Wassili Grossman Tiergarten

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Inhaltsangabe zu „Tiergarten“ von Wassili Grossman

Nach der viel beachteten Neuauflage von Wassili Grossmans bedeutendem Stalingrad-Epos Leben und Schicksal sind seine Erzählungen, die hier zum ersten Mal auf Deutsch erscheinen, eine große Entdeckung. Er hat in ihnen alle Tragödien des 20. Jahrhunderts, die er als Zeitgenosse miterlebt hat, literarisch verarbeitet - vom russischen Bürgerkrieg bis zum Abwurf der Atombombe. Im Berliner Zoo kümmert sich kurz vor Kriegsende ein Mann, der seine gesamte Familie verloren hat, aufopfernd um die arglosen Tiere. Wie in der Titelgeschichte hat Wassili Grossman in fast all seinen zwischen 1940 und 1963 entstandenen Erzählungen Tieren eine symbolische Rolle zugeteilt. Ob ein italienisches Maultier, das 1941 in den Krieg ziehen, oder ein Straßenhund, der als Versuchstier für die Raumfahrt herhalten muss, in ihrem unschuldigen Dasein spiegeln sie den Menschen als Opfer sowie seine die Fähigkeit zu Liebe, Verantwortung und Mitleid. Geprägt vom tiefen Glauben an die menschliche Güte, lässt Wassili Grossman auch auf kleinstem Raum ganze Lebenswelten vor unserem inneren Auge entstehen und zeigt die große Kunst seines Erzählens.

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  • Rezension zu "Tiergarten" von Wassili Grossman

    Tiergarten
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    01. July 2009 um 09:43

