Wendy Lower Hitlers Helferinnen

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Inhaltsangabe zu „Hitlers Helferinnen“ von Wendy Lower

Die amerikanische Historikerin Wendy Lower erzählt in ›Hitlers Helferinnen‹ erstmals ausführlich und schonungslos die Geschichte deutscher Frauen während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Osteuropa. Nicht nur Männer wurden während des Nationalsozialismus zu Tätern – Frauen spielten eine ebenso wichtige Rolle für die Durchführung des Holocaust. Hunderttausende von ihnen folgten der 1939 einmarschierten Wehrmacht, als Ehefrauen, Krankenschwestern oder Freiwillige des Reichsarbeitsdienstes. Sie vertrieben polnische Bauern von ihren Höfen und Juden aus ihren Wohnungen, arbeiteten als Aufseherinnen oder kamen als Siedlerinnen. Vielen von ihnen reichte es nicht aus, die Besatzer nur im Hintergrund zu unterstützen. Sie griffen selbst zu Gewalt, folterten und töteten. Wendy Lower beschreibt, wie Frauen am Holocaust und anderen Kriegsverbrechen beteiligt waren und wie in einem Klima enthemmter Gewalt alle zivilisatorischen Tabus fallen. »Hitlers Helferinnen ist ein Wendepunkt sowohl in der Frauen- als auch in der Holocaustforschung.« Timothy Snyder

Faszinierende und allzu reale Aufarbeitung und Recherche der Rolle von Frauen im NS-Regime, vor allem in den Ostgebieten.

— Yuyun
Yuyun

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  • Das Verhalten war nicht unmenschlich, es war allzu menschlich...

    Hitlers Helferinnen
    Yuyun

    Yuyun

    28. July 2016 um 01:06

    Ich finde dieses Buch ist ein sehr wichtiger Beitrag zur weiteren Aufklärung der Taten im NS-Regime. Natürlich wird immer wieder über Adolf Hitler publiziert und die bekannten Anhänger wie Goebbels, Himmler und wie diese grausamen Menschen alle hießen. Und das ist auch wichtig. Aber was insbesondere mich fasziniert ist die Mechanik im kleinen. Das ein Mensch Machtfantasien entwickelt und umsetzen will ist nichts neues, aber wie funktioniert es, dass Millionen Menschen ihm folgen? In "Die Welle" wird das schon wunderbar erzählt. Dieses Buch handelt nun von der weiblichen Seite der Grausamkeit. Wie oft sieht man Männer in Uniform und hohe Offiziere als die Täter? Doch wie sollten diese den Holocaust und die ganze Maschinerie herum organisieren ohne die Masse an Sekretärinnen? Es waren nicht nur die Ärzte, die Spritzen haben nur allzu oft die Schwestern gesetzt. Wendy Lower hat in spannender und leider allzu guter Weise einige Frauen recherchiert. Mich hat dieses Buch beeindruckt zurückgelassen. Ohne viel "Schnickschnack" bringt sie Tatsachen auf den Punkt und scheut nicht davor, unangenehme Wahrheiten zu berichten.Gaskammern, Erschießungen, Massengräber...alles schon allzu bekannt. Aber es wird deutlich realer, wenn Lower von den einzelnen Verbrecherinnen und ihren Verbrechen bzw. ihrem Nicht-Handeln berichtet. Von Kinder anlocken und dann erschießen, sie gegen Wände schleudern oder mit dem Kinderwagen überfahren... solche Taten lassen einen doch geschockt innehalten, denn es sind oft diese klaren Zeugenberichte, die einem verdeutlichen, dass das alles kein böser Traum oder ein böser Geist der Vergangenheit wahr. Auch die sog. Schuldfrage kommt so wieder zum tragen. Es waren eben nicht nur die obersten. Fast alle wussten davon und trugen dazu bei. Auch die Frauen. Auch Frauen sind zu Grausamkeiten fähig.Geschockt hat mich dabei, wie wenig diese bestraft wurden, wie wenig ernst die Zeugen genommen wurden und wie sehr alles noch abgetsritten wurde. Warum? Warum nicht lebenslang für alle? Warum 5 Jahre trotz "Verbrechen gegen die Menschheit"?Ich kann nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Es ist nicht nur "noch n Buch über die Nazizeit", sondern wirklich voller Tatsachen, die einem so noch einmal grausam ins Gedächtnis gebrannt werden.Zum Schluss bleibt mir vor allem ein Satz hängen, der zu dem häufigen Vergleich der Nazis mit Tieren:"Zu Recht hat unser israelischer Historikerkollege Yehuda Bauer aber den Begriff „Bestie“ für die Angeklagten als Beleidung der Tierwelt zurückgewiesen. Der Holocaust sei eben nicht „unmenschlich“, sondern nur „allzu menschlich“ gewesen." - Frank Bajohr

