Walter Krämer Die Angst der Woche

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Inhaltsangabe zu „Die Angst der Woche“ von Walter Krämer

Immer wieder verursachen sie uns schlaflose Nächte: aufgeregte Meldungen über erhöhte Dioxinwerte in Eiern, genetisch veränderte Pflanzen oder krebserregende Stoffe in Babyschnullern. Lebensmittelskandale werden aufgebauscht, gesundheitliche Risiken übertrieben, falsche Ängste geschürt. Wie können wir dieser Hysterie entkommen? Der Bestsellerautor Walter Krämer weist den Weg zu einem mündigen Umgang mit der »Angst der Woche«.

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  • "Entwarnung, falscher Alarm, Kernkraft schützt vor Leukämie!"

    Die Angst der Woche
    R_Manthey

    R_Manthey

    02. July 2015 um 12:36

    Diesen Aufmacher schlägt der Walter Krämer den ARD-Tagesthemen vor, falls die Redakteure jemals sein Buch lesen und seine Auswertung der entsprechenden Daten zur Kenntnis nehmen sollten. Doch das wird nicht geschehen, denn scheinbar kann der Autor dieses Buches seinem Zweck dann wohl selbst nicht glauben, denn auf Seite 211 findet der Leser folgenden Aufschrei innerer Verzweiflung: "Seit wann helfen Kontra-Argumente gegen Glaubenssätze?". Doch wer weiß, vielleicht verschafft der Text dem einen oder anderen Leser dann doch wenigstens eine gewisse Immunität gegen die mutwillige Verzerrung der Wirklichkeit, mit der man uns täglich zu manipulieren versucht. Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund, sammelt mit seinen Studenten seit Jahren Angstmeldungen. Da wird dann sicher auch die Meldung aus meiner Tageszeitung von vorgestern Platz finden, dass deutsche Kassenbons mit einem schrecklichen Gift verseucht sind. Vom täglichen Verzehr von mehr als zehn solcher Zettel ist daher dringend abzuraten. Leider erzeugen solche blödsinnigen Meldungen auf Dauer im Unterbewusstsein eine diffuse Bedrohungsangst, die in Glaubenssätzen mündet, gegen die rationale Argumente anschließend kaum noch ankommen. Der Autor versucht es dennoch, schießt dabei aber leider in seinem verständlichen Ärger mehrfach etwas über sein Ziel hinaus. Ich komme darauf am Ende zurück. Nachdem Krämer seine rhetorische Frage, ob wir Deutsche eine Nation von Panikmachern sind, beantwortet hat, widmet er sich der Funktionsweise der "Panikmechanik", wie er es nennt. Wenn Medien konkurrieren, dann geht es kaum noch um eine eventuell langweilige objektive Berichterstattung, sondern mehr darum, das Publikum mit einer "Story" zu fesseln, um die Einschaltquote oder die Verkaufszahlen zu pushen. Die oben erwähnte Kassenbon-Meldung erfüllt solche Kriterien. Erst nachdem man die Horror-Geschichte wirklich gelesen hat, erfährt man ganz am Ende etwas über die wirkliche (im Grunde lächerliche) Gefahr. Bei einer solchen "Berichterstattung" bleiben Grenzwerte in der Regel unerwähnt oder werden so verschleiert, dass man sie nicht in Bezug zu realem Geschehen setzen kann. Gerne wird auch der Konjunktiv verwendet. Obwohl keine wirkliche Gefahr im Verzug ist, könnte ja doch vielleicht noch eine entstehen. Wer weiß das schon? Sehr beliebt ist auch die Verwendung von Maßeinheiten, die dem Publikum wenig Erleuchtung bescheren, dafür aber schrecklich klingen. Der Autor geht im Weiteren noch auf andere Tricks in diesem Zusammenhang ein. Danach beschreibt er im folgenden Kapitel den Irrsinn von Grenzwerten. Unter anderem erwähnt er dabei den "Dioxin-Skandal" bei Bio-Eiern von 2010 und schreibt, dass der erlaubte Grenzwert bei Fisch um ein Mehrfaches höher ist. Mit anderen Worten: Während die entsprechenden Eier wahrscheinlich als Sondermüll entsorgt werden mussten, sind Lebensmittel mit einer möglicherweise viel höheren Dioxin-Belastung völlig untadelig. Doch der Blödsinn geht noch weiter. Was im Norden Deutschlands erlaubt ist, kann im Süden verboten sein. Und umgekehrt. Alles eine Frage des Grenzwertes. In den beiden folgenden Kapiteln befasst sich Krämer mit der Frage, ob es uns nicht vielleicht zu gut geht, und gewissen Paradoxien in unserer Wahrnehmung. Denn vor bestimmten Gefahren besitzen wir eine recht große Angst, vor anderen wiederum nicht, obwohl das rational eigentlich nicht zu verstehen ist. Das sechste Kapitel untersucht populäre Irrtümer über Krebs und ihre Folgen, während sich die beiden nächsten Abschnitte mit unserer angeblich irrationalen Chemiephobie und vergifteten Lebensmitteln beschäftigt. Kapitel 9 schließlich diskutiert den Zusammenhang zwischen Leukämie und Kernkraftwerken. Glaubt man dem Autor, dann sind die zum Beleg der von Kernkraftwerken angeblich erzeugten höheren Gefahr, an Leukämie zu erkranken, vorgelegten statistischen Untersuchungen fehlerhaft. Oder besser: Man kann, wenn man möchte, solche Belege immer finden. Für alles und jeden. Das ist allerdings die einzige Stelle, wo es etwas mathematisch wird, wenn auch wirklich nur etwas. Krämer zeigt dann, wie eine objektive Auswertung vorhandener Daten aussehen müsste. Diese führt schließlich dazu, dass die Leukämie-Rate in der Nähe von KKWs unbedeutend niedriger als normal ist. Das Buch endet mit der Frage, was uns die fehlende Rationalität am Ende schon gekostet hat oder noch kosten wird. Beispielsweise spekuliert Krämer hier, ob das Verbot von DDT am Ende nicht mehr gekostet als genutzt hat, weil Krankheiten sich ausgebreitet haben, die eine Anwendung von DDT verhindert hätte. Leider beginnt aber genau hier mein Problem mit diesem ansonsten hervorragenden Buch. Solche Gegenüberstellungen sind nicht nur am Ende nicht wirklich quantifizierbar, sie verleugnen auch ein Problem, auf das Krämer nicht eingeht. Er schreibt, dass die meisten Gifte schließlich natürlich sind und schlussfolgert dann (vereinfacht ausgedrückt), dass unsere Angst vor dem wenigen Zeug, was die Menschen noch zusätzlich erzeugt haben, allein schon der Masse wegen unbegründet wäre. Er unterschlägt dabei aber erstens, dass der Mensch und seine natürliche Umwelt nicht an (vom evolutionären Gesichtspunkt plötzlich und massenhaft erscheinende) unnatürliche Gifte gewöhnt sind und zweitens, dass beiden nicht nur die einzelnen Giftmengen zu schaffen machen, sondern ihre Summe und die unklare Wechselwirkung untereinander und mit natürlichen Stoffen. Abgesehen davon hat mir Krämers Buch ausgezeichnet gefallen. Es liest sich leicht und verlangt keine besonderen Voraussetzungen. Auch wenn ich die Skepsis des Autors bezüglich der Überzeugungskraft von rationalen Argumenten gegenüber diffusen Glaubenssätzen teile, bleibt zu hoffen, dass dieses Buch zahlreiche Leser findet. Fazit. Ein sehr lesenswerter und äußerst informativer Text, der einen Kontrapunkt zu den täglichen Manipulationsversuchen der Medien setzt.

