Werner Liersch Goethes Doppelgänger

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Inhaltsangabe zu „Goethes Doppelgänger“ von Werner Liersch

Riemer wußte, was niemand anders wußte. Keiner lebte solange so eng mit Goethe zusammen wie er. Riemer war so etwas wie ein Lexikon der Goethe-Werke. Knapp dreißig Jahre verbrachte er als Sekretär, Redakteur, Korrektor und philologischer Freund an Goethes Seite. Ein seltener Zeuge des Lebens in allen Einzelheiten unseres über allen thronenden Dichters. Und was sich als besonders schicksalhaft erwies: Riemer war um einiges jünger als sein hoch angesehener Brotgeber. Niemand sonst hätte die Herausgeberarbeit nach Goethes Tod besser bewerkstelligen können als er.<P> Angefangen hatte alles damit, daß Goethe den neunundzwanzigjährigen Friedrich Wilhelm Riemer, der bislang im Hause Humboldt tätig war, als Hauslehrer für seinen Sohn August engagierte. Schon bald zog er in das obere Mansardenstübchen des Herrn Geheimrat und machte sich schnell als Mitarbeiter, Reisebegleiter, Kanzlist und Schutzpatron unentbehrlich -- auf Lebenszeit. Einen besseren Mann -- auch wenn er trocken und griesgrämig war -- hätte Goethe nicht finden können. Riemer konnte sogar seine Handschrift imitieren und nahm seine anstößigen Gedichte in Gewahrsam, damit sie seinem späteren Ruhm nicht schaden konnten.<P> Trotzdem fiel nie viel vom großen, ewigen Glanz auf Riemer -- damals wie heute. Er galt als äußerst steifer, ernster und launischer Charakter. Er war ein geborener Systematiker auf allen Ebenen, was für seine Rolle im Dasein Goethes wohl segensreich zu nennen ist, ihn aber ansonsten nur behinderte. Seine Tragik bestand darin, der zweite Schatten eines Genies zu sein. Riemer hatte keine Chance, aus diesem Schattendasein selbst ans Licht zu treten. Er bekam sie zu Lebzeiten nicht und auch heute bleibt ihm nur -- obwohl er nach Goethes Tod selbst Geheimrat und Dichter in Weimar wurde -- mit seiner Geschichte als stiller Begleiter und intimer Beobachter ein kleines Licht auf die mächtige Gestalt Goethes zu werfen. <I>--Daphne von Unruh</I>
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