Walter Laqueur Die deutsche Jugendbewegung. Eine historische Studie

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Inhaltsangabe zu „Die deutsche Jugendbewegung. Eine historische Studie“ von Walter Laqueur

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    Die deutsche Jugendbewegung. Eine historische Studie

    Sokrates

    08. June 2011 um 21:05

    Wer sich mit dem deutschen Kaiserreich beschäftigt wird alsbald auf 'die Jugendbewegung' stoßen, die neben den in England weit verbreiteten 'Pfadfindern' eine DER Bewegungen dieser Zeit war. Laqueur's Studie ist eine einzigartige: neben vielen Zeitdokumenten hat bislang nur er es geschafft, eine objektiv-historische Darstellung der Gründerzeit, Hoch- und Endphase der Jugendbewegung zu schreiben. Die Anfänge dieser überaus wichtigen Jugendbewegung sind die Jahre 1880 ff., in denen sich die deutsche Jugend mehr und mehr von der wachsenden Verstädterung abwanden, den gesellschaftlichen Ausstieg forderten, gegen das konservative Etablisment der Eltern rebellierten. Insbesondere das 'Wandern' wurde zum Leitmotiv, politisch völlig unmotiviert, einzig auf der Suche nach der inneren Bestimmung und der Erhebung der eigenen Seele. Gemeinschaft und Gruppe kamen danach. Hier lassen sich die ersten Reibungspunkte der Jugendbewegung mit der tradierten deutschen Gesellschaft erahnen, aber auch die ersten Anknüpfungspunkte für Gedankenströmungen, die weit nach 1918 einsetzen werden: Gruppengeist und ähnlichem. Noch weitgehend unpolitisch betreten die Mitglieder der Jugendbewegung den Kriegsschauplatz des ersten Weltkrieges; eine gemeinsame Position zum Krieg als solchem gab es nicht. Die Jugendbewegung selbst bestand aus einer Reihe charismatischer Führer - DEN Anführer gab es nicht. Ein Großteil der Teilnehmer des ersten Weltkrieges kommt desillusioniert wieder. Nach dem ersten Weltkrieg brechen andere Ideale hervor: Rückbesinnung auf Alt-Deutsches; neben gemäßigten Meinungen erscheinen radikalere, die sich alsbald mit den Nationalsozialisten verbünden. Außer in EInzelschicksalen bleibt die Jugendbewegung jedoch unpolitisch, auch in Zeiten der NS-Herrschaft ab 1933. Dass die Ortgruppen der Jugendbewegung und der 'Wandervögel' der HJ angeglieder werden, bedeutet nicht in jedem Fall eine Übereinstimmung in ideologischen Fragen. Nach 1945 findet - bis heute - eine Renaissance statt. Das Buch ist gut geschrieben, unglaublich informativ und stellt leider bis heute (geschrieben in den 1970er Jahren) die einzige brauchbare Publikation in diesem Bereich dar. Laqueur arbeitet anhand wissenschaftlicher Quellen, bindet Zeitzeugen wie Helwig ein, deren Literatur heute noch erhältlich ist und mit den von Laqueur gelieferten Informationen besser gedeutet werden kann. Insgesamt ist die Quellenlage doch recht dürftig, und so wird Laqueurs Buch auch weiterhin Standardwerk bleiben. Nebenbei ist eine interessante Mentalitätsgeschichte der Kinder der Mittelschicht und des gutsituierten Bürgertums der Jahre 1900 - 1933.

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