Walter Krämer

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Lexikon der populären Irrtümer

Lexikon der populären Irrtümer

 (31)
Erschienen am 01.04.2010
So lügt man mit Statistik

So lügt man mit Statistik

 (16)
Erschienen am 01.08.2015
Das neue Lexikon der populären Irrtümer

Das neue Lexikon der populären Irrtümer

 (10)
Erschienen am 01.07.2007
Die Angst der Woche

Die Angst der Woche

 (5)
Erschienen am 10.12.2012
Statistik verstehen

Statistik verstehen

 (4)
Erschienen am 01.02.2001
Lexikon der populären Sprachirrtümer

Lexikon der populären Sprachirrtümer

 (4)
Erschienen am 01.10.2007
Kalte Enteignung

Kalte Enteignung

 (2)
Erschienen am 01.06.2013

Neue Rezensionen zu Walter Krämer

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Rezension zu "So lügt man mit Statistik" von Walter Krämer

"Die Zahlen lügen nicht. Nur der Zahlenverwerter lügt."
R_Mantheyvor 3 Jahren

So ganz stimmt das nicht, denn fast am Ende dieses Buches findet man ein Beispiel, wie Politiker Zahlen schönen, damit sie in ihre Wunschwelt passen. Zwar stammen diese Fälschungen vom SED-Politbüro-Mitglied Mittag, aber man liegt sicher nicht falsch, wenn man solche Versuche nicht nur singulär der verblichenen DDR-Führung zuschreibt. Immerhin kennt man verwandte Techniken inzwischen aus einem bundesdeutschen Automobilklub. Neuerdings passen auch manche Umfragen etwas zu überdeutlich ins Gewollte.


Aber das ist nicht das Thema dieser Neuauflage eines sehr erfolgreichen Buches. Walter Krämer geht es mehr um unabsichtliche Lügen, die im Wesentlichen aus einer "fehlerhaften Verdrahtung in unserem Gehirn" folgen. An solchen Ursachen kann man allerdings auch gelegentlich zweifeln, denn wenn jemand schreibt "Jeder Zweite lebt allein" und glaubt, damit eine Statistik auf den Punkt zu bringen, nach der in Deutschland 53% der Haushalte von Singles geführt werden, dann liegt diese blödsinnige Interpretation nicht an einer genetisch falschen Verdrahtung in seinem Kopf, sondern an einer erheblichen Schwäche, ein offensichtlich untrainiertes Gehirn sachgerecht benutzen zu können.


Wenn man dieses Buch aufmerksam liest, dann bringt sein Autor in Wirklichkeit zwei Gruppen von lügenden Zahlenverwertern ins Spiel, nämlich erstens diejenigen, die tatsächlich aus welchen Gründen auch immer unfähig sind, ein vorliegendes (rohes oder bereits aufbereitetes) Zahlenmaterial adäquat zu interpretieren und diejenigen, die es mit voller Absicht falsch deuten. Die Übergänge zwischen diesen beiden Gruppen sind darüber hinaus fließend. Der Autor schreibt zu Beginn seines Textes: “Viele ... Statistiken sind falsch. Einige sind bewusst manipuliert, andere nur unpassend ausgesucht. In einigen sind schon die reinen Zahlen falsch, in anderen sind zahlen nur irreführend dargestellt. Dann werden wieder Äpfel und Birnen zusammengeworfen, Fragen suggestiv gestellt, Trends fahrlässig fortgeschrieben, Raten, Quoten oder Mittelwerte kunstwidrig berechnet, Wahrscheinlichkeiten vergewaltigt oder Stichproben verzerrt, sodass Lüge und Statistik für viele zusammengehören wie Pat und Patachon.”


Damit ist das Programm dieses Buches klar umrissen, denn im Folgenden werden alle diese Punkte abgearbeitet. Man muss dabei nicht Mathematik studiert haben, um den Ausführungen des Autors folgen zu können. Im Gegenteil: Der Text liest sich sehr entspannt, weil er didaktisch hervorragend aufbereitet wurde. Allerdings muss man schon etwas mitdenken. Und genau das ist wohl auch Krämers Ziel: Seine Leser sollen den Respekt vor Statistiken verlieren und verstehen lernen, dass man mit ihnen leicht hinters Licht geführt werden kann, wenn man nicht genau hinterfragt, wie sie überhaupt zustande gekommen sind.