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  • Die Angst der Woche

    Die Angst der Woche
    TinaGer

    TinaGer

    03. March 2014 um 14:43

    Walter Krämer lehrt an die Uni Dortmund und nimmt mit dem vorliegenden Werk ‚Die Angst der Woche’ eine durchaus interessante Einordnung vor. Um nur ein paar winzige Beispiele zu nennen: Seit dem Verbot des Pflanzenschutzmittels DDT 1964 sterben auf Sri Lanka jährlich nicht mehr 17 Menschen, sondern nunmehr über 2.500.000 Menschen an Malaria. So verhält es sich gleichfalls mit dem Verbot von Chlor, das zwar ohne Zweifel toxisch ist, aber in Peru die Ausbreitung der Cholera Epidemie Anfang der 90’er Jahre verhindert hätte. 7.000 Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn das Trinkwasser mit Chlor desinfiziert worden wäre. Die Chemiephobie der Menschen – vor allem in Deutschland – ist um eines vieles gefährlicher als die Chemikalien selbst. Egal ob BSE, Dioxin oder Pestizide; Politik und Medien erschaffen Ängste, die bei genauerer Betrachtung, der Grundlage entbehren.

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  • Rezension zu "Die Angst der Woche" von Walter Krämer

    Die Angst der Woche
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    01. December 2011 um 10:40

    Die fast täglichen Manipulationsversuche der Medien werden immer dreister. Mit aufgebauschten und angeblich wissenschaftlich nachgewiesenen Behauptungen und Warnungen werden die Menschen von einer „Angst der Woche“ in die andere gejagt. Selbst bei kritischen Zeitgenossen entsteht über die Dauer einer solchen Dauerbeunruhigung das seltsame Gefühl einer existentiellen Bedrohung und Unsicherheit. Sehr oft werden bei Lebensmittelskandalen und anderen gesundheitlichen Risiken die Zahlen verdreht und Statistiken falsch oder verzerrt dargestellt. Walter Krämer hat schon in vielen Büchern solchen Umgang mit Gefahren und Theorie entlarvt. Zeitgleich mit diesem Buch etwa in dem bei Berlin University Press erschienenen Band „Wie wir uns von falschen Theorien täuschen lassen“. Die hier in „Angst der Woche“ versammelten Beispiele rufen beim Leser sicher die eine oder andere Erinnerung wach an seine eigene Reaktion auf bestimmte Paniknachrichten der Vergangenheit. Auf jeden Fall aber machen sie deutlich: wir fürchten uns vor den falschen Dingen. Die Wahrheit ist manchmal viel beruhigender als wir glauben.

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