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  • Mittäter Frau

    Hitlers Helferinnen
    Sokrates

    Sokrates

    12. May 2015 um 12:02

    Das Buch erscheint mir recht gelungen: Wendy Lower, US-amerikanische Historikerin, versucht in ihrem neusten Buch die bislang noch dünn beforschte Frage nach der Mittäter/Alleintäterschaft weiblicher Nationaloszialistinnen aufzudecken. Hierbei konzentriert sie sich auf die osteuropäischen Gebiete, welche sugzessive dem deutschen Territorium angegliedert und anschließend gesäubert wurden. Hierbei waren drei wesentliche (weibliche) Tätergruppen im "Einsatz": Profiteurinnen der Osterweiterung, welche dorthin siedelten; im Wesentlichen jedoch Sekretärinnen (also Administrativpersonal) und Krankenschwestern/Rot-Kreuz-Helferinnen. Letztere beiden Gruppen können großteils identifiziert werden, wohingegen bei der ersten Gruppe nur rein zufällig Namen identifizierbar sind. Das Ergebnis von Lowers' immensem Aktenstudium in deutschen und osteuropäischen Archiven ist die Einsicht, dass auch Frauen sich gleichsam wie Männer zu Tätern gemacht haben. Entweder, indem sie duldeten und gewähren ließen, oder indem sie aktiv selbst Hand anlegten, mitunter äußerst bestialisch, in anderen Fällen im Rahmen ihrer Funktion als Krankenschwester und moralisch inkorporiert im Modus "ich helfe Kranken, damit sie nicht länger leiden müssen". In allen Beispielen zeigt sich nach dem Krieg wenig Reue; selbst bei den wenigen Fällen, die juristisch eine Aburteilung erfahren haben - und das waren wenige. Die wenigen dieser Fälle wiederum, die überhaupt eine Haftstrafe erhielten, blieben bis weit in die 1990er Jahre standhaft der Ansicht, keine Schuld auf sich geladen zu haben. Insgesamt kommt Lower entsprechend der gängigen Lehrmeinung einmal mehr zu dem Ergebnis, dass Kriegsverbrechensteilnahme etwas mit Umfeld, Sozialisation, charakterlichen Eigenarten und ideologischer Indokrination zu tun hatte. Erst der staatlich verankerte Antisemitismus machte es "moralisch" rechtfertigbar, dass Menschen ohne Scham und Schuld erschossen wurde. Hierzu bedurfte es lediglich einiger Anordnungen staatlicher Stellen und Helfershelfern auf allen gesellschaftlichen Ebenen, denen lang genug gesagt worden war, wer Freund und Feind sei.

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  • Der Völkermord war auch Frauensache

    Hitlers Helferinnen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    21. October 2014 um 12:15

