Walter Rauscher

 4.7 Sterne bei 18 Bewertungen

Alle Bücher von Walter Rauscher

Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939

Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939

 (10)
Erschienen am 03.10.2016
Die verzweifelte Republik

Die verzweifelte Republik

 (6)
Erschienen am 01.10.2017
Die fragile Großmacht

Die fragile Großmacht

 (1)
Erschienen am 18.07.2014

Neue Rezensionen zu Walter Rauscher

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Manuel2704s avatar

Rezension zu "Die verzweifelte Republik" von Walter Rauscher

Geburtswehen einer Republik
Manuel2704vor einem Jahr

Selten habe ich mich in letzter Zeit so bewusst für ein Buch beworben, wie dies bei dem vorliegenden der Fall war. Ich war daher sehr erfreut, dass mir die Glücksfee hold war und habe ihr die Lieferschwierigkeiten auch gerne nachgesehen.
Die Leserunde hat mir viel Freude bereitet und ich habe das Werk von Walter Rauscher dann auch gleich noch ein weiteres Mal gelesen, was der Thematik und der Vielzahl der Fakten durchaus angemessen ist.
Meine Rezension hat daher etwas aus sich warten lassen – dafür ist sie aber nun nach sehr gründlichem Studium und mit Überzeugung entstanden.

Die Geschichte der Republik Österreich als Nachfolgestaat der zerfallenen Donaumonarchie steht ja immer etwas im Schatten der Weimarer Republik und deren Scheitern, welches dann von Historikern für gewöhnlich als Ouvertüre zum Aufstieg Hitlers gesehen wird.

Walter Rauscher nimmt den Leser sinnbildlich an der Hand und führt ihn durch den ersten Weltkrieg hindurch an das Ende der Habsburgermonarchie, hinein in die Wirren der unmittelbaren Nachkriegs- und Vorgründungszeit der neuen Republik und dann bis zum Jahr 1922.
Er tut dies sehr faktenreich und detailliert. Um die Übersichtlichkeit zu wahren und um den Leser nicht in Namen und Zahlen „ertrinken“ zu lassen, ist die Gesamtthematik nicht nur in Kapitel sondern auch in Unterkapitel gegliedert. Dieser „rote Faden“ ist eine echte Orientierungshilfe und für die gedankliche Verarbeitung eine wirkliche Unterstützung.

Die Darstellungen von Walter Rauscher decken sowohl Übereinstimmungen mit als auch Unterschiede zu Staaten auf, bei denen ebenfalls ein Wechsel von einem monarchischen zu einem demokratischen Herrschaftssystem erfolgte.
Parteienhader, Klassenkämpfe, gehässige Wahlpropaganda, provisorische Regierungen, zeitweise anarchische Zustände, Orientierungslosigkeit, wirtschaftliche Not – das alles schildert Walter Rauscher eindrucksvoll ohne jedoch dem Leser zu suggerieren, diese Dinge wären einzigartig und noch nie da gewesen.


Er arbeitet jedoch auch gekonnt die Besonderheiten heraus:

Die Auflösung eines Vielvölkerstaates mit einem sich explosiv Bahn brechenden Nationalismus, die Gleichgültigkeit der Siegermächte gegenüber dem Schicksal der Bevölkerung, der Separatismus selbst kleinster Regionen sowie die Bestrebungen von ehemaligen habsburgischen Gliedstaaten und von Nachbarländern, sich aus dem Kadaver der aufgelösten Donaumonarchie die besten Stücke zu sichern.

Nach Gründung der Republik zeichnet Walter Rauscher einen österreichischen Leidensweg nach, welcher von ständiger wirtschaftlicher Existenznot eines eigentlich nicht lebensfähigen Staates geprägt ist. Die verantwortlichen Politiker stehen dabei ständig vor dem Dilemma, im Ausland um Kredite „betteln“ zu müssen und dabei eine mühsam erkämpfte und daher sehr fragile nationale Identität nicht wieder einzubüßen.

Für mich war das Buch eine echte Bereicherung und Walter Rauscher
hat mit seinen Darlegungen und Ausführungen dazu beigetragen, mein Bild der Geschichte vom Europa und vom Österreich der Nachkriegszeit zu vervollständigen.

