Walter Schramm OHNE RÜCKLICHT: Mit dem Fahrrad vom Atlantik zum Pazifik und weiter... Ein Reisebericht

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Inhaltsangabe zu „OHNE RÜCKLICHT: Mit dem Fahrrad vom Atlantik zum Pazifik und weiter... Ein Reisebericht“ von Walter Schramm

Nach dem Studium in New York packte ich die Satteltaschen und fuhr mit meinem roten Rennrad los. Richtung Westen, Ziel Pazifik. Ich war jung, hatte kaum Geld, dafür um so mehr Energie und Lebensfreude. Ich fuhr alleine los, allein mit der Sonne, dem Wind und den Wolken. Diese Fahrt wurde ein Kampf gegen mich selbst, den Gegenwind, die Hitze, die Hunde, die Schneestürme, die Einsamkeit, die Angst im Wald in der Nacht. Und es gab viele Augenblicke intensiven Glücks, von Freude und Zufriedenheit. In Oregon am Ziel angekommen, fuhr ich weiter, immer gegen Süden, an der Küste Kaliforniens entlang bis weit hinunter nach Mexiko. Ich konnte nicht mehr anhalten. Eine Fahrt, die man nur einmal im Leben macht, und von der man das ganze Leben zehrt… Einiges ist auf dieser Fahrt passiert, zum Beispiel: Der Stier steht am Straßenrand und starrt mich an. Ich stehe bewegungslos. Der Stier an sich ist nicht das Problem, es ist das fehlenden Horn. Das ist kein gutes Zeichen, anscheinend ein aggressives Tier, wo das zweite Horn wohl steckt? Langsam drehe ich mein Rad um, nur keine hastigen Bewegungen. Ich kann es kaum fassen, wegen diesem Stier drehe ich nach Tausenden von Kilometern um! Es war doch lächerlich gegen Osten zurückzufahren, wohin auch? Dies ist die einzige Strasse weit und breit. Der Stier starrt mich immer noch an, ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass das fehlende Horn in einem anderen Radfahrer steckt! Was alles noch schlimmer macht, ist das Rot. Nicht nur mein Fahrrad ist knallrot, sondern auch die Satteltaschen, alles rot, sogar die Streifen auf den Turnschuhen sind rot. Rot ist nicht gut. Nicht bei diesem Stier. Ganz unerwartet kommt Hilfe, zwei Mädchen in einem offenen Auto aus Colorado machen neben mir halt, „do you need any help?“ brauchst du Hilfe? und flankieren mich mit ihrem Wagen am Einhorn vorbei, welches uns lediglich dumm anglotzt. Peinlich! Ich hatte insgeheim gehofft, der Stier würde in seiner ganzen Wut die Autoflanke zerkratzen, würde uns in wilden Sprüngen verfolgen, würde meine Angst in den Augen der Mädchen rechtfertigen, doch nein, nur ein paar Schmeißfliegen vertreibt er mit seinem Schwanz. Die Mädchen kichern. Ich möchte vor Scham versinken. „Wohin fährst du denn?“, fragen sie, „nach Kalifornien“, antworte ich, erfreut, doch noch eine Chance zu bekommen, meinen Mut und meine Männlichkeit zu beweisen. „Da musst du aber noch an vielen Kühen vorbei, „lots of cows out West!“, lacht eine der beiden. Aber dies ist ein Stier und ihm fehlt ein Horn! will ich ihnen nachrufen, doch mir fällt weder das englische Wort für Stier noch das für Horn ein und weg sind die beiden. Scheißvieh!

...ein gutes Buch um Amerika mal anders kennenzulernen ...

— Susi85
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    OHNE RÜCKLICHT: Mit dem Fahrrad vom Atlantik zum Pazifik und weiter... Ein Reisebericht

    Susi85

    08. August 2016 um 22:17

    Das Buch von Walter Schramm ist seine eigene Geschichte im Jahre 1984 , die er 30 Jahre später als Reisebericht zusammenfasst und das gar nicht mal schlecht. Mein Mann hat mich auf das Buch hingewiesen und ich muss sagen , ich hatte es binnen 4 Stunden durch . Zuerst denkt man sich, ein Buch über eine Radtour von Ost nach Westamerika. Was kann da schon großartig passieren?Man rechnet schon mit einem monotonem Schreibstil und langweiligen Charakteren. Aber schon gleich zu Beginn des Buches wird man eines Besseren belehrt. Schon allein das Zitat am Anfang des Buches hat mich sehr angesprochen : "Twenty years from now you will be more dissapointed by the things you didn´t do than by the things you did do. Sail away from the safe harbour. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover". (Mark Twain) Walter startete nach Beendigung seines Studiums seine Radtour quer durch Amerika von Ost nach West. Von New York nach Kalifornien. Dabei erlebt er Allerlei. Manches mal auch eher Befremdliches für den Leser. Leider wusste er nicht, dass er es viel leichter gehabt hätte, wäre er von West nach Ost gefahren, denn da hätte er stets Rückenwind gehabt. Das erfährt er leider erst an einer Raststation von einem anderen Radfahrer, als er schon gestartet ist...So muss er sich knapp 5000km gegen den Wind durchkämpfen. Zu Beginn kämpft er noch mit dem inneren Schweinehund wie man so schön sagt und kämpft mit dem "Ich lass es wieder" Gedanken, aber seiner Ehre wegen und der Wette, die er tags zuvor mit Freunden abgeschlossen hat, überwindet er sich Kilometer für Kilometer. Und irgendwann erreicht er das Gefühl der Freiheit und genießt die Fahrt in vollen Zügen. Er durchquert mehrere Länder, sieht die verschiedenen Vegetationen, lernt Hutterer, Amish, eine Harley Gang, viele Frauen, die amerikanische "Kultur" , Pizza für 1,99 Dollar, der ständige ungewollte Kontakt mit Waffenbesitzer( die ja in Amerika nicht selten sind) oder Hunden , endlose Maisfelder, Einsamkeit , Stille, billige Motels...Am Ziel angekommen mit tausenden geradelten Kilometer in seinen Füßen beschliesst er noch weiterzuradeln bis nach Mexiko, vorallem aber auch da sein Stipendiumvisum ausläuft und er keine Green card für Amerika besitzt. Mein Fazit: Der Autor beschreibt alles sehr authentisch und man kann sich die Landschaft sehr gut vorstellen. Sein Schreibstil ist angenehm und flüssig und geprägt mit immer wiederkehrenden Erklärungen der amerikanischen Gepflogenheiten (Kaffeekonsum, billige Motels, Waffenbesitz, Wahlverhalten, verschiedene verwirrende- nicht länderübergreifende Gesetze, Gefälle zwischen arm und reich ect.) bei welchen der Leser aus Unglaubwürdigkeit nur den Kopf schütteln kann. An manchen Stellen wäre mir eine genauere Situationsbeschreibung oder Personenbeschreibung lieber gewesen, aber es geht ja auch hauptsächlich um das Gefühl der Freiheit, der Einsamkeit, sich seiner Selbst bewusst werden und das Land in seiner Schönheit wahrzunehmen. Amerika wird einem tatsächlich sehr gut näher gebracht mit all den Erläuterungen, an manchen Stellen sogar besser, als es ein Reiseführer könnte .

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