Walter Mesch Glück – Tugend – Zeit

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Inhaltsangabe zu „Glück – Tugend – Zeit“ von Walter Mesch

Wann können wir sagen, dass wir glücklich sind? In der Ethik Aristoteles’ ist dies eine wichtige Frage. Ist glücklich, wer über eine tugendhafte Seelenverfassung verfügt oder braucht es äußere Güter? Reicht eine kurze Zeit aus oder bedarf es eines ganzen tugendhaften Lebens, um das höchste Gut – um ‚eudaimonia’ zu erreichen? Dieser Band geht davon aus, dass die aristotelische Theorie des ‚guten Lebens’ nur unter Berücksichtigung der Zeit angemessen zu verstehen ist. Wie sieht also die Zeitstruktur eines gelungenen Lebens aus? Welche Antworten gibt Aristoteles für den Umgang mit der Zeit?

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  • Glück in der (Lebens-) Zeit

    Glück – Tugend – Zeit

    michael_lehmann-pape

    12. May 2013 um 14:25

      Auf Aristoteles Spuren wandelt Walter Mesch als Herausgeber mit den vielen Beiträgen in diesem Buch. Mithin auf den „Spuren des Glücks in der Zeit“. Eine „möglichst gute“ zeit des Lebens zu verbringen, das „Glück“ als „Tugend“ in das Leben hineinbringen, diesem Kerngedanken des Aristoteles widmen sich die diversen Autoren mit ihren Betrachtungen im Buch. Auf der Grundlage einer der „einflussreichsten Konzeptionen der Antike“ für die gesamte, gesellschaftliche Entwicklung heutiger Werte und Haltungen.   Auch wenn das aristotelische Bild eines „guten Lebens“ sich durchaus am modernen Individualismus reibt und sich wenig mit tradierten moralistischen Grundannahmen in Deckung bringen lässt, trägt die Grundannahme des Aristoteles auf fast eine „Verpflichtung zum (recht verstandenen) Glück“ durchaus bis in die Gegenwart hinein noch ihre Blüten.   So ist es folgerichtig, dass sich das Buch zunächst Definitionen zuwendet. Begriffsklärungen, was abgegrenzt und genau Aristoteles unter „Glück“ und „Tugend“ vorstellt, wie er diese Begriffe nutzt und in den Kontext der „Zeit“ stellt. Eine (Lebens-) Zeit, in der sich möglichst breit ein „gutes Leben“ (Glück) verwirklichen soll. Ein Vorhaben, dass allein und nur durch „Tugend“ zu erreichen ist, wie Mesch überzeugend verdeutlicht. Wobei „alle anderen Ziele des Lebens“ diesem „höchsten Ziel“ des „Glücks durch Tugend“ zugeordnet sind, auf dieses Ziel allein hinarbeiten. Glück allerdings nicht im hedonistischen Sinne verstanden, sondern als eine „(vernünftige) Tätigkeit der Seele gemäß“. Besser als mit dem modern missverständlichen Begriff „Glück“ im Sinne auch rein egozentrischer Kurzfristbefriedigungen wäre somit eher die Vorstellung eines „gelingenden Lebens“ (in der Gemeinschaft) treffender für das, was Aristoteles meint.   Wobei ein klares Verständnis des Gemeinten ein durchaus komplexer Vorgang war und ist, allein schon durch die Aristoteles eigene Unterscheidung in den Begrifflichkeiten selbst. Ein Seelenteil, der auf Vernunft hört und ein anderer Seelenteil, der Vernunft hat stellt allein schon vor Verständnisprobleme.   Eine Komplexität, der die Beiträge im Buch gerecht werden. Mit durchaus nicht zu unterschätzendem Abstraktionsgrad und wissenschaftlicher Sprache benötigt es allerdings einer hohen Konzentration, sich in die Welt des „Glücks aus Tugend“ und des „gelingenden Lebens in der Zeit“ einzuarbeiten. Dann aber eröffnet sich die Grundthese des Buches, das ein struktureller Begriff des „Glücks“ ableitbar ist, an dem messbar wird, welche „Güter“ in ein „gutes Leben“ zu integrieren sind und welche nicht.   Erst nach Klärung dieser nicht einfach zu erstehenden Zusammenhänge wird erweiternd die eng zusammenhängende Frage der „Zeitstruktur eines guten Lebens“ nach Aristoteles als zweiter thematischer Schwerpunkt des Buches einer Betrachtung zugeführt.   „Da sich unser Leben in zeitlich erstreckten Tätigkeiten vollzieht, wird man nämlich damit rechnen müssen, dass das Verständnis dieser Zeitdimension und der Umgang mit ihr“ wichtig ist für die praktischen Vollzüge eines Lebens, das auf „ein gelingendes Leben“ hin sich orientiert. Ein Punkt, den Aristoteles selbst wesentlich weniger breit erläutert als seine Grundgedanken zu „Glück und Tugend“ und der daher der intensiven Interpretation bedarf. Roman Dilcher setzt hier im Buch einen guten Überblick mit seinem „Die Dauer der Praxis“, wie aber auch alle anderen Beiträge jeweils das ihre zum Gesamtverständnis in fundierter Weise beitragen. Die Dynamik des Ansatzes verdeutlicht sich so z.B. in Hübners Einlassungen zum „Werden und Vergehen der Tugenden“.   Alles in allem eine sehr interessante Auseinandersetzung mit der, bis dato, noch nicht breit diskutierten „Zeitstruktur“, die Aristoteles seinem „guten Leben durch Tugend“ mit auf den Weg gibt. Auf hohem, wissenschaftlichem Niveau mit teilweise ebenso hohem Grad der Abstraktion, die ein konzentriertes Erarbeiten des Buches erforderlich machen. Eine Mühe, die sich lohnt auf dem Weg zur Antwort der Frage, wozu die Zeit eigentlich dient (oder dienen sollte).

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