Werner Dürrson Lohmann oder Die Kunst, sich das Leben zu nehmen

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Inhaltsangabe zu „Lohmann oder Die Kunst, sich das Leben zu nehmen“ von Werner Dürrson

Thomas Lohmann wächst in der süddeutschen Provinz auf. Wächst auf im Dritten Reich, unter den nicht ungewöhnlichen väterlichen Züchtigungen. Überhaupt will man ihn gewaltsam zum willfährigen Glied des deutschen Volkskörpers machen. Den frühen Zwängen aber entflieht Lohmann in den Tagtraum. Er ist sensibel, kränklich, anfällig, weiß nicht, was aus ihm werden soll. Man sagt, er sei ein Taugenichts. Ihm ist der Krieg willkommen, weil er den Vater an die Front ruft. Lohmann findet zur Musik, weil ihm der Großvater, einen »Goschenhobel« schenkt. Und viel, viel später, studierter Musiker schon, wird Lohmann Weltmeister auf der Mundhamonika. Spielt in Amerika gar dem Präsidenten vor. Und in Südafrika im Zoo, weil’s der Direktor so will, auch den wilden Tieren. Aber die Musik allein genügt Lohmann nicht lange. Es zieht ihn zum Klang der Wörter, zur Poesie, und er trifft Hermann Hesse, den er für sich Sinclair nennt, der ihn zum Dichten, zum Schreiben ermuntert, der ihn fördert, ihm Freund wird. Lohmann also nimmt sich Stück für Stück sein Leben – und nimmt sich auch die Liebe. Vor allem aber will Lohmann Künstler und Dichter werden, will sich selbst und seinem Vater beweisen und zeigen, wer er sei: kein Nichtsnutz, kein Träumer. Mehr als nur einmal steht Lohmann am Abgrund. Immer wieder aber reißt ihn das Leben zurück. Lohmann überlebt, weil er festen Boden, weil er die Sprache hat. Weil er der Poesie vertraut. Weil er Dichter ist.

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  • Rezension zu "Lohmann oder Die Kunst, sich das Leben zu nehmen" von Werner Dürrson

    Lohmann oder Die Kunst, sich das Leben zu nehmen

    SV

    23. November 2007 um 22:48

    Fülle. Werner Dürrson nennt sein Buch "Eine romaneske Biographie" - also nicht ganz Roman, nicht ganz Biographie. Man kann nicht den Finger drauflegen und sagen: so wars! Es könnte gewesen sein, oder auch ein wenig anders ... Er erzählt vom Aufwachsen im Krieg, vom abwesenden Vater, vom prügelnden Vater, vom Versuch des Vaters ihn zurechtzuprügeln, ins väterliche Weltbild hineinzuprügeln. Er erzählt vom langsamen Wachwerden und Verstehen, dass Entkommen möglich ist - eine andere Welt. Zuerst ein anderer Ort und dann auch ein anderes Denken. Emil Sinclair entdeckt er, wechselt Briefe, da tun sich Welten auf, aus der geistfeindlichen väterlichen Obhut entkommen hat er hart zu kämpfen. Es kommt zu ganz sonderbaren Situationen, er hat von seinem Großvater einen "Goschenhobel" geschenkt bekommen und er wird Mundharmonikaweltmeister. Tourneen schließen sich an, er spielt vor dem amerikanischen Präsidenten und Tieren im Zoo. Aber da ist der Virus schon zu stark: Worte, schreiben, Dichter werden! Er beendet seine Karriere und beginnt ganz sich auf das Schreiben einzulassen, gefördert durch die Freundschaft mit Sinclair wie er Hermann Hesse nennt. Er lebt in Frankreich, unterrichtet, er setzt alle seine Beziehungen aufs Spiel, verliert alles, Frauen, Lieben, alles dem Ziel unterordnend: Dichter sein. Was ich dem Buch vorwerfen muss ist, dass manche Szenen zu kurz kommen, aus der Fülle dessen was da zu erzählen ist, wird manches für mich zu kurz gehalten. Etwas plötzlich kommt die Tatsache der Mundharmonika-Weltmeisterschaft - das hätt ich gern genauer gelesen, die Reisen, auf denen dichterische Material gesammelt wird, eher berichtend, aufzählend, wird manches abgehandelt. Der Kampf mit dem Vater, um Anerkennung, ums Überleben, nimmt viel Platz ein, fast kommt die Mutter zu kurz, es gibt noch einige Stationen, über die ich gern mehr gelesen hätte. Es ist eben eine Fülle, aus der der Dichter schöpft, die Auswahl erzwingt, die Notwendigkeit, die der Autor sieht, ist eine andere als meine. Unglaublich viel Mut und Zähigkeit und Wollen waren nötig und er ist es wirklich geworden: Dichter.

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