Ich kann das Werk jedem historisch Interessierten wärmstens empfehlen und vergebe aus Überzeugung und sehr gerne 5 Sterne.

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Buchgespensts avatar

Rezension zu "Die verzweifelte Republik" von Walter Rauscher

Spannend wie ein Roman
Buchgespenstvor einem Jahr

Das Ende des Ersten Weltkrieges stürzte nicht nur Deutschland in eine tiefe Krise, auch für Österreich bedeutete es einen steinigen Neubeginn. Spielball und Stiefkind der Alliierten entwickelte Österreich völlig eigene Vorstellungen von neuen politischen und gesellschaftlichen Strukturen, doch die wirtschaftlichen Nachwehen des Krieges und politischen Ambitionen der Siegermächte ließen nur wenig Spielraum.

Walter Rauscher gibt mit diesem Buch einen tollen Einblick in eine turbulente, schwierige Zeit. Fundiert und sachlich geschrieben liest es sich doch spannend wie ein Roman. In einem ausführlichen Anmerkungsteil werden Zitate belegt und auf weitere Lektüre hingewiesen. Schwarzweißbilder lassen diese schwierigen Jahre lebendig werden. Portraits von Politikern wechseln mit Alltagsbildern von Bahnhöfen voller Flüchtlinge oder Essenschlangen im Nachkriegswinter. Erschütternde Zeugnisse von Not und Elend, aber auch ein Eindruck von Kraft, Enthusiasmus und Hoffnung. Überraschende Fakten lassen auch Ereignisse im Dritten Reich in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Eine junge Republik im harten Überlebenskampf einer bitteren Nachkriegszeit geprägt von Verzweiflung und großen Träumen. Dieses Buch liefert einen weiteren Mosaikstein zu einem komplexen Bild der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die unser Leben so nachhaltig gestaltet haben. Mit diesem Buch liegt viel mehr vor als nur ein Teil der österreichischen Geschichte. Jedem, der an Geschichte interessiert ist, sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt!

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Matzbachs avatar

Rezension zu "Die verzweifelte Republik" von Walter Rauscher

Von der Weltmacht zum Habenichts
Matzbachvor einem Jahr

Ausgehend von den letzten Zuckungen er kaiserlich-königlichen Doppelmonarchie beschreit der Historiker Walter Rauscher die Gründung des Republik Österreich. Nach dem Zerfall und dem Rücktritt Kaiser Karls wurde das kleine Deutsch-Österreich nicht nur zum Spielball der Siegermächte, die in Saint Germain quasi über es zu Gericht saßen, sondern auch zu dem nationaler Egoismen der neu auf dem Gebiet des ehemaligen Österreich-Ungarn entstandenen Staaten, die alle ein Stück vom zu verteilenden Kuchen abhaben wollten.  Wilsons hehres Ziel vom Selbstbestimmungsrecht der Völker blieb da schnell auf der Strecke, so dass hunderttausende von Deutschösterreichern nun plötzlich Tschechen, Italiener oder Slowenen wurden. Der kleine Rest, der überblieb, sah sich selbst kaum lebensfähig, so dass lange Zeit ein Konsens darüber bestand, dass man sich an das Deutsche Reich anschließen müsse, ein Ziel, das vor allem die Sozialdemokraten verfolgten. Aus der Rückschau betrachtet eine kaum realistische Option, da zum einen die Siegermächte die sich daraus ergebende Stärkung Deutschlands nicht hingenommen hätten, zum anderen die junge deutsche Republik selbst ja auch mit immensen Problemen zu kämpfen hatte, so dass die Österreicher vermutlich vom Regen in die Traufe gekommen wären. So setzte sich dann ein eher realpolitischer Ansatz eines Flügels der Christlich Sozialen durch, der die Eigenstaatlichkeit auf Dauer durchsetzte, wenngleich aus der Motivation heraus, nicht unter eine protestantische Mehrheit zu gelangen. Die Geburt dieser Republik war allerdings mit kaum überwindbaren Wehen gekennzeichnet. Es gab Separatismus in den Ländern, deren einziges streben es zu sein schien, weg aus dem angeblich von Juden beherrschten Wien zu kommen, Versorgungsengpässe und nicht zuletzt eine Hyperinflation. All diese Entwicklungen schildert Rauscher auf anschauliche Weise, so dass man sich am Ende fast wundert, dass die Republikgründung Bestand hatte.