    Der Völkermord war auch Frauensache Es ist, und bei näherem Nachdenken ist das eigentlich auch klar, ein falsches Bild der Frauen im Dritten Reich, diese vorwiegend als blonde Ehefrauen und Mütter in ein eher unschuldiges Licht zu tauchen. Nicht nur Magda Goebbels hätte, so sie nicht von ihrem Mann und Hitler selbst deutlich gebremst worden wäre, sicherlich gerne an erster Linie gestanden, um die abstrusen Werte des Nationalsozialismus aktiv voranzubringen. Ihre Kinder in den Tod zu schicken ist da nur die Spitze des Eisbergs einer Überzeugungstäterin, die ebenso kühl zu morden verstanden hat. Und hinter dieser offiziell „ersten Frau um Staate“ scharten sich eben nicht die Mädchen aus dem BDM und gefügige, brave Ehefrauen von Funktionsträgern, sondern Herrscharen von Täterinnen in vielfacher Hinsicht. Sekretärinnen, Buchhalterinnen, Aufseherinnen in den KZ, Frauen, die überzeugt von ihrem ideologischen Handeln waren ebenso wie Frauen, die Chancen auf Karriere witterten. Wie weit aber die Beteiligung von Frauen ging, wie auch Frauen kalt töteten, folterten, das System beförderten, sich ebenso kühl von flehenden Häftlingen abwandten, wie sie an Massengräbern standen, das nimmt dem Leser dieses Buches stellenweise den Atem. Auf der Basis nun auch russischer, erst seit kurzem zugänglicher, Quellen öffnet die Professorin der Geschichte Wendy Lower ein Bild des Grauens, dass in dieser Weise weder bis dato breit aufgearbeitet noch überhaupt breit bekannt geworden ist. Eine „Betriebsblindheit“, die schon zur damaligen Zeit herrschte. Wie Lower zu berichten weiß, fand sie hunderte von Aussagen von Frauen, verhört durch das sowjetische Militär in den dann wieder befreiten Gebieten z.B. der Ukraine. Befragungen, die sich fast ausschließlich um die Verbrechen der Männer drehten (zu denen die vielen Zeuginnen auch bereitwillig aussagten). Frauen, die tätig waren, die in der Ukraine wie in anderen besetzten Gebieten arbeiteten, die Kenntnis hatten vom Holocaust, von den unmenschlichen Härten gegen die russische Bevölkerung während des Feldzuges. Lehrerinnen, die in polnischen Ghettos jüdisches Eigentum stahlen, Frauen, die an Exekutionen beteiligt waren, Frauen, die das Grauen verwalteten und manches Mal das Grauen selber vollzogen. „Privat“, wie Erna Petrie, die auf ihrem Grundstück gemeinsam mit ihrem Mann, Juden erschossen hat, darunter auch halbwüchsige Jungen. Mit auch dem ausgesprochenen Wunsch, sich vor den Männern zu profilieren. „Hitlers Helferinnen waren keine randständigen Soziopathinnen, Sie waren der Überzeugung, ihre Gewalttaten seien…..gerechtfertigt“. und es waren nicht wenige. Und ebenso galt: „Als selbsternannte überlegene Herrscherinnen übten deutsche Frauen im……besetzen Osten beispiellose Macht aus“. Mit der Erlaubnis (und belegten Quellen, dass dies auch genauso an vielen Orten geschah), den „Abschaum“ zu misshandeln und auch zu töten. Mindestens 500.000 Frauen gingen dem Heerzug nach in den Osten. Nicht alle waren Mörderinnen, Foltergehilfinnen oder Lageraufseherin, aber genügend dieser halben Million Frauen waren aktive Täterinnen in der ein oder anderen Form, wie Lower in ihrer sachlichen Sprache eindrucksvoll berichtet. Mit dem Wissen, dass die Quellenlage dürr ist und auch sie nur die Spitze des Eisberges gesichert formulieren kann. Aber wenn alleine 30.000 Frauen ihren Dienst als Hilfskräfte in Polizeistellen, Gestapo-Ämtern und Gefängnissen versahen, dann wird deutlich, dass allein die Spitze des Eisberges schon ziemlich breit sich darstellt. Wobei es Lower gelingt, ihre Darstellung sehr persönlich auszugestalten. Mit Namen und Bild geht sie manchen dieser Frauen nach, u.a. den beiden Rote Kreuz Schwestern Erika Ohr und Annette Schücking (und vielen anderen mehr im Buch). „Von allen weiblichen Berufen sind in der Krankenpflege die meisten Verbrechen dokumentiert, vor allem im Rahmen des Euthanasieprogrammes und der medizinischen Experimente im Lager“. Ein Buch, das lange nachhallt und einen bisher stark im Hintergrund stehenden Aspekt der Verbrechen des dritten Reiches und der wohl nur dünnen Tünche an Zivilisation, die der Mensch besitzt , unentrinnbar vor Augen rückt.

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