zu einer Klärung der Lebensverhältnisse und der Erziehungsbedingungen beiträgt, denen Walter mit seinem Bruder Peter ausgesetzt war. Wohl selten hat man so anrührend und zugleich um Wahrhaftigkeit bemüht Erinnerungen eines Politikersohnes gelesen. Walter Kohl zeigt eine Versöhnlichkeit, der man höchsten Respekt zollt.

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