Wendy Lower

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Hitlers Helferinnen, Hitler's Furies und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Wendy Lower

Wendy Lower ist John K. Roth Professor für Geschichte am Claremont McKenna College und Direktorin des dortigen Zentrums für Menschenrechte. Zuvor war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der LMU München und am U.S. Holocaust Memorial Museum. ›Hitlers Helferinnen‹ stand auf der Shortlist für den National Book Award 2013.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Wendy Lower

Cover des Buches Hitlers Helferinnen (ISBN:9783596032396)

Hitlers Helferinnen

 (5)
Erschienen am 25.02.2016
Cover des Buches Hitler's Furies (ISBN:9780099572282)

Hitler's Furies

 (0)
Erschienen am 02.10.2014
Cover des Buches Hitler's Furies (ISBN:9780701187217)

Hitler's Furies

 (0)
Erschienen am 03.10.2013

Neue Rezensionen zu Wendy Lower

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Rezension zu "Hitlers Helferinnen" von Wendy Lower

Frauen im Dritten Reich - willfährige Handlangerinnen des Terrors
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Wendy Lower ist eine amerikanische Historikerin und hat sich eines noch ziemlich unerforschten Themas angenommen: Welche Rolle spielten die Frauen im NS-Reich?  

In sieben Kapitel geht sie der Frage nach, welchen Anteil die Frauen an den Gräueltaten hatten.         

  • Die verlorene Generation deutscher Frauen
  • "Der Osten braucht dich!"
  • Augenzeuginnen
  • Komplizinnen
  • Täterinnen
  • Warum haben sie gemordet?
  • Was geschah mit ihnen?  

     

Exemplarisch greift sie rund ein Dutzend Frauen, darunter eine Lehrerin, Krankenschwestern, Sekretärinnen und Ehefrauen heraus. Es gibt tausende junge Frauen, die dem Ruf des „Führers“ freiwillig folgen. Was treibt sie an? Was erwarten sie? Karriere, Anerkennung oder schnöder Mammon?

Meine Meinung: 

Das Buch heißt auf Englisch „Hitler Furies“ (also „Hitlers Furien“), was ein wesentlich aussagekräftigerer Titel ist, als „Hitlers Helferinnen“. Mit Helferin assoziiert man immer etwas Nettes, Gutes. Doch diese Frauen sind weder nett noch gut. Sie erschießen oder erschlagen Kinder von eigener Hand, lassen Menschen verhungern oder geben tödliche Injektionen. Sie bereichern sich am Schmuck, der Kleidung und wohnen in den Häusern der ermordeten Juden.  

Das Buch ist, zugegeben schwere Kost. Allerdings überzeugt mich die Darstellung nicht zur Gänze. Es gibt keine wirkliche wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas. Ist das Sample einfach zu gering? Stehen zu wenige Unterlagen zur Verfügung? 

Der Umgang mit den Mörderinnen nach dem Krieg wird erzählt: Kaum eine Frau wird wirklich angeklagt, wenn doch, dann eher frei gesprochen als verurteilt. Woran das liegt? Einerseits daran, dass man den Frauen solche Grausamkeiten nicht zutraut und andererseits, weil den Belastungszeugen kaum geglaubt wird. Die Aussagen von überlebenden Juden werden geringer gewertet als die Aussagen der Angeklagten. Hier hat sich die Nachkriegs-Rechtsprechung nicht gerade mit Ruhm bekleckert.   

Einen guten Einblick in das Leben der Frauen während des Krieges erhält der Leser durch eine Reihe von Fotos, z.B. Frauen mit Gewehr in der Hand. Die Autorin zitiert aus Briefen und Dokumenten. Einige davon sind abgebildet. 

Eindeutig widerlegt wird das Vorurteil, dass eine von Frauen regierte Welt, weniger grausam sein könnte, auch wenn das die militanten Vertreterinnen der Emanzipation so gerne haben möchten.  


Fazit: 

Es ist wichtig und richtig, dass sich die Autorin dieses bislang noch nicht erforschten Themas angenommen hat. Allerdings müsste hier noch mehr und gründlicher geforscht werden. Vielleicht gibt dieses Buch ja den nötigen Anstoß.

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Rezension zu "Hitlers Helferinnen" von Wendy Lower

Das Verhalten war nicht unmenschlich, es war allzu menschlich...
Yuyunvor 4 Jahren

Ich finde dieses Buch ist ein sehr wichtiger Beitrag zur weiteren Aufklärung der Taten im NS-Regime. 
Natürlich wird immer wieder über Adolf Hitler publiziert und die bekannten Anhänger wie Goebbels, Himmler und wie diese grausamen Menschen alle hießen. Und das ist auch wichtig. Aber was insbesondere mich fasziniert ist die Mechanik im kleinen. Das ein Mensch Machtfantasien entwickelt und umsetzen will ist nichts neues, aber wie funktioniert es, dass Millionen Menschen ihm folgen? In "Die Welle" wird das schon wunderbar erzählt. 