Gutgläubigen Laien kann man so ziemlich alles verkaufen. Und so zeigt Krämer am Ende seines Buches, wie man leicht “nachweisen” kann, dass Fluglärm Aids erzeugt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht wenige Mitbürger das auch schlucken würden, stünde es in einer Zeitung und wüsste man nichts Genaues über die Kausalkette. Wenn dieses Buch wenigstens etwas an der vorherrschenden, fast schon religiösen Zahlen- und Wissenschaftsgläubigkeit rütteln würde, hätte es ein gutes Werk getan. Statt sich in Ehrfurcht zu üben, sollte man lieber Zweifeln lernen. Dieses Buch trägt hoffentlich dazu bei. 

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Rezension zu "Kalte Enteignung" von Walter Krämer

Wer sich erpressbar macht, wird auch erpresst werden
R_Mantheyvor 3 Jahren

Am 4. Juli 2012 erschien in der FAZ ein gemeinsamer Aufruf von 277 deutschsprachigen Wirtschaftsprofessoren, der sich in klaren und eindeutigen Worten gegen den ökonomischen Irrsinn der sogenannten Eurorettungspolitik der Bundesregierung richtete. Walter Krämer zählte zu den Initiatoren dieses Aufrufs.

Wenige Tage vorher fand ein Eurogipfel in Brüssel statt, auf dem für Deutschland äußerst verhängnisvolle Beschlüsse gefasst wurden. Der deutsche Steuerzahler haftet nun inzwischen nicht nur für deutsche Banken, sondern auch für alle maroden Banken im Eurosystem. In seinem Buch erklärt Walter Krämer den Umfang der Risiken, die Deutschland von seiner eigenen Regierung aufgebürdet wurden. Er stellt die wahrscheinlich verheerenden Auswirkungen verständlich dar und erläutert verpasste Alternativen zu dieser angeblich alternativlosen Politik.

Dass die gemeinsame europäische Währung nicht funktionieren wird und sich zu einem enormen Spaltpilz entwickeln kann, sahen viele Ökonomen bereits vor ihrer Einführung. Doch auch solche Aufrufe blieben ungehört, weil es bei dieser Währung von Anfang an nicht um eine ökonomische Notwendigkeit, sondern um einen politischen Akt ging, bei dem völlig verschiedene Interessenlagen der europäischen Mächte zusammengebracht wurden, wobei jeder der Akteure hoffte, seine Ansprüche durchsetzen zu können. Der Einfluss Deutschlands in dieser Gemeinschaft entspricht jedoch überhaupt nicht seinem finanziellen Beitrag. Wer so etwas akzeptiert, muss sich nicht wundern, dass die Dinge hinterher nicht in seinem Interesse verlaufen. Außer in der EU gibt es eine solch unsinnige Konstruktion nirgendwo in der Welt.

Für Deutschland und seine Bürger stehen inzwischen riesige Summen im Feuer. Krämer erläutert in seinem Text, wie es dazu kam und wie sich diese Beträge zusammensetzen. Darüber hinaus beschreibt er das Prinzip der sogenannten Rettungspolitik. Wenn man nämlich erst einmal angefangen hat, zu bürgen und zu haften, dann kann man leicht zu immer größeren Beiträgen erpresst werden, weil man den vorherigen Einsatz nicht verlieren möchte. Wer sich in eine solche Situation manövrieren lässt, muss sich nicht wundern, wenn er aus dieser Falle nicht mehr entfliehen kann.

Nachdem Krämer diese Situation ausführlich beschrieben hat, kommt er zu den sich daraus ergebenen Angriffen auf den Wohlstand Deutschlands, den sich die Bürger dieses Landes schließlich nicht erarbeitet hätten, um ihn zu "notorischen Kreditbetrügern", wie Krämer die südeuropäischen Staaten nennt, unter dem Deckmantel einer angeblichen Solidarität zu transferieren. Dass die Empfänger dabei nicht die Bürger der jeweiligen Ländern, sondern Banken sind, macht keinen Unterschied. Allerdings zeigt dies, so Krämer, dass es nicht um Europa oder den europäischen Gedanken geht, sondern nur um eine Umverteilung von Vermögen zu den finanziellen Eliten, die letztlich gemeinsam mit verantwortungslosen Politikern das ganze Desaster erst verursacht haben.

Das Finanzvermögen der Deutschen (dazu zählen auch zukünftige Rentenansprüche) wird nach Krämer auf mindesten dreifache Weise bedroht. Zunächst frisst die von der EZB erzeugte Inflation (das enorme Geldmengenwachstum der letzten Jahre) auf kaltem Wege den Wert des Geldes. Der deutsche Bundestag hat diesem Treiben am 29. Juni 2012 ein Mandat erteilt. Wer weiß eigentlich noch, dass die Reichsbank die Preisinflation von 1923 auf ganz ähnliche Weise verursachte?