    "Was vom Menschen übrig bleibt?" Wassili Grossman, der erst vor einigen Jahren mit der Neuübersetzung seines Antikriegsepos "Leben und Schicksal" gebührende Aufmerksamkeit erreichte, wird nun von Claassen mit einem Erzählungsband bedacht. Die für "Tiergarten" ausgewählten Erzählungen stammen aus dem umfangreicheren Erzählungsband "Wsjo tetschot. Posdnaja Prosa" ("Alles fließt. Späte Prosa", 1994 Moskau). Wassili Semionowitsch Grossman (1905-1964) begann seine Karriere als linientreuer und anerkannter Schriftsteller der Sowjetunion. Die Erfahrungen zweier Weltkriege, die Terror- und Gewaltakte Stalins, sowie das Wissen um die Konzentrationslager Hitlerdeutschlands und die Vernichtung der europäischen Juden veränderten sein Weltbild radikal. Die Hoffnung, dass das Menschliche im Menschen nie aussterben würde, merkt man in allen Erzählungen dieses Bandes deutlich. Erzählungen, in denen es um Verrat, um Vertrauen, Liebe, Enttäuschung, Schuld und Vergebung geht. Die diesen Erzählungen eigene narrative Dichte entsteht durch den bewussten Verzicht auf das Epische. Wassili Grossman treibt seine Geschichten in ruhigem Erzählgestus weiter und erreicht durch die fast lakonische Skizzierung seiner Figuren, durch Andeutungen eine besondere Nähe zu seinen Protagonisten. Schon die früheste Erzählung dieses Bandes "Die Junge und die Alte" (geschrieben 1938 und revidiert 1962) ist ein Meisterwerk. Diese Erzählung, die scheinbar noch in "sozialistisch-realistischen" Bahnen beginnt, erzählt die Geschichte einer jungen Aufsteigerin und einer vom Schicksal gebeutelten älteren Dame, die gemeinsam Urlaub machen. Beeindruckend, wie Wassili Grossmann unspektakulär seine Figurenzeichnung vorantreibt. Virtuos, wie Grossman fließende Perspektivwechsel passieren lässt und die Erzählung in den letzen Sätzen kippt. Der Abwurf der Atombombe über Hiroshima ist Ausgangspunkt der Erzählung "Abel (6. August)". Hier zeichnet Grossman vor dem Hintergrund dieses Ereignisses das Zerbrechen eines direkt beteiligten Piloten. Diese zweiteilige Erzählung ist ein Meisterwerk in formeller und literarischer Hinsicht. Im ersten Teil werden die Protagonisten und die Tatsache vorgestellt, dass diese Mannschaft eine neuartige Bombe über einer japanischen Großstadt abwerfen soll, ohne dass die Piloten wirklich wüssten, was sie tun werden. Der zweite Teil beginnt mit dem frühmorgendlichen Einflug über Japan. Mit der Mannschaft fliegt ein geheimnisvoller Passagier. Die Zeichnung dieses begleitenden Passagiers, der als Einziger weiß, was diese Bombe anrichten wird, ist frei von jeder Art des moralisierenden Tonfalls. "Der Passagier schaute, den großen kahlen Kopf gesenkt, aus dem Kabinenfenster - die düstere Vorwärtsbewegung in der feuchten Finsternis versetzte ihn in Erstaunen. Er sah den gewaltigen Ozean des Dunkels zum ersten Mal, und dieses Schauspiel beunruhigte ihn." Die ruhige Schönheit der Sätze Wassili Grossmans beim Anflug und Abwurf der Bombe auf Hiroshima ist brillant. "In dem Moment, als die Maschine die japanischen Inseln anflog, begann die Sonne aufzugehen. Das erste Morgenlicht streifte das zerzauste blonde Haar des Bombardiers und blieb als leuchtende Wolke um sein Haupt herum stehen. Der junge Mann beugte sich über die Zielvorrichtung, beobachtete mit angehaltenem Atem die Zeiger an den Geräten und überprüfte ein letztes Mal die mit den Geräten abgestimmte langsame, fließende Bewegung des Zielfadens, der noch weit von der Markierung entfernt war ... ... Die starken, alles erfassenden Linsen hoben den Ozean und das Land wie auf einem riesigem Handteller empor und führten sie direkt an Josephs Augen heran. Er erblickte Tausende von Einzelheiten dieses Morgens: das Ozeanwasser, das plätscherte und atmete, die löchrige, weißrosa Gischt der Brandung, die sich bis in die endlose Weite kräuselte, das Grün der Reisfelder, durchzogen von den diamantenen Schuppen der Bewässerung, und die Stadt, die schnell nach Westen abdriftete und von der jener betörende Reiz ausging, den fremde Städte im Übermaß haben, vor allem in den frühen Morgenstunden. Das Auge registrierte schnell das fremdartige Aussehen der Häuser und Straßen, die leuchtenden Farbflecke der Dächer, und das Herz spürte, dass auch in dieser fremden Stadt zu dieser frühen Stunde hübsche Mädchen verschlafen lächelten, Mütter aus den Fenstern ihren in die Schule rennenden Kindern hinterhersahen und alte Menschen sich über einen neuen Morgen mit blauem Himmel, voller Wärme und Licht, freuten ..." In der verstörenden essayistischen Erzählung "Die sixtinische Madonna" stellt Wassili Grossman einen Bezug zwischen der ihr Kind dem Schicksal entgegenstreckenden Mutter und dem schweren Schicksal der Menschen her. Er stellt sich die Frage, warum im Gesicht der Mutter keine Angst vor dem Kommenden zu sehen sei. Er zitiert in dieser Erzählung symbolisch aus seinem Essay "Die Höllen von Treblinka" (1945). In der Erzählung "In ewiger Ruhe" begibt sich Wassili Grossman auf den Wagankowskoje-Friedhof in Moskau. Der Friede von den die Gräber besuchenden Angehörigen wird ebenso dargestellt ("Und nun steht keine Wand mehr zwischen den liebenden Ehegatten, keine Eifersucht, Angst, Ungunst gegenüber dem Kind des ersten Mannes ... ") wie die dubiosen Machenschaften der damaligen Genossenschaften und der Kirche. In der abschließenden Erzählung "Wenn alles einstürzt" sitzt die Familie um das Bett der vermeintlich nichts mehr von ihrer Umwelt mitbekommenden sterbenden Schwester, Tante, Großmutter, Schwiegermutter. Nach Xenia Alexandrownas Tod muss die Familie den Nachlass in einer Nacht aufarbeiten und aufteilen. So lässt Wassili Grossman das Leben der Verstorbenen Revue passieren. Am Ende dieser Nacht macht sich die Enkelin Ira auf den Weg zur Hochschule und hört, wie zwei junge Männer in einer Art Wechselspiel das "Torerolied" aus Georges Bizets Oper "Carmen" pfeifen. Und so schließt diese Erzählung mit den Worten "Ira dachte: 'Da schau an, wie leicht das Erbe von Bizet sich aufteilen lässt.'" Offen bleibt die Frage: Was bleibt vom Menschen? "Tiergarten" ist ein Erzählungsband mit fünfzehn grandiosen Erzählungen eines wunderbar menschlichen Erzählers; eines Erzählers, der obwohl enttäuscht von den Geschehnissen seiner Zeit, unbeirrt an das Gute im Menschen geglaubt hat. Wassili Grossmans facettenreiche Prosa, sein mitfühlender und emotionaler Ton ist eine große Entdeckung. (Roland Freisitzer; 06/2009)

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  • Rezension zu "Tiergarten" von Wassili Grossman

    Tiergarten
    Vyanne

    Vyanne

    30. June 2009 um 23:46

    Eine Sammlung von melancholischen Kurzgeschichten, die einen daran erinnern, welche Schmerzen das letzte Jahrhundert mit sich gebracht hat.
    Ich würde sagen, der vorherrschende Stil ist recht trocken und beschreibend, aber sobald es um Tiere geht, die in Grossmans Geschichten oft Symbolfunktion haben, geht einem das Geschriebene sehr ans Herz.