Dieses Buch handelt nun von der weiblichen Seite der Grausamkeit. Wie oft sieht man Männer in Uniform und hohe Offiziere als die Täter? Doch wie sollten diese den Holocaust und die ganze Maschinerie herum organisieren ohne die Masse an Sekretärinnen? Es waren nicht nur die Ärzte, die Spritzen haben nur allzu oft die Schwestern gesetzt. 

Wendy Lower hat in spannender und leider allzu guter Weise einige Frauen recherchiert. Mich hat dieses Buch beeindruckt zurückgelassen. 
Ohne viel "Schnickschnack" bringt sie Tatsachen auf den Punkt und scheut nicht davor, unangenehme Wahrheiten zu berichten.
Gaskammern, Erschießungen, Massengräber...alles schon allzu bekannt. Aber es wird deutlich realer, wenn Lower von den einzelnen Verbrecherinnen und ihren Verbrechen bzw. ihrem Nicht-Handeln berichtet. Von Kinder anlocken und dann erschießen, sie gegen Wände schleudern oder mit dem Kinderwagen überfahren... solche Taten lassen einen doch geschockt innehalten, denn es sind oft diese klaren Zeugenberichte, die einem verdeutlichen, dass das alles kein böser Traum oder ein böser Geist der Vergangenheit wahr. 
Auch die sog. Schuldfrage kommt so wieder zum tragen. Es waren eben nicht nur die obersten. Fast alle wussten davon und trugen dazu bei. Auch die Frauen. Auch Frauen sind zu Grausamkeiten fähig.

Geschockt hat mich dabei, wie wenig diese bestraft wurden, wie wenig ernst die Zeugen genommen wurden und wie sehr alles noch abgetsritten wurde. Warum? Warum nicht lebenslang für alle? Warum 5 Jahre trotz "Verbrechen gegen die Menschheit"?

Ich kann nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Es ist nicht nur "noch n Buch über die Nazizeit", sondern wirklich voller Tatsachen, die einem so noch einmal grausam ins Gedächtnis gebrannt werden.

Zum Schluss bleibt mir vor allem ein Satz hängen, der zu dem häufigen Vergleich der Nazis mit Tieren:

"Zu Recht hat unser israelischer Historikerkollege Yehuda Bauer aber den Begriff „Bestie“ für die Angeklagten als Beleidung der Tierwelt zurückgewiesen. Der Holocaust sei eben nicht „unmenschlich“, sondern nur „allzu menschlich“ gewesen."

 - Frank Bajohr

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Rezension zu "Hitlers Helferinnen" von Wendy Lower

Mittäter Frau
Sokratesvor 5 Jahren

Das Buch erscheint mir recht gelungen: Wendy Lower, US-amerikanische Historikerin, versucht in ihrem neusten Buch die bislang noch dünn beforschte Frage nach der Mittäter/Alleintäterschaft weiblicher Nationaloszialistinnen aufzudecken. Hierbei konzentriert sie sich auf die osteuropäischen Gebiete, welche sugzessive dem deutschen Territorium angegliedert und anschließend gesäubert wurden. Hierbei waren drei wesentliche (weibliche) Tätergruppen im "Einsatz": Profiteurinnen der Osterweiterung, welche dorthin siedelten; im Wesentlichen jedoch Sekretärinnen (also Administrativpersonal) und Krankenschwestern/Rot-Kreuz-Helferinnen. Letztere beiden Gruppen können großteils identifiziert werden, wohingegen bei der ersten Gruppe nur rein zufällig Namen identifizierbar sind. Das Ergebnis von Lowers' immensem Aktenstudium in deutschen und osteuropäischen Archiven ist die Einsicht, dass auch Frauen sich gleichsam wie Männer zu Tätern gemacht haben. Entweder, indem sie duldeten und gewähren ließen, oder indem sie aktiv selbst Hand anlegten, mitunter äußerst bestialisch, in anderen Fällen im Rahmen ihrer Funktion als Krankenschwester und moralisch inkorporiert im Modus "ich helfe Kranken, damit sie nicht länger leiden müssen". In allen Beispielen zeigt sich nach dem Krieg wenig Reue; selbst bei den wenigen Fällen, die juristisch eine Aburteilung erfahren haben - und das waren wenige. Die wenigen dieser Fälle wiederum, die überhaupt eine Haftstrafe erhielten, blieben bis weit in die 1990er Jahre standhaft der Ansicht, keine Schuld auf sich geladen zu haben. Insgesamt kommt Lower entsprechend der gängigen Lehrmeinung einmal mehr zu dem Ergebnis, dass Kriegsverbrechensteilnahme etwas mit Umfeld, Sozialisation, charakterlichen Eigenarten und ideologischer Indokrination zu tun hatte. Erst der staatlich verankerte Antisemitismus machte es "moralisch" rechtfertigbar, dass Menschen ohne Scham und Schuld erschossen wurde. Hierzu bedurfte es lediglich einiger Anordnungen staatlicher Stellen und Helfershelfern auf allen gesellschaftlichen Ebenen, denen lang genug gesagt worden war, wer Freund und Feind sei.

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