Der zweite Angriff auf deutsches Vermögen verläuft ebenfalls fast unbemerkt und ergibt sich aus dem wahrscheinlichen Wertverfall desjenigen Teils des deutschen Auslandsvermögens, der direkt oder indirekt aus nicht einklagbaren Forderungen der Bundesbank besteht, die beispielsweise durch deutsche Exporte entstanden. Und drittens droht eine heiße Enteignung, wenn nämlich die von der deutschen Bundesregierung eingegangenen Bürgschaften eingefordert werden.

Krämer erläutert all dies in einer klaren und einfachen Sprache. Darüber hinaus räumt er mit dem Mythos auf, dass Deutschland ein Euro-Profiteur wäre, wie immer wieder gerne entweder ahnungslos oder wissentlich falsch von der Politik behauptet wird. Und Krämer zeigt auch Alternativen auf. Beispielsweise erklärt er, dass man das Vertrauen der Finanzmärkte auch ganz anders hätte gewinnen können. Die Schuldnerstaaten hätten einfach Sicherheiten für ihre neuen Kredite bieten können, so wie das eigentlich im Geschäftsleben üblich ist. Aus der Weigerung, so zu handeln, schließt Krämer, dass die Schuldner nicht vorhaben, ihre Schulden jemals zurückzuzahlen. Finnland, so erläutert der Autor, befreite sich durch die Bereitstellung von Sicherheiten für neue Kredite einst aus einer ähnlich prekären Situation.

Walter Krämer hat mit diesem Buch sicher einen nicht unwesentlichen Beitrag dafür geleistet, dass jeder, der die verhängnisvolle deutsche Eurorettungspolitik der letzten Jahre durchschauen möchte, dazu nun in der Lage ist.

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Rezension zu "Die Angst der Woche" von Walter Krämer

"Entwarnung, falscher Alarm, Kernkraft schützt vor Leukämie!"
R_Mantheyvor 3 Jahren

Diesen Aufmacher schlägt der Walter Krämer den ARD-Tagesthemen vor, falls die Redakteure jemals sein Buch lesen und seine Auswertung der entsprechenden Daten zur Kenntnis nehmen sollten. Doch das wird nicht geschehen, denn scheinbar kann der Autor dieses Buches seinem Zweck dann wohl selbst nicht glauben, denn auf Seite 211 findet der Leser folgenden Aufschrei innerer Verzweiflung: "Seit wann helfen Kontra-Argumente gegen Glaubenssätze?".

Doch wer weiß, vielleicht verschafft der Text dem einen oder anderen Leser dann doch wenigstens eine gewisse Immunität gegen die mutwillige Verzerrung der Wirklichkeit, mit der man uns täglich zu manipulieren versucht.

Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund, sammelt mit seinen Studenten seit Jahren Angstmeldungen. Da wird dann sicher auch die Meldung aus meiner Tageszeitung von vorgestern Platz finden, dass deutsche Kassenbons mit einem schrecklichen Gift verseucht sind. Vom täglichen Verzehr von mehr als zehn solcher Zettel ist daher dringend abzuraten.

Leider erzeugen solche blödsinnigen Meldungen auf Dauer im Unterbewusstsein eine diffuse Bedrohungsangst, die in Glaubenssätzen mündet, gegen die rationale Argumente anschließend kaum noch ankommen. Der Autor versucht es dennoch, schießt dabei aber leider in seinem verständlichen Ärger mehrfach etwas über sein Ziel hinaus. Ich komme darauf am Ende zurück.

Nachdem Krämer seine rhetorische Frage, ob wir Deutsche eine Nation von Panikmachern sind, beantwortet hat, widmet er sich der Funktionsweise der "Panikmechanik", wie er es nennt. Wenn Medien konkurrieren, dann geht es kaum noch um eine eventuell langweilige objektive Berichterstattung, sondern mehr darum, das Publikum mit einer "Story" zu fesseln, um die Einschaltquote oder die Verkaufszahlen zu pushen. Die oben erwähnte Kassenbon-Meldung erfüllt solche Kriterien. Erst nachdem man die Horror-Geschichte wirklich gelesen hat, erfährt man ganz am Ende etwas über die wirkliche (im Grunde lächerliche) Gefahr.