Wer sich für die Geschichte des Nachbarlandes und die der Zeit zwischen den Weltkriegen interessiert, sollte dieses Buch nicht im Laden stehen lassen.

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Gespräche aus der Community

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Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

Worum geht's?

Nach dem totalen Zusammenbruch der alten Ordnung, der Niederlage der k.u.k. Monarchie im Ersten Weltkrieg, zerfiel das Habsburgerreich in eine Reihe von neuen Kleinstaaten, der Kaiser musste abdanken. In Wien gründeten die politischen Parteien den „deutschösterreichischen“ Staat und riefen am 12. November 1918 die Republik aus, die sich Deutschland anschließen sollte. Durch den Friedensvertrag von Saint-Germain wurde das neue Staatswesen jedoch zur Unabhängigkeit gezwungen und hatte sich auch einen neuen Namen zu geben: Republik Österreich. Besonders in ihren ersten Jahren kämpfte sie mit scheinbar unüberwindlichen Problemen: Die vom langen Krieg erschöpfte Bevölkerung hungerte und fror, die Nachbarländer erschwerten den wirtschaftlichen Aufbau des Landes durch ihre hartnäckige Abgrenzungspolitik. Überhaupt galt der von Wien aus regierte Staat vielen als lebensunfähig, folglich drängten die westlichen Bundesländer auf die Abspaltung. Durch die horrende Inflation und die massive Verschuldung drohten der Ersten Republik bereits 1922 der Staatsbankrott, die Zerschlagung und Aufteilung auf die Nachbarstaaten.

Walter Rauscher schildert die Existenzkrise der Anfangsjahre der Republik, geht auf politische, wirtschaftliche und soziale Aspekte der Herausbildung des österreichischen Staats ein und zeigt, wie mühevoll und riskant dessen Entwicklung von Anfang an war

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Worum geht's?

Walter Rauscher, der sich mit Biografien über Karl Renner und Reichspräsident Hindenburg sowie mit der Doppelbiografie „Hitler und Mussolini“ als Sachbuchautor einen Namen machte, zeigt in seinem neuen Buch auf, wie der Frieden in Europa in den 20er- und 30er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf dramatische Weise scheiterte. Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, erbitterte Streitigkeiten um territoriale Grenzen bestimmten zwei Jahrzehnte lang das politische Geschehen. Nationale Egoismen und ein wachsender Antisemitismus vergifteten das gesellschaftliche Klima. Staatenbund- und Zollunionsprojekte, die eine Entspannung der politischen und wirtschaftlichen Lage bringen sollten, scheiterten.
Damit wurde der Boden für den Siegeszug der faschistischen Diktaturen bereitet: Mussolini in Italien, autoritäre Regime in Ungarn, Jugoslawien, Polen, Rumänien und dem restlichen Osteuropa, Ständestaat in Österreich und schließlich das Dritte Reich. Als Hitler Österreich annektierte und die Tschechoslowakei zerschlug, sahen die westeuropäischen Mächte tatenlos zu.
Die Folgen sind bekannt: Der Zweite Weltkrieg entbrannte und brachte millionenfachen Tod, Vernichtung, Vertreibung und verheerende Zerstörung.

Erscheinungstermin: 3. Oktober 2016

Walter Rauscher

Historiker und Spezialist für die europäische Ge­schichte des 19. und 20. Jahrhun­derts. Als Forscher, zunächst des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts und danach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, veröffentlichte er zahlreiche, teilweise auch in andere Sprachen übersetzte Bücher und gab gemeinsam mit anderen Historikern über zwei Jahrzehnte lang die Serie Außenpolitische Dokumente der Repu­blik Österreich 1918–1938 heraus.

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