Werner Hofmann Die Schönheit ist eine Linie

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Inhaltsangabe zu „Die Schönheit ist eine Linie“ von Werner Hofmann

Die Schlange hat keinen guten Ruf. Ihre Klugheit ist mit List gepaart, ihre Gewandtheit mit Heimtücke. So wurde sie in der Kulturgeschichte mal zur Bedrohung, mal zur Beschützerin. In der Kunst tauchte die Schlangenlinie bereits in den Höhlenmalereien der Steinzeit auf und blieb seitdem ein Motiv voller Ambivalenzen, das sich nie zur Ruhe bringen ließ. In seinem letzten Buch verfolgt der große Hamburger Kunsthistoriker Werner Hofmann die Schönheitslinie der Schlange durch die Epochen und legt ihre elementaren, rätselhaften Energien frei.
Hofmann zeigt, wie die Schlangenlinie anfänglich der magischen Beschwörung diente und danach von der griechischen Antike bis in die Frühe Neuzeit die Künstler immer wieder anzog. In der Moderne der letzten 250 Jahre aber stieg sie zu einer visuellen Schlüsselfigur auf, zu einer Metapher der Befreiung: Als der alte statische Schönheitsbegriff abdankte, war die große Zeit der Schlangenlinie mit ihrer verwirrenden Dynamik gekommen. Werner Hofmann führt dies an einer eindrucksvollen Fülle von Beispielen vor Augen, die von der abstrakten Kunst über das Kunsthandwerk bis in die populäre Kultur reichen ? von Kandinsky und Klee über den Thonet-Stuhl bis zum heute allgegenwärtigen Yin-Yang-Symbol.

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  • Über die zentrale Schönheit der "Schlangenlinie" in der Kunstgeschichte

    Die Schönheit ist eine Linie

    michael_lehmann-pape

    04. November 2014 um 12:32

    Über die zentrale Schönheit der "Schlangenlinie" in der Kunstgeschichte Die Formeigenschaft der Schlange ist jene der "fortwährenden Bewegung" ,mit "unvorhersehbaren Abläufen". Vielleicht liegt darin ja jene "Schönheit der Linie", die schon Schiller ansprach und die über die Jahrhunderte in der Kunst zentrale Verwendung gefunden hat. Die Bewegungen der Schlange als Metapher für eine Vielzahl von Verwandlungsmöglichkeiten, immer begleitet von Ambivalenzen. 13 solcher Metaphern hat Werner Hofmann für seine Betrachtungen ausgewählt. Wie ein "Gerüst gegen ein Gemenge" kann man die Ausdrucksformen dieser Linie betrachten. wobei das Gerüst auf die konstruktive Vollendung zielt (als zielgerichtete Bewegung in Schlangenlinien) und das Gemenge auf proteische Verwandlungen und Widerrufe zielt (die Ambivalenzen, das nicht Vorausschaubare der Bewegungen). Diese "verwirrende Dynamik" stellt Hofmann in diesem, seinem letzten Werk quer durch die Kunstgeschichte nun vor. Von den "linearen Schwingungen" bei Dürer (eine Linie, "daraus man wunderbarlich Ding machen kann" über den "Stellenwert der Schlange an sich" in Mythos, Mythologie, Religion und Politik, für "alle Kulthandlungen, die der Welt eine gute und eine böse Seite zuweisen", in ihrer "Vieldeutigkeit" hin zur "subtilen Formökonomie der keltisch-germanischen Ornamentsprache". Wie dann beim "Kopf der Medusa" oder der Laokoon-Gruppe, den "Sündenfall" und das Zusammenwirken von Mensch und Schlange als einerseits getrennte Wesen (Lokoon) und anderseits "Zwitterwesen" (Medusa). Wobei späterhin gerade in der abstrakten Kunst (Kandinsky, Duchamps) die "Schlangenlinie" eine zentrale Rolle einnehmen wird (".....wenn die Linie die Qualität eines autonomen Dings annimmt" (Duchamps)), bis hin zu den linearen Raumkonstruktionen eines Naum Gabo oder den begehbaren Linienkunstwerken von Heike Mutter und Ulrich Genth (die Vorstellung eines modernen Laokoon in Form einer Achterbahn). Dabei gilt (und dies lässt Hofmann in den einzelnen Variationen zum Thema im Hintergrund mitlaufen): "Jede Spirale verläuft in zwei Richtungen: von einer Mitte weg und auf diese zu". Im Mittelpunkt seiner Darstellungen findet der Leser dabei jene Versuche und Ansinnen der verschiedenen Künstler und Kunstformen, jene "Entgrenzung" zwischen Kunst und Leben zum Ausdruck zu bringen, in welcher auch und gerade durch die Schlangenlinie der Versuch unternommen wird, "sich anschmiegend der gesamten Wirklichkeit zu bemächtigen". Wofür am Ende des Buches einiges der Kunst Hundertwassers von Hofmann kurz beleuchtet wird. Insgesamt bietet Hofmann in Stil und Thema keine einfache Kost. Im Gebiet unerfahrene Leser werden sich daher schon bei den einleitenden Worten leicht überfordert fühlen, Hofmann setzt einiges an Wissen und bereits vertieften Interesse voraus. Trotz der vielfachen Illustrationen besitzt das Buch einen hohen Abstraktionsgrad und wird vor allem Kunsthistoriker und an der Formensprache der Kunstgeschichte interessierte Leser anziehen. Diese aber finden im Buch sorgfältige und in die Tiefe reichende Betrachtungen der Entfaltung der Schlange als Wesen und der Schlangenbewegung als Linienform, die von der klaren "künstlichen" Ornamentsprache hin zum Versuch der "Entgrenzung" zwischen Kunst und Leben führt. Getragen von der Hoffnung Camus (die Hofmann teilt), "wonach es darum geht, die Schönheit zu leben und nicht (nur) zu imaginieren.

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