Werner Köhler Drei Tage im Paradies

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Inhaltsangabe zu „Drei Tage im Paradies“ von Werner Köhler

Eine Verwirrung, eine Entscheidung, schließlich das Paradies Santiago de Chile. Ein Gewitter entlädt sich über der Millionenstadt. Trinidad Faber, Fotograf, hockt auf der Kante seines Hotelbetts, einen Brief von dem Mann in Händen, den er seit 40 Jahren für tot hält. Einen Brief seines Vaters, der ihn wiedersehen will.Verwirrt und zutiefst verunsichert flieht Faber vor den aufbrechenden Erinnerungen in den Süden des Landes. Patagonien mit seinen weiten Steppen, der Magellanstraße und dem einzigartigen Torres del Paine Nationalpark. In der Landschaft spiegelt sich sein bisheriges Leben ebenso wie in den wenigen Menschen, denen er dort begegnet. Er weiß, dass er eine Entscheidung treffen muss.Endlich bereit sich seiner Vergangenheit zu stellen, reist Faber nach Griechenland und begibt sich auf die Suche nach dem Vater. Was er dort findet, ist die lange verdrängte Geschichte seiner Kindheit. Aber hat er damit auch die Wahrheit gefunden?  

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  • Rezension zu "Drei Tage im Paradies" von Werner Köhler

    Drei Tage im Paradies
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. July 2011 um 15:29

    Er heißt Faber, Trinidad Faber, doch sein Autor lässt ihn jede Ähnlichkeit mit Max Frischs berühmter Romanfigur sofort dementieren. Sein Name stamme daher, dass er als Kind immer einen weichen Faber-Castell Stift hinter dem Ohr trug, eine Gewohnheit, die er fast unverändert bis in seine vierziger Jahre beibehält. Er hat immer einen Faberstift bei sich. An die fünfzig ist Trinidad Faber, als er in Santigao de Chile, wo er hingereist ist, um seine sterbende Schwester zum letzen Mal zu sehen, einen Brief seines Vaters erhält. Ein Mann, einen Griechen, den Faber seit vierzig Jahren für tot hält, so hat es ihm seine Mutter jedenfalls immer erzählt. Doch seine Schwester hat ihm auf ihrem Sterbebett die Augen geöffnet. Sie berichtet von jahrelangem sexuellem Missbrauch durch den Vater, und ist sich absolut sicher, dass auch Trinidad sein Opfer war. Der träumt immer wieder vom „Mondmann“, der nachts an sein Bett tritt. Ob es der vermutete Missbrauch durch den Vater war, oder die Tatsache, dass der Vater über Nacht verschwand, als sich die Schwester der Mutter offenbarte – Trinidads kindliche und auch jugendliche Seele ist schwer gestört. In einer geschenkten Kamera findet er Trost und sie bleibt ihm bis in die Jetztzeit des Romans ein unverzichtbares Gerät, mit dem er zwischen einer als unerträglich empfundenen Realität und sich selbst eine lebensrettende Barriere schiebt. Trinidad Faber wird als Fotograf immer erfolgreicher und er selbst übernimmt immer mehr riskante Aufträge an die Kriegsfronten dieser Welt. Er erlebt Schreckliches, fotografiert es und verdient mit diesen Bildern Unmengen an Geld. Mit fortschreitender Handlung gelingt es Werner Köhler meisterhaft, im Leser langsam aber stetig einen Zusammenhang herzustellen zwischen der Vergangenheit Fabers und seinen Kriegsfotografien, die er fast manisch macht. Doch ein auch für ihn traumatisches Erlebnis zwingt ihn zur Aufgabe dieses Jobs und er verdingt sich als Werbefotograf. Auch in diesem Metier bleibt er gefragt und man zahlt ihm jede gewünschte Summe. Die Kamera bleibt sein Schutzschild, die ihm eine Wirklichkeit zurückhält, für die er nicht kräftig genug ist. Eine Psychotherapeutin, bei der Faber in New York über viele Monate in Behandlung ist, kann ihm etwas weiterhelfen. Seiner Assistentin Sandra erzählt er davon nichts: Sie vermutet eine Affäre, was ihr insofern nicht egal ist, da sie, die von Deutschland aus Fabers Aufträge, Reisen und seine Buchhaltung managt, diesen Faber liebt und auf eine dauerhafte Beziehung mit ihm hofft, nachdem er einmal mit wenig innerer Beteiligung mit ihr geschlafen hat. Sandra weiß von dem Brief des Vaters und sie wird voller Liebe am Ende des Buches da sein, wenn Faber nach dem schwersten Kampf seines Lebens endlich bereit ist für das Leben und eine echte Liebe. Zuvor aber sucht er auf einer abenteuerlichen Reise nach Feuerland Abschied zu nehmen von seiner Schwester. Dort in der Einöde reift auch die Entscheidung nach Griechenland zu fliegen, um dort auf einer kleinen, der Insel Hydra vorgelagerten Felseninsel seinen Vater zu treffen. Bis nach Ostern sei er dort anzutreffen, hatte der in dem Brief geschrieben. Die New Yorker Therapeutin, mit der Faber immer wieder in telefonischem Therapiekontakt steht, rät ihm dringend zu dieser Reise. Wenn er bereit sei, alle Gefühle dort dem Vater gegenüber zuzulassen, werde es ein Leben retten. Drei Tage bleibt Faber im Paradies, wie der Vater auf einem Schild seine selbst errichteten Gebäude auf der kleine Insel nennt. Drei Tage, die für ihn zur Hölle werden. Natürlich läuft alles auf diesen dramatischen Schlussteil, zu, doch auch die ersten 150 Seiten des Buches sind große Literatur. Die Geschichte eines Mannes, dessen selbst erlittenes Leid ihn von dem Leid anderer nicht loskommen lässt, allerdings immer unter dem Schutz seiner Kamera: „Wenn ihn etwas ängstigte, nahm er die Kamera hoch und betätigte den Auslöser, brachte einfach das Stück Metall zwischen sich und die anderen.“ Und die Geschichte einer missbräuchlichen Vater- Sohn –Beziehung, die der Sohn so bewältigen kann, dass zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Heilung, Ruhe und auch Liebe einkehrt. Würde ich gefragt, welche 20 Bücher aus 2011 ich auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis setzen würde, dieses Buch wäre mit Sicherheit dabei.

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