Wassili Grossman Alles fließt

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Inhaltsangabe zu „Alles fließt“ von Wassili Grossman

Nach dreißig Jahren Gefängnis und Lager kehrt Iwan Grigorjewitsch in die Freiheit zurück. Er zieht nach Moskau, dann weiter nach Leningrad, findet Arbeit und eine Frau. Wieder gehen die Jahre dahin - und Iwan versucht zu verstehen, nach welchen Gesetzen das Leben funktioniert. Von der russischen Revolution bis hin zur Tauwetterperiode spannt Wassili Grossman den Bogen um Fragen nach Staat und Individuum, Verbrechen und Strafe, Schuld und Unschuld. Im Mittelpunkt steht dabei sein gütiger Blick auf die Fehlbarkeit des Menschen.

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  • Rezension zu "Alles fließt" von Wassili Grossman

    Alles fließt
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    11. July 2010 um 01:08

    Wie die anderen Bücher von Wassili Grossman ist auch dieses tief beeindruckend. Grossman ist von einer tiefen Menschlichkeit geprägt und bringt daher großes Verständnis für die Schwachheit der Menschen auf. Nach 30 Jahren wird Iwan Grigorjewitsch aus der Lagerhaft entlassen und bekommt eine Zuzugsgenehmigung nach Moskau. Bereits bei der Ankunft des Zuges in Moskau erkennt er, dass das Leben in den letzten 30 Jahren auch ohne ihn weitergegangen ist. Sein Vetter ist nicht gerade begeistert über Iwans Entlassung, bringt seine Anwesenheit doch all die Schuldgefühle hoch und gefährdet die Berufung des Vetters an die Akademie der Wissenschaften. Schuld –das ist eines der großen Themen dieses Buches. Die Schuld jedes Einzelnen an der Unterdrückung und Inhaftierung Andersdenkender. Die Schuld an Denunziationen, am Wegsehen, am Abbrechen des Kontakts zu inhaftierten Familienmitgliedern. Die Schuld an der Diskriminierung der Juden, die in falschen Anklagen, falschen Gutachten und einem Mordprozess gegen Ärzte mündete. Nur der Tod Stalins am 05.03.53 verhinderte den Prozess und führte ein Jahr später zur Rehabilitierung der Angeklagten, deren Geständnisse unter Folter erzwungen wurden. „Stalin starb ungeplant, ohne Anordnung der richtungsweisenden Organe. Stalin starb ohne persönliche Anordnung des Genossen Stalin. Diese Freiheit, dieser Eigensinn seines Todes enthielt Sprengstoff, enthielt etwas, das dem tief verborgenen Wesen des Staates widersprach.“ Grossman beschreibt die unterschiedliche Entwicklung des Westens und Russlands. Während die westlichen Gesellschaften sich hin zu größerer Freiheit entwickelt haben, entwickelte sich Russland in Richtung Sklaventum, besonders, was die Bauern betrifft. Die Bauern wurden durch Hunger hingerichtet. Ab 1937 bestimmte nicht mehr die Revolution die Gesellschaftsstruktur, sondern der Staat. „Nur eines hatte Russland in den tausend Jahren nicht erlebt – Freiheit.“ Tausend Jahre unerbittliche Unterdrückung des Individuums führten zur „untertänigen Unterwerfung“ des Individuums unter den Herrscher und Staat. Der Staat ohne Freiheit betraf sämtliche Bereiche des Lebens. „Überall und in allem war die Freiheit getötet worden“. Unter Stalin kam man nicht ins Lager wegen begangener Taten, sondern aufgrund der Möglichkeit, Taten zu begehen. Jede harmlose Kritik konnte einen ins Lager bringen. „Das Gesetz ist lebenswidrig und das Leben ist gesetzeswidrig.“ Am herzzerreißenden Beispiel von Mascha, die wegen „Nichtanzeige“ verhaftet wurde, Mann und Tochter verlor und nur von ihrer Hoffnung, die Tochter irgendwann wiederzusehen, aufrecht erhalten wurde, beschreibt Grossman das Lagerleben. „Iwan Grigorjewitsch überlegte, dass Mann und Frau in den Lagern von Kolyma nicht gleichberechtigt waren – das Schicksal des Mannes war immer noch leichter.“ Grossman konstatiert, dass die Natur des Menschen gute und schlechte Seiten beinhalte. „Manches wird dem Menschen verziehen, wenn er im Schmutz und Gestank des gewalttätigen Lagerlebens doch noch Mensch bleibt.“ Grossmans Schreibstil ist fragmentarisch, mosaikähnlich und philosophisch, aber sehr gut zu lesen. Dieses dünne Buch bringt einem die russische Politik unter Lenin und Stalin und die Situation und Seele des russischen Volkes wesentlich näher als ein dickes Geschichtsbuch.

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