Bei einer solchen "Berichterstattung" bleiben Grenzwerte in der Regel unerwähnt oder werden so verschleiert, dass man sie nicht in Bezug zu realem Geschehen setzen kann. Gerne wird auch der Konjunktiv verwendet. Obwohl keine wirkliche Gefahr im Verzug ist, könnte ja doch vielleicht noch eine entstehen. Wer weiß das schon? Sehr beliebt ist auch die Verwendung von Maßeinheiten, die dem Publikum wenig Erleuchtung bescheren, dafür aber schrecklich klingen.

Der Autor geht im Weiteren noch auf andere Tricks in diesem Zusammenhang ein. Danach beschreibt er im folgenden Kapitel den Irrsinn von Grenzwerten. Unter anderem erwähnt er dabei den "Dioxin-Skandal" bei Bio-Eiern von 2010 und schreibt, dass der erlaubte Grenzwert bei Fisch um ein Mehrfaches höher ist. Mit anderen Worten: Während die entsprechenden Eier wahrscheinlich als Sondermüll entsorgt werden mussten, sind Lebensmittel mit einer möglicherweise viel höheren Dioxin-Belastung völlig untadelig. Doch der Blödsinn geht noch weiter. Was im Norden Deutschlands erlaubt ist, kann im Süden verboten sein. Und umgekehrt. Alles eine Frage des Grenzwertes.

In den beiden folgenden Kapiteln befasst sich Krämer mit der Frage, ob es uns nicht vielleicht zu gut geht, und gewissen Paradoxien in unserer Wahrnehmung. Denn vor bestimmten Gefahren besitzen wir eine recht große Angst, vor anderen wiederum nicht, obwohl das rational eigentlich nicht zu verstehen ist.

Das sechste Kapitel untersucht populäre Irrtümer über Krebs und ihre Folgen, während sich die beiden nächsten Abschnitte mit unserer angeblich irrationalen Chemiephobie und vergifteten Lebensmitteln beschäftigt. Kapitel 9 schließlich diskutiert den Zusammenhang zwischen Leukämie und Kernkraftwerken. Glaubt man dem Autor, dann sind die zum Beleg der von Kernkraftwerken angeblich erzeugten höheren Gefahr, an Leukämie zu erkranken, vorgelegten statistischen Untersuchungen fehlerhaft.

Oder besser: Man kann, wenn man möchte, solche Belege immer finden. Für alles und jeden. Das ist allerdings die einzige Stelle, wo es etwas mathematisch wird, wenn auch wirklich nur etwas. Krämer zeigt dann, wie eine objektive Auswertung vorhandener Daten aussehen müsste. Diese führt schließlich dazu, dass die Leukämie-Rate in der Nähe von KKWs unbedeutend niedriger als normal ist.

Das Buch endet mit der Frage, was uns die fehlende Rationalität am Ende schon gekostet hat oder noch kosten wird. Beispielsweise spekuliert Krämer hier, ob das Verbot von DDT am Ende nicht mehr gekostet als genutzt hat, weil Krankheiten sich ausgebreitet haben, die eine Anwendung von DDT verhindert hätte.

Leider beginnt aber genau hier mein Problem mit diesem ansonsten hervorragenden Buch. Solche Gegenüberstellungen sind nicht nur am Ende nicht wirklich quantifizierbar, sie verleugnen auch ein Problem, auf das Krämer nicht eingeht. Er schreibt, dass die meisten Gifte schließlich natürlich sind und schlussfolgert dann (vereinfacht ausgedrückt), dass unsere Angst vor dem wenigen Zeug, was die Menschen noch zusätzlich erzeugt haben, allein schon der Masse wegen unbegründet wäre.

Er unterschlägt dabei aber erstens, dass der Mensch und seine natürliche Umwelt nicht an (vom evolutionären Gesichtspunkt plötzlich und massenhaft erscheinende) unnatürliche Gifte gewöhnt sind und zweitens, dass beiden nicht nur die einzelnen Giftmengen zu schaffen machen, sondern ihre Summe und die unklare Wechselwirkung untereinander und mit natürlichen Stoffen.

Abgesehen davon hat mir Krämers Buch ausgezeichnet gefallen. Es liest sich leicht und verlangt keine besonderen Voraussetzungen. Auch wenn ich die Skepsis des Autors bezüglich der Überzeugungskraft von rationalen Argumenten gegenüber diffusen Glaubenssätzen teile, bleibt zu hoffen, dass dieses Buch zahlreiche Leser findet.

Fazit.
Ein sehr lesenswerter und äußerst informativer Text, der einen Kontrapunkt zu den täglichen Manipulationsversuchen der Medien setzt.

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